sein Ehrgeiz und sein Stolz sei, seiner Ueberzeugung gemäß wenigstens das Rechte und Beste zu suchen. Dies Vertrauen sich errungen zu haben, sei die größte Befriedigung und er werde bestrebt sein, es sich bis an sein Lebensende zu erhalten." Er trank auf das Wohl der Stadtverordneten- Versammlung, ihrer Bureaus und ihres Vorsitzenden. Die Rede wurde fast ununterbrochen mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Dieselbe ist mit Rücksicht auf die immer wiederkehrenden Gerüchte, Dr. Miquel sei zum Finanzminister ausersehen, nicht ohne Interesse.
* Barmen, 30. Mai. Um Herabsetzung des G e- h'altes werden die hiesigen Lehrer petitioniren. Durch die vor Kurzem erfolgte Aufbesserung beträgt das Höchstgehalt 2415 Mk. Wegen dieser 15 Mk. mehr als 2400 Mk. müssen nun die betreffenden Lehrer ein Mehr von 12 Mk. Klassensteuer und etwa 3 Mk. Kirchensteuer bezahlen. Außerdem verlieren sie, als der 11. Steuerstuse angehörig, nach den örtlichen Bestimmungen das Anrecht auf halbe Freistellen ihrer Kinder an den höheren Unterrichtsanstalten, sodaß den Lehrern durch jene 15 Mk. eine Mehrausgabe von etwa 60 bis 100 Mk. erwächst. Köln. Z.
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Dir Raben als Vertilger der Maikäfer.
In den „Landw. Nachrichten für Rheinhessen" finden wir nachstehenden bemerkenswerthen Aussatz:
Wir lesen in verschiedenen Zeitungen, daß die Obstbäume in der Provinz Rheinhessen auf eine schreckenerregendc Weise von den Maikäfern heimgesucht werden und daß die Herren Bürgermeister angewiesen sind, Gelder aus der Gemeindekasse zu deren Vertilgung zu bewilligen. Allein nach unseren Erfahrungen wird diese Anordnung nur wenig im Stande sein, die Obstbäume in kommenden Jahren vor diesem gefährlichen Feinde zu schützen, denn bis die Schuljungen oder andere Leute zur Vertilgung der Maikäfer in die Fluren geschickt werden, haben dieselben längst ihre Eier an sicheren und verborgenen Orten untergebracht und wir möchten daher hiermit aus andere höchst fleißige und gründliche Vertilger der überaus schädlichen Maikäfer aufmerksam machen.
Wer sich einmal die Mühe nehmen will, im Herbst und Frühlinge selbst längere und genauere Beobachtungen über-
gewisse Vögel anzustellen oder in den bekannten und berühmten naturgeschichtlichen Werken von Dr. H. O. Lenz und Dr. Brehm das Capitel über die Raben nachzulesen, der wird finden, daß diese, jetzt leider so sehr verhaßten, schwarzen Gesellen viel besser verstehen, die überaus schädlichen Maikäfer aus der Welt zu schaffen als die Schuljungen. Die Rabenkrähen, die Saatkrähen und die Dohlen sind die besten Vertilger der Maikäfer, denn sie beginnen ihre überaus nützliche Jagd mit den Larven derselben, von denen sie auf frischgepflügten Aeckern und hinter dem Pfluge des Landmannes her Millionen und abermals Millionen verschlingen, und wenn die ersten Maikäfer auf den Obstbäumen erscheinen, so folgen sogleich die genannten Raben denselben auf der Ferse nach und verzehren eine unzählbare Menge derselben, noch ehe sie Eier gelegt haben. Ein Freund von uns hat in dem Magen einer erlegten Saatkrähe 12 Maikäfer gezählt. Da benannte Vögel nun noch nebenbei die trefflichsten Mäuse-, Schnecken-, Brachkäferjäger sind, indem sie einer unzähligen Menge von diesen äußerst schädlichen Geschöpfen den Tod bringen, so sollte man es kaum für möglich halten, daß diese von genauen und gewissenhaften Beobachtern ausgesprochene Wahrheit bei sehr- vielen Leuten, namentlich bei den größeren Gutsbesitzern noch gar nicht anerkannt ist, und es läßt sich doch wohl nach solch sicheren Beobachtungen darüber streiten, ob diese schwarze Schaar wirklich verdient, mit so wahrer Wuth verfolgt zu werden. In England ist dieser Streit längst zu Gunsten der Raben entschieden, denn nachdem dort die Gutsbesitzer die schlimme Erfahrung gemacht haben, daß in Gegenden, in denen fast alle Saatkrähen vernichtet waren, jahrelang Mißernten kamen, da ist man durch Schaden klug geworden, steht von Verfolgungen ab und läßt diesen Vögeln die größte Schonung zu Theil werden. „Es ist zwar nicht zu leugnen", sagt Brehm, „daß benannte Vögel manchmal ein krankes Häschen erwürgen, ein junges mattes Rebhuhn übertölpeln, dem Landmanne Getreidekörner rauben und den Gärtner durch Wegstehlen reifer Früchte ärgern, aber dieselben zahlen den Schaden, den sie anrichten, tausendfältig und es wird hoffentlich recht bald anerkannt werden, daß sie die größten und wirksamsten Verfolger der Maikäfer, Mäuse und Schnecken sind, welche unser Vaterland aufzuweisen hat."
Gießen. H. C.
«i ngcfanöt
Gieße«, 4. Juni.
Die am Sonntag in der Bicrhallc der Röhrle'schen Brauerei abgehaltenen zwei Lorreerte der Marburger Jäger-Capelle falten trotz des ungewöhnlich kühlen und zum Aufenthalt im Freien wenig einladenden Wetters sich eines recht schönen Besuches zu erfreuen. Das geschickt zusammengestellte Programm erfuhr eine durchaus gute Ausführung und zeigte das Publikum durch seinen häufigen lebhaften Beifall, wie gern es den Klängen der Marburger Jäger-Eapelle lauscht.
Lebensversicherung»- und Srsparnißbank in Stuttgart.
Gemäß Beschluß der am 28. Mat stattgehabten Generalversammlung wurde die Bankleitung ermächtigt, auch im Falle der Selbftentleibung volle Zahlung zu leisten, wenn die Police zur Zeit der That 5 Jahre in Kraft war oder wenn die That innerhalb dieser Frist nachweisbar in Folge Geistesstörung oder schwerer Krankheit begangen wurde.
Durch diese zeitgemäße Bestimmung und durch die Uebernahme der Kriegsgefahr (für Wehrpflichtige unentgeltlich) bilden die Policen dieser Bank ein vollwerthiges Document.
Verkehr, Land- und Lolkswirlbscbaft.
— Fettsucht der Hühner. Wenngleich im großen Ganzen das Geflügel nicht übermäßig mit Körnerfutter ernährt wird, so kommen doch Fälle genug vor, daß infolge zu großer Gaben von Korn oder anderem Kraftfutter die Eierproductton leidet. Ganz besonders kann man dieses bei großen schweren Rassen beobachten, welche stark zum Fettwerden neigen. Die Eierstöcke verfetten unter solchen Verhältnissen und gehen in der Leistungsfähigkeit zurück, weshalb auch vor einer allzu kräftigen Fütterung zu warnen ist. Entgegengewirkt wird einem Fettwerden durch fleißiges Verabreichen von Grünfutter.
Temperatur in Gießen.
Mai 1890.
Niederste 4- 4,0 °B.
Mittlere 4- 12,97 „
Mittel früherer Jahre 4- 10,09 „
Höchste 4- 23,0 „
Niederschlag an 14 Tagen .... 1,85 Par. Zoll.
„ im Mittel früherer Jahre an 14 Tagen 2,01 „ „
Temperatur der Lahn und der Lust am 4. Juni, Vormittags zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 14, Lust 13 Gr.
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