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residiren, da in der dortigen Gegend die großen Manöver­übungen der beiden Armeecorps gegeneinander beabsichtigt sind. Wie dasLiegnitzer Tageblatt" erfährt, hat bereits ein Hofmarschall die Räume des Liegnitzer königlichen Schlosses im Hinblick aus die Ausnahme des Kaisers und seines Ge­folges besichtigt.

Berlin, 3. Februar. Der Kaiser ließ sich am ver­flossenen Montag die Cadetten aus Großlichterselde, die im Frühjahr in die Armee eintreten sollen, vorstellen und hielt, derNat.-Ztg." zufolge, eine Ansprache, in der er daraus hinwies, daß wir in einer ernsten Zeit leben, in welcher an jeden Einzelnen die höchsten Ansprüche gemacht werden müssen. Einfachheit und Mäßigkeit müsse den Osfizicr auszeichnen- wenn sie hie und da Beispielen von Auswand und Luxus be­gegnen würden, möchten sie sich vor denselben hüten,' er warne davor. Aus vielen Gegenden des Reiches seien Beschwerden über Ausschreitungen gegen Untergebene an ihn gelangt. Der Offizier solle nicht sorsch und schneidig gegen seine Mannschaft sein, sondern Langmuth und Geduld üben und von keinem der Leute mehr verlangen, als er leisten könne. In einer Zeit, wo die Monarchie so vielfach angegriffen werde, sei es die Ausgabe des Offiziers, nicht nur im Dienst, sondern durch seine ganze Lebensführung dieselbe zu stützen. Die Ansprache des Kaisers machte sichtlich den tiefsten Ein­druck aus die jungen Männer. F- 3-

Neueste Nachrichten.

WoM telegraphisches Correspondenz-Bureau.

Berlin, 3. Februar. DieNordd. Allg. Ztg." ver- I össentlicht das Schreiben eines Deutschen aus China, welcher 1000 Mk. für die Wahlen zu Gunsten des Cartells übersendet. <

DerReichsgnzeiger" stellt zur Beruhigung des Publikums fest, daß die unter den Rindviehbeständen zweier Gehöfte zu Fischlaken (Kreis Essen) vorgekommenen Erkrankungen und Todesfälle durch Fütterung mit ! verdorbener Schlempe verursacht seien- jeder Verdacht sei zweifellos ausgeschlossen, daß die Rinderpest vorliegc.

Berlin, 3. Februar. DieNordd. Allg. Ztg." erklärt die in der Broschüre Stoffels enthaltene Wiedergabe einer- angeblichen Unterhaltung zwischen Fürst Bismarck und Stoffel im Jahre 1868 m allen Theilen unrichtig, ebenso sei die Haftung des Kronprinzen dabei vollends ins Gegentheil ver­kehrt, da dieser allein das Verlangen Bismarcks nach Frieden gegenüber der Ansicht des Königs, den Krieg sortzusetzen, wirksam unterstützte. Uebrigens übersehe Stoffel den Unter­schied des Verhältnisses Deutschlands zu Oesterreich und zu Frankreich; Schonung hätte bei Frankreich nichts genutzt, da Deutschland Jahrhunderte lang ruchlosen Angriffen der gallischen Nachbarn ausgesetzt gewesen, was auch voraussichtlich in den kommenden Jahrhunderten der Fall sein werde- das einzige Mittel dagegen bleibe die militärische Sicherstellung- es handle sich'übrigens weniger um Deckung Berlins als viel­mehr Süddeutschlands.

DieNordd. Allg. Ztg." erklärt die anläßlich des Wechsels in der-Leitung des Handelsministeriums von den Blättern geäußerten Vermuthungen für grundlos. Die Motive seien einfache und natürliche: Lediglich dem Bedürsniß des Fürsten Bismarck, seinen Wirkungskreis einzuschränken, I sei der Gedanke, die Entbindung von dem Posten als Minister für Handel und Gewerbe nachzusuchen, entsprungen- namentlich nachdem die Aufgaben dieses Postens durch die Strike- bewegungen und die an diese sich anknüpfenden Fragen einen Umfang erreicht hätten, daß Fürst Bismarck nicht mehr ge­glaubt habe, dieser Behörde im Nebenamte vorstehen zu können. Daher habe er sofort nach seiner Rückkehr nach Berlin dem Kaiser die Bitte vorgetragen, ihn von dem Posten zu entbinden und in Uebereinstimmung mit dem Staats­ministerium den Oberpräsidenten v. Berlepsch für den Posten empfohlen.

Berlin, 3. Februar. Abgeordnetenhaus. Bei der Berathung des Etats der directen Steuern erklärte der Finanzminister Scholz nach einer vorangegangenen Debatte, Namens des Staatsministeriums, daß er sich nicht weiter an der Debatte betheiligen könne, namentlich nicht um die bereits Aster gegebene Auskunft in Betreff der vorzubereitenden Steuerreform zu detallliren. Der Abgeordnete Ehnern greift das gegenwärtige Emschätzungs- und Steuer-System an, | dessen wundester Punkt die Verquickung der Staats- und Eommunalsteuer sei, begehrt die Trennung derselben als erstes Erforderniß, und spricht sich schließlich für die Quotisirung aus. Der General-Steuerdirector Burghart erklärt, es sei unmöglich, für die Negierung ein gar nicht vorliegendes Steuergesetz zu discutiren- die von dem Abg. Rickert ge­wünschte Veröffentlichung der Einschätzungslisten halte die Regierung, weil sie gesetzwidrig, für unzulässig. Die Ein­nahmen aus den Steuern wurden darauf genehmigt und die Sitzung vertagt. Die nächste Sitzung findet Dienstag, Vor­mittags 11 Uhr, statt. Tagesordnung: Etatberathung.

Braunschweig, 3. Februar. Der Chef der bekannten Verlagsbuchhandlung Friedrich Vieweg L Sohn, F. View eg, ist heute Morgen gestorben.

Wien, 3. Februar. Der ungarische Landesvertheidig- ungsminister Fejervary wurde Vormittags vom Kaiser in Privataudienz empfangen.

Nach dem amtlichen Sten er au sw eis für 1889 ist der Gesammtreinertrag 220,866,348 fl. Gegenüber 1888 ergaben die directen Steuern l9/10 / die indirekten 123/10, das Tabaksmonopol 42/10 Millionen mehr. Im Ganzen be­trägt der Mehrertrag 176/10 Millionen, wozu 15 Millionen Reinertrag von der Zuckersteuer kommen. Die reinen Zoll- einnahmen des österreichisch - ungarischen Zollgebiets ergaben 1889 45 Millionen Uebcrschuß, mithin 687,000 Gulden mehr als 1888.

Pest, 3. Februar. Im Abgeordnetenhause er­klärte im Lause der Debatte über das Justizbudget der Justiz-

ntinister Namens des ganzen Cabinets, die Regierung werde I noch vor Sessionsschlnß einen Gesetzentwurf, betreffend Wahl­mißbräuche, vorlegen.

Prag, 3. Februar. Auf einer Delegirtenver samm­ln ng der Glaser in Rachau, woran Regierungsvertreter Theil nahmen, wurde die Abschaffung der Glassprengmaschinen gefordert. Morgen geht eine Deputation von Glasindustriellen nach Wien, nm die Beihilfe der Regierung zu erbitten. Das ganze Strikegebiet ist militärisch besetzt.

Prag, 2. Februar. Die für heute anberaumte Partei- I Versammlung der Jungczechen behufs Beschlußsassung über die Ausgleichsverembarungen ist auf vierzehn Tage verschoben worden.

Budapest, 3. Februar. Gras Aladar Andrassy ist zu seinem Bruder Julius Andrassy abgereist, da dessen Zu­stand bedenklicher geworden ist.

Paris, 3. Februar. Der italienische Botschafter M en a- brea stattete dem Minister des Auswärtigen, Spuller, einen Besuch ab und dankte für die bei der Leichenfeier Marianis den Beziehungen zwischen Italien und Frankreich gewid­meten Worte.

Der Herzog von Leuchten berg besuchte den Präsidenten Carnot im Auftrage des Großfürsten Nikolaus, da dieser durch seinen Gesundheitszustand am persönlichen Besuche verhindert ist. Carnot erwidert morgen den Besuch.

Die Staatscommission für Preßvergehen ver­nahm heute den Justizminister- derselbe erklärte Namens der Regierung, dieselbe nehme den Gesetzentwurf von Marcel Barthe an, welcher die durch die Presse begangenen Beleidig- ungsvergchen den Zuchtpolizeigerichten überweist.

London, 3. Februar. Parnell ließ seinen Ehren­kränkungs-Prozeß gegen dieTimes" fallen und nahm eine Entschädigung von 5000 Pfund an. Er hatte von der Times" zuerst hunderttausend Psund verlangt.

Rom, 2. Februar. DieAgencia Stesani" meldet aus Mass ana: General Orero ist nach glücklicher Beendigung I seines Rccognoscirungsmarsches nach Adua wieder aus das jenseitige User des Marebflusses znrückgekehrt. Die italienischen Truppen haben den besten Eindruck in Adua hinterlassen, die Bevölkerung und der Clerus Aduas gaben denselben noch eine Strecke weit das Geleit.

Rom, 3. Februar. In der wieder eröffneten Kammer 1 wurden zahlreiche Interpellationen angemeldet, darunter über i die Organisirung der afrikanischen Colonie und der mili­tärischen Action' in Abessynien, über die Tumulte an den Universitäten, besonders in Neapel. Crispi nahm alle Inter­pellationen an, die betr. der Tumulte wurde auf Donnerstag anberaumt, die übrigen auf Samstag und die folgenden Samstage. Der Antrag des Radicalen Luigi Ferrari auf Erlassung eines Decrets bezüglich der Errichtung einer Colo­nie am Rothen Meere wird gemäß CrispiS Wunsch nach den Interpellationen über Afrika verhandele

-- Eine Versammlung von 600 Studenten beschloß, jenen Studenten, welche die Universität Neapel verlassen wollten, die Gastfreundschaft der Universität Rom an zubieten.

Christiania, 3. Februar. Der Kronprinz eröffnete den Storthing im Auftrage des Königs. Die Thronrede be­zeichnet die Beziehungen zu den auswärtigen Mächten als die besten. Durch den Budgetüberschuß im vorigen Jahre sind reichliche Zolleinnahmen, im laufenden würden mehrfache Steuererleichterungen und größere Bewilligungen zu Eisen­bahnbauten ermöglicht. Eine Wehrsteuer, Abänderung des Gesetzes über die Wehrpflicht, ein Gesetz betr. Aussicht über die Arbeiten in Fabriken, sind vorgeschlagen.

Listabon, 3. Februar. Die katholische Gesell­schaft in Oporto hielt eine große Versammlung ab, um gegen das Ultimatum Salisburys zu protestiren und die portugiesische Regierung aufzufordern, die religiösen Orden für die afrikanischen Missionen wieder herzustellen, als einziges Mittel, die Colonialbesitzungen zu einer ersprießlichen Ent­wickelung zu bringen.

Die Mitglieder der Literarischen Gesellschaft Alexandre Herculano und vom Handelsverein Oporto begaben sich gestern Abend zu den Consulaten von Rußland, Frank­reich, Spanien, Deutschland und Italien, um daselbst ihr, Dankadressen abzugeben. Dem Zuge voran gingen Musik- I corps und eine zahlreiche Menschenmenge begleitete denselben mit dem Rufe:Es lebe Portugal! Es leben die be­freundeten Nationen!"

Kairo, 3. Februar. Das Bureau Reuter meldet: Die deutsche Colonie empfing ein Telegramm Wißmanns, wonach es Emin Pascha viel besser gehe. Er werde das I Hospital verlassen und wahrscheinlich im März absegeln.

Washington, 3. Februar. Das Wohnhaus des Marine- secretärs Tracy ist heute Vormittag abgebrannt. Vier Leichen wurden aus den Ruinen hervorgezogen, darunter die Frau und die Tochter des Secretärs. Tracy selbst wurde bewußtlos mittelst einer Rettungsleiter aus dem Hause ge­schasst. Nach späteren Mittheilungen brach die Feuersbrunst um 63/4 Uhr Morgens aus, als die Familie schlief. Tracys verheirathete Tochter, Frau Wilmerding, sowie deren Tochter sprangen aus dem Fenster. Erstere brach ein Handgelenk, letztere erlitt schwere Beinverletzungen. Auch ein Diener büßte bei dem Brande sein Leben ein- das Befinden des Marinesecretärs Tracy selbst ist sehr ernst.

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Gießen, 4. Februar.

Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten am Donnerstag den 6. Februar 1890, Nachmittags 4 Uhr:

1. Satzungen betr. Ausübung der offenen Armenpflege. 2. DaS Schlachtwesen. 3. Die Theilung der 2. Klaffe der Stadtknabenschule. 4. Die Anlagen vor dem Friedhof- hier Vergütung für Holztransport. 5. Gesuch der Hilfsschutz­männer um Gehaltsaufbesserung und Aufnahme in die städtische Wittwenkasse.

f Der Commis Emil Koch von hier wurde hellte wegen der zum Nachtheil seines Prinzipals verübten Unterschlagung bezw. Urkundenfälschung in eine Zuchthausstrafe von 1 Jahr 3 Monaten, abzüglich 2 Monate Untersuchungshaft, vw- urtheilt.

Das Bestreben Militärpflichtiger, sich der Militär­pflicht durch Aliswanderung zu entziehen, wird dadurch be­sonders begünstigt, daß nach § 1 des Gesetzes über das Paßwesen vom 12. October 1867 in Verbindung mit § 107 Nr. 1 der deutschen Wehrordnung an Wehrpflichtige Auslands­pässe bis zum Zeitpunkte ihres Eintritts in das militär­pflichtige Alter bedingungslos ertheilt werdeil müssen. & wird beabsichtigt, diesem Uebelstande je nach Ausfall dessallsiger statistischer Feststellungen durch Aendernngen der geltenden Bestimmungen im Wege der Gesetzgebung abzuhelfen.

Der 10. Lehrcursus für Hufschmiede an der hiesigen Großherzogl. Veterinäranstalt beginnt am 17. März 1890, und sind die Anmeldungen zu diesem Cursus bis zum 1. März bei Großh. Direction der Veterinäranstalt Hierselbst schriftlich einzureichen. Dem Gesuch ist der Nachweis einer ein­schließlich der bestandenen Lehrzeit mindestens vierjährigen Thätigkeit im Schmiedehandwerk beizulegen. Das Gesuch, sowie die nöthigeu Zeugnisse sind auf Papier in Actensormat geschrieben vorzulegen.

Der diesjährige Maskenball des Fechtverbands Gießen (Generalsechtschnle Lahr) wurde letzten Sonntag Abend in den Räumen von Steins Garten abgehalten. Wie nicht anders zu erwarten war, so hat dieser Ball auch dieses Jahr seine Zugkraft bewährt, denn es hatte sich eine solche Menge froher Menschen daselbst eingefunden, daß es viel Mühe machte, einen Platz zu erobern. Der Vorstand kann mit dem Ergebniß desselben zufrieden sein, denn er hat noch etwas mehr als 200 Mk. Reinertrag seiner Casse übergeben können.

Grimberg, 2. Februar. Einer Einladung des Herrn Prov.-Directors Frhr. v. Gagern folgend, hatte sich heute Nach­mittag eine sehr zahlreiche Versammlung von Gewerbetreibenden der hiesigen Stadr nnd ihrer Umgebung zusammengefunden, um über die Frage der Neubildung eines Localgewerbe­vereins zu berathen. In klarer und überzeugender Weise legte Herr Provinzialdirector v. Gagern, welcher den Vorsitz übernommen hatte, die großen Vortheile dar, welche durch die Gründung des in Rede stehenden Vereins für Erweiterung der Kenntnisse und die Fortbildung der Gewerbetreibenden sich darböleu und sprach seine Verwunderung aus darüber, daß, während z. B. in Hungen, Homberg, Herbstein Local­gewerbevereine bestünden, in Grünberg mit seinem verhältniß- mäßig so viel zahlreicheren Gewerbestande an einem solchen es mangele, bezw. der früher bestandene Localgewerbeverein eingegangen sei. Er stellte deshalb zunächst die Frage zur Discussion, ob ein in Anschluß an den Landesgewerbeverein zu gründender Localgewerbeverein im Interesse des Grün­berger Gewerbestandes gelegen sei. Nach einer längeren Auseinandersetzung über die Verhältnisse des früheren Vereins, welche den Ausschluß desselben aus dem LandeSgewerbeverein zur Folge hatten, bejahte die Versammlung die gestellte Frage nahezu einstimmig, sodaß erfreulicher Weise alsbald zur I Neubildung des Vereins geschritten werden konnte. Durch Unterschrift unter die in Umlauf gesetzte Liste traten 48 Personen dem neuen Verein als Mitglieder bei. Nachdem ein den letzteren vorgelegter Statutenentwurf mit geringen Abänderungen Annahme gefunden hatte, wurde auch sogleich die Wahl des Vorstandes vorgenommen, aus welcher hervor­gingen die Herren Kreisbaumeister Schnitzel als erster und Bürgermeister Pracht als zweiter Vorsitzender, ferner Christoph Bock, Chr. Haas, C. Dippel von Grünberg, Scheld von I Lindenstruth, Bürgermeister Lang von Odenhausen und Gg. Schmidt von Qneckborn als weitere Vorstandsmitglieder. Hoffen wir, daß es dem neuen Vereine gelingt, eine für unsere Gewerbtreibenden recht segensreiche Thätigkeit zu entfalten.

Büdingen, 2. Februar. Heute stellte sich der Caudidat I der nationalliberalen Partei, Herr Graf O r i o l a aus Büdes­heim hier und in Düdelsheim seinen Wählern vor. Beide Versammlungen waren sehr stark besucht und wurde dem Candidaten für seine klaren, allgemein verständlichen und fesselnden Ausführungen reicher Beifall gezollt.

Vermischtes.

* Wetzlar, 3. Februar. Prinz Hermann zu Solms- Braunfels, der seitherige Reichstagsabgeordnete für den Wahlkreis Wetzlar-Altenkirchen, erläßt imWetzl. Anz." fol­gende Erklärung:Nachdem die Nationalliberalen der beiden, den Reichstagswahlkreis Wetzlar-Altenkirchen bildenden Kreise Wetzlar und Altenkirchen durch die mir übersandte Erklärung de dato Betzdorf den 28. Januar 1890 diejenigen Beding­ungen erfüllt haben, welche Seitens der couservativen Fraction laut der von mir unter dem 16. d. M. an die National­liberalen des Kreises Wetzlar Namens meiner Fraction ge­richteten Depesche an den Verzicht auf die Aufstellung eines couservativen Candidaten bei der bevorstehenden Neichstags- wahl geknüpft war, erkläre ich hierdlirch in aller Form meinen' Verzicht auf eine Candidatur bei der bevorstehenden Reichstagswahl. Indem ich gleichzeitig die Ermächtigung zur Veröffentlichung dieser meiner Verzichtserklärung ertheile, er­suche ich meine politischen Freunde des Wahlkreises Wetzlar- Altenkirchen, im Interesse eines geschlossenen Vorgehens der Cartellparteien, welches bei dem augenblicklichen Ernst der politischen Lage doppelt wünschenswerth erscheint, ihre Stim­men bei der bevorstehenden Neichstagswahl auf den von den Cartellparteien aufgestellten Candidaten Herrn Bürgermeister Krämer von Kirchen vereinigen zu wollen."

* Marburg, 3. Februar. Die Wahlbewegung ist nunmehr auch hier in Fluß gekommen; Antisemiten, National­liberale und Socialdemokraten sind für ihre Candidaten thätig. , Während die Antisemiten wieder für Dr. Böckel agitiren,