1890
Dienstag den 4. November
Aints« und Anzergsblatt fut? den ICwi» Greszen
Amtliehev Lhsil
in
Loos,
Iranische
Feuilleton
lief einige Male im Zimmer auf und ab
Der Notar
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Norm. 10 Uhr.
Bemerkungen
Vierteljähriger AOonncmcnUprtUi 2 Mark 20 Pfg. mtt Br^Rgerlohn.
Durch die Post bezöge»
2 Mark 50 Pfg. ,
Redaction, Expedit,or *
und Druckerei:
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lieh RiedesePschen ierbach ist zu haben 3341 Lichechrche. :anb^e. Ltemstraße.
er, Seltersweg 16. t, Bahnhosstr. 57.
Schaufenster."
Der Andere schüttelte den Kopf und bemerkte gleich- müthig: „Mein werther Herr, es kann Ihnen nicht entgangen sein, daß das Bild in seiner jetzigen Gestalt zehnmal mehr werth ist als ein bloßes Porträt. Es ist jetzt ein Werk der Phantasie und Erfindung und ich halte es für eins meiner gelungensten. Ich kann es nicht unter sünszehntausend Francs
sortgeben."
Der Notar scherzen!"
„Ganz und es dafür nehmen
Der Notar
Sie erst gesagt, daß es Ihnen nicht im Geringsten ähnlich sähe. Sehen Sie — hier ist ja noch Ihr Bries."
Van Spach biß sich aus die Lippen,- er war gefangen. Wiertz fuhr fort: „Unter diesen Umständen und da ich das Werk zurückerhalten hatte, war ich vollkommen berechtigt, darüber nach meinem Gutdünken zu verfügen."
selbe zu urtheilen, zu einem glanzvollen und der Bedeutung der Festlichkeit entsprechenden gestalten.
Eine Bekanntmachung des Ministers des Innern, v. Herr- furth, im „Reichs- und Staatsanzeiger" bestätigt die Annahme, daß diesmal die Eröffnung der preußischen Landtags- session wegen der besonderen Wichtigkeit der bevorstehenden Sitzungsperiode durch den Kaiser und König in Person erfolgt.
Der Bundesrath erledigte in seiner jüngsten Wochenplenarsitzung meist Sachen von untergeordneter Bedeutung und genehmigte außerdem die Vorlagen betr. die Controle des Reichshaushalts und betr. den Landeshaushalt für Elsaß- Lothringen pro 1890/91. Was den Fortgang der Berathun- gen in den zuständigen Bundesraths-Ausschüssen über den neuen Reichsetat anlangt, so liegen hierüber noch keine eingehenderen Nachrichten vor, es scheint indessen, als ob die Feststellung desselben durch den Bundesrath noch nicht so bald erfolgen werde und müßte dies auch auf die Dispositionen für den Wiederzusammentritt des Reichstagsplenums zurückwirken. Mit einer gewissen Spannung sieht man allseitig dem Ergebnisse der Bundesrathsverhandlungen über die bekannten Anträge Sachsens und Bayerns hinsichtlich der Milderung der Viehsperre entgegen, da sich in dieser Frage gewisse Einflüsse zu bekämpfen scheinen. Sehr bemerkenswerth erscheint jedenfalls das Interesse, welches der Prinz-Regent Luitpold von Bayern fortgesetzt der Angelegenheit der Fleisch- theuerung widmet. Der hohe Herr ließ sich dieser Tage hierüber Vortrag vom Minister des Innern, v. Feilitzsch, halten und erklärte der Prinz-Regent schließlich sein vollständiges Einverständuiß mit den Anschauungen des bayerischen Ministercollegiums und mit den von letzterem zur thunlichsten Milderung der hohen Fleischpreise getroffenen Maßnahmen. Man darf wohl annehmen, daß diese entschiedene Stellungnahme des bayerischen Prinz-Regenten in der „Fleischfrage" auch aus die bezüglichen Entscheidungen des Bundesrathes nicht ganz ohne Einfluß bleiben wird.
Nachdem in Holland die einleitenden Schritte zur Einsetzung der Regentschaft geschehen sind, befaßt man sich auch in Luxemburg mit der Regentschaftsangelegenheit. Hier steht allerdings die Hauptsache, nämlich die Uebernahme der Regentschaft durch den Herzog Adolf von Nassau, schon fest und handelt es sich nur noch um die Erledigung einiger Einzelheiten. Zu ihnen gehört die Frage, ob die gesetzmäßig an diesem Dienstag zusammentretende luxemburgische Kammer ihre Arbeiten ohne vorherige Eröffnung durch den Herzog- Regenten beginnen könne und beschäftigte sich der luxemburgische Staatsrath in voriger Woche mit dieser Frage. Jedenfalls
lies davon. Aber er war noch nicht weit gekommen, als er wieder umkehrte, er bedachte, daß, wenn das Gemälde ausgestellt bliebe, er sich bald nirgends mehr blicken lassen dürste- er mußte in den sauren Apfel beißen.
„Herr Wiertz", begann er, als er wieder vor dem Maler stand, „ich habe mir die Sache noch einmal überlegt und füge mich in Ihre Bedingungen. Ich will das Bild für fünfzehntausend Francs nehmen."
„Sie sind sehr freundlich," erwiderte Wiertz. „Aber ich habe mir die Sache noch einmal überlegt und bin da auf einen guten Gedanken verfallen."
II. Wahlen durch die fünfzig Höchstbesteuerten.
1. Forstmeister Thaler zu Gießen,
2. Freiherr Adalbert von Nordeck zur Rabenau Friedelhausen,
3. Geh. Hofrath Prof. Dr. Streng zu Gießen,
4 Rentner Aug. Heß zu Gießen,
5. Rechtsanwalt Hirschhorn zu Gießen.
politische Uebeesicht.
Gießen, 3. November.
Am Berliner Hofe rüstet man sich zu der schönen Familienfeier, welche im Laufe dieses Monats im Schooße des deutschen Kaiserhauses begangen werden wird, zur Vermählung der Prinzessin Victoria von Preußen, der zweitältesten Schwester Kaiser Wilhelms, mit dem Prinzen Adolf von Schaumburg-Lippe. Es soll dabei zwar kein außergewöhnlicher Prunk entfaltet werden, wie man von unterrichteter Seite versichert, immerhin dürste sich der äußere Rahmen des freudigen Festes, nach dem vorläufigen Programm für baS»
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Aäe Annoncen-Bureaux de- In- und Auslandes nehm«-» Anzeigen für ben „Gießener Anzeiger" entgehn
Bekanntmachung,
die Wahlen zum Kreistag des Kreises Gießen betreffend.
Die in der nachstehenden Zusammenstellung aufgeführten Wahlen zur regelmäßigen Ergänzung des Kreistags haben stattgefunden und sind von dem Kreistage in feiner Sitzung vom 22. d. Ms. bestätigt worden.
Gießey, 31. October 1890
Der Vorsitzende des Kreistags des Kreises Gießen: v. Gagern.
I. Wahlen durch die Bevollmächtigten der Gemeindevorstände.
Verzeichnis
der zu Anfang des Jahres 1890 durch die Bevollmächtigten der Gemeindevorstände als Mitglieder des Kreistages des Kreises Gießen neu Gewählten. _______
Bekanntmachung.
Nachdem an Stelle des Beigeordneten Pitz von Annerod der Gemeindeeinnehmer Heinrich Keßler III. daselbst zum Mitglied der Zählungscommifsion für Annerod ernannt worden
Bekanntmachung,
Blldung einer öffentlichen Wassergenoffenschaft für die Fluren IV und VIII der Gemarkung Langd betreffend.
Unter Bezugnahme auf unsere Bekanntmachung vom 21. October l. I. — Kreisblatt 247 — bringen wir zur öffentlichen Kenntniß, daß die Vorarbeiten zu obigem Project auch noch am Tag der Abstimmung, 7. November l. I., auf dem Bureau der Großh. Bürgermeisterei Langd zur Einsicht der Beteiligten offen liegen.
Gießen, den 1. November 1890.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
von heute ab meine
ätsse,
Art, Strümps- licke ic. x. ftaj 4 I ui
stöhnte: //Fünfzehntausend Francs! Sie
gar nicht. Das ist mein Preis. Sie können oder nicht — wie Sie wollen."
rief wüthend! „So behalten Sie es?" und
rthen.
Freie Stimmung. .Unterhaltungen etc. iportkosten). [8220 \euenweg 9.
zulegen versuchen.
Francs aus und Sie nehmen das schändliche Ding aus dem
und sagte endlich mit einem erzwungenen Lächeln: „Kommen Sie, wir wollen diesen abgeschmackten Handel in Güte beb Ich zahle Ihnen sofort die dreitausend
alte Notar in den Kunstladen hinein, dessen Eigenthümer in ihm sosort das Original seines Bildes erkannte.
„Herr Melchior," begann der Besucher, „ich bin das Opfer eines niederträchtigen Witzes eines Ihrer Kunden geworden. Es ist mein Porträt, Herr, das in Ihrem Fenster hangt- ich, Herr, ich, der Meister van Spach, werde in der nichtsnutzigen Sudelei, als bankerotter Schuldgefangener verhöhnt, an den Pranger gestellt. Wenn Sie das Zeug nicht augenblicklich zurückziehen, werde ich mich an die Polizei wenden."
Der Kunsthändler lächelte über diese Drohung und erwiderte mit höflicher Kälte: „Ich muß Sie an den Künstler verweisen, Monsieur- das Gemälde gehört ihm und ohne seine Erlaubniß kann ich cs nicht zurückziehen."
Schäumend vor Wuth und Unwillen rannte van Spach zu dem Künstler - er fand diesen behaglich in seinem Armstuhl zurückgclehnt, eine Cigarre rauchend, und wurde von ihm mit den befangenen Worten begrüßt: „Ah, Sie sind es, maitre? Welcher glückliche Umstand verschafft mir diese Ehre? Bitte, setzen Sie sich. Darf ich Ihnen eine Cigarre anbieten ?"
„Monsieur," so unterbrach der Notar diese Höflichkeiten, „lassen Sie uns nur gleich zur Sache kommen. Melchior- Hat in seinem Schaufenster ein Gemälde, — eine Carricatur, welches mich dem Gelächter der ganzen Stadt preisgibt. Ich bestehe darauf, daß es augenblicklich entfernt wird. Verstehen Sie mich?" p
Nicht ganz," versetzte der Andere mit unzerstörbarer Ruhe.^ „Bei Melchior ist allerdings ein Gemälde von mir, aber ich "sehe nicht ein, wie das Sie lächerlich machen kann?"
„Sie sehen das nicht ein? Das Gemälde ist ja mein Porträt, Herr, mein Porträt!"
„Ihr Porträt?" wiederholte der Andere ganz überrascht.
^Natürlich! Das sieht ja Jedermann auf den ersten Blick."
„Verzeihen Sie," fiel hier der Maler ein, „gestern haben
Der Oktzener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme dcS Montags.
Die Gießener WemikienSkälter werden dem Anzeiger D-chentlich dreimal beigelegt.
Eine wahre Begebenheit.
Erzählt von A. I. Mordtmann.
(Schluß.)
Daun verschwand das ganze notarielle Beiwerk- der Hintergrund wurde zur Mauer einer Zelle mit einem vergitterten Fenster und an die Stelle des Tisches mit seinen Papieren und Pergamenten trat eine rohe Bank, unter welcher ein Wasserkrug und ein Brod sichtbar waren. Dann brachte der Künstler seinen Namenszug an und versah den Rahmen mit der weithin sichtbaren Etikette: „Schuldgefangener."
Mit dem so umgestalteten Bilde fuhr Wiertz zu dem weltbekannten Kunsthändler Melchior und sagte zu diesem: ,/Jch habe Ihnen etwas mitgebracht, das ich nicht für schlecht halte. Haben Sie in Ihrem Schaufenster Platz dafür?"
„Platz dafür?" rief der Kunsthändler begeistert. „So viel Sie wollen. Ich habe von Ihrer Hand noch nichts so Originelles und Passendes gesehen — und das will viel sagen. Wie hoch soll ich den Preis stellen?"
„Ich bin noch unentschlossen," entgegnete der Maler. .Wenn ein Käufer sich meldet, so sagen Sie mir Bescheid."
Das Gemälde erhielt augenblicklich den Ehrenplatz und erregte bald Aufmerksamkeit. Den ganzen Tag wurde der Platz vok Melchiors Schaufenster nicht leer, am anderen Morgen besprachen die Zeitungen das Bild und immer neue Schaaren strömten hin, es anzusehen. Unter den letzteren befand sich auch ein Freund des Meisters van Spach, der feinen Augen nicht trauen wollte, als er den würdigen Notar in dieser zweifelhaften Gestalt wieder erkannte. Augenblicklich eilte er zu ihm und es dauerte nicht lange, so stürzte der
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ist, so wird dies in Gemäßheit des § 8 der Bestimmungen für die Ausführung der Volkszählung im Großherzogthum am 1. December 1890 und mit Bezug auf die Bekanntmachung vom 15. September l. I. (Anzeiger Nr. 220) zur öffentlichen. Kenntniß gebracht.
Gießen, den 1. November 1890.
Grobherzogliches Kreisamt Gießen.
__I V: Jost.__
Gießen, am 1. November 1890.
Betr.: Ermittelung der landwirthfchaftlichen Bodenbenutzung und des Ernteertrags im Jahr 1890.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an di« Großh. Bürgermeistereien de» Kreise».
Soweit Sie noch mit Einsendung der rubricirten Verzeichnisse im Rückstände sind, erinnern wir Sie unter Hinweir auf unsere Versügung vom 24. Juli L I — Anzeiger Nr. 172 - an deren alsbaldig« Vorlage.
v Gagern.
Orb -Nr. II
Wahlbezirk
Der Gewählten
Namm
Wohnort
1.
I. Gießen (Stadt)
Bürgermeister Gnauth Fabrikant Georgi
Gießen
if
2.
III. Großen-Linden
Heinrich Velten III.
Großen- Linden
3.
IV. Watzenborn
Gemeindeeinnehmer Maid
Watzenborn
4.
VIII. Grünberg
Bürgermeister Pracht
Grünberg
5.
IX. Reiskirchen
Bürgermeister Jünger
Reiskirchen
6.
X. Lich
IBÜrgermeister Balser
Albach
7.
XI. Eberstadt
Bürgermeister
Muschenheim
Roth


