Marseille, 2. Mai. Einige Gruppen, welche sich auf den Straßen angesammelt hatten, wurden durch Militär zerstreut. Eine Oelsabrik wurde von einer Menschenmenge, worunter meist Fremde, geplündert. Die Gesammtzahl der in Marseille heute vorgenommenen Verhaftungen beläuft sich auf ungefähr 100.
Bologna, 2. Mai. Im Laufe des gestrigen Abends wurden ungefähr 30 Personen verhaftet. Vor 11 Uhr herrschte vollständige Ruhe und die Truppen wurden zurückgezogen.
Sofia, 2 Mai. Die Beerdigung des erschossenen Polizei- commissärs Krotew hat heute unter zahlreicher Betheiligung stattgesunden. Der Fürst, der Ministerpräsident und der Polizeipräsect sandten Kränze.
Coeole« nnt» provinzielles
Gießen, 3. Mai.
A Ausnahmsweise wird der Concertverein diesmal sein fünftes und vorletztes Concert am Samstag den 10. Mai geben und darin die F8-dur-Symphonie von Mozart, Menuett aus der D-moll-(5uite von Franz Lachner und die Ouvertüre zum „Wasserträger" zur Aufführung bringen. Den solistischen Theil des Concerts hat Fräulein Lina Hilß aus Frankfurt übernommen, welche das „Gebet" aus Tannhäuser" mit Orchester und Lieder singen wird.
Das sechste und letzte Concert für 1889/90 wird in der Kirche stattfinden und zwar im Juli.
— Morgen, Sonntag den 4. Mai c., Vormittags 9y2 Uhr, findet in Frankfurt a. M. im „Restaurant zum Storch" der diesjährige Feldbergturntag statt. Der Gauausschuß Frankfurt a. M. hat das diesjährige Feldbergfest auf den 15. Juni festgesetzt.
— Bei einer gestern vorgenommenen Durchsuchung verdächtiger Personen ist ein größerer Geldbetrag nebst Portemonnaies ermittelt worden. Es liegt der Verdacht vor, daß Geld und Portemonnaies entweder gefunden oder gestohlen sind. Wir werden ersucht, darauf hinzuweisen, daß alle diejenigen Personen, denen in letzter Zeit Geld und Portemonnaies abhanden gekommen sind, sich auf der Polizeiwache melden möchten.
Vermischtes.
A Mainz, 2. Mai. Die von der Lohncommission der Metallarbeiter ausgestellten Forderungen sind bis heute von 18 Firmen genehmigt worden, in Folge dessen in den betreffenden Geschäften am Montag die Arbeit wieder ausgenommen werden wird. Als Curiosum mag hierbei erwähnt werden, daß eine Schiffs- und Kettenschmiederei hier nicht nur sofort aus alle Forderungen der Lohncommission eingegangen ist, sondern der Commission sogar geantwortet hat, daß nach ihrer Meinung die geforderten Aufbesserungen noch viel zu gering seien. — Morgen und übermorgen finden wieder größere Arbeiter Versammlungen statt, wovon die eine von den Arbeitern der Lederbranche und die andere von der Vereinigung deutscher Maler, Tüncher, Lackirer und verwandter Berussgenossen einberufen ist. — Eine Anzahl in Schuh- und Confectionsgeschästen thätige Arbeiterinnen sind gestern zur Berathung ihrer Lage zusammengetreten und haben schließlich zur Wahrung ihrer Interessen einen Vereintgegründet. — Wie nachträglich bekannt wird, sind gestern, um etwaige Ausschreitungen niederzuhalten, die Truppen des 117. Regiments in den Kasernen zurückbehalten worden.
A Vom Rhein, 2. Mai. Die Nheinreisenden wird es interessiren, zu vernehmen, daß die Landungsbrücke der Köln-Düsseldorfer Boote in Aßmannshausen jetzt fertig gestellt ist und demnächst daselbst die Boote landen werden. Die gefährliche Kahnstation fällt dadurch weg.
* Straubing. Ein Postmarder schlimmster Sorte stand dieser Tage in der Person des Postboten Sebastian Lindhuber vor dem hiesigen Schwurgericht. Der Angeklagte hatte in siebzehn Fällen etwa 1000 Mark unterschlagen - weiter unterschlug er in zwei Fällen 166 Mark Postanweisungsgelder, fälschte Unterschriften und Vormerkscheine. Ferner öffnete er Packete und Briese, entnahm aus denselben Geld,
zerriß und verbrannte Postanweisungen, deren Beträge er absenden sollte, er hielt Briefe zurück und sandte sie erst später ab, alles, um seine Unterschlagungen und Fälschungen zu verdecken. Das Urtheil lautete auf 2*/, Jahre Zuchthaus, 120 Mark Geldstrafe, 5 Jahre Ehrverlust.
* Saarbrücken, 1. Mai. Die feierliche Uebertrag- ung der Gebeine der auf dem großen Exercirplatze hier beerdigten, in der Spicherer Schlacht am 6. August 1870 gefallenen Krieger nach dem Ehrenthal erfolgte gestern Nachmittag unter Betheiligung unserer Garnison, der Kriegervereine und fast der gesammten Bürgerschaft. Eine zahllose Menschenmenge von nah und fern wohnten dem ergreifenden Act, welche den würdigsten Verlauf nahm, bei.
* Der berühmte Bassist Schn, hat in dem.Provinzialstädtchen K. ein einmaliges Gastspiel aus „besonderer Gefälligkeit" für seinen dort verpflichteten Kollegen Müller, der gerade Benefiz hatte, gegeben. Das Theater war brechend voll, Müller hatte ein gutes Geschäft gemacht und daher nach der Vorstellung ein kleines Trinkgelage seinem Freunde Schn, zu Ehren veranstaltet. Schn, hatte sich dabei einen gehörigen Rausch geholt, den er nun in Müllers Bude ausschlafen sollte. Arm in Arm gingen die beiden Freunde nach Hause und Schn, verfehlt nicht, durch den stimmungsvollen Vortrag der Sarastro-Arie seiner Bierseligkeit Luft zu machen. Das paßte aber dem Wächter der Nacht nicht, der den braven Künstler zu Rede stellte: „Herr! Wie können Sie sich erlauben, bei nachtschlafender Zeit derartig zu singen, daß die Fensterscheiben zittern!" — Und dem dumpsen Gewitterdonner gleich kam die Antwort zurück: „Herr! Kann ich denn dafür, wenn Ihr miserables Nest für mein Organ zu klein ist?"
* Für Biertrinker. Vor einiger Zeit wurde über eine alle Biertrinker interessirende Entdeckung berichtet, die Herr Dr. Schulze in Liesing auf Grund eingehender Untersuchungen gemacht hatte. Herr Dr. Schulze warnte vor dem Gebrauche von Biergläsern, da das in diesen enthaltene Bleioxyd vom Biere ausgelöst werde. Zur Beruhigung etwa beängstigter Trinkgemüther wollen wir heute mittheilen, daß sie beim Trinken aus Gläsern trotzdem vor einer Bleivergiftung jedenfalls sicher sein können. Professor Dr. Linke (am chemischen Laboratorium des österr. Museums für Kunst und Industrie) hat untersucht, welches etwa die Masse des mit jedem Liter Bier verschluckten Bleioxydes ist. Das Ergebniß lehrt, daß ein Trinker, welcher täglich fünf Liter aus dem schlechtesten Glase (mit 4,57 v. H. Bleioxydgehalt) trinkt, etwa zwölf Jahre braucht, um ein Milligramm Bleioxyd in seinem Körper aufzunehmen, daß aber dieser Fall bei dem Durchschnittsglas (mit 1,28 v. H. Bleioxyd) erst in etwa vierzig Jahren ein- tretcn würde — wenn der Körper alles Bleioxyd aufspeicherte! 9cun ist aber dieses Quantum Blei an sich viel geringfügiger als das, was der Mensch z. B. aus bleihaltigen Zinngefäßen, Verschlußlothen, Staniolverpackungen n. s. w. in Speisen zu sich nimmt- da man diese oft tausend Mal größere Menge Blei ohne Schaden vertragen kann, weil eben „die Ausscheidung des Bleies aus dem Organismus durch die Nieren und wohl auch durch die Haut ziemlich schnell und ausgiebig, besorgt wird", so haben auch unsere Biertrinker nichts zu befürchten.
* „Ach, kommen Sie rasch mit mir in die Nebenstraße! Dort kommt mein Arzt! So!" — „Haben Sie ihn noch nicht bezahlt oder haben Sie ihn abgeschafft?" — „Nein, das nicht — ich schäme mich nur vor ihm — ich bin so lange nicht krank gewesen!"
* Richter: „Fahren Sie in Ihrem Bericht über die näheren Umstände fort." — Angeklagter: „Gelt, dös macht Ihnen halt G'spas!"
UnivevfUöts«Nachrichten.
Marburg, 2. Mai. Herr Gerichtassessor Dr. jur. Laß wird sich in der hiesigen juristischen Facultät als Privatdocent für den Lehrzweig des neueren Reichs-Privatrechtes und des Cioilproceß- Rechtes habtlitiren und morgen Mittag 12 Uhr die von ihm verfaßte Habilitationsschrift „Haftpflicht und Reichsversicherungsgesetzgebung" im Hörsaale Nr. 8 des Universitätsgebäudes öffentlich vertheidtgen.
Literatur uttfc Nunft.
— Im 11. Band 1. Heft der „Berliner Studien für classische Philologie und Archäologie" veröffentlicht der Büdtnger Gymnasial
lehrer Dr. Otto Dingeldein unter dem Titel: .Habe« Theatermasken der Alte« die Stimme verstLrkN- eineStudie, welche eine Frage ihrer Lösung näher führt, die in der Ltteratur- und Alterthumsgeschichte bisher offen geblieben ist und die einer gründlichen Prüfung schon deshalb werth scheint, well sie auch wettere Kreise zu interessiren pflegt.
In seiner mit gutem phllologischen Rüstzeug und gewissenhafter Herbetziehung der literarischen Ueberlieferungen geführten Untersuchung gelangt Dr. Dingeldein zu dem Ergebniß, daß man gut daran thäte, endlich den Wahn fahren zu lassen, daß in den Theatern der Alten Schallmasken und Schallgefäße die Verständlichkeit des Spiels bedingt hätten: daß auf Rechnung mehr oder minder fabelhafter künstlicher Mittel ein Erfolg zu setzen sei, den in Wahrheit die bauliche Anlage mit ihrer vorzüglichen Akustik und die Leistungsfähigkeit der Spieler möglich gemacht hat. E.
— Nr. 18, V. Bd. der Naturwiffruschastlicheu Woche«, schrift, Redacteur Dr. H. Potontä, Verlag von Ferd. Tümmlers Verlagsbuchhandlung in Berlin, hat folgenden Inhalt: Felix Wahnschaffe: Unsere gegenwärtige Kenntniß über die Temperatur des Erd- innern. (Mit Abbild.) — Eigenthümliche Strandhöhlen im Kerguelenland. — Die Flora des Bernsteins. — Sammlung von schönen Modellen cultioirter Wurzeln, Gemüsepflanzen und Früchten. — lieber einen hemmenden Einfluß der Belichtung auf electrtsche Funken- und Büschelentladung. — Poetisches Gedächtniß-Mittel für die Zahl ir. — lieber die Sternenstrahlung. — Neue Planeten. — Jahres-Versammlung der Allgemeinen Deutschen Ornithologischen Gesellschaft. — Literatur.
Verkehr, Land« nnd Volkswirthscbaft.
— Die Fahrgeschwindigkeit aller auf den preußischen Bahnen fahrenden Personenzüae wird vom 1. Juni^d. I. an eine Erhöhung erfahren. Alle gewöhnlichen Personenzüge sollen in wirkliche Personenzüge d. h. ohne Mitnahme von Vieh, Gütern u. dgl. umgewandelt werden und durchweg eine Fahrgeschwindigkeit von 60 Kilometer erhalten. Gleichzeitig wird die Fahrgeschwindigkeit der Schnellzüge auf 90 Kilometer in der Stunde erhöht.
Auszug aus den SLcrn-csanttsregiftern
der Stadt Gießen.
Aufgebote.
April: 26. Johann Maximilian Sadowski von Graudenz Htlfsheizer bei der Main-Weser-Bahn dahier, mit Caroline Elisabeth Wegerle Hierselbst. 26. Franz Arnold Gustav Müller, Fabrikant dahier, mit Hubertine Juliane Schanzloh zu Köln. 28. Johann Ludwig Herptg von Coburg, Taglöhner dahier, mit Martha Becker zu Lützellinden.
Eheschließungen.
Mai: 1. Theodor Carl Georg Julius Schwaab, Kaufmann zu Halle a. S. mit Auguste Caroline Adolfine Franziska Textor hier- selbst. 2. Ernst Louis Christian Heine, gebürtig von Hannover, Bureaugehülfe dahier, mit Wilhelmine Rössel von Vöhl, wohnhaft dahier.
Geborene.
April: 22. Dem Locomotivführer Hermann Schindler eine Tochter, Marie Wilhelmine Adolfine. 26. Dem Taglöhner Heinrich Hopp ein Sohn, August Heinrich. 26. Dem Oeconom Friedrich Cost eine Tochter, Minna. 28. Dem Kaufmann Louis Frech eine Tochter. 28. Dem Hausburschen Johannes Rinn eine Tochter, Katharine Maria Elisabethe. 29. Dem Metzger Franz Schmidt ein Sohn.
Gestorbene.
April: 25. Anna Elisabethe Becker, 56 Jahre alt, Arbeiterin von Heuchelheim. 25. Auguste Minna Müller, 5 Jahre alt, Tochter von Landbriefträger Wilhelm Müller dadier. 26. Marie Hartmann, 2 Jahre alt, Tochter von Taglöhner Eckhardt Hartmann dahier. 26. Gustav WUhelm Eger, 4 Jahre alt, Sohn von Arbeiter Gustav Eger dahier. 26. Friedrich Wilhelm Heinrich Adolph, 6 Monate alt, Sohn von Feldwebel Heinrich Adolph dahier. 27. Heinrich Oestreich, 9 Jahre alt, Sohn von Taglöhner Heinrich Oestreich Wittwe zu Merkenfritz. 28. Ludwig ©paar von Ruttershausen, Musketier der 2. Compagnie Großh. Hess. Jnf.-Regts. Nr. 116. Mai: 1. Heinrich Emmerich, 74 Jahre alt, Schreiner dahier.
Auszug aus -en Airchenbüchern
der Stadt Gießen.
Evangelische Gemeinde.
Getraute.
Den 27. April. Hermann Nagel, Hutmacher und Karoline Rössel, Tochter des verstorbenen Taglöhners Georg Rössel aus Vöhl.
Den 1. Mai. Theodor Karl Georg Julius Schwaab, Kaufmann zu Halle a. S., und Auguste Karoline Adolfine Franziska Textor, Tochter des Gastwirths Ludwig Emil Textor zu Gießen.
Getaufte.
Den 27. April. Dem Wirth Heinrich Schäfer ein Sohn, Heinrich Otto Jean, geboren den 3. April.
Denselben. Dem Schlosser Bernhard Moritz ein Sohn, Friedrich Wilhelm Philipp, geboren d.n 27. Februar.
Denselben. Dem Bahnarbeiler Kaspar Eisenbach ein Sohn, Karl Eduard Johann Martin, geboren den 27. März.
Denselben. Eine Tochter des verstorbenen Bremsers Adam Weiß, Helene Johannette Marie, geboren den 27. März.
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