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1890

Freitag den 3. October

Nr. 230

Gießener Anzeiger

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Amts- ttttb Airzeigeblatt für den Nreis Gieren

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Akle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehm« Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr.

Die Gießener MamtkienStätter «erden dem Anzeiger «ichentlich dreimal beigelegt.

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-2 mödU oder «nmödl. am liebsten patt, von einem t. Lss 8.8. W Exp. d. Bl.

Der

Gießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.

Armeecorps. Die größte Garnison hat, demHamb. Corr." zufolge, Metz mit 7 Regimentern Infanterie, 10 Batterien Feldartillerie, 5 Bataillonen Fußartillerie, 2 Regimentern Cavallerie, 1 Pionier- und 1 Train-Bataillon, also nahezu 20000 Mann.

Ehre, mich Ihnen bei MsmerkMster Be-

<er.

lecker,

Hamburg, 1. October. Der deutsche

Gießen, am 30. September 1890. Betr.: Den Rundgang der Feldgeschworenen.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Grotzh. Vürgerrneiftereierr de- Sreises.

Wir empfehlen Ihnen, die Feldgeschworenen zu veranlassen nach § 20 der Instruction vom 23. Februar 1833 (Regierungs­blatt S. 105) un Lause kommenden Monats die Gemarkungen HU begehen, um sich von dem Zustande der Grenzen zu unter­richten, und über den Befund in ihr Tagebuch ein Protokoll .aufzunehmen. Wir machen dabei daraus aufmerksam, daß zwar zu einem Steinsatze wenigstens drei Feldgeschworene bei­sammen sein müssen, daß aber zu dem Rundgange, wenn dabei nicht zugleich Steine gesetzt werden sollen, eine geringere An­zahl Feldgeschworene genügt. Wegen Beseitigung der vor­gefundenen Mängel wollen Sie das Geeignete veranlassen, wobei namentlich die Ausräumung, Geraderichtung und Er­neuerung der Grenzsteine ins Auge zu fasten ist. An den Dreiecks-, Gemarkungs-, Flur- und Gewann-Grenzsteinen darf jedoch keine Veränderung ohne Mtwickung eines Geometers I. Klaffe vorgenommen werden. Die Wahl und Zuziehung desselben bleibt Ihnen überlassen; doch wollen Sie da, wo es sich um Grenzsteine mehrerer Gemarkungen handelt, sich unter einander desfalls benehmen. Für die Erhaltung der Parcellen- grenzsteine des Gemeindeeigenthums ist auf Gemeindekosten Don Ihnen Sorge zu tragen. Wo noch keine Aussteinung des Oemeinde-Eigenthums stattgefunden hat, beauftragen wir Sie, den Gemeinderath desfalls zu vernehmen und dessen Beschluß zu vollziehen. Die an den Parcellengrenzsteinen der Privaten vorgefundenen Mängel sind den Bethelligten zur Beseitigung zu eröffnen. Im Uebrigen verweisen wir Sie aus das Gesetz vom 23. October 1830 (Reg.-Bl. S. 463) und die vorgenannte Instruction vom 23. Februar 1833 (Reg.-Bl. S. 105), wegen der Kostenverzeichnisse auf die Bekanntmachung vom 18. De- cember 1874 (Reg -Bl. S. 784) und auf unser Ausschreiben vom 29. Januar 1885 (Anzeiger Nr. 27).

Zu Ende kommenden Monats sind uns Abschriften der in die Tagebücher der Feldgeschworenen aufgenommenen Pro­tokolle mit Bericht über Ihre desfalls getroffenen Anordnungen sammt den Kostenverzeichnissen von Ihnen vorzulegen.

v. Gagern.

London, 1. October. Depeschen aus Glasgow zufolge ist nur wenig Hoffnung vorhanden, daß eine Regelung der Meinungsverschiedenheiten zwischen den Be­sitzern der Eisenwerke in Schottland und den Arbeitern der Hochöfen stattfindet.

Neapel, 1. October. Die englisch-italienischen Conserenzen über die Abgrenzung der beiderseitigen Gebiets­teile in Afrika sipd für den Augenblick unterbrochen, da der englische Botschafter und die englischen Delegirten neue In­structionen ihrer Regierung erwarten.

Washington, 1. October. Präsident Harrison unter­zeichnete heute die Tarisvorlage.

kammertag erledigte in seiner zweiten Sitzung in ununter­brochener fünfeinhalbstündiger Verhandlung die übrigen Gegen­stände seiner diesmaligen Tagesordnung. Zum Vorort wurde Nürnberg gewählt/ daselbst wird auch die nächste Versamm­lung tagen. Um 31/2 Uhr wurde eine Hafenfahrt von den Theilnehmern unternommen; zwei Stunden später sand die Festtafel statt. Für morgen ist eine gemeinsame jFahrt nach Bremen zur Nordwestdeutschen Ausstellung beabsichtigt.

Heute Morgen ging mittelst eines Wörmann- Dampfers die erste aus 8 Personen bestehende katholische Mission unter Führung des apostolischen Präfecten Bieter nach Kamerun.

Wien, 1. October. Sämmtliche Morgenblätter begrüßen den Besuch des deutschen Kaisers überaus herzlich sym­pathisch.

Wien, 1. October. Die Stadt bot seitdem frühesten Morgen ein Bild regsten Lebens. Die Straßen waren über­füllt, namentlich in der Nähe des Nordbahnhofs. Um 83/4 Uhr traf Kaiser Franz Josef ein in der Obristen-Uniform des preußischen Garderegiments mit dem Bande und Stern des Schwarzen Adlers. Unter den Klängen der Volkshymne inspicirte der Kaiser die von dem Infanterieregiment Groß­herzog Baden gestellte Ehrencompagnie. Pünktlich 8 Uhr 52 Minuten fuhr der Hofzug des Kaisers Wilhelm ein. Der Kaiser stand in der Oberstunisorm seines österreichischen Husarenregiments stramm in militärischer Haltung salutirend. Die Begrüßung beider Kaiser war außerordentlich herzlich. Unter den Klängen der preußischen Volkshymne schritten beide Kaiser die Front der Ehrencompagnie ab, woraus die wechsel­seitige Vorstellung des Gefolges stattfand. Beide Kaiser bestiegen gemeinschaftlich den Hofwagen, von allen Seiten enthusiastisch begrüßt. Das Wetter ist prächtig.

Wien, 1. October. Der König von Sachsen wurde aus dem Nordweftbahnhose, wo eine Ehrencompagnie des den Namen des Königs tragenden Dragonerregiments aufgestellt war, von dem Erzherzoge Karl Ludwig, dem sächsischen Ge­sandten und dem Brigadecommandeur Böthmer empfangen­er fuhr nach Abschreiten der Ehrenescadron, deren Musik die sächsische Hymne spielte, zur Rechten des Erzherzogs nach Schönbrunn, wo er von dem Oberstküchenmeister, Graf Wolken­stein, empfangen wurde.

Mürzsteg, 1. October. Die beiden Kaiser und die sonstigen Jagdgäste sind hier eingetroffen. Kaiser Franz Josef und Kaiser Wilhelm, sowie der König von Sachsen fahren um 2 Uhr Nachts von hier zur Hirschpürsche, die übrigen Jagdgäste auf die Schneealpe zur Gemsjagd. Nach­mittags erfolgt der Abstieg und die Rückfahrt wird angetreten. Heute um 8 Uhr wird das Diner eingenommen. Das Wetter ist prachtvoll.

Deutsches Reich.

Berlin, 1. October. Seit heute weilt nunmehr Kaiser Wilhelm zum Gegenbesuche am österreichischen Hose vnd der nunmehrige Aufenthalt des deutschen Monarchen aus österreichischem Boden ergänzt die Kaiserbegegnung von Rohn- fftock in erfreulichster Weise. Wenngleich der Gegenbesuch .Kaiser Wilhelms bei Kaiser Franz Josef in der Hauptsache der Theilnahme an den großen Hosjagden in der Steiermark gilt, so ist er doch schließlich auch ein neuer Beweis für die überaus herzliche persönliche Freundschaft, welche die beiden .Herrscher trotz des Unterschiedes ihrer Lebensjahre mit einander verbindet, und den intimen persönlichen Beziehungen zwischen . den erlauchten Monarchen entspricht vollauf das innige politische "Verhältniß zwischen ihren Reichen. In wahrhaft begeisterten Artikeln ist denn auch der deutsche Kaiser anläßlich seines Wiedererscheinens in Oesterreich von sämmtlichen Wiener Blättern gefeiert worden, während dem hohen Gaste von der Stadt Wien eine Aufnahme bereitet worden ist, wie sie in dieser Weise wohl noch kein fremder Souverain in der Kaiserstadt an der Donau gesunden hat. Dieselbe erglänzte bis in die Vorstädte hinaus in wirklich künstlerischem Fest- schmucke und wird in unterrichteten Kreisen versichert, daß das Fcstgewand der österreichischen Hauptstadt zu Ehren des deutschen Herrschers eine sehr beträchtliche Summe gekostet hat, die aber von der Wiener Gemeindevertretung gern und freudig bewilligt wurde. Im Einklänge aber mit der prächtigen Ausschmückung der Stadt stand die frohe Stimmung, mit -welcher die Bürgerschaft Wiens den kaiserlichen Gast begrüßte und die sich in fortgesetzten jubelnden Zurufen der dichtge­drängten Massen an Kaiser Wilhelm und an Kaiser Franz Joses kundgab.

Straßburg, 29. September. Die in Elsaß-Lothringen garnisonirenden Truppen werden vom 1. October d. I. an eine weitere Verstärkung erhalten, so daß alsdann im Ganzen 67 000 Mann hier stehen werden und zwar 70 Ba­taillone Jnsanterie und Jäger, 12 Regimenter Cavallerie mit 59 Escadrons, 41 Batterien Feldartillerie, 71/* Bataillone Fußartillerie, 2 Bataillone Pioniere und zwei Bataillone Train. Diese Truppen bilden das 15. und 16. Armeecorps, sfowie Theile der 5. bayerischen Division und des 14. (badischen)

9100 9130 7990 8310

*4150 21675 162.30 14970 9990 1^.00 j-3.00 98-50

Generalversammlung des Vereins für Zorialpolitik. v.

= Frankfurt a. M., 27. September.

Um 57» Uhr Nachmittags eröffnete Professor Schm oller die dritte und letzte Sitzung mit dem Bemerken, die Dis- cussion müsse heute zu Ende geführt werden, weil die Mehr­zahl der Herren Frankfurt heute noch zu verlassen beabsichtige.

Fabrikdirector Frommel-Augsburg: Professor Mun­roe habe die englischen Trades Unions sehr gelobt und er müsse gestehen, daß er dies in überzeugender Weise gethan habe. Allerdings habe er auf die Baumwollindustrie exempli- ficirt, womit er sich die dankbarste Industrie herausgesucht habe. Diese Baumwollindustrie sei aber nicht mit anderen englischen Industrien, geschweige denn mit deutschen Verhält­nissen zu vergleichen. Nachdem Redner sich eingehend über die Verhältnisse der englischen und deutschen Baumwollindustrie verbreitet, erklärt er schließlich, in der englischen Baumwoll­industrie sei es leicht, Lohntarife festzusetzen. Den Arbeiter­ausschüssen stehe er keineswegs unsympathisch gegenüber, in- deß dürften dieselben nicht gesetzlich eingeführt werden, das würde zu einer maßlosen Agitation führen. Als richtig sehe er an, daß die Arbeitsordnung behördlicherseits geprüft werde, dagegen verwerfe er die Auffassung, daß der Arbeiter in jedem Fall gehört werden müsse. Die Arbeitgeber ständen der neuen Gewerbegesetzgebung freundlicher gegenüber, als man vielfach annehme. Gegen die Znrückstellung des Alters­und Jnvalidengesetzes müsse er sich erklären. Das werde bei den Arbeitern Mißtrauen Hervorrufen. Habe es Mängel, so würden sich diese ohne Zweifel Herausstellen und dann könne man später auch noch Remedur eintreten lassen. Herr Stötzel sei im Unrecht, wenn er behaupte, die Actiengesellschaften bezw. deren Beamte hätten es vor allen Dingen aus hohe Dividende abgesehen. Er selbst sei Director einer Actien- gesellschast, betrachte sich aber als den natürlichen Anwalt der Arbeiter gegenüber den Actionären und noch niemals habe er sich gescheut, den Actionären diejenigen Opfer zuzu- muthen, die im Interesse der Arbeiter nothwendig gewesen seien. Die Actiengesellschaften thäten überhaupt sehr oft viel mehr als Privatbesitzer. Hätten z. B. die kleinen sächsischen Industriestädte, in denen es fast gar keine Actiengesellschaften gebe, mehr Wohlsahrtseinrichtungen getroffen, die Soctal- demokratie würde niemals daselbst so schnell an Terrain ge­wonnen haben. In seiner Vaterstadt Augsburg, wo die Actiengesellschaften reichlich für Wohlfahrtseinrichtungen Sorge getragen, habe die Socialdemokratie es trotz der ca. 15 000 Arbeiter bei den Wahlen nur auf 30004000 Stimmen ge­bracht. Die Sonntagsruhe befürworte er überall dort, wo sie irgendwie durchführbar sei. Den von Herrn Stötzel an­geführten Fall betreffs der Dynamitpatrone verstehe er nicht recht. Es sei ihm unbegreiflich, wie ein armer Mensch durch eine gewissenlose Anordnung seines Vorgesetzten ein Glied verliere und dabei auf dem Klagewege nicht zu seinem Recht komme. Er hätte gewünscht, Herr Stötzel habe genauere Angaben darüber gemacht.

Professor Schm oller-Berlin würde sich mit den eng­lischen Gewerkvereinen auch für Deutschland völlig einver­standen erklären, wenn dieselben ohne Weiteres zu über­pflanzen wären. Er scheue aber den Uebergang. Mit dem Grundgedanken sei er einverstanden, was er ablehne, sei die Copie der englischen Gewerkvereine. Die Grundfrage liege in der Bevölkerungsbewegung und dem Niveau der unteren Klassen. An unsere Volksklassen, an unsere Zustände müsse man anschließen, die Berufsgenossenschaften, Hülfskassen und alles Das könnten wir nicht einfach bei Seite setzen. Man solle auch keine Recepte machen, die keine Aussicht hätten, Gesetz zu werden. Wir müßten auch sehen, was ein deutscher Reichstag sage, fragen, wie sich die Arbeitgeber verhalten. Man dürfe keine Vorschläge machen, die^von der überwiegen­den Zahl der Arbeitgeber a limine abgelehnt würden. Ein Reichsarbeitsamt sei ihm erwünscht, das denjenigen Gewerk^

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Neueste Nachrichten.

WolffS telegraphisches Eorrespondenz-Bureau.

Berlin, 1. October. DerReichsanzeiger" veröffentlicht die Ernennung des Oberpräsidenten v. Wolff (Magdeburg) unter Verleihung des Characters als Wirklicher Geheimer Rath mit dem Prädikat Excellenz zum Chef der Ober-Rech­nungskammer.

DieGermania" veröffentlicht den ersten Theil des gemeinsamen Hirtenbriefes der Fuldaer Bischofsconserenz über die sociale Frage,- das Sendschreiben wird eingeleitet durch einen Brief des Papstes vom 20. April über denselben Gegenstand.

Berlin, 1. October. In drei hiesigen Reichstagswahl­kreisen sanden heute socialdemokratische Versamm­lungen behuss Besprechung einzelner Programmpunkte statt. Ferner wurde die Wahl der Delegirten für den Congreß in Halle vorgenommen. Im ersten Wahlkreise wurden gewählt: Schuhmacher Metzner, Schneider Täterow, Couditor Mohr­bach ,- im fünften: Reinhold Jacobiek, Fritz Berndt, Albert Auerbach; im sechsten : Werner, Ernst Schwabe nnd Ginshaut. Die Delegirtenernennungen für die übrigen Berliner Wahl­kreise stehen noch aus.

Karlsruhe, 1. October. In vergangener Nacht brach in dem Schwarzwald-Luftkurott Schönwald ein großer Brand aus, durch den 12 Wohnhäuser zerstört und 21 Familien obdachlos wurden. Menschenleben sind nicht zu Schaden gekommen.

Vierteljähriger AVonnementspretO» 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn.

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