im Realgymnasium von 231 auf 269 gehoben). Dem Bor- i schlage Großh. Direction entsprechend, sollen sechs 4sitzige und sechs Zsitzige Subsellien beschafft werden, die mit 550 Mk. veranschlagt sind. Die Schulbänke sind aus Gußeisen mit aufgelegter Hartholztafel hergestellt, es sollen indeß, bis die Frage wegen Beschaffung von Schulbänken für die neue Stadtknabenschule zur Erörterung kommt, Beobachtungen über die Brauchbarkeit schmiedeeiserner Subsellien aus einer Herborner Fabrik angestellt werden. — Mit dem Wechsel in I der Person des Stadtrechners hat sich auch die Notwendigkeit ergeben, die Stadtkasse in anderen Räumen unter- I zubringen, wozu der unter dem Stadtverordnetensitzungssaal gelegene Saal im Bürgermeistereigebäude in Aussicht ge- I nommen wurde. Hier ist die Errichtung eines feuerfesten Kassengewölbes nebst Einrichtung eines Schlafzimmers für I den Wächter in Aussicht genommen, der Eingang zum Kassensaal soll durch eine an der Südwestseite des Bürgermeisterei- I gebäudes anzubringende Thür erfolgen. Die zur Einrichtung der Kassenräume nöthigen Bauarbeiten sind veranschlagt: Maurerarbeit 260 Mk., Schreinerarbeit 40 Mk., Schlosserarbeit 485 Mk., Weißbinderarbeit 145 Mk., sonstige Kosten 347 Mk. — In Folge Beschlusses vom 6. Februar d. I., die 2. Klasse der Stadtknabenschule zu theilen und einen Schulverwalter zu bestellen, ist die Beschaffung von | Räumen für die neue Schulklasse nöthig geworden. Es wird auf Vorschlag des Schulvorstandes beschlossen, diese Klasse in dem alten Hosgerichtsgebäude unterzubringen, welches der Stadt, da zur Zeit die Verhandlungen über den Erwerb dieses Gebäudes noch schweben, bedingungslos zur Verfügung gestellt wurde. Herr Löb er kann den Antrag, eine Schulklasse im alten Hosgerichtsgebäude provisorisch unterzubringen, nicht ernst nehmen; wenn auch die Verhandlungen wegen Abtretung dieses Gebäudes an die Stadt noch nicht zu Ende seien, so sei doch mit Einweisung einer Schule in dasselbe die Stadt thatsächlich in den Besitz des Gebäudes getreten und könne darüber verfügen- man solle sobald wie möglich durch Niederlegung der Walther'schen Hofraithe den Platz zwischen Lindenplatz und Brandplatz den bestimmten Zwecken dienstbar machen. Er müsse sich mißbilligend darüber aussprechen, daß der Schulvorstand nicht ein anderes Local zur Unterbringung der neuen Schulklasse habe ausfindig machen können, es würden alte Häuser angekauft, für welche mau keine Verwendung habe, es sei Sache der Commission, für passende Locale zu sorgen, an solchen sei kein Mangel. Herr- Bürgermeister Gnauth bemerkt hierzu: Es wolle ihm doch scheinen, als ob die rechtliche Folgerung des Herrn Löber hinfällig sei, wonach die Stadt das Hosgerichtsgebäude nieder- legcn könne, weil ihr bittweise die provisorische Unterbringung einer Schulklasse darin gestattet worden sei. Schulvorstand und Baucommission hätten vergeblich nach einem anderen Locale gesucht; wenn ein Stadtverordneter nunmehr den gestellten Antrag als „Spaß" bezeichnen wolle, so könne wohl billig verlangt werden, daß dieser Stadtverordneter sich seinen eigenen Kopf wegen Beschaffung eines solchen zer- ! breche, statt blos unfruchtbare Kritik zu üben. — Herr Georgi weist als Mitglied des Schulvorstandes auch seinerseits die Aeußerung des Herrn Löber mit Entschiedenheit zurück- Herr Löber solle ein Local nennen. In ähnlichem Sinne "äußert sich Herr Petri, bemerkend, daß noch lange nicht jedes Local sich zu einem Klassenzimmer eigne. Herr Löber will auf sein Recht zu freimüthiger Kritik nicht verzichten. (Schluß folgt.)
— Nach einer in der „Post" veröffentlichten Notiz ist nach deren Information eine strafrechtliche Untersuchung gegen den Reichstagsabgcordneten Pickenbach nicht cingeleitet worden.
— Die gestern Abend zur Feier des I. Mai abgehaltene Arbeiter-Versammlung war zahlreich besucht. Als Festredner sprach Herr Krämer aus Frankfurt, an dem unterhaltenden Theilc des Abends betheiligte sich ein hiesiger Gesangverein. Die Feier ging nach V212 Uhr, bis zu welcher Zeit die polizeiliche Erlaubniß ertheilt war, zu Ende.
— Zwei Einbrnchsdiebstähle in der Bahnhofstraße und Rodheimerstraße wurden heute Nacht ausgesührt. In dem Hause der Bahnhofstraße wurde das Einsteigen durch ein offenes Fenster erleichtert und verschiedene Geräthe, zum täglichen Gebrauch dienend, mitgenommen. Auf der Rodheimerstraße fanden Cigarren, Briefmarken und einiges Geld Mitnahme. .
Friedberg, 30. April. Se. K. Hoh. der Großherzog und höchstdessen Familie werden nach vorläufigen Bestimmungen am 12. Mai zu einem mehrwöchigen Anfenthalte dahier erwartet.
Bed Nauheim, 30. April. Trotzdem die Badesaison erst morgen officiell beginnt, ist doch schon eine größere Anzahl Kursremde hier eingetroffen. Allen Anzeichen nach dürfen wir auch Heuer wieder einer günstigen Saison entgegensehen. Die Regierung ist freilich auch aus das Eifrigste bestrebt, den hiesigen Heilapparat auf der Höhe der Situation zu erhalten und dürfen hier der Chef der Finanzverwaltung Exc. Weber, der Specialreferent von Nauheim Oberbergrath Braun und Oberbaurath von Welzien in erster Linie als eifrige Förderer unserer Badeinteressen genannt werden, ohne damit den Verdiensten der Referenten aus den übrigen betheiligten Ressorts im Geringsten zu nahe treten zu wollen. — Der Bau des fünften Badehauses wird jedenfalls auf das Günstigste aus eine weitere und wesentliche Erhöhung der Fremden- Frequenz einwirken.
M. Lauterbach, 1. Mai. Das Personal der Wagner- schen Hutfabrik in Blitzenrod bei Lauterbach wird am 4. Mai ein großes Arbeiter fest abhalten. Am Tage findet Concert, Abends Tanzbelustigung im „Hamburger Hof" statt.
— Veränderungen beim ärztlichen und veterinärärztlichen Personale des Großherzogthums. In den Mynaten Januar bis März l. Js. haben sich niedergelassen die practischen Aerzte Dr.Dr. Streng und Heyder in Gteßen, Stumpf in Egels-
I bach, Baum in Beerfelden, Stroh in Groß-Buseck, Geßner in Michelstadt, Badenheimer in Darmstadt, Dahlem in Oppenheim, Friedrich und Hochgesand in Mainz, Jakob Becker in Dietzenbach, Hirsch in Friedberg, Franz Baur in Bad-Nau- heim, Briegleb in Worms, Theodor Schmidt in Ulrichstein und der practische Veterinärarzt Olt in Ober-Namstadt. — Verzogen sind innerhalb des Großherzogthums die practischen Aerzte Dr.Dr. Kreuder von Nidda nach Ortenberg, Flichter von Egelsbach nach Neu-Isenburg, Siebert von Trebur nach Kostheim, Koch von Dietzenbach nach Nidda, ferner Stigell von Heppenheim a. d. B. nach Gedern und Gros von Nidda nach Offenbach, Beide als Kreisassistenärzte, und die praktischen Veterinärärzte: Sehrt von Ober-Ramstadt nach Wald- Michelbach und Neunhöffer von Odernheim nach Heppenheim a. d. B. — Außerhalb des Großherzogthums sind verzogen die practischen Aerzte Dr.Dr. Mayer von Beerfelden nach Bern- kastel, Avellis von Gießen nach Frankfurt a. M., Sior von Darmstadt nach Hagenau, Salzer von Offenbach nach Aschaffenburg, Doehring von Gießen nach Königsberg i. P., Uhl und Meßner von Mainz nach Wiesbaden, LucanuS von Mainz nach Hanau, Forschner von Mainz unbekannt wohin.
dt. Neu - Ulrichstein, 1. Mai. Monatsbericht pro April 1 890 der Arbeit er-Colo nie. Ende April 1890 sind in der Colonie stellen-, resp. arbeitslos 68 Mann. Dieselben Vertheilen sich auf das Groß- herzogthum Hessen 25, Provinz Hessen-Cassel 3, Hessen- Nassau 2, Stadt Berlin 1 , Provinz Rheinlande 3, Provinz Posen 1, Provinz Pommern 1, Provinz Ostpreußen 2, Provinz Westpreußen 1 , Provinz Westfalen 1 , Provinz Brandenburg 2, Provinz Schlesien 2, Provinz Sachsen 3, Provinz Hannover 1. Königreich Bayern 9, Königreich Württemberg 2. Großherzogthum Baden 3. Thüringische Staaten 3. Kaiserthum Oesterreich 3.
Hiervon waren: Arbeiter 23, Bäcker 6, Conditor 1, Gärtner 1, Kaminfeger 1, Kammmacher 1 , Kaufleute 4, Kellner 2, Knopfmacher , Krankenwärter 1, Metzger 2, Maschinenschlosser 1 , Schlosser 3, Schneider 3, Schuhmacher 8, Schreiber 4, Stuhlmacher 1, Steinmetz 1, Tuchmacher 1, Tuchscherer 1, Ziegler 1, Zimmermann 1.
Seit Bestehen der Colonie sind ausgenommen 1429. Abgegangen sind 1361. Im April sind entlassen 40 und zwar in Arbeit durch die Colonie 2, in Arbeit durch eigenes Bemühen 2, auf eigenen Wttnsch 35, zum Militär 1.
Berpfiegtingstage im April 1890: 2213. Gearbeitet wurde an 1797 Tagen, hierunter 426 Tage für fremde Rechnung.
*= Frankfurt a. M., 1. Mai. Der heurige Tag unterscheidet sich äußerlich kaum von irgend einem anderen. Aller- wärts geschäftige Eile, regsame Hände, völlige Ruhe. Von den gefürchteten Arbeiterbataillonen keine Spur. Nur in demjenigen Stadttheil, in welchem Schwagers Felsenkeller liegt, zeigte sich von 9 Uhr Vormittags ab eine größere Lebhaftigkeit. Die feiernden Arbeiter zogen zu der ein- berujenen Volksversammlung, in welcher der Redacteur des neuen Arbeiterblattes „Frankfurter Volksstimme" einen Vortrag über „Internationale Arbeiterschutzgesetzgebung" hielt. In der Versammlung, welche reichlich von Seiten der Polizeibehörde überwacht war, herrschte vollständige Ordnung und in größter Ruhe und Ordnung verließen auch die Ver-
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sammelten gegen */zl Uhr wieder den Saal. Es wurde auf Antrag des Referenten, des vorgenannten Redacteurs, folgende Resolution angenommen:
„Die Versammlung erklärt, im Einverständniß mit den Beschlüffen des Pariser Arbeiter-Congresses, auf welchem die deutsche Arbeiterschaft durch über 100 Abgeordnete vertreten war, daß die Forderung eines gesetzlich festzustellenden Normalarbeitstages, der in wirtschaftlich entwickelten Ländern schon jetzt unter Wahrung aller berechtigten Jntereffen der Industrie auf 8 Stunden bemessen werden kann, sowie die übrigen vom Pariser Congresse formulirten Forderungen des nationalen und internationalen Arbeiterschutzes eine Lebensfrage für das arbeitende Volk sind, und sie wendet sich an die Gesetzgebung mit dem Verlangen, diesen Forderungen gerecht zu werden."
Der „Kl. Pr." wird mitgetheilt, von Seiten der Staatsbehörde seien sür den heutigen Tag große Vorsichtsmaßregeln getroffen worden. Die Hauptwache sei um 30 Mann verstärkt, die Mündungs- und Visirdeckel seien von den Läusen entfernt und auch die Reichsbank sei in besonderen Schutz genommen worden.
Univerfitäts
Marburg, 1. Mai. Gegen Ende des gegenwärtigen Sommer- semesters wird das hiesige Studentencorps „Teutonia" feinen 65jährigen Stiftungstag durch eine größere Festlichkeit begehen.
— Der bisherige Privatdocent Dr. Karl Partsch zu Breslau ist zum außerordentlichen Professor in der medicinischen Facultät der Universität daselbst ernannt worden.
— Die Universität Sydney ist auf der Suche nach einem Professor der Geschichte. Trotzdem der Lehrstuhl mit einem sich bis zu 1200 Lstrl. steigernden Gehalte von 900 Lstrl. ausgestattet ist, haben sich bisher noch keine englischen Historiker von Bedeutung um die Stelle beworben. Die Universität Sydney ist in Anbetracht ihres kurzen Bestehens reich. Ein alter australischer Eolonist hat ihr allein etwa 250000 Lstrl. testamentarisch vermacht.________________________
Verkehr, Land- und Volkswirthschaft.
Einträge ins Mnfierschutz'Regifier.
Nr. 108. Firma Georg Philipp Gail in Gteßen, ein verschlossenes Packet, enthaltend einen Farbengolddruck und eine Banderolle zur Ausstattung von Etgarrenkisten, Fabriknummern 17 und 18, Geschäftsnummern 5 und 6, Flachenerzeugnisse, Schutzfrist 3 Jahre, anyemeldet am 14. April 1890, Vormittags 10 Uhr. — Nr. 109. „Buderus' sche Eisenwerke", ein nicht verschlossenes Packet mit zwei Zeichnungen eines auf Hirzenbatnerhütte hergestellten neuen Modells in zwei Ausführungen eines sogenannten „Ausziehbaren Feuerungs-Einsatzes" nach Patent K. Ehncs, plastisches Er- zeugniß, Schutzfrist 3 Jahre, Geschäftsnummer 25, angemeldet am 26. April 1890, Vormittags 9 Uhr.
Schiffsnachrichten.
Bremen, 1. Mai. sPer transatlantischen Telegraph.] Der Schnelldampfer Hermann, Eapt. H. Bödecker, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 17. April von Bremen und am 18. April von Southampton abgegangen war, ist gestern wohlbehalten in Newyork angekommen.
Bremen, 1. Mai. (Per transatlantischen Telegraph.] Der Postdamvier Main, Eapt. M. Moeller, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 17. Avril von Bremen abgegangen war, ist gestern wohlbehalten in Baltimore angekommen.
Kirchliche Anzeigen der Stadt Gießen.
Evangelische Gemeinde.
Gottesdienst
Sonntag Cantate, 4. Mai.
Vormittags 9«/r Uhr: Pfarrer Dr. Naumann.
Abends 6 Uhr: Pfarrer Dingeldey.
Kinderkirche, Vormittags 11 Uhr, Pfarrer Dingeldey.
Am Sonntag Rogate, den 11. Mai: Beichte un d heiliges Abendmahl im Vormittagsgottesdienst.
Die Vfarrgeschäfte in der Woche vom 4. bis 10. Mai besorgt Pfarrer Dr. Naumann.
Katholische Gemeinde.
4. Sonntag nach Ostern, 4. Mai.
Samstag: Nachmittags um 4 Uhr und Abends um V28 Uhr Gelegenheit zur hl. Beichte.
Sonntag: Morgens von 6 Uhr an Gelegenheit zur hl. Beichte; um 1/?7 Uhr Austheilung der hl Communion; um V,8 Uhr Frühmessei; um 3/<10 Uhr Hochamt mit Predigt. Nachmittags um 1/»3 Ubr Christenlehre und Andacht
Während des ganzes Monates Mai findet jede« Dienstag und Freitag AbendS 6 Uhr Maiandacht statt.
Gottesdienst m der Synagoge.
3. Mai.
Freitag Abend 7™ Uhr, Samstag Morgen 800 Uhr, Samstag Mittag 4« Uhr, Samstag Abend 8™ Uhr.
Temperatur der Lahn und der Lust am 2. Mai, Vormittags zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 9'/z, Luft 13 Gr.
Rübsameu.
Concursversahren.
In dem Concursversahren über das Vermögen des Metzgers Karl Keiner zu Gießen ist zur Prüfung der nachträglich angemeldeten Forderungen, zur Abnahme der Schlußrechnung des Verwalters, zur Erhebung von Einwendungen gegen das Schlußverzeichniß der bei der Vertheilung zu berücksichtigenden Forderungen und zur Be- schlußfaffung der Gläubiger über die nicht verwerthbaren Vermögensstücke der Schlußtermin auf
den 22. Mai 1890, Vormittags 9 Uhr,
vor dem Großherzogl. Amtsgerichte Hierselbst bestimmt.
Gießen, den 28. April 1890.
Bühner, [3979
Hilfs - Gerichtsschreiber des Großherzoglichen Amtsgerichts.
Bekanntmachung.
Im Concursversahren über den Nachlaß des Kaufmanns Kaspar Becker zu Gießen ist Schlußrechnung gestellt; dieselbe liegt bei der Gerichtsschreiberei Großherzogl. Amtsgerichts Gießen zur Einsicht der Jnter- effenten offen. Der zur Vertheilung kommende Maffenbestand beträgt 1688 Mark 58 Pfg. und die zur Tbeitnahme berechtigten Forderungen 7193 Mark 91 Pfg.
Gießen, den 1. Mai 1890.
Karl KleeS, 3988 Concursverwalter.
Hochfeinen
Aepfelwein empfiehlt Emil Orbis, 3934] Bahnhofstraße 30.
Preisen.
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Zeige hiermit an, daß ich Hierselbst für kurze Zeit einen Unterricht in Filigran-Arbeit eröffnet habe, und lade die geehrten Damen zur Besichtigung derselben in meiner Wohnung Bismarckstraste 6,1 ergebens! ein. 2892
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