1890
Sonntaa bett 2. November
Erstes Blatt
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Die Gießener M«»ltte«ßtäito, werden dem Anzeiger T-chentlich dreimal beigelegt.
Der HK-neer Aa-rige; erscheint täglich, 8stt Ausnahme deS Montags.
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Gießen, am 1. November 1890.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius.
diesmal die Regentschaft im Großherzogthum Luxemburg vorläufig von auswärts führt oder sich wiederum nach Luxemburg begibt.
Die sehr schwankend gewordenen Aussichten für die neuliche colonialpolitische Verständigung zwischen England und Portugal in Südostafrika sind in den letzten Tagen wieder etwas günstigere geworden. Der neue portugiesische Minister des Auswärtigen hat der englischen Regierung einen „modus vivendi" unter sehr annehmbaren Bedingungen Vorschlägen lassen, wie das officiöse Lissaboner Journal „Dia" versichert, und werden dieselben gegenwärtig in London berathen. Andere portugiesische Zeitungen berichten, daß die portugiesischen Vorschläge in der Anordnung der freien Schifffahrt auf dem Zambesi gipfeln, wogegen England sich verpflichten solle, keinen Verträgen mit Häuptlingen zuzustimmen, deren Gebiete innerhalb der Interessensphäre Portugals liegen, bevor nicht die Abgrenzung der beiderseitigen afrikanischen Besitzungen end- giltig festgestellt sei. Die in diesen Vorschlägen bekundete Haltung Portugals ist eine so maßvolle, daß man wohl erwarten darf, es werde jetzt auch die englische Regierung in dem Streite mit Portugal mehr Entgegenkommen zeigen.
Der Oberhäuptling des unter deutscher Schutzherrschast stehenden Damaralandes in Südwestafrika, Kamaherero, ist gestorben, wie eine Meldung aus Capstadt besagt. Kamaherero hatte in letzter Zeit den Deutschen gegenüber eine ziemlich zweideutige Haltung eingenommen.
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Vierteljähriger KkonnemeuttPrrL». 2 Mark 20 Psg. vrk Bringerlohn. Durch die Post bezog» 2 Mark 50 Pf,.
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D e s Malers Rache.
Eine wahre Begebenheit.
Erzählt von A. I. Mordtmann.
(Nachdruck verboten.)
Vor 30 Jahren fing der belgische Maler Antoine Wiertz an, durch seine originellen und phantastischen Gemälde Aufsehen zu erregen und es wurde Mode, sich von ihm por- trätiren zu lassen. Doch ließ er diese Gunst nicht Jedermann zu Theil werden, sondern nur Solchen, deren Physiognomie seinem aus das Excentrische mehr als auf das Schöne gerichteten Sinne zusagten.
Eines Tages erhielt er den Besuch eines gewissen Herrn van Spach, eines Notars, der das Gelüste verspürte, seine Züge von dem berühmten Künstler verewigen zu lassen. Meister van Spach, dessen trockenes runzeliges Gesicht einen Ausdruck von Schlauheit und Wichtigthuerei zeigte, war einer der reichsten Männer in Brüssel, dabei aber ebenso geizig wie er reich war, eine Eigenschaft, welche ihm den Spitznamen Meister Harpago eingetragen hatte.
Obgleich Wiertz diese Schwäche seines Besuchers kannte, ging er doch ohne Zögern auf dessen Gesuch ein. Die Sache war die, daß ihn der malerische Kopf des alten Notars beim ersten Blick gefesselt hatte. Dieser Kops mit dem kahlen Schädel, der runzeligen Stirn, den struppigen Brauen, den kleinen, stechenden Augen, der Habichtsnase und den dünnen Lippen war ein wahrer Schatz für einen Künstler. Wiertz war bezaubert und während der Besuch pomphaft seine^Wünsche auseinandersetzte, prägte sich der Künstler jede Linie, jeden Zug seines Gesichtes ein.
„Wie viel wird das Porträt kosten?" fragte der Notar vorsichtig.
„Mein Preis ist zehntausend Francs, Monsieur," lautete die Antwort.
Der Alte stutzte, zuckte die Achseln und sagte trocken, indem er seinen Hut nahm: „Dann habe ich die Ehre, Ihnen guten Morgen zu wünschen."
Alle Annoncen-Bureaux der In- und Auslandes nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgeg«.
SS SO 15125
Hinauf zu des Himmels urewigem Saal, Und tröstend bringt sie in seligen Höh'n Dereinst, dereinst ein Wiederseh'n
Am Tage aller Seelen.
Schulte vom
Neueste Nachrichten.
WolffS telegraphisches Lorrespondenz-Bureau.
Berlin, 31. October. Im „Reichsanzeiger" macht der Minister des Innern bekannt, daß die Eröffnung des Landtags am 12. November, Mittags 12 Uhr, durch den Kaiser im „Weißen Saale" des Königsschlosses erfolgen wird.
Berlin, 31. October. Das „Militärwochenblatt" veröffentlicht die Ernennung des Generallieutenants v. Linde- quist (bisher in Frankfurt als Commandeur der 21. Division) zum Generaladjutanten des Kaisers und Königs und die Commandirung Lindequists zur Uebernahme des Commandos der 26. Division (ersten württembergischen), sowie die Versetzung des Generalmajors Nückisch-Rosenegk (34. Brigade) zum Offizier ä la suite der Armee und die Commandirung desselben nach Württemberg behufs Uebernahme der Führung der 27. Division (zweiten württembergischen).
Berlin, 31. October. In dem Speicher der Allgemeinen Deutschen Handels-Gesellschaft, Neue Friedrichstraße 48, be-
Allerseelentsg.*)
Die Fluren sind kahl und entlaubt ist der Wald, Die Blumen des Sommers verbleichten so bald, Die lieblichen Sänger sind alle entfloh'n, Schon reift es im Thale und Stürme droh'n
Am Tage aller Seelen.
Doch draußen, wo Hügel an Hügel sich reiht,
Wo sie ruhen, die Schläfer, nach Freuden und Lerd, Da strahlt es von Kerzen in flimmerndem Glanz, Da leuchten die Blumen, da duftet der Kranz
Am Tage aller Seelen.
Und funkelt im Lenze die grünende Au —
Hier schimmerts von Thränen wie funkelnder Thau — O, preist sie, der Liebe unsterbliche Kraft,
Die im Herbst, bei den Gräbern, den Frühling noch schafft Am Tage aller Seelen.
Sie bauet die Brücke vom irdischen Thal
Pottttsche ttebersicht.
Gießen, 1. November.
Der König von Belgien stattete während seiner Anwesenheit in Berlin am Mittwoch Nachmittag u. A. auch dem Reichskanzler v. Caprivi einen Besuch von etwa einstündiger Dauer ab. Welche Fragen der europäischen Politik hierbei vielleicht mit zur Erörterung gelangt sind, entzieht sich natürlich noch der Kenntniß weiterer Kreise, jedenfalls kann aber der lange Besuch König Leopolds bei unserem leitenden Staatsmann als ein Beweis gelten, welcher Werthschätzung sich Herr v. Caprivi auch seitens des belgischen Monarchen erfreut.
Als Termin für den Wiederzusammentritt des Reichstags» Plenums wird neuerdings anstatt des 18. November der 25. November genannt. Nach wie vor hängt indessen die Entscheidung in dieser Frage von der Fertigstellung des neuen Reichsetats im Bundesrathe ab.
Eine Verfügung des sächsischen Kriegsministers beruft die Reservisten und Landwehrleute des sächsischen Armeecorps zu einer 10tägigen Uebuug mit dem für das rauchlose Pulver construirten Gewehre ein. Die Einberufungen sollen in den ersten Novembertagen beginnen und bis in den December hinein währen, die Uebungen würden also in eine Zeit fallen, welche für viele Handels- und Erwerbszweige den lebhaftesten geschäftlichen Verkehr des ganzen Jahres zu bringen pflegt. Dem Vernehmen nach beabsichtigt man in den betreffenden Jnteressenkreisen, an maßgebender Stelle die Verlegung dieser Uebungen auf die Monate Januar und Februar zu erbitten, da sonst Handel- und Gewerbestand durch den Zeitpunkt dieser Maßregel, wie ihn das sächsische Kriegsministerium festgesetzt hat, empfindlich üenachtheiligt werden würde. .
Die Ruhe im Canton Tesfin ist nach einer osficiösen Meldung aus Bern jetzt vollständig hergestellt und konnte daher das aufgebotene 42. Infanterie-Bataillon vom Bundes- Commissar Künzli wieder entlassen werden. Ueber die bekannten Vorgänge in der Stadt Lugano hat Oberst Künzli einen ausführlichen Bericht an die Bundesregierung eingesandt. Auch im Canton Freiburg, wo eine Nachahmung des Putsches der Tessiner Liberalen drohte, herrscht wieder Ruhe, freilich erst, seitdem dort einige Compagnien regulären Militärs ausgeboten wurden.
Der luxemburgische Staatsminister Eyschen hat sich nach Schloß Hohenburg in Bayern begeben, um daselbst mit dem Herzog von Nassau wegen der Negentschaftsfrage zu con- feriren. Vermuthlich handelt es sich bei diesen Conferenzen in erster Linie um die Entscheidung darüber, ob Herzog Adolf
*) Dies stimmungsvolle Gedicht entnehmen wir Lieder - Smnvbonieen" von Schulte vom Brühl , ^ Schellknbng'sche Hof-Buchdruckerei). Preis 4 Der dichterisch hochstehende Inhalt und die prächtige Ausstattung des reich illustrirten Werkes machen dieses zu einem sinnigen Festgeschenk besonders ge-
Aber Wiertz, der fürchtete, dies vielversprechende Modell zu verlieren, beeilte sich, hinzuzufügen: „Das ist mein gewöhnlicher Preis, aber da Ihr Gesicht mich interessirt, so bin ich nicht abgeneigt, zu Ihren Gunsten eine Ausnahme zu machen. Wie wäre es mit fünftausend Francs?"
Aber Herr van Spach sand auch diese Forderung für ein „Stück bemalter Leinwand" übertrieben.
Endlich nach vielem Handeln und Ueberlegen willigte er ein, dreitausend Francs für das Porträt, einschließlich des Rahmens, zu bezahlen, und dann verabschiedete er sich mit der Frage: „Wann soll die erste Sitzung stattfinden?"
Der Maler, welcher hinsichtlich dieses Portraits seine eigenen Ideen hatte, erwiderte: „Es eilt nicht, ich bin gerade jetzt stark beschäftigt und werde es Sie wissen lassen, wenn ich einen Morgen frei habe. A revoir!“
Kaum hatte der Notar das Atelier verlassen, als Wiertz Pinsel und Palette ergriff, eine frische Leinwand auf seine Staffelei spannte und die Umrisse des Bildes aus dem Ge- dächtniß zu malen begann. Wiertz konnte erstaunlich schnell arbeiten und als der Abend anbrach, war das Bild so gut wie fertig. Aus demselben war der Notar dargestellt, wie er, das Gesicht voll dem Beschauer zugewendet, an einem mit Papieren und Documenten bedeckten Tische saß. Der Kopf hob sich von einem dunklen Hintergründe vortrefflich ab und war in der besten Manier des Meisters ausgeführt. Die Ähnlichkeit war eine schlagende und gab nicht allein die Züge, sondern auch den Character und Ausdruck des Urbildes wieder. Kurz, die Leinwand schien zu leben.
Am folgenden Morgen that Wiertz die letzten Pinselstriche, spannte das Gemälde in einen Rahmen und schickte es an van Spach; der Ueberbringer sollte auf Antwort warten.
Wiertz rieb sich die Hände vor Vergnügen, wenn er sich das Entzücken und Erstaunen des alten Herrn und das Aussehen vorstellte, welches diese wunderbare Leistung in Künster- kreisen Hervorrufen würde. Aber eö kam anders. Der Bote.
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Theil.
Bekanntmachung,
die Maß- und Gewichtsrevision betreffend.
Wir machen die Besitzer von festfundamentirten Brückenwaagen und Waagen über 2000 kg Tragkraft auf die Bestimmung des § 68 Ziffer 7 der Aichordnung vom 27. De- cember 1884 (Reichsgesetzblatt von 1885 Rr. 25) aufmerksam, wonach diese Waagen im öffentlichen Verkehr nur bis zum Ablauf von drei Jahren nach Schluß desjenigen Kalenderjahres angewendet werden dürfen, in welchem die Aichung oder eine Wiederholung der Aichung laut der aufgestempelten Angabe der Jahreszahl derselben erfolgt ist und wonach daher bei solchen Waagen die Aichung alle drei Jahre zu wiederholen ist.
Gießen, den 25. October 1890.
Großherzogliches Kreisamt Gießen- v. Gagern._________________
Gießen, den 25. October 1890.
Betr-: Wie vorhergehend.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
<m die Grotzh. Bürgermeisterei«« de» Kreis«».
Sie wollen vorstehende Bekanntmachung, betr. die Maß- und Gewichtsrevision aus ortsübliche Weise zur Kenntniß der Interessenten bringen lassen und hinsichtlich der den Gemeinden gehörigen Brückenwaagen den Inhalt selbst beachten.
v. Gagern. _________________
" Wieseck, den 31. October 1890.
Betr.: Den Gang des Dekanats betreffend.
Das Großh. evang. Dekanat Gießen
an die evang. Pfarrämter deS Dekanat-.
Ich theile Ihnen mit, daß der Dekanatsbote erst am 10. und 12. November seinen Rundgang machen wird. Zur Martini-Conserenz lade ich Sie aus den 11. November nach
in G* und ein kleiner >u verlausen.
die Exped. d. Bl, chw. Aron Narktstrch 32 n ihre Neuheiten in in, Regenschirmen, i, Hemden, Nacht- Neinklelderu u s w. in er QuMhzMbWen ____m
Wollene
lusmhl W bei Wittich 11., Sattler, heuftabt 6.


