Ausgabe 
2.2.1890 Erstes Blatt
 
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bcb3 Kind, welches derartig verbrüht wurde, daß cs trotz ärztlicher Hilfe gestern Abend verstarb.

36 500 Gulden geraubt. Ans W i e n, 29. Januar, wird berichtet: Der Scontist der Firma Adolf Ignaz Mauthner & Söhne, Wilhelm Leirer, der sich schon seit einigen Tagen unwohl fühlte, fand sich heute Bormittag um 11 Uhr im Vestibüle des Giro und Kaffenvereins ein. Hier fühlte er sich plötzlich unwohl und stürzte ohnmächtig zusammen. Als Leirer wieder zu sich gebracht worden war, bemerkte er mit Entsetzen den Abgang eines großen Geldbetrages, den er vor seinem OhnmachtsanfaÜe in einem Umschlag von blauem Papier in der Hand gehalten hatte. Die Summe des Geldes, welches er bei sich getragen, belief sich auf 36500 st. Weiter hatte er in demselben Umschlag eine Acrie der Oesterreichisch- Ungarischen Bank verwahrt. Der Geldbetrag bestand aus 24 Stück Tausendern und 12 500 st. in Fünfzigern. Ein Gauner hatte die Ohnmacht Leirers benützt, um demselben das Packet aus der Hand zu nehmen und sich mit seiner Beute auS dem Staub zu machen.

* Ein Dampfer aus New "gork macht seine dreizehn Knoten die Stunde, als sich vorn ein Schrei hören läßt:Ein Mann über Bord!"Halt!" ruft Ler Kapitän. Darauf wendet er sich zum Rechnungsführer:Hat er seine Ueberfahrt be­zahlt?"Ja!"Vorwärts!" ruft der Kapitän. Und das Schiff setzt seine Fahrt fort.

Universitäts - Tlad?rid?tcn.

Herr Dr. Karl Eckstein hat sich unter Betdehallung seiner Stellung als Affistent am Zoologischen Institut der Forst-Akademie Eberswalde daselbst als Prioatdocent habilitirt.

Literatur und Aunft.

»Der Stein der Weisen." Das soeben ausgegebcne 3. Heft dieser mit ungeteiltem Beifalle aufgenommenen populär­wissenschaftlichen Halbmonatschrift enthält die folgenden bemeckens- werthen Aufsätze: 1.Die Straußenzucht" von E. Montanas, mit 5 Illustrationen;Das electrische Clavter" von Dr. R. Etsenmann; Die größte Drehbrücke der Welt" mit großem Vollbilde;Jntensüäi und Dauer der Ltchtempfindung";lieber Hlmmelsphotographte" Ton Eugen v. Gebhard mit 6 Illustrationen (sehr interessant!); Zur vergleichenden Anatomie des Kehlkopfes", mit einer Tafel, 13 Figuren enthaltend; Phonograph, Graphophon und Grammophon von G. van Muyden, mit einem Vollbilde und 5 Tixtillubrationen; Henry M. Stanley und Emin Pascha vom Redactem der Zeitschrift, mit 2 Porträts. Der Notizentheil (Kleine Mappe") enthält eine ganze Menge technischer und naturwissenschaftlicher Mittheilunaen, darunter die hübsche Arbeit des Pros. Franz Müller über Den Wunderbau der Bienenzelle" (mit 10 Figuren). Auf dem Um­schläge ist ein sehr übersichtliches astronomisches und landwirthschast- liches Kalendarium enthalten. Bei solcher Gediegenheit und Reich haltigkeit wird es demStein der Weisen" an verdientem Erfolg gewiß nicht fehlen. Die Zeitschrift kann sowohl vom Verleger (A. Hartlebens Verlagsbuchhandlung, Wien) oder von jeder Buch' Handlung und zwar zum Preise von 50 Pfg. das Heft bezogen werden.

Ein Mahnwort an Guts- und Gartenbesitzer.

Von I. Beez in (Stuttgart.

Bei der steten Bevölkerungszunahme des deutschen Reiches ist es von höchster national-oconomischer Bedeutung, die Menge der Genußmittel und die Zahl der Erwerbsquellen zu ver­mehren. In dieser Beziehung verdienen alle Producte der Natur, welche bisher noch zu wenig berücksichtigt wurden, einer besonderen Beachtung. Hierzu gehören vor Allem die bei uns einheimischen Beerenobststräucher, von denen wir Millionen mehr und reiche Ernten haben könnten. Für die Mehrheit unseres Volkes aber ist Obst noch ein Luxusartikel und wir erfahren durch die Statistik zu linserer Beschämung, daß jährlich für über 5 Millionen Mark an Beerenobst­erzeugnissen eingesührt werden, während dem Deutschland in seinem Klima und Boden einen Schatz besitzt, herrliche Früchte im Ueberfluß hervorzubriugen, wie kein anderes Land der Erde. Von einer Beeren-Obstcultur im Großen ist bei uns noch kaum die Rede. Manche Farmer in Amerika haben 50 bis 100 Hectar Feld der Erdbeercultur eingeräumt, in England werden große Flächen mit Johannis-, Stachel- und Himbeeren angelegt, deren Früchte zu Conseroen und Wein­bereitung verwendet werden und der Erdbeerertrag in nächster Umgebung von London wird jährlich auf einige Millionen

Mark geschätzt. In Frankreich bepflanzt man nicht nur die von der Reblaus zerstörten Felder, sondern auch zwischen den Wcinstöcken massenweise Johannisbeeren und verwendet namentlich die schwarzen (Cassis) dazu, dem Tranbenwein ein angenehmes Bouqnet zu geben. Wir kennen diese Frucht­pflanzen kaum mehr als dem Namen nach, welche der Amerikaner erst von Deutschland beziehen mußte, um sich in derselben Vermögen zu sammeln. Wo man dieselben im Garten duldet, sind sie vernachlässigt, unartigen Kindern preis­gegeben, zerrissen und ihrer unreifen und deshalb wcrthlosen Früchte beraubt, obgleich die wenigen gut gepflegten Pflanzungen Deutschlands reiche Ernten liefern. Aus den alten Jnvaliden- anlagen des großen Kurfürsten in Werder bei Potsdam werden jährlich ca. 150 000 Liter Erdbeeren und 500000 Liter Johannis- und Himbeeren im Werthe von 200000 Mk. nach Berlin geliefert und die Gemeinde Stanffenberg in Baden hat es dnrch ihre ausgedehnten Erdbeerculturen zu einer Wohlhabenheit gebracht. Wir lassen, gestützt aus eigene Erfahrungen und Kosten, eine ungefähre Kosten- und Ertrags- bercchnung folgen von 8 Ar Feld mit Obst und Beerenobst angelegt.

Ausgabe.

Für 40 Obstpyramiden ä 1 Mk. 40 Mk.

200 Johannisbeerpflanzen 25

2000 Erdbeerpflanzen 50

Summa 115 Mk.

Einnahme.

Ertrag an Früchten jährlich: Für 10 Ctr. Johannisbeeren 100 Mk.

5 Erdbeeren 150

Summa 250 Mk.

Ertrag bei Weinbereitung:

200 Johannisbeerpflanzen geben mit dem nöthigen Wasser- und Zuckerzusatz 1000 Liter Wein ä 50 Pfg. 500 Mk.

2000 Erdbeerpflaiizen geben 300 Liter Wein ä 80 Pfg. 240

Summa 740 Mk.

Hiervon ab für 4 Ctr. Zucker 130

Ertrag 610 Mk.

Bei dieser Ausstellung tst der geringste Fruchtertrag, der geringste Verkaufspreis und ein Ertrag der Obstpyramiden gar nicht berechnet. Letztere tragen vom zweiten Jahre an in gut gewählten Sorten reichlich Früchte und stellen nach 56 Jahren ein werthvolles Obstgut dar. Keine Cultur- pflanze liefert einen ähnlichen Ertrag, jährlich sicher, indem ungünstige Witterung weder auf Qualität noch Quantität der Ernte erheblichen Einfluß hat.

(D. A. Z. s. Landw.)

verkehr, Land- und <>olk»»virth|chaft.

Die französische Kochkunst ist im Allgemeinen nicht so cornplicirt, wie man bei uns annimmt; sie zeichnet sich im Gegentheil vielfach durch Einfachheit aus. Das zeigt z. B folgendes Recept, mit welchem man die Suppe ä la Julienne, deren Zubereitung viel Zeit und Auf­merksamkeit erfordert, oortheilhoft ersetzt: Carotten (Möhren), Steck­rüben, Zwiebeln, Kohl und Lauch werden in kleine, möglichst gleiche Stücke geschnitten, so daß man zusammen etwa zwei Pfund davon hat. Mit 200 Gramm Butter werden diese Gemüse in einer Kasserole gedünstet, bis sie sich leicht färben; dann gibt man drei Liter Wasser und 35 Gramm ^alz daran Man kann auch noch eine Hand voll gut gereinigten Saueramphers binuifügen. Die Gemüse läßt man an langsamem Feuer gar werden, überzeugt sich, ob hinreichend Salz daran ist und gibt etwas Liebigs Fleischextract (einen Kaffeelöffel auf fünf bis sechs Personen) hinzu. Diese Suppe wird an jeder Tafel Beifall finden. 8.

Gießen, 1. Februar. (Marktbericht). Auf dem heutigen Wocherrmarkt kostete: Butter pr. Pst. a. 0,951,00, Hühnereier 1 St. 80, 2 St- H, Enteneier 1 Sb 9 H, 2 St. Gänse eier 1314 H, Käse pr- St. 47 H, Käsematte pr. St. 3 Erbsen pr. Liter 18 H, Linsen vr. Liter 30 4, Tauben pr. Paar JL 0,700,00, Hühner pr. Stück JL 1,501.70, Hahnen pr. St. vM 1,60-2,00, Enten pr. Stück JL 2.002,20, Gänse pr. Pfd 50fO H, Ochsensleisch pr. Pfd 6672 H, Kuh- und Rindfleisch 5660 H, Schweinefleisch 6070 H, Hammelfleisch 5066 H, Kalb­fleisch 5660 H, Kartoffeln pr. 100 Kilo JL 4,004,50, Weißkraut pr. St. 68 4» ZwiebÄn per Centner JL 9,0010,00, Milch vr. Liter 1218

Alle, die zu Halsleiden disponirt sind, sollen bei ungünstiger Witterung, fcharsen Wmden,Jteoei rc. nie ausgehen, ohne eine der Fay'schen Sovener Minei al Pastillen tm Munde zu haben. Durch Die Heilkraft der mineralischen Satze dieser Pastillen wird die nachthetlige Wirkung der austrocknenden Winde, der Rebel rc. aufgehoben und catarrhalische Erkrankung im Keime erstickt. Wem seine Gesundheit lieb, schütze sich durch dieses treffliche Mittel, das in allen Apotheken und Droguen ä 85 Pfg. erhältlich ist. 65

Schwarze und farbige Seidenstoffe direkt anw der Fabrik von von Elten & Keussen, Crefeld, also aus erster Hand, in jedem Maas zu beziehen. Man verlange Muster mit Angabe des Gewünschten. 118

Amtliche Prüfung der Lichtstärke des Leuchtgases.

Januar 1890: 19 Kerzen.

Buchner.

Auszug aus den Standesamtsregistern

der Stadt Gietzen.

Eheschließungen.

Januar: 31. Otto Rühl, Posthilfsbote dahier, mit Maris Koch Hierselbst.

Geborene.

Januar: 18. Dem Hüttslademeister Heinrich Christ eine Tochter, Hedwig Wilhelmine Luise. 20. Dem Fuhrmann Heinrich Schleuntng eine Tochter, Lina Bertha Elise. 23. Dem Diensiknecht Heinrich Lotz ein Sohn. 25. Dem Schuhmacher Karl Müller X. ein Sohn, Karl Georg Heinrich. 27. Dem Conditor Ludwig Döll em Sohn, Wilhelm Ferdinand Hermann. 28. Dem Uhrmacher Fritz Scharmann ein Sohn.

Gestorbene.

Januar: 23. Christine Roll, 82 Jahre alt, Prioatin dahier. 25. Philipp Müller III., 58 Jahre alt, Weißbinder dahier. 25. Dora Sophie Wolff, 1 Jahr alt, Tochter von Schriftsetzer Albert Wolff dahier. 27. Alfred Ignatz Clemens Carl Willmaser, 1 Monat alt, Sohn oon Küisckner Alfred Willmaser dahier. 27. Elise Kumpe, 67 Jahre alt, Lauffrau dahier, Wittwe von Georg Kumpe. 31. Heinrich Marlin Ludwig Rusag, 11 Jahre alt, Sohn von Weichensteller Heinrich Rusog dahier.

Auszug aus den Kirchenbüchern

der Stadt Gietzen.

Evangeltscbe Gemeinde.

Getaufte.

Den 26. Januar. Dem Weichensteller Karl Ulm ein Sohn, Hermann Wilhelm Gustav, geboren den 15. December 1889.

Denselben. Dem Lehrer Ludwig Schaaf ein Sohn, HanS Conrad Friedrich, geboten den 22. December 1889.

Den 30. Januar. Dem staoitschen Slraßenkehrer Ludwig Scherer Zwtllingssöhne, Hermann und Friedrich, geboren den 15. Januar.

Beerdigte.

Den 26. Januar. Louis Rinn, Schreibgehife, alt 16 Jahre, gestorben den 23. Januar.

Denselben. Ludwig Jung, Hausbupche, alt 42 Jahre alt, ge­storben den 24. Januar.

Denselben. Christine Noll, alt 82 Jahre, gestorben den 24. Januar.

Den 27. Januar. Philipp Müller III., Weißbinder, alt 58 Jahre, gestorben den 24. Januar.

Broopreise

vom 2. bis 16. Februar 1890.

1 Kgr. (2 Pfd.

'4 P d.'

2

(4 Pfd.) Schwarzbrod 2. Sorte

3

2 P '4 P '2 P

2 1

2 1

58

27

54

25

24

50

48

bei K. Lenz Wwe.

bei K. Lenz Wwe.

Bei den Bäckern.

Weißbrod......

Weißbrod......

Schwarzbrod 1. Sorte

Schwarzbrod 1. Sorte

Schwarzbrod 2. Sorte

d.' b. fd.

(6 Pfd.) Schwarzbrod 2. ©ort;

bei I. Lein, K> Haas, L. Keil 75

Bei den Brodverkänfer«.

1 Kgr. (2 Pfd.) Weißbrod.......... ... 29

2 (4 ) 58

1 (2 ) Schwarzbrod 1. Sorte.........27

2 r (4 ) Schwarzbrod 1. Sorte.........54

3 (6 ) Schwarzbrod 1. Sorte........

1 (2 ) Schwarzbrod 2. Sorte..... 25

2 (4 , ) Schwarzbrod 2. Sorte....... .50

3 - (6 ) Schwarzbrod 2. Sorte.........

Gießen, den 1. Februar 1890. Großh. Polizeiamt Gießen. Fresenius.

Geschäfts

nzeige.

Einem verehr!, hiesigen und auswärtigen Publikum zur Nachricht, daß ich das seither unter der Firma Schmidt <$? Repp dahier betriebene

Hut-, Schirm- und Pelzwaaren-Geschäft in Folge freundschaftlichen Uebereinkommens mit meinem Affocie, Herrn Fr. Schmidt, mit dem heutigen Tage für eigene Rechnung übernommen habe und dasselbe in meinem neuen Locale lAnd^ttptals; TVo. 5

fortführen werde. Bei Bedarf mich bestens empfohlen haltend, zeichne

963 Hochachtungsvoll

Heinrich Repp.

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