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1.11.1890
 
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Nr. 255.

Samstag den L November

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-letzener Anzeiger rrscheint täglich, mit Ausnahme des MontagS.

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Kenerat-Anzeiger.

1890

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Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr.

Gratisbeilage: Gießener Jamikienbkätter

Amtlicher Theil.

Bekanntmachung,

den Schutz junger Obstbäume betreffend.

Beim Herannahen des Winters machen wir die Land- wirthe unseres Kreises darauf aufmerksam, ihre jungen Obst­bäume in gehöriger Weise gegen Hasenfraß zu schützen. Das Umwickeln der Bäume mit Stroh oder Ginstern, wie es viel­fach üblich ist, ist nicht genügend, da der Hase diese beiden Schutzmittel leicht durchnagt; auch nisten sich im Stroh gern Obstbaumschädlinge ein. Einen wirklichen Schutz gewährt viel­mehr nur ein dichtes Umbinden der Bäume mit Dornen. Bei der großen Bedeutung, welche der Obstbau zur Zeit hat, liegt es im dringenden Jntereffe der Landwirthe, ihren Bäumen diesen leicht und billig zu beschaffenden Schutz angedeihen zu laffen.

Gießen, den 28. October 1890.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

politische Uebevsicht.

Gießen, 31. October.

Der königliche Gast unseres Kaiserhauses, Leopold von Belgien, hat seinen Besuch am kaiserlichen Hofe nach drei­tägigem Aufenthalte wieder beendigt und am Donnerstag Abend die Rückreise angetreten. Die Anwesenheit deS belgi­schen Monarchen in Potsdam resp. Berlin trug keinerlei poli­tischen Charaeter, welchen französische Blätter der Berliner Reise König Leopolds so gern aufprägen möchten, dieselbe war in erster Linie eine Erwiderung des im vergangenen Sommer abgeftatteten Besuches Kaiser Wilhelms bei dem belgischen Herrscher in Ostende. Dann allerdings entspricht auch der Gegenbesuch König Leopolds bei Kaiser Wilhelm den herzlichen freundschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Mon­archen und diese persönliche Freundschaft wird sicherlich auch auf das gegenseitige Verhältniß ihrer Staaten und Völker zurückwirken.

Das Programm für die Reise des Reichskanzlers v. Caprivi anläßlich seiner bevorstehenden Zusammenkunft mit dem italie­nischen Ministerpräsidenten Crispi ist jetzt endgültig festgesetzt. Herr v. Caprivi trifft am 4. November in München ein, um dem Prinzregenten Luitpold seine Aufwartung zu machen, und reist am 6. November von der bayerischen Hauptstadt aus weiter nach Mailand, woselbst er am folgenden Tage mit Herrn Crispi zusammentrifft. Der Zusammenkunft beider Staatsmänner wohnt so berichten wenigstens römische Blätter auch der italienische Generalstabschef Cosenz bei, um dem deutschen Reichskanzler Erläuterungen über die mili­tärische Lage Italiens zu geben. In Mailand gedenkt Herr v. Caprivi eventuell bis zum Nachmittag des 10. November zu verweilen und wird er alsdann die Rückreise direct nach Berlin antreten.

Die von Sachsen und Bayern beim Bundesrathe gestell­ten Anträge, betr. die Milderung der Viehsperre gegen Oester­reich-Ungarn, stecken noch immer in den zuständigen Ausschüssen, ohne daß sich das Schicksal dieser wichtigen Anträge absehen ließe. Mächtige Einflüsse sollen sich gegen sie geltend machen und wird namentlich der preußische Minister für Landwirth- schaft, Herr v. Lucius, als ein entschiedener Gegner der sächsisch-bayerischen Anträge bezeichnet und heißt es, Herr to. Lucius mache hierbei hauptsächlich ernste sanitäre Bedenken geltend.

In den Bundesraths-Ausschüssen beginnen in diesen Tagen die Berathungen über eine Reihe von Einzeletats des neuen Reichsetats und von der Fertigstellung derselben wird es wesentlich mit abhängen, ob das Reichstagsplenum doch noch am 18. November zusammentritt, wie dies ursprünglich ge­plant war. Jedenfalls kann man trotz des gleichzeitigen Tagens des preußischen Landtages nur wünschen, daß es bei dem Wiederzusammentritt des Reichsparlaments zum ^.Novem­ber verbleibt, denn wenn das Plenum, nach einer neuerdings aufgetauchten Version, erst Anfang December einberufen wer­den soll, dann würden ihm bis Weihnachten nur ein paar Wochen übrig bleiben, in denen schwerlich noch etwas Beson­deres geleistet werden kann.

Der Reichscommissar Major v. Wißmann hat nunmehr, nachdem er zuvor noch vom Kaiser sowie vom König der Bel­gier empfangen worden war, die Rückreise nach Ostafrika zur Wiederübernahme seines Postens angetreten. Von der That- kraft und Energie Wißmanns steht zu erwarten, daß er mit den anfständischen und räuberischen Banden, die .neuerdings an verschiedenen Punkten des deutsch-ostafrikanischen Schutz- zebietes wieder aufgetaucht sind, kurzen Proceß machen wird.

Im Haag tagen seit Dienstag gemeinsam die beiden holländischen Kammern, um bezüglich der Regenlschaftsfrage definitiven Beschluß zu fassen. In der Dienstagssitzung er­stattete der Ministerpräsident Mackay Bericht über den Ge­sundheitszustand des Königs und erklärte unter Hinweis aus das Gutachten der Aerzte, daß der König nicht mehr regierungs- sähig sei, was vom Justizminister und vom Colonialminister aus eigener Anschauung bestätigt wurde. Schließlich ver­langte der Ministerrath von den Kammern die nach der Ver- fassung erforderliche Erklärung über die Einsetzung der Regent­schaft. Der weitere Verlaus der Angelegenheit könnte nur dann Schwierigkeiten machen, wenn, wie gerüchtweise ver­lautet, die Königin Emma sich weigern sollte, die Regentschaft zu führen, worüber aber noch keine Mittheilungen von zu­ständiger Seite vorliegen.

Nach weiteren Meldungen haben die beiden vereinigten holländischen Kammern fast mit Stimmeneinheit die Erklärung der Regierungsunfähigkeit König Wilhelms ausgesprochen, in Uebereinstimmung mit dem bezüglichen Anträge des Minister- rathes. Entsprechend der Verfassung übt jetzt der Staats­rath einstweilen die königliche Gewalt in Holland aus, bis die Regentschaftsfrage durch Einsetzung der Regentschaft end­gültig geregelt sein wird, zu welchem Behufe den General­staaten in etwa zwei Wochen ein Gesetzentwurf zugehen wird. Da König Wilhelm nach dem Ausspruche der Aerzte, obwohl körperlich ziemlich wiederhergestellt, doch geistig dauernd um- nachtet bleiben wird, so wird die Regentschaft den Character einer dauernden Institution bis zum Ableben des Monarchen tragen. In Luxemburg übernimmt selbstverständlich der Herzog Adolf von Nassau wiederum die Regentschaft.

Dem schweizerischen Bundesrathe macht sein Schmerzens­kind, das Tessin, auf's Neue zu schaffen. Hier haben die Conservativ Clericalen die Zurückweisung ihrer Beschwerden gegen die Tessiner Volksabstimmung vom 5. October durch den Bnndesrath übel empfunden und unter dem Eindrücke dieser Stimmung, wohl auch infolge der durch die National­rathswahlen vom 26. October hervorgerufenen Erregung, ist es in Lugano zu Unruhen gekommen. Die Tumultuanten griffen sogar das Bundesmilitär an und sind daher vom Bundesrathe neue militärische Maßregeln für das Tessin an­geordnet worden. Ferner stehen sich auch im Canton Frei­burg Clericale und Liberale drohend gegenüber, weshalb die dortige Cantonsregierung 2 Compagnien aufgeboten hat. Vom Bundesrathe ist indeß beschlossen worden, einstweilen in die Freiburger Angelegenheiten nicht einzugreifen, da die Frei­burger Regierung glaubt, mit dem aufgebotenen Militär die Ordnung aufrecht erhalten zu können. Nach neueren Mel­dungen sotten die Unruhen in Lugano von den Liberalen aus­gegangen sein, denen das Abfeuern von Freudenschüssen wegen des Ausfalles der Nationalraths'wahlen im Tessin seitens des Bundescommissars Künzli verboten wurde.

Das Schatzamt zu Washington beschloß, daß die Impor­teure von Waaren, aus denen ein Specialzoll erhoben wird, keine Zeugnisse über die Kosten der Fabrikation beizubringen brauchen. Wie gnädig! Nach einer Erklärung des Direc­tors der Münze hängt die gegenwärtige Silberbaisse mit den großen Silbervorräthen zusammen, die zur Zeit in New-Uork angehäust sind, und mit dem Aushören der Nachfrage für die Silberausfuhr.

Deutsches Aeich.

Darmstadt, 30. October. Prinz Heinrich von Preußen kommt übermorgen zu vierzehntägigem Besuche hierher und reist dann zu den Hochzeitsfestlichkeiten nach Berlin weiter.

Darmstadt, 29. October. Ausführung der Landes- Feuerlöschordnung. Das heute ausgegebene Regierungs­blatt verkündigt die Ausführungsverordnnng zu der schon vor einiger Zeit veröffentlichten Landes-Feuerlöschordnung. Durch dieselbe wird letzteres Gesetz in 27 Paragraphen sehr ein­gehend erläutert und in zahlreichen Punkten ergänzt, wobei Randtitel die Uebersicht des Lesers wesentlich erleichtern. Durch den letzten Paragraphen wird auch der früher vor­behaltene Zeitpunkt des Inkrafttretens des Gesetzes und zwar für den 1. April 1891 bestimmt, gleichzeitig aber der wich­tige Vorbehalt gemacht, daß solchen Gemeinden, deren wirth- schaftliche Lage dies erforderlich erscheinen läßt, soweit bedeu­tendere Ausgaben in Frage stehen und es sich nicht um die unausschiebliche Befriedigung dringender Bedürfnisse handelt, zu gestatten ist, die erstmalige Beschaffung der zu einer den veränderten Bestimmungen entsprechenden Gestaltung des Feuerlöschwesens erforderlichen neuen Einrichtungen und Ge- räthe auf eine von der Aufsichtsbehörde zu bestimmende Reihe von Jahren zu Vertheilen.

Akte Annoncen-Bureaux deS In« und Auslandes nehme« Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Neueste Nachrichten.

WolffS telegraphisches Correspondenz-Bureau.

Berlin, 30. October. Das Programm für die Ver- mählungsseier der Prinzessin Victoria mit dem Prinzen Adolf von Schaumburg ist derPost" zu­folge folgendes: Am 17. November Galaoper in Berlin, am 18. November Galatafel bei der Kaiserin Friedrich, am 19. November findet die Vermählung im Königlichen Schlosse zu Berlin nach den herkömmlichen Formalitäten, aber ohne Fackeltanz statt. Abends erfolgt die Abreise der Neuver­mählten nach dem Stadtschloß in Potsdam. Am 20. No­vember Frühstück bei den Neuvermählten in Potsdam, am 21. November Feier des Geburtstages der Kaiserin Friedrich im Familienkreise, am 22. November Abreise des neuver­mählten Paares nach Bückeburg und nach dem Einzuge da­selbst Weiterreise nach Malta und Egypten.

Berlin, 30. October. DerReichsanzeiger" veröffent­licht den Fahrplan der Küstenschifffahrt zwischen Sansibar und Jnhambane im Anschluß an die Reichspost- Dampferlinie zwischen Hamburg und der Delagoabay.

Berlin, 30. October. Der König der Belgier stattete gestern Nachmittag dem Reichskanzler Caprivi einen längeren Besuch ab. Er kam heute Vormittag nach Berlin und besuchte das Mausoleum in Charlottenburg.

Berlin, 30. October. Der General-Feldmarschall Graf v. Moltke hat an den Oberbürgermeister von Berlin, v. Forckenbeck, unter dem 28. October nachstehendes Schreiben gerichtet:

Hochgeehrter Herr Oberbürgermeister!

Wie Sie an meinem Geburtstage die gemeinschaftliche Adresse der deutschen Städte und der Haupt- und Residenz­stadt Berlin mir überreichten, habe ich meinen tiefempfundenen Dank für die hohe, mir dadurch erwiesene Ehre schon persönlich Ihnen und den übrigen anwesenden Herren aussprecheu können. Gleichzeitig durfte ich Ihnen, als dem ersten Vertreter der Stadt, für den großartigen Fackelzug danken, den Berlin mir am Abend vorher gegeben hatte. Dennoch ist es mir Be- dürfniß, Ihnen noch einmal schriftlich zu wiederholen, wie tief mich diese Beweise des Wohlwollens meiner Mitbürger bewegt haben. Mit inniger Freude hat es mich erfüllt, daß Städte aller deutschen Lande zu einer gemeinsamen Adresse zusammengetreten sind und daß, im Verein mit der akademi­schen Jugend, die Berliner Bürgerschaft aller Kreise in einem so überaus glänzenden Fackelzug sich vereinigt hatte, um meinen 91. Geburtstag zu feiern. In diesen gemeinsamen Kundgebungen sehe ich mehr als eine Huldigung für meine Person. Ich fasse sie auf als einen Ausdruck der Erinnerung an jene Zeit, wo das Vaterland aus trauriger innerer Zer­splitterung heraus sich erhob, wo alle seine Stämme zu treuer Waffenbrüderschaft geeint in heißem Streit ein einiges und starkes Deutschland sich erkämpften, um es dereinst als teuerstes Vermächtniß den kommenden Geschlechtern zu hinter­lassen. In diesem Sinne nahm ich die Huldigung gerne an, die mir, als dem ältesten Soldaten der Armee, gebracht worden ist. Abermals habe ich aus ihr die freudige Gewiß­heit geschöpft, daß die schwer errungene, mit theurem Blute bezahlte Einigkeit Deutschlands stets unerschütterlich sich zeigen wird, wo es sich um die Erhaltung des Bestehenden handelt, um sein Heer, um die gemeinsame Vertheidigung von Kaiser und Reich.

Mit der vorzüglichsten Hochachtung habe ich die Ehre zu sein, hochgeehrter Herr Oberbürgermeister,

Ihr ganz ergebener

Graf Moltke, General-Feldmarschall.

Potsdam, 30. October. Se. Majestät der Kaiser und Se. Majestät der König der Belgier fuhren nach dem Frühstück vom Neuen Palais im offenen Wagen nach der Garnisonkirche und besichtigten daselbst, von dem Garnison- und Hofprediger v. Hase und dem Hofprediger Rogge ge­leitet, das Innere der Kirche und das Grabgewölbe Friedrich des Großen.

Dresden, 30. October. Die Abtheilung Dresden der deutschen Coloni al-Gesellschaft hatte am 27. d. M. dem Reichskanzler folgende Depesche gesandt:

Reichskanzler v. Caprivi, Berlin. Nach einem Vortrage des Herrn Fritz Bley über die letzten Ereigniffe in Ostafrika spricht die heute versammelte Abtheilung Dresden der deutschen Colonial-Gesellschast ihr vollstes Vertrauen zu Ew. Excellenz planvollem und entschiedenem Eintreten für die Organisation unserer zukunftsreichsten Colonie aus und erhofft von dem­selben dauernde Sicherung und gleichmäßige Förderung der in Ostafrika interessirten wirtschaftlichen Kräfte zum Nutzen des Vaterlandes."