1890
Dienstag den 1. April
Nr. 77
Kenerat-Mnzeiger
Amts- Anzeigeblatt fih? den "Kreis Gieren
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nochmals zum erhebenden Ausdruck gelangen, da man an vielen Orten unseres Vaterlandes Ovationen für den zurück» getretenen Kanzler zum 1. April geplant hat. Dieses Dankgefühl des deutschen Volkes, wie auch der Dank und die so ehrende Anerkennung seitens seines Kaisers und endlich die Bewunderung aller Zeitgenossen, sie sind dem Fürsten Bismarck in die Stille des Sachsenwaldes gefolgt und wenn er nun dort, entrückt seinem bisherigen weltumfassenden Wirkungskreise, seinen Eintritt in einen neuen Lebensabschnitt feiert, so darf der Einiger Deutschlands gewiß sein, daß ihn die tiefgefühltesten und herzlichsten Glückwünsche aller patriotischen Deutschen hierbei geleiten.
Fürst Bismarck begeht seinen 75. Geburtstag in be- wundernswürdiger geistiger Frische und in erfreulichstem körperlichen Wohlbefinden und beides läßt erhoffen, daß der in Millionen Herzen lebende Wunsch, daß Deutschlands größter Staatsmann seinem Volke und seinem Lande noch lange erhalten bleiben möge, in Erfüllung gehen werde. Wohl ist die politische Thätigkeit des Gefeierten äußerlich nunmehr abgeschlossen, aber auch außerhalb derselben wird sich für ihn noch oftmals Gelegenheit finden, seinen erprobten Rath dem Vaterlande zur Verfügung zu stellen und hierzu wird der greise Kanzler noch jede Stunde bereit sein, dafür bürgt sein ganzer Charakter, sein über jeden Zweifel erhabener Patriotismus! In dieser lebhaften Hoffnung begrüßt das deutsche Volk seinen Otto von Bismarck zum 1. April 1890 — möge dem sondergleichen verdienten Greise auch in dem neuen Lebensjahre und noch lange, lange fernerhin Frische des Geistes und Heiterkeit der Seele wie Wohlsein des Körpers beschieden sein!
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jedes Land als nothwendig erachtet. Ferner wurde angenommen, daß es wünschenswert!) sei, der Ruhetag für alle Industriearbeiter sei der Sonntag. Hierbei enthielt sich Frankreich der Abstimmung. Heber die zweite Frage des Programms, welche Ausnahmen sind zulässig, falls eine Einigung betreffs der Sonntagsruhe erziehlt wird, stimmten alle Anwesenden, England ausgenommen, für folgende Ausnahmen. „Alle Betriebe, welche aus technischen Gründen oder weil sie Gegenstände unbedingter Nothwendigkeit liefern, einer ununterbrochenen Produetion bedürfen; alle nur auf eine bestimmte Jahreszeit beschränkten oder von der Wirkung elementarer Kräfte abhängenden Betriebe; auch in diesen Betrieben müssen die Arbeiter auf zwei Sonntage einen frei haben." Betreffs der dritten Frage, wie die Ausnahmen festzustellen seien, traten England, Frankreich und Italien dem belgischen Vorschläge bei, daß die Mittel, die Ausnahmen festzustellen, jedem Staate zu überlassen seien, ebenso die Mittel, die Beschlüsse der Con- serenz zu verwirklichen. Die übrigen Mächte stimmten dem Vorschläge Luxemburgs zu: „Es ist wünschenswert!), daß die Ausnahmen für alle Contrahenten dieselben seien und durch eine internationale Vereinbarung festgestellt werden."
Berlin, 29. März. Der erwartete Wechsel auch in der Leitung des Staatsseeretariats des Auswärtigen ist nunmehr zur vollzogenen Thatsache geworden. Der Kaiser hat dem Staatsseeretär Grasen Herbert Bismarck die erbetene Entlassung in gnädigster Form, von welcher namentlich die seltene Verleihung des'Sterns der Großeomthure des Hohen- zollerischen Hausordens an den Grafen Zeugniß ablegt, gewährt und den seitherigen Bevollmächtigten Badens beim Bundesrathe, Freiherrn von Marschall, zu seinem Nachfolger ernannt. Der neue Staatsseeretär des Auswärtigen steht im 48. Lebensjahre und trat 1865 in den Staatsdienst feirred HennenhlcmdrS Baden ein, woselbst er die richterliche Laufbahn wählte. 1875 wurde Herr von Marschall in die erste badische Kammer berufen und 1878 wurde er vom Wahlkreise Karlsruhe-Bruchsal in den Reichstag gewählt, dem er bis 1881 als Mitglied der eonservativen Fraetion angehörte. 1883 wurde Herr von Marschall an Stelle des Freiherrn v. Türckheim zum Bevollmächtigten Badens beim Bundesrathe und Gesandten in Berlin ernannt und in dieser Eigenschaft hat Herr von Marschall besonders an den socialpolitischen Be- rathungen im Bundesrathe wie im Reichstage regen Antheil genommen. Die Ernennung Herrn von Marschalls, als eines Süddeutschen, zum Staatsseeretär des Auswärtigen, ist in Süddeutschland dem Vernehmen nach mit besonderer Genug- rhunng begrüßt worden. Hebrigens bestätigt es sich, daß die oberste verantwortliche Leitung der deutschen Auswärtigen Politik vom Reichskanzler v. Caprivi geführt werden wird.
Berlin, 29. März. Die „Post" bezeichnet die Meldung, daß Fürst Bismarck den Herzogstitel abgelehnt habe, , als unrichtig.
— Die internationale Arbeitersch utzconserenz wurde heute geschlossen.
Berlin, 29. März. Heute Abend war noch eine Anzahl Delegirter der Arbeiter schütz-Eons er enz beim Kaiser zu einem Herrenabend geladen. Auch Botschafter Herbette sieht einzelne Delegirte bei sich.
Berlin, 29. März. Die „Nordd. Allgem. Ztg." theilt heute mit, dem Fürsten Bismarck seien anläßlich seines Scheidens aus dem Dienste so zahlreiche theilnehmende Kundgebungen zugegangen, daß es ohne amtlichen Beistand im Drange des Umzuges nicht möglich sei, dieselben einzeln zu beantworten. Fürst Bismarck bittet, seinen Dank auf diesem Wege entgegenzunehmen. Nachdem Fürst Bismarck gestern am Sarge des Kaisers Wilhelm einen Kranz niedergelegt hatte, verabschiedete er sich heute bei allen königlichen Prinzen. Vor dem Palais in der Wilhelmstraße hat sich eine tausend- köpfige Menge eingefunden, die Abfahrt der fürstlichen Familie erwartend.
Berlin, 29. März. Fürst Bismarck fuhr Nachmittags 5 Uhr im offenen Wagen in Cürassierunisorm aus dem Kaiserpalais nach dem Bahnhofe. Im zweiten Wagen folgte die Fürstin rc. Eine vielsausendköpfige Menschenmenge brachte stürmische Hurrahs auf den Kanzler aus, welche sich bis zum Bahnhofe fortsetzten. Alle Fenster in den Straßen, die der Fürst passirte, waren dicht besetzt und unausgesetzt wehten Tücher. Der Wagen konnte nur langsam fahren, da er von der ihn begleitenden Menge dicht umdrängt wurde. Auf dem Perron war eine Schwadron Garde-Cürassiere zu Fuß mit der Regimentsmusik ausgestellt. Sämmtliche i Minister, das ganze diplomatische Corps, die Hof- und i Staatswürdenträger und die Hofgesellschaft waren anwesend. Es herrschte ein immenser Andrang des Publikums. In den. : festlich geschmückten Wartesälen waren Berge von Bouquets
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Deutsches Reich.
Darmstadt, 29. März. Sein- Ktöni<ylid)p Hohickt hp.r Groß her zog empfingen heute u. A. den Major Feldt vom Nebenetat des Großen Generalstabs a la suite des 2. Großh. Infanterie-Regiments (Grvßherzog) Nr. 116.
Darmstadt, 29. März. Vom Großh. Staatsministerium ist der zweiten Kammer der Stände nachfolgender Gesetzentwurf, betreffend die Ableistung d e s D i e n st e i d e s, zugegangen:
Ludwig IV. von Gottes Gnaden Großherzog von Hessen und bei Rhein rc.
Wir haben mit Zustimmung Unserer getreuen Stände verordnet und verordnen hiermit wie folgt :
Art. 1. Die Abnahme des von einem Beamten zu leistenden Diensteides erfolgt nach näherer Anordnung der zuständigen Ministerien durch eine dem Beamten vorgesetzte Behörde.
Durch dieselbe Behörde erfolgt auch die Abnahme des von einem Beamten in Gemäßheit des Art. 108 der Ver- sassungsurkunde zu leistenden Versassungseides.
Art. 2. Die Bestimmung in Art. 1, Abs. 1, tritt an Stelle der Vorschriften, welche die Abnahme des Diensteides durch eine andere als eine vorgesetzte Behörde anordnen oder * voraussetzen.
Urkundlich Unserer eigenhändigen Unterschrift und beigedrückten Großherzoglichen Siegels.
Darmstadt, den . . .
Darmstadt, 28. März. Die Ministerialabtheilung für Schulangelegenheiten läßt gegenwärtig in sämmtlichen Gemeinden des Landes Erhebungen über die den Lehrern zu- sallenden Mieth ent schädig ungen und die wirklich anf- gewendeten Miethgelder vollziehen. Diese Ermittelungen stehen im Zusammenhang mit einem Antrag des Landes- Lehrervereins um Nenregulirung der in zahlreichen Gemeinden nicht mehr ausreichenden Wohnungsentschädigungen.
Berlin, 29. März, lieber die Beschlüsse der Arbeit e r s ch u tz -- C o n s e r e uz verlautet, dieselben würden bald veröffentlicht werden. Es heißt, die Conferenz hielt die Ein- richttmg sreiwilliger Schiedsämter von Arbeitern und Arbeitgebern für empfehlenswert!), wozu die Einführung von Ar- beiterausschüssen sich nutzbar machen ließen - hinsichtlich der Ausführung der vereinbarten Bestimmungen stimmte man nicht für Errichtung eines internationalen Bureaus, dagegen für periodisch wiederkehrende Tagungen der internationalen Ar- beiterschutz-Conferetiz zum Austausch' der gemachten Erfahrungen. Somit sind die Grundlagen zu einem internationalen Arbeiterrecht geschaffen, das dem inneren Frieden der Con- serenzstaaten, ja sogar dem Weltfrieden zugute kommt. Die Sonntagsruhe anlangend, so verlautet, die Conferenz habe einstimmig den Arbeitern wöchentlich einen Ruhetag gewährt, zweitens beschlossen, daß speciell allen Industriearbeitern wöchentlich ein Ruhetag gewährt werde, und drittens, daß i der Ruhetag der unmündigen Arbeiter der Sonntag sei, vor- : | behältlich der Ausnahmen und der Verzögerungen, welche
Zm 75. GelnirtstM des Mchn Kismrck.
Gießen, 31. März.
Am morgenden Tage vollendet ö'ürft Bismarck das 75. Jahr seines so erreignißvollen und thatenreichen Lebens -und schon der Umstand, daß hiermit der große Staatsmann ans volle drei Viertel seines weltgeschichtlichen Daseins zurück- schanl würde genügen, dem bedeutungsvollen Tage die be- ondere Theilnahme des deutschen Volkes zuzuwenden. Aber diese Theilnahme wird in noch weit größerem Matze dadurch aerechtsertigt, daß Fürst Bismarck sast^am Vorabend feines 75 Geburtstages von einer politischen Stellung zurückgetreten ist' nne sie glänzender und gewaltiger wohl nur wenigen Staatsmännern beschieden gewesen, und erklärlich erscheint da der Schimmer leiser Wehmuth, welcher diesmal über ber Feier des 1. April lagert. Rust dieselbe doch nochmals all das tiefgreifende Wirken in die Erinnerung zuruck, das ber eiserne Kanzler" im Lause langer Jahre zum Hecke seines Volkes und Vaterlandes, dann aber auch zum Segen des aanzen Welttheiles entfaltet hat und daß nun auf einmal betn Schaffen und Walten dieses gewaltigen staatsmännischen Geistes ein Halt geboten morden ist, dies verleiht eben der diesmaligen Feier von „Kanzlers Geburtstag" ein so eigenartiges, ergreifendes Relief!
Aber wenn nun auch Fürst Bismarck von der Hohe, die er als langjähriger weiter der Geschicke Preußens und Deutschlands im Bewußtsein der Zeitgenossen eingenommen hat, äußerlich herabgestiegen ist, so steht er dennoch nn Ansehen ber eigenen Nation vielleicht größer als je da. 9loch find nicht olle Vorgänge, die den Rücktritt des Fürsten Bismarck veranlaßten, zu ihrer Veurtheilung genügend aufgeklärt, und trotzdem kann man es schon als gewiß betrachten, daß ihn auch bei diesem folgenschweren Entschluß, wie bereits in feiner anmen amtlichen Laufbahn, nur die höchst staatsmännischen und politischen Erwägungen, wie bewunderungswürdige patriotische Einsicht geleitet haben und um so lebhafter ist das Dankqefühl des deutschen Volkes gegenüber dem Fürsten bei feinem Scheiden. Die Empfindungen, welche die Kunde von dem definitiven Rücktritte des Kanzlers in den weitesten Kreisen unserer Nation hervorrief, äußerten sich bereits in jenen enl- scheidungsvollen Tagen in zahllosen Kundgebungen des Dankes und der Anhänglichkeit und sie werden an seinem Ehrentage
Bekanntmachung.
Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Grobherzogliches Ministerium des Innern und ber Justiz dem landwirthschaftlichen Vereine für die Provinz Rheinhessen die Eclaubniß ertheilt hat, in Verbindung mit der im Herbste d. I. zu Mainz stattfindenden landwirthschaftlichen Ausstellung tine Verloosung von lebenden Thieren, landwirthschaftlichen Gerüchen, Maschinen, sowie anderen gewerblichen Gegenständen unter der Bedinaung zu veranstalten, daß nicht mehr als 40,000 Loose aüsgegeben und mindestens 50% des Brutto- erlöses aus dem Berkaus der Loose zum Ankauf von Gewinn- gegenständen verwendet werden Die Vornahme der Ver- loofung hat unter obrigkeitlicher Ueberwachnng zu geschehen.
Zugleich ist der Vertrieb der Loose im Großherzogthum gestattet worden.
Gießen, am 29. März 1890.
Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. (Sagern.
Gießen, am 29. März 1890.
Betr.: Die Einrichtung der Fortbildungsschulen.
Die
Großh. Kreis-Schulcommisfion Gießen
an die Schulvorstande de- Kreise-.
Sie wollen uns innerhalb 14 Tagen die Berichte über den Zustand der Fortbildungsschulen im verflossenen Wintersemester einsenden. Dieselben sind nach solgendem Schema abzufassen:
1. Zahl ber Klaffen,
2.
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4.
5.
6.
7.
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„ n Schuler,
Leistungen der Schüler, Betragen der Schüler, Zahl der abgehaltenen Stunden, Höhe der Vergütung für den ganzen Unterricht.
v. Gagern.


