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Htcheirer K»-eig-r «scheint täglich, zak Ausnahme deS MontagS.

Die Gießener N««rtie«dtätter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal btigtftgL

ener Anzeiger

. Kenerat-Mnzeiger.

1890

vierteljähriger AöonuementspretOr 2 Marl 20 Pfg. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg. '

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SchutßratzeKr.H.

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Amts- und Anzeigeblatt für den Areis Gieren.

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«»nahm. Bon Anz.ig.n zu bot Nachmittag, für ben i^kelrener ^amifienkfäller zae «nnoncm.Sur.auf b-r In- unb «u-lanb., nehm«

fntgmbcn Tag nschnn.nb.» Nummer bi, «orm. 10 Uhr. Dransoenage. Gießener ^amilienoitltler.Anzeigen für bmGleßcn.r Anz.ig.r -nlgegm.

Aintttchev Theil.

Bett.: Das akademische Hospital, hier: Bestimmung der Pfleggeldsätze in demselben.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen L« Vie Großh. Bürgermeistereien, die Vorstände Krankenkaffen und der BerufSgenoffeu- schaften im Kreise.

Wir theilen Ihnen hierdurch mit, daß Großh. Ministerium des Innern und der Justiz laut Verfügung vorn 19. Februar j 18 90, nachdem die neuen Kliniken an der Landes-Universität so weit fertig gestellt sind, daß deren Eröffnung im Herbst dieses Iachres zu erwarten ist, es für angezeigt gehalten hat, die Vergütung für die Verpflegung und die Behandlung im aka­demischen Hospital und in der Frauenklinik neu zu regeln und die Pfleggeldsätze mit dem tatsächlichen Kostenaufwand und bei an anderen Hospitälern bestehenden Sätzen mehr in Ein­klang zu bringen.

Auf Grund der stattgehabten Ermittelungen sind nunmehr dir Pfleggelder

für die I. Classe auf 6

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fiic jeden Tag mit Wirkung vom 1. April 1890 an mit der Maßgabe festgesetzt worden, daß der Satz von 70 H auch für die aus Kosten von Gemeinden, Krankenkaffen und Berufs- geioffenschasten aufgenommenen Kranken zu zahlen ist..

Zugleich ist bestimmt worden, daß die Kranken bei ihrer Aufnahme entsprechenden Vorschuß zu leisten und jeweils zu erneuern, oder eine schriftliche Einweisung Seitens der Ge­münden, Krankenkassen und Berussgenoffenschaften. vorzulegen haben, welche genau angiebt, bis zu welchem Zeitpunkt die betreffenden Verbände die Pflegekosten übernehmen.

Gießen, am 26. Februar 1890.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern. -----

Bekanntmachung,

die Bildung der Kreisschulcommissionen betreffend.

Es wird zur allgemeinen Kenntniß gebracht, daß der Kreisausschuß des Kreises Gießen in seiner Sitzung vom 15, d. Mts. gemäß § 76 des Gesetzes vom 16. Juni 1874 ölt Stelle des verstorbenen Kirchenraths Dr. Strack zu

Feuilleton.

unter seines setzte,

migeziindet, kurz, alles Nöthige besorgt.

Ertönte die Klingel des innersten Gemachs, so war das-

,jcn<x verschlossenen Thür die geschriebenen Befehle Gebieters. Wenn er die Zimmerklingel in Bewegung

Nemesis.

Eine Erzählung aus dem Leben von Arthur Stein. (Schluß.)

Wenn er diese Klingel zog, fand der alte Diener

ieibe leer, und der Diener, der seine Geschäfte dort zu ver­richten hatte, beeilte sich, wohl wissend, daß sein Herr während frei ganzen Zett im kleinen Vorzimmer weilte denn nie­mals ging er aus jener Thür in den angrenzenden Park, obgleich er sie zu diesem Zwecke hatte anbringen lassen, bis sein ganzer Hausstand, das ganze Dorf schon lange Zeit der

ti'ar die Thür zwischen beiden Räumen geschlossen und der > Vorhang bewegte sich schwer dazwischen,- die äußere Thür

jedoch war offen und der Diener konnte die Mahlzeiten so- lroht Herrichten, als auch Hinwegräumen. Während der Dauer iet Mahlzeiten wurde der junge Herr von Niemand bedient. Auf dieselbe Weise wurden Lampen oder das Feuer im Kamin

Si'ulie des erquickenden Schlafes sich erfreute.

Nur im tiefsten Dunkel der Nacht wagte er sich hinaus .unb Niemand gelang es, ihm dann zu begegnen.

In dieser bangen Einsamkeit nun, niemals eines Müschen Antlitz schauend, nie die Stimme eines Mitgeschöpses nehmend, niemals selbst gehört oder gesehen, lebte der Ge­bieter dieser prächtigen Häuser fast zwanzig Jahre.

B Man stelle sich das vor, man male sich solche Einsam- ifv solch Leiden für eine Woche, verlängere diese dann jii einem Jahr und dann zu zwanzig Jahren um niöeß diesen Begriff vollständig zu erfassen und die nieder- drückende Bürde solchen Lebens völlig auszudenken, ziehe man

Lang-Göns den Herrn Decan Wahl zu Wieseck zum Mitglied der Kreis-Schulcommission des Kreises Gießen gewählt hat.

Gießen, den 26. Februar 1890

Der Vorsitzende Großh. Kreis-Schulcemmission Gießen, v. Gagern.

Deutsches Reich.

nn. Darmstadt, 27. Februar. Vierte Evangelische Landessynod e. In der heutigen letzten Sitzung der Landessynode wurde zunächst die zweite Lesung des Budgets für den Central-Kirchenfond vorgenommen und ohne Aenderung, conform den Beschlüssen der ersten Lesung zur Erledigung ge­bracht. Dabei nahmen einige Abgeordnete Veranlassung, mit besonderen Wünschen hervorzutreten, welche jedoch Seitens des Kirchen-Regiments in ablehnendem Sinne entschieden wurden. Hiernach entwickelte sich eine lebhafte Debatte über den Antrag Hallwachs-Darmstadt, betreffend die Durchführung eines besseren Orgeldienstes und die Fürsorge für solchen. Allgemein wurde eine Reform in dieser Beziehung für nöthig erachtet und wurde einstimmig dem Antrag des referirenden Ausschusses entsprechend dem Ober - Consistorium für gedachten Zweck 4 000 Mark zur Verfügung gestellt. Zum Schluß wurden noch verschiedene Wahlen vorgenommen, insbesondere zum Disciplinar-Gerichishof und wurde an Stelle des ausschei- denden Pfarrer Römheld der Abgeordnete Stromberger mit großer Majorität gewählt. Weitere Stimmen fielen auf Weisfenbach, Müller-Alsfeld, Pullmann und Stamm. Als Ersatzmänner bestimmte die Synode durch Zuruf W e i f f e n b a ch und S t a m m. Nachdem gab der Präsi­dent Herr Heinzerling der 'Synode Kenntniß von dem Hinscheiden des früheren Prälaten Schmidt-Mainz und widmete demselben einen ehrenden Nachruf, indem er die hervorragenden Verdienste des Dahingeschiedenen um die evang. christliche Sache her vorhob und dessen Hinscheiden aufs Tiefste bedauerte. Hierauf vertagte sich die Synode aus unbestimmte Zeit.

Berlin, 26. Februar. Die Berliner internationale A r b e i t e r s ch u tz c o n s e r e n z rückt ihrer Verwirklichung weit rascher näher, als ursprünglich zu erwarten stand. Wie aus Bern amtlich gemeldet wird, hat der schweizerische Bundes- rath, nachdem ihm seitens der deutschen Regierung osficiell die Absicht, für Mitte März eine internationale Arbeiterschutz- conferenz nach Berlin einzuberufen, kundgegeben und hierbei der Wunsch geäußert worden war, die Schweiz möchte die von ihr angeregte gleiche Conferenz im Interesse der Sache verschieben, überaus entgegenkommend geantwortet und erklärt, daß die Schweiz auf die für Mai in Bern geplante Conferenz

zu Gunsten Deutschlands verzichte. Der endgiltige Verzicht der Schweiz auf die Berner Conferenz fördert das deutsche Con- ferenzproject erheblich und da jetzt zugleich bekannt wird, daß sowohl die belgische wie die englische Regierung die Conserenz­einladung des deutschen Kaisers angenommen haben, so kann an der Eröffnung der Berliner Conferenz zu dem angegebenen Zeitpunkt kaum mehr gezweifelt werden. Nur ist hierbei englischerseits erklärt worden, die englische Regierung werde an der Conferenz in Gemäßheit der in England geltenden Grundsätze der Gesetzgebung theilnehmen und Belgien stellt einige Vorbehalte in Aussicht, welche aber die Mitwirkung der belgischen Negierung an den Conferenzarbeiten nicht hindern werden. Eigentlich herrscht nur noch über die Stellung Frank­reichs gegenüber der Berliner Conferenz einigermaßen Un­klarheit, indessen läßt sich nach den aus Frankreich hierüber bis jetzt vorliegenden Aeußerungen annehmen, daß sich auch die französische Regierung an der Berliner Conferenz schließ­lich betheiügen wird.

Neueste Nachrichten.

Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.

Berlin, 27. Februar. Der Kaiser verließ die Staats­rathssitzung um 6 Uhr Abends.

Berlin, 27. Februar. In der heutigen Stadtverordneten­versammlung wurde mit großer Majorität der bisherige Ober-- bürgermeister Forckenbeck für fernere zwölf Jahre zum Oberbürgermeister gewählt.

DieBerl. Polit. Nachr." können versichern, daß Major Liebert keinerlei militärische Aufgaben in Ostasrika zu lösen hat. Sie bemerken gegenüber den abenteuerlichen Meldungen über einen geplanten großen Eroberungszug Emins, daß es sich dabei weder um die Eroberung Wadelais, noch des östlich des Tanganijka-Sees gelegenen Gebiets, son­dern lediglich um den gewiß berechtigten Wunsch handle, Emin, welcher große Erfahrungen in den centralafrikanischen Angelegenheiten besitze, für die deutschen Interessen in Ost­afrika zu gewinnen.

Berlin, 27. Februar. DieBerl. Pol. Nachr." ver­nehmen über den äußeren Gang der gestrigen Verhandlungen der Staatsrathsabtheilungen, daß der Kaiser mit bewundernswerther Umsicht und strengster Objectivität das Präsidium führte und dem Gange der Discussion mit großem Ernste folgte. Nach dem Referat Miquels und dem Cor- referat Jenckes folgte eine eingehende Debatte. Am Früh­stück im Nebensaale nahm auch der Kaiser theil, wobei er sich mit einzelnen Mitgliedern unterhielt. Der Reichskanzler

das frühere Leben dieses Mannes in Betracht, seine ver­zärtelte, hochmüthige Natur und seine peinliche Empfindlich­keit in jeder Hinsicht. Hieran denkend und an die Last des zu tragenden Geheimnisses der neugierigen Welt gegenüber, welche ihr Ideal vermißte und nun den Grund dieses lebendigen Todes zu wissen begehrte, können Sie sich einen ungefähren Begriff machen von der andauernden und fast unerträglichen, entsetzlichen Qual dieser zwanzig Jahre.

Endlich kam die Zeit, wo die Mahlzeiten noch kaum mehr berührt wurden später fand man gar keine Befehle mehr unter der verschlossenen Thür, bis eines Tages ein Stückchen Papier dort lag, auf welchem der sehnliche Wunsch ausgedrückt war, einen Prediger baldigst herbeizurufen.

Der Vicar war damals so alt als ich jetzt bin und er war es auch, der mir diese Geschichte ebenso mitgetheilt, wie ich sie Ihnen jetzt eben erzählte. Dieser kam und betete, wie ihm aufgetragen war zu thun, knieend an der äußeren Thür. Er wußte, daß die Thür zum Schlafzimmer geöffnet war, woselbst der Herr saß, aber ihm wurde unter­sagt, hinter den zugezogenen Vorhang zu treten, und nicht im Traum wäre es ihm beigefallen, dem Wunsche des Aermsten entgegen zu handeln.

Er erhob seine Stimme und betete mit feierlichem Ernste- doch erreichte sein Ohr keine Antwort durch die schweren Wandbekleidungen, und wenn nicht noch zuletzt ein geschriebenes Wort des Dankes gekommen wäre, hätte er geglaubt, der Herr sei verschieden.

Des nächsten Tages kam der Vicar wieder, fand aber keinen Einlaß, denn man hatte nicht nach ihm gesandt.

In derselben Nacht jedoch schickten die bestürzten Diener abermals nach ihm. Sie erklärten insgesammt, daß sie nicht einen einzigen Laut innerhalb der Gemächer ihres Gebieters vernommen 'hätten, und sagten weiter aus, daß er auch Niemand von ihnen schriftlich verlangt oder einge­lassen hätte.

Holet den Arzt, gebot der Vicar, und wir wollen aus irgend eine Art hinein zu gelangen versuchen, er und ich. Ihr hingegen müßt seiner Befehle und Eures Eides Euch erinnern.

Der Arzt kam und man erbrach das Schloß der ersten Thür und der Prediger trat leise ein. Diese Thür, die zum Schlafzimmer führt, war offen und mit einem Blick erschauten sie jetzt die Lösung dieses furchtbaren Geheimnisses.

Der Edelmann lag vollständig angezogen auf dem Bett, in der abgemagerten Rechten noch immer sein geladenes Pistol, seine Linke dagegen nach den Gardinen des Bettes ausgestreckt, als ob er sichern dieselben habe hüllen wollen, als das Ende kam. f

Die Pistole hatte er nicht gebraucht, obgleich, weiß Gott, wenn jemals die Versuchung, Selbstmord zu begehen, ent­schuldigt werden konnte, es hier der Fall war.

Nein! in dieser traurigen Oede, dieser Pein, diesem grausenhasten Leiden hatte er seiner Erlösung entgegen­geharrt.

Der Arzt bedeckte leise das einst so stolze schöne An­gesicht, damit der gräßliche Anblick nicht andere Augen be­leidigen^ möge und das geschah nie. Die treuen alten Diener erinnerten sich und gehorchten selbst jetzt noch den Befehlen ihres todten Herrn. lieber zwanzig Jahre hatten sie mit ihm gelebt, ohne sein Gesicht gesehen zu haben. Sogar noch während dieses einen Tages, an welchem sie Zutritt hatten zu seinem Gemach, hielten sie ihren Eid heilig und ließen die weiße weiche Decke auf seinen Zügen, die sie in ihrer entsetzlichen Entstellung doch nie erkannt hätten.

Das ist die Geschichte. Ich hatte eigentlich nicht ge­wünscht, hier in diesen Räumen dieselbe zu erzählen. Es ist kein Wunder, daß Ihre Nerven aufgeregt sind, doch da Sie. es wünschten, that ich es. Lassen Sie uns gehen--"