Vorstand sind ja doch auch so keine Unmenschen, daß sie einem Knaben zumuthen sollten, bet „Regen und Sturm, Schnee und Ets" die Schule absolut zu besuchen.
Daß Kinder die Schule deS Nachbarortes besuchen müssen, ist nicht bekannt, aber was für einzelne Mühlen und Höfe als Entschuldigung dient, gilt auch für das Dorf in diesem Falle.
Wetter ist angegeben in der Petition, daß man die Fortbildungsschule abschaffen muffe, weil der Abend allein die Zeit auf dem Lande sei, in der Ellern und Kinder sich zum gemüthlichen Familienleben zusammen finden können. In dieser Beit könnten He dem Vater behülfltch sein bet den Aufzeichnungen, die er über geschäftliche und sonstige Angelegenheiten zu machen hat, die Mutter bet ihren Handarbeiten (? die Knaben) oder sonstigen häuslichen Verrichtungen unterstützen, den jüngeren Geschwistern in de» verschiedenen Schulfächern nachhelfen.
Soll denn die 1-2 Stunden Fortbildungsschule an 2 oder 3 Abenden das alles hindern und stören? Oder sollte nicht sie vielleicht mehr helfend und fördernd sein Mr Ausführung des so ideal gedachten, aber in der Wirklichkeit meistens auch ohne Fortbildungsschule nicht vorhandenen Familienbetsammenseins? In der Fortbildungsschule könnte gerade Geschäftsaufsatz für die Hilfe bet dem Vater recht günstig zu Statten kommen und die Repetition der gemeinen oder Dectmalbrüche oder sonst etwas konnte sehr gut für Bruder oder Schwester paffen, die als schulpflichtig noch nach- geholfen bekommen sollen. Der Bruder „Forlbrldungsschüler" hat es vielleicht auch J?0« W vergessen gehabt, aber, Heil euch, jüngeren Geschwistern, in der
Fortbildungsschule ist die beinah verlorene Position wieder zurückerobert worden und so tritt der Bruder auch für euch in die Schanze!
Und was eben gegolten füß-s „Geschäftliche" und Rechnen, soll das nicht auch guten für die „erbauliche, belehrende und unterhaltende Lectüre?" Außerdem wird sicher sein, daß gar mancher junge Mensch gar kein Buch in die Hand bekäme, wenn er nicht durch die Abmdschule dazu genöthigt wäre. Dmn mit der allabendlich fleißigen Lecture daheim will es uns ein mißliches Ding scheinen. In der Fortbildungsschule mußte man sonst etwas mehr davon verspüren. Daß für eine höhere Aus- blldung für den landwtrthschaftlichen Beruf eine Ackerbauschule oder ähnliche Fach- schule der Fortbildungsschule vorzuziehen ist, ist gewiß wahr. Ader dafür will ja auch nicht gelten und will eine solche niemals ersetzen. Sie will ja nur „Befestigung und Weiterführung in den Kenntnissen und Fertigkeiten, welche für das bürgerliche Leben vorzugsweise von Nutzen sind" und dazu gehört doch das, was in den Fort- bildungsschulen fast ausschließlich getrieben wird: Lesen, Rechnen, Schreiben, geschäftliche Aufsatze. Und Befestigung und Wetterführung darin haben unsere Jungen recht wohl zu brauchen. Und wenn auch einer ein ganz tüchtiger Schüler war in der Schulzeit, so weiß doch Jeder, der in Schule und Fortbildungsschule gestanden und nun denselben Schuler als Fortbtldungsschüler wieder bekommt, wie sehr er sich im Anfang erstaunt über den etngetretmen Wechsel zum Schlechter« und daß es allemal einiger Wochm bedarf, bis der alte Schüler eben der alte tüchtige und brauchbaie wieder ist
Nehmen wir Alles zusammen, so dürfen wir froh sein, daß gar Manchem unserer jungen Leute Gelegenheit gegeben ist, etwas noch zu lernen und besonders benm auf dem Lande. Sie haben bet der rasch fortschreitenden Zett, auch was land- w rthschaftliche Geräthe, Behandlung des Bodens und mehr betrrfft, nöthtg, etwas ru »issen und zu können. Es sollte bald an der Zeit sein, daß der „dumme" Bauer endlich einmal verschwindet. Das kann aber nicht durch die Verdummungsbestrebungen des „Hessischen Bauernvereins", sondern nur durch treue Mtthülfe des Hessischen Lehrer- £a?,baeä.CIrIan0itrn,crbcP; ^?erdtngs scheint in der Petition schon in der gewöhnlichen Volksschule viel zu viel gelernt zu werden, denn man denke, der ganze Nachmittagsunterricht soll fortan doch wenigstens Vs Jahr lang (warum nicht gleich das ganze Jahr?) ausfallen und zwar vom 11. Jahre ab sicher und, wenn irgend UlLglich. auch für alle übrigen Kinder. Und warum? „Weil dte Landleute schmerzlich die Mithülfe ihrer Kinder vom 1. April bis 30. September entbehren, so lange dieselben zum Schulbesuch verpflichtet sind, weil es den Eltern von höchstem Interesse ihnen die Möglichkeit gegeben wird, ihre Kinder in erhöhtem Dtaße zur Mithulfe heranzuziehen und weil ohnedem zur Sommerzeit in Folge der Hitze dte Nachmittage nur wenig zum gedeihlichen Schulbesuch sich eignen", so heißt es in der Petition.
r Was leeren Punkts zu große Hitze, anlangt, so ist ja Verordnung, daß dte Schule bei über 20v im Schatten ausgesetzt wird, und dieser Tage sind doch sehr wenige. Und was man ber Schneegestöber, rauhen, stürmischen ober regnerischen Tagen, wie im April mit den Kindern bet den ländlichen Arbeiten anfangen will, ist unerklärlich. Da bleiben die Erwachsenen im Ganzen selbst daheim. Würde dann nicht ba d die Klage laut werden: „Wir wissen nicht, was wir mit den Kindern anfangen sollen. War s doch nur Schule!" Außerdem sind ja im Sommerhalbjahr 42 Tage Schulferien und diese sind vom Schulvorstand, überall den ländlichen Bedürfnissen angepaßt, zu geben. Da haben die Eltern den ganzen Tag ihre Kinder und zu der Zeit, wo sie sie am nothigsten brauchen und wo sie wirklich erfolgreich Mitwirken können. Wie soll's mit den Ferien in Zukunft gehen? Sollen sie schwinden, weil ja ohnedem alle Nachmittage frei sind? Das wird nicht der Sinn der Petition sein, denn da braucht man ja die Kinder doppelt zur Hülfe, und um den Eltern recht |
okl die Hülfe der Kinder zu sichern, scheint ja überall der Grund des Mm*#« A-^noerems" zu sein, weshalb die Unterrichtszeit so besch^ttm wird Da? st scheinbar Grund weshalb weiter der Turnunterricht ganz in W^sall fomm™ f“?
iweck-b,. sondern Wahl te6t färbetnb fürM B.Lntoib« K bra SBDltäWuIsetet) soll bas Turnen die G-sunbheit stärken btmSÄift au?baue^@raanbtbeit, wohlgefällige Haltung und Bewegung™ 1d m l
unb Entschlossenheit erziehen. Das ist doch etwas Anderes und^ewtk ’ K unb >°des „Bauernktnd", bas orbentlich in der Schill-
wird bei seinen ländlichen Arbeiten viel besser zurecht kommen mitb
Sraft unb auäbauef haben. Beim Militär wird ber lunae Mann bankbar l-In bob er frühzeitig unb als Kinb turnen mußte, stch beim Tu?mn an aenäuen K-L-r^ gewöhnt, unb größere Gcwanbtheit unb gefälligere unb aefünbere fSnüimn
ftankj Ä, ^Eidlichen Handarbeiten sollen die übrigen Lehrgegen-
l^bis auf das äußerste Maß des für das Leben Nothwendtge beschränktWK (Wunsch 5). Die übrigen Fächer sind: Aufsatz unb Sinflen, ®e^cf)t£btc inh
1 n 5 ^chnen. Wie viel Unterrichtszeit kann und^soll an ihnen weni^^ dafür bemessest"
o u I ungefähr wars zu Großvaters unb Urgroßvaters Beit. Sollen die alten 3‘ ” ™*cbctt=breV Du meinst, es wären doch orben.liche Bauern g?w^en und * nuch gut gestanden. Wir wollen ihnen nicht zu nahe treten und ihren
säB'FrXs?” *■»'
ÄLn? eä r?n?rnt baben 2n der heutigen Zeit, wo an alles größere An! bstellt werden, wo man. nur durchkommen kann, wenn man etwas gelernt da ist es auch für den Landmänn so gut wie für den Geschäftsmann nötßia
LrbCrI6L ^nb bl?T^b nur durch gute Schulen zu bekommen. Dort'muß b^ gelegt werben Unb wenn ihr Landleute und auch die anderen Manches möget, denkt, es ist bei allem etwas zu wünschen unfe ^^utsches Reich wieder hergeben, weil's manchem Menschen nicht darin behagt? Wollen wir unsere hessische Schuletnrichtuna aan» vreisaebe^ ^aentlichb^/^^§^.s?°"brnoerein" nicht paffen will? Und wie viel/ sind's^denn eigentlich, die dem „Hessischen Bauernverein" angehören? In Oberhessen hat Einsender gehört, Rheinhessen soll ebenfalls keine Mitglieder haben uns ben? 200 3m9fl°i?ten in ^^ntge katholische Orte sein, wo solche sind. Sollen Jn Husten veranlassen, gemeinschaftlich zum Rückschritt in unserem Schulwesen und damit zum Rückschritt im Wohle unseres Bauernstandes m
^C;r??^Crns» rcinroic cr nennt» kennt nur nach seiner Petition Rückschritt denn er will die „Bauernkmder" dumm machen. Wo nichts gelernt wird der fchule, kommt d e Dummheit von selbst. Der Dumme aber wir?nichi allein b it miKut tbc§; ledern er muß auch den Beutel ziehen. Wie dte Dummheit ausgebeutet wird, ist ja Jedem bekannt. Und dabet kavns keinen Wohlstand geben S)^?^toen£8 buch um's Wohl der „Bauernkinder" gilt, laßt euch ntcht von dem „Hessischen Bauernoeretn fangen! Unterschreibt nicht, was den ultramontanen Umtrieben erwünscht ist, euch aber und euren Kindern nimmermehr zum Wohle gereichen kann, ^nd wer geschrieben hat, der streiche seinen Namen gründlich durch. Ihr thut euch den besten Dienst und euren Kindern, den Lehrern aber, dte seither mit Treue an fcem Werke geholfen, das unserem Volke zum Wohle gereichen soll und eine Bierbe unfereä Heffenlanbes ist, zeigt ihr bamit, baß ihr ihre seitherige mühsame Arbeit schätzt ^nd dan^ar zu ihnen steht, wenn's gilt, ben Stolz unseres hessischen Lehrerstanbes bte auch etwk?schulÄ?^bN- Und den Lehrern ber „«auernfinber" Unb bie
, , ^nen aber, bte, roie ber Einsenber, auch bie Petition zugeschickt bekommen m ben Zeichen Unwillen wie ben meinen über eine solche Zumuthung
Kktgemeiner Anzeiger.
Ten Empfang der neuesten
Herbst- u. Winter-Kleiderstoffe
in größter Auswahl beehre mich ergebenst anzuzeigen.
S. Weiinersheiiii Nachfolger.
6804
Ich offerire vorzügliche
Nuss-, Anthracit-, melirte und Braunkohlen
zu billigsten Preisen, sowie kleingemachtes trockenes Holz.
Der feinste
aller existirenden Magenbitter ist unstreitig
Josef G-rütter’s G-öttertrank.
(Erfinber unb alleiniger Fabrikant: Josef Grütter in Hannover).
Zu haben in >/-, */. unb '/« Literflaschen bei
5526 Chr. Lndw. Thomas, Wallihorstraße 23.
Georg Schäfer,
Grünbergerstraße 13.
Feinster deutscher
Cognac
-■ ärztlich empfohlen — —
Literflasche Mk. 2.
Alleinige Niederlage
G. C. Windecker,
2093 Seltersweg 2 Ecke am Kreuz.


