1889
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Anlts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Buttaut Schulstraße 7.
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montag-.
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerloh». Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 M
Amtlicher Tsseir
Betreffend: Räumung der Horloff.
An die Großherzoglichen Bürgermeistereien der an der Räumung der Horloff interessirten Gemeinden des Kreises.
^au^ra9en im Jnseratentheil des heutigen Blattes erscheinende Bekanntmachung des Großherroalichen Kulturinaenieurs Wist mann
oor dem ersten Vergebungstermm zweimal in Ihren Gem-inden auf ortsübliche Weise bekannt machen zu lassen. ^mmrmgemeurs ^lymanrr
Gießen, am 27. Juni 1889. Großherzogliches Kreisamt Gießen.
, ______________________________________v. Gagern.__
re« „n_n. r Nr. 13 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 26. d. M, enthält: "
(Nr. 1838.) Gesetz, betreffend die Jnvalivitäts- und Altersmrsicherung. Vom 22. Juni 1889.
.Q,n. m k L , Nr. 14 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 26. d. M., enthält:
Vom 22 Juni 1889 $erorbnund' ^treffend den Eigenthumserwerb und die dingliche Belastung der Grundstücke im Schutzgebiete der Marschall-Inseln., Gießen, am 27. Juni 1889. Grobherzogliches Kreisamt Gießen.
___________ v. Gagern.
Politische Rundschau.
Gießen, 28. Juni.
Die Teilnahme an den verschiedenen Hoffefilichkeiten, welche sich in dieser Woche in Berlin, Stuttgart und Sigmaringen folgten, hat an unser Kaiserpaar nicht gewöhnliche Anforderungen gestellt und um so gerechtfertigter erscheint die nunmehr für die Kaiserlichen Majestäten gekommene größere Ruhe- und Erholungspause. Von den Berliner Hochzeitsfeierlichkeiten begaben sich der Kaiser und die Kaiserin direct nach Stuttgart, um hier am Dienstag und Mittwoch, inmitten eines glänzenden Kreises deutscher und auswärtiger Fürstlichkeiten, den Festlichkeiten anläßlich des 25jährigen Regierungs-Jubiläums deS Königs von Württemberg beizuwohnen und am Donnerstag nahm das erlauchte Paar an der Feier der Vermählung des Erbprinzen Wilhelm von Hohenzollern mit Therese von Bourbon in Sigmaringen Thetl. Da selbst waren aus gleichem Anlasse auch der König und die Königin von Rumänien nebst dem Thronfolger Prinzen Ferdinand, die Königin Karola sowie die Prinze.. -Georg und Friedrich August von Sachsen und noch andere fürstliche Gäste eingetroffen.
Die JubULumsfeierlichkeiten am Stuttgarter Hofe haben mit dem Gartenfest, welches König Karl am Mittwoch Nachmittag feinen fürstlichen Gästen und den Vertretern der Stuttgarter Bürgerschaft auf Schloß Rosenstein gab, ihren Abschluß gefunden. Dieselben zeitigten wiederum eine bedeutsame Kundgebung des Kaisers, •in Gestalt des Trinkspruches, den der Kaiser auf dem Parade-Diner vom Dienstag auf den König Karl und die Königin Olga ausbrachte. In markigen Worten gedachte der Kaiser des innigen Verbundenseins in Freud und Leid der deutschen Stämme mit ihren Fürsten und namentlich hob er die oft erprobte schwäbische Treue hervor, die sich ja anläßlich des Regierungsjubiläums des wü-.ttembergischen Monarchen wiederum so erhebend äußerte. Aber auch auf die Solidarität der deutschen Fürsten wies der Kaiserliche Herr hin, die sich beim Jubiläum des Königs Karl aufs Neue gezeigt habe und es ist sicher nicht bedeutungslos, daß der Schirmherr des Reiches hiermit abermals an das die deutschen Fürsten umschlingende Band der Eintracht erinnerte. — Der Kaiser verlieh dem württembergischen Ministerpräsidenten v. Mittnacht den Schwarzen Adler-Orden, in weich' hoher Auszeichnung die Kaiserliche Anerkennung der Verdienste, die sich Herr o. Mittnacht nicht nur um das würllem- dergische Land, sondern auch um das Reich erworben, zum Ausdrucke gelangt.
Die aus Washington gemeldete Ernennung William Walter Phelps' zum Gesandten der Vereinigten Staaten in Berlin besiegelt in erfreulicher Weise die Wiederherstellung der alten guten Beziehungen zwischen Deutschland und Nordamerika, die sich schon in dem glücklichen Abschlüsse der Samoa-Eonferenz erkennen ließ. Mr Phelps war einer der drei Delegirten der Unionsregierung auf der Samoa-Eonferenz, auf der er sich durch fein besonnenes, ruhiges Auftreten auszeichnete. Man darf daher smarten, daß er auch in feiner nunmehrigen Stellung bestrebt sein wird, die Beziehungen zwischen Berlin und Washington so freundschaftlich wie nur möglich zu gestalten.
Ä re Die Thronrede zur Eröffnung der österreichisch-ungarischen Delegations- «esfion und die sie ergänzenden und umschreibenden Eiklärungen des Grafen Kalnoky in der österreichischen Delegation bildeten zusammen das hochpolitische Eretgniß der Woche. Klar und scharf ist in der Kundgebung des Kaisers Franz Joseph wie in den Darlegungen des Ministers Grafen Kalnoky die gegenwärtige Weltlage gezeichnet worden und zwar als eine solche, die trotz der fortgesetzten Unsicherheit der allgemein- politischen Verhältnisse Europas den hie und da befürchteten Eintritt kriegerischer Verwickelungen für die nächste Zukunft als unbegründet erscheinen läßt. Namentlich tonnen die Auslassungen Kalnoky's nur die im Allgemeinen beruhigende Wirkung der Rede seines Kaiserlichen Herrn verstärken und man darf annehmen, daß die aufgetauchten übertriebenen Besorgnisse hinsichtlich der Gestaltung der Weltlage nunmehr für eine Zeitlang wiederum zerstreut worden sind. Vermuthlich wird in der jetzigen österreichisch - ungarischen Delegationssession die auswärtige Lage wie das Verhältniß Oesterreich.Ungarns zu seinen Nachbarstaaten, namentlich denen der Balkanhalbinsel noch mehrmals berührt werden, daß jedoch hierbei noch etwas wesentlich Neues herauskommen sollte, ist nach den erschöpfenden Darlegungen der Thronrede und Kal- noky's kaum mehr anzunehmen.
Das rumänische KönigSpaar weilte nebst dem Thronfolger Ferdinand an- Mßlich der Reise zu den Sigmaringer Hochzeitsfeierlichkeiten Anfang dieser Woche am Wiener Hose. Das Wiener „Fremdenblatt" schreibt in Bezug hierauf, dieser Besuch habe zum erneuten Austausche der Empfindungen jener aufrichtigen, Kaiser Franz Joseph und König Karl seit Langem verbindenden Freundschaft Gelegenheit geboten, I die in der gegenseitigen hohen Achtung und Werthschätzung der beiden Souveräne |
beruhe. Das Regierungsblatt constatirt schließlich den äußerst sympathischen Eindruck, welchen Rumäniens Königspaar und Thronfolger in Wien hinterlassen haben.
Darmstadt, 27. Juni. Die Sitzung der Ersten Kammer der Stände am Dienstag den 2. Juli hat u. A. folgende Tagesordnung.
Berathung und Abstimmung über:
Mittheilung der Zweiten Kammer über die Vorlage Großherzogl. Ministeriums des Innern und der Justiz, den Gesetzentwurf, die Feuerlöschordnung betr.
Drittheilung der Zweiten Kammer bezüglich Oer Vorlage Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz, betreffend die Erhöhung des Credits unter Kapitel 84, Titel 3, Pos. 12 des Hauptooranschlags pro 1888 -91 um 2143 JL zu Lasten der Ueberschüsse der lausenden Finanzperiode zum Zweck der Unterbringung des hygienischen Instituts in dem Gebäude des alten chemischen Laboratoriums in Gießen.
Mittheilung der Zweiten Kammer über die Vorlage Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz, betreffend die Erhöhung der Baukosten für die Kliniken und das pathologische Institut in Gießen um 70,500 zum Zwecke der Einführung der elektrischen Beleuchtung. \
Mittheilung der Zweiten Kammer, den Antrag des Abgeordneten Herrn vr. Osann, die Verordnung vom 10. November 1886, den Betrieb von Wirthschaften und den Klemhandel mit Branntwein und Spiritus betr.
Milthe.lung der Zweiten Kammer, den Antrag der Abgeordneten Herren Ulrich und Jöst auf bessere Behandlung der wegen politischer und Preßvergehen oerurtheilten Gefangenen, resp. auf Vorlage eines die Strafverbüßung im Großherzogthum unter besonderer Berücksichtigung der wegen politischer und Preßvergehen Verurtheilter regelnden Gesches.
Mittheilung der Zweiten Kammer bezüglich: a. der Vorlage Großherzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz, die Anstellung eines zweiten Fabrikinspektors betreffend; sowie b. bezüglich des Antrags der Abgeordneten Herren Ulrich und Jöst, Einthellung des Großherzogthums in zwei Fabrikinspektionsbezirke und Bewilligung der erforderlichen persönlichen und sachlichen Ausgaben.
Mittheilung der Zweiten Kammer über das Gesuch der Gehilfen bei den Groß- herzoglichen Landgerichten zu Darmstadt, Gießen und Mainz wegen Anstellmrg.
— Die Tagesordnung der Sitzung vom 3. Juli weist u. A. folgende Gegenstände auf:
Berathung und Beschlußfassung über:
Mittheilung der Zweiten Kammer bezüglich der Vorlage Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz, den Gesetzentwurf, Oie Errichtung einer Landeskrebitkasse betreffend; sowie bezüglich der Eingabe des Vorsitzenden des Verbandes Oberhessischer Sparkassen in gleichem Betreff.
Mittheilung der Zweiten Kammer bezüglich des Antrages der Abgeordneten Herren Ulrich und Jöst auf Vorlage eines Gesetzentwurfs, betreffend Gewährung von Entschädigung für unschuldig erlittene Untersuchungs- oder Strafhaft.
Mittheilung der Kweiten Kammer über die Vorlage Großh. Ministeriums der Finanzen, Bewilligung von 42,300 JL behufs Erweiterung der Station Mücke betr.
Mittheilung der Zweiten Kammer bezüglich des Antrages der Abgeordneten Herren Ohly, Bergsträßer und Vogt, die Trankstener von Wein betr.
Mittheilung der Zweiten Kammer bezüglich des Antrages der Abgeordneten Herren Ohly, Arnold und Bergsträßer, Neuregulirung der Hundesteuer betr.
Das Gesuch des Districtseinnehmers Rendanten Peter Walther zu Gießen, seine Vordienftzeit betr.
Mittheilung der Zweiten Kammer bezüglich des Gesuches der Steuercommissariats- G-Htlfen um Regelung ihrer Gehalts- und Pensionsoerhältnisse.
Darmstadt, 26. Juni. lOrdensoerlcihungen.) Seine Majestät der Kaiser haben Allergnädigst geruht, dem Beigeordneten der Bürgermeisterei in Mainz Dr. ©offner den Rothen Adlerorden 4. El., dem Großh. Provinzialdirector Küchler zu Mainz den Stern zum König!. Kronenorden 2. El., sowie dem Großh. Kreisrath und Kammer- berrn v. Zangen zu Oppenheim und bem Oberbürgermeister Dr. jur. Oechsner zu Mainz den König!. Kronenorden 3. El. zu verleihen.
Mainz, 27. Juni. Prinz Heinrich und Prinzessin Heinrich von Preußen treffen morgen Vormittag 11 Uhr mittelst Sonderzug hier ein. (Heute Morgen um 8$ Uhr (Sieften possirt.) Im Centralbahnhofsgebäude ist officieller Empfang, wozu die Spitzen ämmtlicher Behörden geladen sind; das 87. Infanterie-Regiment stellt die Ehren- compagnie. Am Abend findet eine große Fackelserenade von sämmtlichen Musikchören der Garnison statt.
Berlin, 26. Juni. Die neuen Uniformen für die Reichsbeamten mit ihrer reichen Goldstickerei sind bei den Hochzeitsfeierlichketten im königlichen Schlosse hervorgetreten. Die anwesenden Staatssekretäre, soweit sie nicht Staatsminister sind ober Militär- oder Marineuniform tragen, erschienen in der neuen Uniform, nämlich die Herren Freiherr v. Maltzahn und v. Oehlschlager, ebenso eine Anzahl von Räthen erster und zweiter Klasse aus den Reichsämtern. Bei dieser Gelegenheit verlautet der „Kr.- Ztg." zufolge auch, daß die Verordnung über Aenderung der Uniformen für die preußischen Beamten abgeschlossen sei. Gegen frühere Angaben sei hierin insofern eine


