Ar. LL6 Zweites Blatt. Donnerstag den 27 Juni 1889.
Oiehener Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Bureau r Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS. \ OTar?Cä°W
<str Einladung zum Abonnement xr
auf den
Gießener Anzeiger,
Kinls- imö fliijeigeöfatt für Öen -Kreis fließen.
Der „Gießener Anzeiger" erscheint, wie gewohnt, täglich, mit Ausnahme der Tage nach Sonn, und Feiertagen, ind. der Beilage „Gießener Familienblatter", welche dreimal wöchentlich dem Anzeiger beigelegt werden.
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Amtlicher Hßeit.
Bekanntmachung.
Gelegentlich des landwirthschaftlich-n Festes findet am 9. und 10. Juli l. I. zu Vilbel ein Festessen statt. Das Festcomit« hat uns nun Karten ru den beiden Esten ä je 3 M. zur Verausgabung übersendet. Das Menu besteht an beiden Tagen aus drei Fleischgangen und einer halben Flasche Wein- Diejenigen Herren, welche an dem Festessen Thell nehmen wollen, werden gebeten, die Karten bis zum 1. Juli l. I. dahier ,n Empfang zu nehmen.
Gießen, den 25. Juni 1889. , . .
Der DirecLor des landwirthschaftlichen Bezirksverems Gießen.
Jost, Regierungsrath.
Lokales,
Gießen, 26. Juni. sVictualien
-Preise Ende
Mai 1889.]
Stach
einer Zusammenstellung der Großh. Centralslelle für die Landesstanstlk kosteten:
eufleisch ; Pfund
ibfleifd) Pfund
Meisch Pfund
imeinefl. Pfund
melfleisch Pfund
mischtes Brod
oggen- Brod
Sutter Pfund
Milch Liter
Eier Stäck
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Städte mit Octrot:
113-124
Darmstadt
66
60
60
60
66
13
12
17
5—6
Mainz
64
50
60
60
60
14
12
110-120
19
5
Offenbach
| 66
55
56
65
65
14
13 5
121-131
22
5-7
Worms
64
56
64
60
60
12,5
115
108-117
15
5-7
Gießen
Städte ohneOctroi:
| 65
53
49
60
61
13
11
102-111
17
4-5
Bingen
’ 65
55
50
70
55
13
12,5
112-138
17
5—6
Bensheim Alzey Friedberg Alsfeld
60
56
56
60
60
12,5
10
89-104
17
5-6
53
48
70
70
70
14
11
104-117
17
5—ß
68
58
50
52
50
14
12,5
110
16
6
60
45
50
50
—
12,5
11
90-100
14
5
Lauterbach
56
56
50
56
50
15
11,5
100
14
4
Vermischtes»
Pfeddersheim, lieber den Tambour von Chambord, zu dessen Gunsten, wie wir s. Z. meldeten, die Herren Briegleb und Lieftenbach eine Sammlung veranstaltet hatten, war insofern ein Streit ausgebrochen, als behauptet worden war, daß der durch jene Sammlung unterstützte Busch den eigentlichen Sturm auf Schloß Chambord nicht mitgemacht habe. Es hatte sich eine Preßfehde zwischen jenen Herren und Herrn Hauptmann Willenbücher in Pfeddersheim entwickelt, auf deren einzelne Phasen wir hier nicht eingehen konnten. Dagegen lassen wir die jüngste Erklärung der Herren Briegleb und Diefsenbach zur Orientirung über die Sache nach der „W. Z." hier folgen. Die Herren schreiben: „Die Unterzeichneten halten es an der Zeit, Folgendes zu veröffentlichen: Am 14. d. Mts. erschien vor uns Joseph Braun aus Bingen, als zuverlässiger Mann'durch Herrn Otto Boryszewskt, Redaeteur des „Rhein- und Nahe- Boten", bestens empfohlen. Er legte uns feinen Militärpaß vor. Derselbe lautete dem des Busch ziemlich gleich, nämlich, daß Braun Tambour gewesen und den Sturm auf Chambord mitgemacht habe. Don Empfang einer Geldprämie steht in keinem der beiden Pässe etwas. Wir ließen den Wendel Busch rufen und Busch und Braun erkannten und begrüßten sich als die beiden einstigen Tamboure der Compagnie Kattrein. Busch gestand unumwunden zu, Braun habe vor ihm der den Sturmmarsch geschlagen, er selbst habe wegen aufgeriebener Haut an beiden Beinen nicht ganz io rasch folgen können, fei aber mit in dem Schloßhof gewesen bis etwa 8 Uhr und habe alsdann auf Befehl des Hauptmanns Kattrein sich mit seiner Trommel an das in der Parkmauer befindliche Wachthaus zu einer Abthetlung der 6. Compagnie begeben müssen, wo er bis zum Morgen geblieben und dann wieder in das Schloß zurück- S* ' t fei. Busch sah ein, daß er nach diesem Geständniß auf die volle Ehre eines ours von Chambord, wie das Gedicht sie ihm zuschreibt, keinen Anspruch habe, und wir erklärten ihm sehr bestimmt, daß von dem erhaltenen nationalen Geschenk • mindestens die Hälfte Herrn Braun gebühre. Doch Herr Braun wollte das nicht. Er j fühlte beim Anblick des siechen Kameraden ein menschliches Rühren. Aber Herr Braun , hat auch für 5 Kinder zu sorgen; dazu ist er durch drei gelähmte Finger der rechten I Hand in feiner Erwerbsthätigkett gehindert. Ebenso, und mit Recht, ist er stolz auf l
die Ehre, den eigentlichen Sturmmarsch geschlagen zu haben. Busch legte deßhalü 3000 Jt in die Hände der Unterzeichneten als Sühne, weil er mehr aus sich gemacht, als ihm zukam, bezw. weil er zu dem Lod des Gedichtes, das ihm in der Weise nicht gebührte, geschwiegen hatte. Er bestimmte, daß 2500 JL sein Kamerad Braun erhalte und daß die Unterzeichneten die weiteren 500 JL zur Unterstützung hilfsbedürftiger Kampfgenossen aus 1870—71 oder deren Wtttwen und Waisen verwenden sollten. Das wurde bann auch in einem von uns allen unterschriebenen Protokoll schriftlich niedergelegt. Die Unterzeichneten glaubten ohne Bedenken rasch handeln zu müssen, weil ja in Folge plötzlichen Ablebens des brustkranken Busch die genannte Summe für Braun und die übrigen damit Bedachten hätte hinfällig werden können. Zugleich ging folgenden Tages eine Mittheilung des Vorgefallenen an das Regiments - Commando des Regiments Nr. 118 nach Mainz ab mit der Bitte, die Betheiligung beider Männer an dem Sturm auf Chambord festzustellen. Wir haben mit dieser Veröffentlichung nur gezögert, um jenen Bescheid des Reglments-Cornrnandos gleich mit zum Abdruck bringen zu können. Er ist bis heute noch nicht eingetroffen; aber schon jetzt geht unsere Bitte an unsere deutschen Mitbürger und insbesondere an alle patriotischen Spender der Gabe dahin, sie möchten einen milden Spruch über Busch fällen, wie wir selbst es thun, denen es doch am meisten Mühe und Schmerzen verursacht hat. Einen Betrug hat er sicherlich nicht geplant gehabt. Aber er hat gleich taufend anderen Tapferen in vielen Schlachten sein Leben miteingesetzt und hat Jahre lang, ohne zu klagen, als ein armer, zuletzt kranker Vergessener mit zahlreicher Familie in tiefftem Elend gedarbt." (D. Z.)
— Was Alles in der Seine gesunden wird, erzählt der „Figaro" den Parisern, die von einer Wassersnoth bedroht sind, bei deren Eintreten sie Seinewasser trtnfen müssen. Im Laufe eines einzigen Jahres wurden in Parts aus dem schönen, aber nicht appetitlichen Flusse (abgesehen von Menschenleben) herausgezogen: 2021 Hunde 977 Katzen, 2257 Ratten, 507 Hühner und Enten, 3066 Kilo Fleilchabsälle, 210 Kanincben, 10 Schafe, 2 Füllen, 66 Ferkel, 5 Schweine, 27 Puter, 609 verschiedene Vögel, 3 Füchse, 2 Kälber, 3 Affen, 8 Ziegen, 1 Schlange, 2 Eichhörnchen, 3 Stachelschweine, 1 Papagei, 130 Tauben, 3 Igel, 2 Pfauen, 1 Seehund.
— [£)ie Culiur, die alle Welt belecft.] Schon im nächsten Winter werden sich die Egypter das Vergnügen machen können, von Kairo nach den altehrwürdigen Pyramiden mit der Dampfstraßenbahn zu fahren. Der Khedive hat bereits die Erlaubniß zum Bau der Bahn ertheilt. — Was wohl da der selige Rampsinit für Augen machen würde?
— Ein Lehrer in einer bei Berlin gelegenen Stadt, an dessen Hausthür die liebe Schuljugend gar zu gern klopfte ober mit Steinen warf, heftete, um dem liebel abzuhelfen, einen großen Zettel an die Thür, auf den er mit beclmetergrofeen Buchstaben die Worte schrieb: „Hier wird nicht geklopft!" Trotzdem flog bald wieder ein Stein gegen die Thür, und unser Lehrer kam gerade recht, um in dem davon- eilenden Uebelthäter einen seiner Schüler zu erkennen. „Na warte, mein Junge", dachte er. Am anderen Tage herrschte unter den Sckülern große Spannung ob der Dinge, die da kommen würden, und nur Einer, der Uebelthäter selbst, benahm sich gefaßt. Der Lehrer trat ein, stellte einen Stuhl in Bereitschaft, rief fein Opfer vor und ersuchte es, sich in der geeigneten Richtung über den Stuhl zu legen. Der Knabe gehorchte, der Lehrer nahm den Rohrstock zur Hand und hob die Jacke des Knaben auf. Aber Wunder, statt zu fchlagen, ließ er den Stock sinken und mit ersticktem Lachen wandte er sich zur Thür. Warum? Auf der Rückseite des Knaben klebte ein Zettel und auf diesem stand in großen Buchstaben: „Hier wird nicht geklopft."
— Nach den statistifchen Ermittelungen des Vereins deutscher Eisen- und Stahlindustrieller belief sich die Roheisen - Production des Deutschen Reiches (einschließlich Luxemburgs) im Monat Mai 1889 auf 306,299 Tonnen, darunter 152,650 Tonnen Puddelroheisen und Spiegeleisen, 21,514 Tonnen Bessemerroheifen, 93,788 Tonnen Thomasroheisen und 38,347 Tonnen Gießereiroheisen. Die Production im Mal 1888 betrug 360,855 Tonnen. — Vom 1. Januar bis 31. Mai 1889 wurden produclrt 1,761,564 Tonnen gegen 1,756,310 Tonnen im gleichen Zeiträume des Vorjahres.


