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Zornheim und Selzen gelitten, wo so ziemlich in allen Lagen der Frost gewirkt hat. In den unmittelbar am Rhein gelegenen Weinorten Laubenheim, Nackenheim, Nierstein und Bodenheim dagegen ist nur in den nieder getötzenen Weinbergen empfindlicher Schaden entstanden und hier haben wieder am meisten die Oesterretcher und Portugieser Trauben gelitten. Diese Frostschäden beeinflussen schon merklich das Wetngeschäft, indem in den letzten Tagen die Weinbauern vollständig mit Verkäufen zurückhielten und für die 1888er sehr hohe Preise verlangten.

S. V. Aus Rheinhessen, 25. Februar. DerVerein zur Unterstützung israelitischer Seminaristen im Grohherzogthum Hessen" (Sitz des Vorstandes: Mainz) versendet eben wiederholt Aufforderungen zur Anmeldung von jungen Menschen, welche stch dem Lehrberufe widmen wollen. Solche können von genanntem Vereine die Mittel zur vollkommenen Ausbildung erhalten, wenn sie in einer Lehrerbildungsanstalt des Landes Aufnahme finden. Es wäre erwünscht, datz wieder mehr Israeliten sich meldeten, damit die jüdischen Religionsgemetnden des Landes gut vorgebildete deutsche Lehrer anstellen könnten, die dann auch einen würdigen Beruf und angemessene Existenz finden dürften.

Frankfurt, 25. Februar. Zu dem Selbstmordversuch des Gym­nasiasten sei noch nachgetragen, daß der Unglückliche im Abtturientenexamen stand und seine schriftlichen Arbeiten so gut ausgefallen waren, datz er glänzend durch das Examen gekommen wäre. Es scheint bet demselben ein krankhafter Ehrgeiz obgewaltet zu haben, der ihn mit dem Eriolg in einem Fach unzufrieden sein ließ. ES ist Hoffnung vorhanden, daß der junge Mann dem Leben erhalten bleibt, freilich wird er zeitlebens ein Krüppel sein. Von anderer Sette wird angenommen, der Unglückliche habe in einem Anfall von Geistesstörung gehandelt; nervös soll er gewesen sein und vor Jahren erst eine schwere Krankheit durchgemacht haben.

Auf dem Staatsrangtrbahn dahier gerteth gestern Nachmittag der Wagen­aufseher Peter Kott ler von der Hessischen Ludwigsbahn zwischen die Puffer und wurde erdrückt. Der Verunglückte, welcher alsbald seinen Geilt aufgab, hinterläßt Frau und drei Kinder.

Breslau, 23. Februar. Heute früh um 7 Uhr wurde der Mörder Josef Krahl im Hofe des Gertchtsgefängntsses durch den Scharfrichter Krauts htngerichtet. Krahl erschoß im Juli v. I. den Schutzmann Pötter während derselbe in der Sternftraße auf Posten stand. Die Motive dieser Mordthat sind nicht bekannt geworden.

[Eine entschlossene Künstlerin.) Die gefeierte Sängerin Marietta Alboni zeichnete sich durch besondere Kaltblütigkeit aus. Gelegentlich eines ersten Gast­spiels in Triest kam ihr zu Ohren, daß man sie auspfeifen wollte. Sie ermittelte bald die Anstifter und wo sie zu finden waren, legte Männerkletdung an, wobei ihre kräftige hohe Gestalt und ihre kurzen Locken eine Entdeckung ziemlich ausschlossen und begab sich in das Kaffeehaus, wo die Verschworenen tagten. Dieselben waren gerade in voller Berathung. Die Sängerin hörte eine Weile zu und wandte sich dann an den Rädels­führer:Mir scheint, daß Sie Jemand einen Streich spielen wollen. So etwas liebe ich - ich würde mich freuen, wenn ich mich an dem Unternehmen bethetligen dürfte.^ Mit Vergnügen", lautete die Antwort,es soll beute Abend eine Sängerin ausgepfiffen werden."So, so, was hat sie denn verbrochen?*Daß sie in Wien und München gesungen und sich eine Italienerin von den Deutschen hat feiern lassen!" Das finde ich unerhört! Bestimmen Sie, bitte, was ich thun soll."Nehmen Sie hier dieses Pfeifchen. Auf ein Zeichen, welches nach der Arte derRosine" gegeben werden wird, geht der Lärm an, in den Sie bloß einzustimmen brauchen."Was bestens geschehen soll", versicherte die Alboni und empfahl sich. Am. Abend war das Theater voll besetzt. Der Anfang desBarbiers von Sevilla" fand lebhaften Beifall. Dann erschienRosine", die Alboni, auf der Scene. In dem Augenblick, als sie den Vormund anredete, begann schon ein Thetl der Verschworenen mit dem Skandal. Die Sängerin verzog keine Miene, sie trat hart an die Lampen, zeigte das Pfeifchen, welches sie an einem Bande um den Hals trug und sagte schelmisch:Meine Herren, ich glaube, Sie waren etwas voreilig, wir wollten doch erst mit dem Auspseifen beginnen, nachdem ich meine Arie gesungen." Todtenstille im ganzen Hause dann ein donnernder Beifallsjubel, der von den Verschworenen selbst eröffnet wurde und kein Ende finden wollte.

Konstantinopel, 19. Februar. Ein gräßliches Verbrechen wurde dieser Tage in Galata begangen. Ein in einer dortigen Bäckerei beschäftigter junger Grieche von nicht viel über fünfzehn Jahre hatte den Haupttreffer der Türkenloose im Betrage von 300,000 Frcs. gewonnen. Nachdem er sich bei der Ottomanbank seines Glücksfalles vergewissert hatte, kehrte er in seine Werkstätte zurück, wo er von dem Ereignisse Mit- theilung machte. Der Besitzer der Bäckerei und die übrigen Gesellen faßten daraufhin den Plan, sich das Loos anzueignen, und führten ihn derart aus, datz sie den armen Jungen knebelten und sodann in den Backofen warfen, wo er zu Asche verbrannte. Am nächsten Tage präsentirte der verbrecherische Bäcker die Promesse bet der Ottoman­bank, aber der Beamte erinnerte sich zufällig, daß am Vortage eine andere Person dagewesen war; er forschte nach, der Bäcker verwickelte sich in Widersprüche, was zu seiner Verhaftung und zur Entdeckung der grauenhaften That führte.

L. Beim Bezug von Oelkuchen aller Art ist ganz besonders zu beachten, daß man die betreffende Sorte rein und unoersälscht und in frischem, unverdorbenem Zustand erhält und daß für einen Mindestgchalr an Protein und Fett garamm wird. Der Bezug von Oelkuchen in Mehlform empfiehlt sich nur dann, wenn der Lieferant als ganz reell bekannt ist, weil hierbei eine Verfälschung mit minderwerthigen Stoffen leicht denkbar ist und öfters vorkommt. Im Uebrigen gelten die Bedingungen, wie sie für Sämereien angeführt wurden. (Ztschr. f. d. l. Vereine d. Gr. Hessen.)

[Neue Krankheit.^Aber, Aujust, wie siehste denn aus, Du bist ja braun und blau in de Visage." B.:Ja. rmeßle, rch leide an die Nikottnkrank- heit, ich werde nämlich alle Dage von meiner Ollen vertobakt."

~ (Neue Erfind ung.) A.:Ich habe soeben im Kammergericht das Modell einer neuen Erfindung gesehen; ein sehr sinnreicher Apparat. Denken Sie nur, da hat Jemand einen juridischen Automaten erfunden; oben werden die Referendare bineingeworfen und unten ..." B.:Da kommen sie als Assessoren heraus." A.:Nein, unten fallen sie durch."

[Europäisches Sklavenleben.) ImAltenburger Amts- und Nach­richtsblatt" ist folgende Anzeige zu lesen:Stallmägde aus Böhmen und Bayern treffen bei mir Anfangs März bestimmt ein und kosten, größere oder kleinere, bis Bahnhof Altenburg an Reisegeld und Provision 25 JL, welcher Betrag mir bis zum 20. ds. durch die Post einzusenden ist. Guido Kratzsch, Zwenkau, amtlich geprüfter Fleichbeschauer."

[®tnc Häßlichkeits-Eoncurrenz.) Ein findiger Yankee schreibt eine Haßlichkeits Concurrenz aus. Als Preis für das häßlichste Weib setzt er 5000 Dollars aus. DaS Bildniß der preisgekrönten Häßlichkeit soll durch illustrirte Zeitschriften die weiteste Verbreitung erhalten. Das ist doch 'mal etwas Neues!

Gingesandt.

Gießen, 26. Februar.

Im Annoncentheil Ihres Anzeigers finde ich mit fetten Lettern eine sogenannte Wohlthätigkeits Vorstellung angezeigt; nun ersehe ich gestern unter den Nachrichten des Anzeigers die erstaunliche Mittheilung, daß der halbe Ertrag der erwähnten WohlthätigkeitsVorstellung als Beitrag zum Bau-Fond einer Tonhalle verwendet werden soll, es kann mir nicht recht begreiflich erscheinen, ob und wie es sich verein­baren läßt, unter dem Firmenschild Wohlthätigkeit Beiträge für den Bau einer Tonhalle zu sammeln. l

Handel und Verkehr.

Gießen, 26. Februar. Auf dem heutigen Wochenmarkt kostete: Butter, pr. Pfd. 0,951,00, Hühnereier, 1 St. 67 H, 2 St. 00- 00^, Enteneier 0-0 H, Ganse­eier 0000 H, Käse pr. St. 5-8 X Käsematte pr. St 3 H, Erbsen pr. Liter 17 -Ä, Linsen pr. Liter 28 Tauben pr- Paar JL 0,801,30, Hühner pr- St JL 1,. 01,60, Hahnen pr. St. JL 1,60-2,20, Enten pr. St. JL 2,002,30, Ochsenfleisch pr. Pfd. 60- 68 H, Kuh- und Rindfleisch 4554 Schweinefleisch 50-60 H, Hammelfleisch 5464 H, Kalbfleisch 50 H, Kartoffeln pr. 100 Kilo JL 6,006,00, Zwiebeln per Gentner JL 9,009,50, Milch pr. Liter 12-18 H, Weißkraut pr St.

Fr ankfurt, 25. Februar. (Viehmarkt) Angetrieben waren 328 Ochsen, 12 Bullen, 389 Kühe, Stiere und Rinder, 284 Kalber, 225 Hammel, 231 Schweine. Die Preise stellten sich pro 100 Pfund Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qual. JL 6163, 2. Qual JL 5458, Bullen 1. Qual. JL 4041, 2. Qual JL 3739, Kühe, Stiere und Rinder 1 Qual. JL 5153, 2. Qual. 4248, Kalber 1. Qual- pro Pfund Schlachtgewicht 5560 H, 2. Qual- 4548 H, Hümmel 1. Qual. 58-60 2. Qual. 5052 H, Schweine 1. Qual. 5657 H, 2. Qual. 5455 H.

Frankfurt, 25. Februar. (Getreidemarkt». Weizen hiesiger JL 19,2519,50, fremder JL 21,0022,00, Roagen hiesiger JL 16,2516,50, fremder JL 00,00-00 00, Gerste, Brauerwaare JL 16,00lb,25, do. zu Mahlzwecken JL 0u,00, Hafer hiesiger JL 15,00-15,25, fremder JL 00,00-00,00. ' 8

MiichentUche Aeberficht der Todesfälle in der Stadt Gießen-

8. Woche. Vom 17. Februar bis 23. Februar 1889.

Einwohnerzahl: 19 001 (incl. 1600 ATann Militär). Sterblichkeitsziffer: 30,1 v/m

Kinder

eumma: 11 (3) 6 (1) 3 2 (2)

91 nm. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von Auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen.

Es starben an:

Zusammen:

Erwachsene:

im

1. Lebensjahr:

vom

2.15. Jahr

Lungenschwindsucht

3 (1)

3 (1)

Darmkatarrh

1

1

_

Eingeklemmtem Bruch

1

1

_

Krämpfen

1

1

_

Lebensschwäche

1

1

_

Diphtherie

2 (2)

_

2 (2)

Selbstmord durch Erschoßen

1

1

_

Entzündung der Bronchien

1

1

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