Ausgabe 
26.11.1889
 
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Nr. 276.

Dienstag den 26. November

1889.

Der frltfretier Anreiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.

Die Gießener M««(kienvkätt«L werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.

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Generak-'Unzeiger.

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Alle Annoncen»Burcaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Amtlicher übeil.

Bekanntmachung.

wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß vcm 12. bis 22. Juni 1890 eine allgemeine deutsche Pferdeausstellung zu Berlin veranstaltet werden soll. IJi Der Anmeldetermin sür die Stückzahl ist der 20. März \ 1890 und find bei dieser Anmeldung die Anzahl oer erforder­lichen Boxen oder Lattenstände anzuLeben.

Bis zum 1. Mai 1890 muß die genaue Abstammung und Beschreibung der auZzustellenden Pferde erfolgen. Diese, - sowie alle Anmeldungen, sind an das General-Secretariat des Llnion-Club» zu Berlin £u richten.

Au Preisen find vorgesehen, zur Prämürung

1) von Hengsten ...

JL 32100

2) Stuten

33200

3) ganzen Gestüten/ Familien-

und Zuchtgruppen .

7800

4) Reitpferden

2520

5) Wagenpferden

8000

6) Arbeitspferden

2700

Zusammen

86320

Älußerdem werden mit goldenen, silbernen und bronzenen Medaü len

1) vorzügliche Stalleinrichtungen,

2) Ausrüstungen für Zug und Reiterei ;

3) Futtermittel und Streumaterial,

4) Fuhrwerke (Luxus- und Arbeitswagen),

5) Pferdeportraits(Photographien,Kupfer­

stiche, Handzetchnungen und Aquarelle, Oelgemälde, Statuen und Gruppen in Modellen, von GypS, Metall, Gold und Silber,

.6) wissenschaftliche Leistungen (Modelle sür Stall- einrichtungen, Reitbahnen, Kavallerie-Kasernen, für Anlage ganzer Gestüte, Entwürfe mit Plänen und Zeichnungen, Literatur, öffentliche Stutdücher und Zuchtregister, Lehrmittel und Sammlungen der Thierarzneischulen rc., thierärztliche Instru­mente und Requisiten zur Krankenpflege, fertige Arzneimittel in allen Formen, zufammengestellte Apotheken sür den Hausgebrauch; militärisches Beterinärwesen, Sammlungen und Lehrmittel für den Hufbeschlag, Modelle von Fuhrwerken aller Art und von Eisenbahnwagen zum Pserdetrar.Sport; Zeichnungen und Abblldungen von solchen; alte Werke über Hippologie; Sammlungen historisch werthvoller Gegenstände und Kuriosa aus dem gesammten Gebiet der Hippologie,

7) Gegenstände des Kunstgewerbes, welche aus Nach­bildungen des Pferdes selbst oder einzelner Thelle desselben bestehen oder welche für Pferdezüchter besonderen Werth besitzen, ausgezeichnet.

Der Prämiirungsplan und die Bedingungen, unter wel­chen eine Betheiligung von der Ausstellung erfolgen fann, können auf unserem Bureau einge'ehen werden.

Gießen, am 13 November 1889.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Apolitische Nebe^sieht.

Gießen, 25. November.

In den letzten Tagen sind erneute Gerüchte über den Plcnt einer Vermählung des Großfursten-Thronfolgers von Ruß­land und der Prinzessin Margartthe von Preußen, der jüngsten Tochter der Kaiserin Friedrich, aufgetancht und wissen Peters­burger Nachrichten bereits von der angeblich vollzogenen Ver­lobung der beiden Fürstlichkeiten zu melden. Es ist nun allerdings ein öffentliches Geheimniß, daß die Kaiserin Friedrich dieser ,projectirten Verbindung nicht abgeneigt ist, aber ob sich der Plan in der That schon bis zu der gemeldeten Ver­lobung, die sich also in Athen vollzogen haben müßte, ent­wickelt hat, entzieht sich vorläufig nach der Beurtheilung. Der russische.Thronfolger hat zwar erst jetzt die Rückreise von den Athene'.' Hochzeitsfeierlichkeiten nach Petersburg an- getrcten und da die Kaiserin Friedrich mit ihren Töchtern Victoria und Margarethe bislang ebenfalls noch am griechischen Hofe weilte, so könnte man hieraus gewisse Schlüsse ziehen. Jedenfalls wird man gut thun, die obigen Gerüchte zunächst nur mit großer Zurückhaltung aufzunehmen. H

Die Socialifüngesetz-Lommission . des Reichs-ages hat in voriger Woche die erste Lestmg des Entwurfes beendigt. Die Ausweffungsbefugmß der Regierung wurde nach nochmaligen eingehenden Debatten gegen die Stimmen der Eonservativen . abgelehwt, dafür aber die unbeschränkte Geltungsdauer des -Gesetzes mit den Stimmen der Kartellparbeien genehmigt. Nach den von dem preußischen Minister des Innern, Herrfurth, - abgegebenen Erklärungen wollen die verbündeten Regierungen. auf Beibehaltung der Ausweisungsbefugrüß besiehen und wird wohl die an diesem Dienstag JjeginnÄibe zweite Eommissions- lesung zeigen, inwieweit noch eine Verständigung in dieser Frage, von welcher das Schicksal des Socialistengesetzes ab- hängh, möglich ist.

jjn der gesammten Eulturwelt hat die Nachricht Pon dem glücklichen Eintreffen Stanleys und Emin Paschas ans dem Boden des deutschostafrikanischen Schutzgebietes, in Mpwapwa,

freudigste Genugthuuyz hcrvorgcruscv, da die kühnen Männer nunmehr als gerettet betrachtet werden können. Bon Mpwapwa aus richtete Stanley ein Schreiben an den englischen Consul in Zanzibar, welches einen ersten flüchtigen Bericht über den gefahrvollen Marsch der beiden Reisenden vom Victoria See her enthält. Weiteren eingehende:: Mitthcilungen über die aberricuerlichrn Ergebnisse Stanleys und Emin Paschas in Afrika darf nach deren zu Anfang Dezember zu erwartender Ankunft an der ostafrikanischen Küste mit Sicherheit entgegen gesehen werden.

Ucber die Lage oes Gongostaates hat der Minister des­selben für das Auswärtige eine sehr zuversichtliche Denkschrift an den Steiüg Leopold von Belgien gerichtet. Es wird in derselben namentlich auf die zunehmende militärische Stärke des jungen Staatstveiens hingewicsen. Die reguläre Armee des Eongosttrates zählt heute 2200 Mann mit 23 Offizieren und fann sie in einzelnen Bezirken auf ansehnliche Milizen rechnen. Ein verschanztes Lager für 600 Mann, das den Handelsweg mach den großen Seen beherrscht, wurde am Vereinigungspunkte des Congo mit dem Aruwhimi angelegt, ein zweites soll in der Gegend des oberen Loami errichtet werden. Die diplomatische Action des Congostaates geht mit seinen militärischen Bestrebungen Hand in Hand und wird als das wichtigste Ergebniß dieser diplomatischen Action das Bündniß mit dem bekannten einflußreichen Sklavenhändler Tippo Tip bezeichnet, durch welches die Gräuel der Sclavcn- jagden vermindert worden seien.

Deutsches Neich.

I Darmstadt, 24. November. Wie schon telegraphisch gemeldet, ist Se. Königl. Hoheit der G r o ßHerzog, in höchst- dessen Gefolge sich der Flügeladjutant Hauptmann Freiherr Röder von Diersburg befindet, am Freitag Abend zum Besuch Sr. Königl. Hoheit des Erbgroßherzogs nach Leipzig ab­gereist. Der Großherzog wird sich von Leipzig aus zu den Jagden deS Fürsten von S ch w a r z b u r g - R u d o l st a d t be­geben , und voraussichtlich erst am 30. November hierher zurückkehren. Daher finden in der laufenden Woche keine Audienzen statt. I. K. H. die Frau Prinzessin Heinrich von Preußen wird ihren Aufenthalt Hierselbst noch bis zum 9. Dcccmber ausdehnen.

Berlin, 23. November. Das deutsche Emin-Pascha- .EomitL erhielt von Hansing u. Co. in Zanzibar folgende Meldung: Zanzibar. den 23. November 1889, 9 Uhr 45 Mm. Vorm.:Mas Mitglied der Expedition Borchert meldet uns aus Tokomoni: Die Somalis zersprengten eine englische, nicht die deutsche Expedition. Peters und Genossen wohlauf, errichtete eine befestigte Station am Kenia. Die

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Leuilletsir.

Neber Kufsuchen und Sammeln von Alter thümern.

Der Oberhessische Geschichtsverein in Gießen hat, wie Jeder durch den Augenschein sich überzeugen kann, in b« kurzen Zeit seines Bestehens eine ganz ansehnliche AnzaW von Alterthümern zusammengebracht. Und doch mußte er. auch wieder und zwar oftmals die Ersahrimg machen, daß man in sehr verschiedenen Kreisen der Bevölkerung durchaus fein Verständniß dafür hatte, warum solcheralter Kram und Trudel, solches Gerümpel" gesammelt werde. Da wird ihm von einem wertsten Freunde ein von diesem verfaßter Aufsatz zur Verfügung gestellt, der im Bauernkalender für 1890 (Verlag von Trowitzsch u. Sohn, Frankfurt a, d. Oder) enthalten ist und darüber belehren wird, warum das Sammeln von Alterthümern von Nutzen für die gestimmte Bevölkerung werden kann, wenn derartige geschichtliche Schätze der All­gemeinheit zugänglich und an einem öffentlichen Orte auf­gestellt werden. Dies ist bei dem Museum des Oberhessischen Geschichtsvereins der Fall, es ist jeden Sonntag von 11 bis 12 Uhr regelmäßig, aber auch zu anderen Zeiten nach voraus- gegangener Verabredung geöffnet.

Möchte der vorerwähnte Aussatz die Folge haben, daß der Sammlung des Oberhessischen Geschichtsvereins recht zahl­reiche Zuweisungen zugehen, nicht als Geschenke allein, sondern auch leihweise mit Wahrung des Eigenthumsrechts. Soweit die geringen Geldmittel des Vereins reichen, ist er auch bereit, Alterthümer zu kaufen.

Der Bauernkalender schreibt:

Zu den stärksten Wurzeln der Vaterlandsliebe überhaupt gehört die Liebe zur engeren Heimath. Deshalb legt man mit Recht der Heimäthskunde einen besonderen Werth bei, und an unzähligen Orten im deutschen Daterlande find gemein­

nützige Bestrebungen sichtbar, die Keuntniß der einzelnen Gaue zu erweitern und zu vertiefen.

Besonders anregend und einflußreich in dieser Hinsicht ^stüd-Sammlungen merkwürdiger Gegenstände (Museen), in wr.lcksU die Natur oder die Geschichte lies betreffenden Gaues U^L^LWilchern vor Augen geführt werden. Solche kleine zweckmäßig über das Land vertheilt, sind.verhältniß- ^WWFMMkl wirksamer und belehrender als die kostbaren ÄulM^der Großstädte, wo das einzelne in der Unmasse des Gestellten verschwindet. Dazu haben die sogenannten kllMMjLeute aus der Provinz von diesen prunkenden Samm- Residenzen gar nichts. Anders steht es mit ^VLMlungen zur Förderung der Heimäthskunde in der Heimath 'selber! In die nächste größere Stadt kann Jeder einmal kommen, und merkwürdige Dinge aus der Natur oder der Geschichte der eigenen Gegend locken doch bescheidene und un­gelehrte Leute mehr an, als Seltenheiten aus fernen Ländern, deren 9lhmen man kaum einmal gehört hak.

Aber nicht bloß Belehrung in angenehmer Form findet der Landmann, wenn er bei einem Besuch in der Stadt ein solches Museum durchwandert. Es bildet sich vielmehr sehr bald zwischen der Sammlung und der Bevölkerung eine Be­ziehung heraus, welche auch den kleinen Mann und wäre es ein Ackerknecht oder Tagelöhner, Gelegenheit zu einer gemein­nützigen Mitarbeit bietet, welche unter Umständen höchst ver­dienstlich werden kann. Wir denken hierbei an Förderung der Sammlung durch Zuwendung geeigneter Gegenstände und Fundstücke.

Die Sammlung naturwissenschaftlicher Merkwürdigkeiten wird im Allgemeinen den Höhergebildeten überlassen bleiben. Allein bei Aufstöberung und Sammlung geschichtlicher Merbvürdigkeiten kann Jeder mithelsen, vor Allem Leute, welche mit Erdarbeit zu thun haben, also namentlich auch die Landleute.

Es ist ganz erstaunlich, was Alles schon in der Erde gesteckt hat und alljährlich gefunden wird! Natürlich so fette Beuten, wie der Hildesheimer Silberfund oder der Goldfund von Mardorf werden Ausnahmen bleiben. Aber beide Fälle zeigen, daß auch die einfachsten Leute ein wunderbares Finder­glück haben können. Bei Hildesheim, am Galgenberg vor der Stadt, arbeiteten Soldaten an der Verlängerung eines Schießstandes. Da stieß einer mit der Hacke auf Metall. Als man genauer nachsah, lag da ein großer Schatz ver­graben : silberne Geräthe aus der Nömerzeit in solcher Menge, daß man sie schubkarrenweise in die Stadt fuhr. Dabei waren sie meist wohl erhalten und von so außerordentlich kunstvoller Arbeit, daß sie in der ganzen Welt berühmt sind. Fast noch merkwürdiger war die Geschichte in Mardorf im Kurhessischen. Da steht der Schweinehirt auf dem Felde bei seinen Pflegebefohlenen, welche wahrscheinlich zur Rasse der sogenanntenGlücksschweine" gehörten und sieht gerade zu, wie ein Maulwurf Erde auswirft. Da kommt etwas Blankes mit aus dem Loch und siehe, es war ein Goldstück! Das gefiel dem Mann, nicht minder auch seiner Frau, welche gerade kam, das Essen zu bringen.Vielleicht liegt noch mehr da," sagte die Frau und richtig, die beiden finden noch mehrere Stücke. Als der Vorfall im Dorfe bekannt wurde, wollte nun Jeder sein Glück probiren. Äie Leute liefen hinaus mit Hacken und Schaufeln und 6al waren wohl tausend Stück Goldmünzen zu Tage geförDrt, jede etwa 20 Mk. an Goldwerth aber noch viel werthvoller durch ihr hohes Alter und ihre Herkunft. Von den alten Deutschen stammen die Münzen nicht, denn diese konnten keine Münzen Herstellen. Auch von den Römern nicht, das kann man sicher behaupten. Man vermuthet aus die Vorfahren der heutigen Franzosen. Jedenfalls haben die Leute von Mardorf bei dieser Gelegenheit ein schönes Stück Geld verdient. Es ist aber zu loben, daß sie sich damit nicht begnügten, sondern