Ausgabe 
25.10.1889
 
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Xtftttatt, 23. October. Die kaiserlich persische Bank ist heute eröffnet und der Geschäftsbetrieb begonnen worden.

New-Aork, 23. October. Ein Telegramm aus Guatemala meldet, daß der Congretz der cenlralamerikanischen Staaten eine Grundlage für die Vereinigung der Staaten EenttalamerrkaS angenommen habe.

Chicago, 23. October. Die Jury, welche in der Mordaffaire Eronin verhandeln soll, ist nunmehr gebildet.

Washington, 23. October. Der Congretz der Seeuferstaaten beendete heute die Vorberathung des Reglements, betreffend den Schiffskurs, und vertagte sich darauf bis Montag.

Lokales.

Gießen, 24. October. Bekanntlich sollen die Lehrer mit dem ersten Ersatz fortan 10, 6 und 4 Wochen dienen. Diejenigen Lehrer, die noch nicht nach dieser Bestimmung gedient und erst eine Reserveübung mttgemacht hatten, wurden in diesem Jahre zu einer sechswöchentlichen Uebung und diejenigen Lehrer, die nur 6 Wochen gedient, wurden, dezw. werden zu einer sechs- und einer vterwöchenlttchen Uebung heran­gezogen. Ein hervorragendes pädagogisches Blatt schreibt hierzu: Unseren jungen militärpflichtigen Lehrern, welche sich an eine größere Stadtschule melden wollen, geben wir Len wohlgemeinten Rath, ihre drei durch die neue Wehrordnung auf die Dauer von 10, bezw. 6 und 4 Wochen festgesetzten Hebungen so bald und so jung als möglich abzuleisten und dieselben durch Reklamationen nicht etwa zu verzögern. Aeußerungen von maßgebender Seile bestätigen uns nämlich die Befürchtung, daß der Magistrat mancher grögeren Stadl es künftig vermeiden wird, an die stävttfchen Schulen Lehrer zu berufen, welche ihre mtlttärlschen Uebungen noch nicht ganz ober wenigstens z im größten Thetle vollendet haben.

Auch in den Kreisen der Lehrer gelangt man immer mehr zu der lieber; zeugung, daß es dringend nothwendtg ist, den hauswirthfchaftlichen Unterricht in der Mädchenoolksschule mehr als bisher zu berücksichtigen. Nachdem man diese Anschauung einmal gewonnen hat, wird voraussichtlich bis zur allgemeinen Um­gestaltung der betreffenden UntcrrtchtSprogramme nur soviel Zeit vergehen, als noth- wendig ist, um darüber zuverlässige Erfahrungen zu sammeln, in welcher Weise eine derartige Reform am zweckmäßigsten durchzusühren ist. Den bekannten Versuchen, die seit Ostern in einer Volksschule in Kassel angestellt werden, bringt man daher ein um so lebhafteres Interesse entgegen, als eine gründliche hauswinhschaftliche Erziehung in der Volksschule bon doppelt segensreich wirkt, wo die Mütter an der Unterweisung ihrer Töchter vielfach durch die Fabrik- und sonstige Arbeit oerhindeit sind. Die Auf­gaben der Hausfrauen sind namentlich unter den ärmeren Classen heute schwerer als früher. Auf der letzten Hauptversammlung des sächsischen Lehreroereins, die von etwa 2000 Lehrern besucht war, wurde daher mit Recht betont, dag besonders die schlichte Arbeiterebefrau heute nicht nur einen klugen Sinn, sondern auch hervorragende Character- eigenschaften besitzen müsse, um daS Familienschtfflein ungefährdet durch die Klippen des Lebens zu steuern. Jene Versammlung war der Ueberzeugung, daß die Volks­schule den wtrthschastltchen Forderungen des practtschen Lebens sich namentlich bei der Mädchenerziehung mehr als bisher anzupasfen habe. Der sittliche Werth auch der ein­fachen weiblichen Hausarbeit sei in den Kindern zu lebendigem Bewußtsein zu bringen^; aber nicht genug damit, Pflicht der Schule sei es auch, dafür zu sorgen, daß den Kindern alles das zum Verständniß gebracht werde, was sich auf Ernährung, Kleidung, Gesundheit und Wohnung beziehe. Solche Worte sind jedem Menschenfreunde aus dem Herzen gesprochen. Eine derartige Mädchenerziehung in der Volksschule wird unendlich mehr zur gedetyltchen Entwickelung unseres Familienlebens, zu Glück und Wohlstand beitragen, als manches tobte Bücherwtssen, bas vielfach zu dürftig ist, um von den Einzelnen in nützliche Beziehung zum practischen Leden gebracht zu werden.

Gießen, 24. October. Nach einem Erlaß des Ministers der öffentlichen Arbeiten können Eisenbahn-Schülerkarten, wenn der Unterricht an einzelnen Wochentagen Vor- und Nachmittags ertheilt wird, fortan auch zu einer zweimaligen Hin- und Rück­fahrt an den betreffenden Tagen ausgegeben werden. Bei Berechnung des Kartenpreises werden die Mehrfahrten zu den Einheitssätzen des § 4 der allgemeinen Bestimmungen über die Ausgabe von Schülerkarten in Ansatz gebracht.

Gießen, 24. October. Unter dem Verdacht, den in der Nacht vom Donnerstag auf Freitag voriger Woche stattgehabten Brand eines Strohhaufens veranlaßt zu haben, wurde vor einigen Tagen der Dienstknecht Johannes Groß aus Lehnheim bei Grünberg verhaftet. Derselbe befindet sich noch in Haft.

Vermischte-.

Friedberg, 21. October. Trotz des strömenden Regens fand sich ein zahl­reiches Publikum zum Besuche des heutigen Marktes ein. Die Händler hatten diesmal eine ganz bedeutende Zahl von Fohlen verschiedener Rassen hierher gebracht, auch die Oekonomen der nahen und weiteren Umgegend stellten eine ziemliche Anzahl Fohlen zum Verkauf. Wenn auch das Mustern und Handeln auf dem Marktplätze selbst der schlechten Witterung halber nicht ftatthaben konnte, so wurde um so mehr in den Stallungen und Wirthschaften dieses Geschäft flott betrieben. Das Treiben war ein ganz außergewöhnlich bewegtes. An 100 abgeschlossene Verkäufe sollen stattgefunden haben; es wurden Preise bezahlt für ll^jährige Fohlen bis zu 650 JL, für l'/rjährige bis zu 400 JL und für Saugfohlen bis 200 Einige Händler haben allein 20 bis 25 Stück verkauft, auch die Fohlen der Oekonomen fanden willige Abnahme.

Berlin, 23. October. Prinz Heinrich hat, wie die Lombardai meldet, zwei Stunden in der Villa Zirm zu San Remo verweilt. Der Prinz erschien in Be­gleitung eines deutschen Admirals und eines Adjutanten. Tief bewegt durchschritt er die theilweise umgebauten Räume, in denen sein verewigter Vater so schwer gelitten

bat. Man sah ihn thränenden Auges berauskommen. Mehrere Erinnerungen an Kaiser Friedrich, die ihm der Thorwächter überreichte, nahm er dankend mit. Bevor er San Remo verließ, gab er 1000 Lire für die Armen der Stadt zur sofortigen Vertheilung. ö

Berlin. Der Selbstmordversuch eines Liebespaares hat zwei im Westen zu Berlin wohnende Familien in erklärliche Aufregung versetzt. Der Sohn eines in der Thieraartenstraße wohnenden Kaufmanns £., ein 21jähriger Student, unterhielt mit der 17jährigen Tochter eines Beamten ein Liebesoerhältniß, das von den belberfeitigen Eltern mißbilligt wurde. Am Morgen des vorgestrigen Tages war das junge Mädchen, Erna K., aus dem Hause verschwunden und wenige Stunden später erhielten die An­gehörigen desselben einen Brief, worin die Verschwundene den Ihrigen mittheilte, daß, da ihre Liebe hoffnungslos sei, sie mit dem jungen L. den Tod in den Fluthen suche. Aucy die Eltern des jungen Mannes halten ein ähnliches Schreiben erhalten und verzweifelt über das tragische Schicksal, wollten sich dietrauernden Hinterbliebenen" an die Polizei behufs Aufsuchung bei Leichen des Lledespaa.es wenden, als plötzlich von Rummelsburg aus telephonisch bei Herrn L. angeklingelt wurde und dieser zur größten Freude sodann beim Anruf die Sprache feines Sohnes am Telephon erkannte, der um trockene Kleider bat. In kurzer Zeit waren die Angehörigen in Rummels­burg und fanden dort in einem Restamant in den Kleidern des Wirths den jungen L., während die Braut desselben bitterlich weinend daneben saß. Der gemeinsame Selbst­mord hatte recht tragikomisch geendet; der junge Mann war zuerst in die Fluthen des Rummelsburger Sees gesprungen, das Wasser war ihm aber wohl zu kalt gewesen, kurz, der bis zum Halse in den Fluthen stehende Lebensmüde war umgekehrt und pudelnaß zu seiner verzweifelt schreienden Geliebten an's Ufer gewadet, worauf sich das Paar bann in das Restaurant zurückbegab, allen Selbstmordgedanken entsagend. Die nächste Folge diesesDoppel-Selbstmordversuchs" war aber, daß Fräulein K. bet einer Verwandten weilt, während der junge L. mit einem tüchtigen L-chnupfenfieber n im Bette liegt.

Dessau, 22. October. Am verflossenen Samstag hat hiersclbst der General­lieutenant a. D. Stockmar, der Ehrenpräsident des Deutschen Kriegerbundes, einer der wenigen noch lebenden Kämpfer aus den Befreiungskriegen, mit seiner Gemahlin das Fest der eisernen Hochzeit begangen. General Stockmar stehl im 96., seine Gattin im 89. Lebensjahre.

Nach den statistischen Ermittelungen des Vereins deutscher Eisen- und Stahlindustrieller belief sich die Roheisen - Production des Deutschen Reiches (ein­schließlich Luxemburgs) im Monat September 1889 auf 373,185 Tonnen, darunter 173,367 Tonnen Puddelroheisen und Spiegeleisen, 30,162 Tonnen Bessemerroheisen, 101,532 Tonnen Thomasroheisen und 49,104 Tonnen Gießereiroheisen. Die Production im September 1888 betrug 353,812 Tonnen, im August 1889 378,500 Tonnen. Vom 1. Januar bis 30. September 1889 wurden producirt 3,215,528 Tonnen gegen 3,168,641 Tonnen im gleichen Zeiträume des Vorjahres.

Literarisches.

Meisterwerke der Holzschneidekunst. Verlag von I. I. Weber in Leipzig. Nicht Jeder hat das Glück, Bildergallerten und Museen, jene Sammelstätten der Kunst, die doch immerhin das Vorrecht größerer Städte bleiben, besuchen zu können, und nicht zu jeder Zeit sind ihre durch alle Länder zerstreuten Meisterwerke dem Auge geboten. Noch bleibt für zahlreiche Kreise Anregung und Befriedigung des Schönheits­sinnes ein nur ungern entbehrter Genuß. Vor nunmehr 11 Jahren von der so über­aus rührigen Firma ins Leben gerufen, haben sich von Beginn an die Meisterwerke der Holzschneidekunst in reichem Maße des Beifalls eines kunstsinnigen Publikums zu erfreuen gehabt. Für die Stunden des häuslichen Lebens, für so manchen Augenblick zurückgezogener Muße ist ein Werk wie das hier gebotene sicherlich willkommen, welches in einer Fülle des mannigfaltigsten Stoffes und in technisch vollendeter Wiedergabe jene künstlerischen Originale wenigstens im Abbilde, daneben aber so manche selbst­ständige Leistung unserer besten Meister vorführt ein Museum gleichsam im Kleinen, eine permanente Kunstausstellung am traulichen Familientisch. Der 11. Band der Meisterwerke der Holzschneidekunst" (Lieferung 121132 der ganzen Folge) liegt uns soeben abgeschlossen vor. Die bis jetzt fertig vorliegenden 10 Bände kosten ä Band elegant gebunden 18 JL. Auch ist jeder Band einzeln zu haben. Alle Buch- und Kunstbandlunaen nehmen Bestellungen entgegen.

Handel und Verkehr.

Limburg, 23. October. (Fruchtmarkt). Rother Weizen JL 16.05, weißer Weizen JL 15 90, Korn JL 12 60, Gerste JC. 10.30, Hafer JL 7.00, Erbsen JL 00.00, Kartoffeln JL 0.00.

Frankfurt, 23. October. Erbsen ganze per Pfd. 1218 H, do. geschälte 1418 H, Linsen 1828 H, weiße Bohnen 1618 H, gelbe Kartoffeln per Gescheid 1416 rothe Kartoffeln per Gescheid 1214 4, Butter per Pfd. JL. 1,101,25, Eier das Stück 56, Blumenkohl 20-50 H, Weißkraut das Stück 815 K Roth- kraut 1225 Wirsing 1015 H.

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Freitag Abend 425 Uhr, Samstag Vormittag 830 Uhr, Samstag Nachmittag 300 Uhr, Samstag Abend 530 Uhr.

Allgemeiner Anzeiger.

Düngerversteig erung.

Mittwoch den 30. October, Vormittag- 11 Uhr,

sollen die Kaldaunenabgänge aus dem städt- Schlachthause vom Monat No­vember in dem Verwaltungsgebäude daselbst öffentlich versteigert werden.

Gießen, den 23. October 1889.

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