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Nr. 275. Zweites Blatt. Sonntag den 24. November 1889.
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Hiekener Z-t-iS" erscheint täglich, mit Ausnahme de» MontagS.
Die Gießener
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Amtlicher Theil.
Gießen, am 21. November 1889.
Betr.: Die Ernennung von Vertrauensmännern für die Berufsgenossenfchasten.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an Gr. Polizeiamt Gießen und die Gr Bürgermeistereien der Landgemeinden de- Kreise-.
Wir benachrichtigen Sie, daß der Vorstand der Stein- bruchsberufsgenossenschast. Section V, zu Hagen i- Wests, den Herrn F. K. Beresheim in Merkenfritz zum Vertrauensmann für den Kreis Gießen und den Herrn L. Weber in Kestelbach zu dessen Stellvertreter ernannt hat.
Zugleich machen wir Sie wiederholt daraus ausmerksam, daß ln Gemäßheit des § 54 des Unfallversicherung-Petzes vom 6 Juli 1884 dem Vertrauensmann bezw. besten Stellvertreter von der Einleitung jeder Unsallunterfuchung (§ 53 des Gesetzes» rechtzeitig Kenntniß zu geben ist.
v. Gagern.__
CocäUs Mttö prwinsicacs.
Gießen, 23. November.
— Im Cafv Ebel fand am Mittwoch Nachmittag 2 Uhr eine Versammlung von Abgeordneten einer Anzahl von Vorschuß- und Konsumvereinen aus der Umgebung Gießens statt. Es waren ca. 60 Personen erschienen, welche von etwa 18 bis 20 Vereinen entsendet worden waren. Herr Dircctor R an ft von Beuern begrüßte die Versammlung und ertheilte Herrn Dircctor Bernhardt von Darmstadt, der eingeladen war zu erscheinen, das Wort. Derselbe verbreitete sich in einem längeren Vortrage über die Geschichte der genossenschaftlichen Bewegung und Gesetzgebung, über die Unterschiede der Bestimmungen des neuen Gesetzes gegenüber denjenigen des alten, indem er die in der Folge nothwendig werdende veränderte Handhabung der Geschäftsführung und der erforderlichen Statutenänderungen spcciell behandelte und die nöthigcn Erläuterungen und Belehrungen darüber gab, was die Organe der Vereine in Gemäßheit des Gesetzeserlasses zunächst und in Zukunft zu thun haben. Gleichzeitig gab Herr- Bernhardt eine Darstellung des Organismus des allgemeinen deutschen Gcnossenschaftsverbandes und seiner Unterverbände und wies aus die Vortheile hin, welche den Vereinen durch die Angehörigkeit zu diesen Verbänden, namentlich auch dadurch erwachsen, daß de» Verbänden gesetzlich das Recht zusteht, die Revisoren zu ernennen, welche nach den Bestimmungen des Gesetzes die "Aufgabe haben, die Genossenschaften hinsichtlich ihrer Geschäftsführung und Einrichtungen in jedem zweiten Jahre zu revidiren. An den Vortrag knüpfte sich eine lebhafte Diskussion und es ist anzunchmen, daß die Ausführungen
Fenilleton.
Deutsche Geselligkeit
Selbst Ernst Eckstein, der burschikosesten Dichter einer, der gar oft mit scharfer Feder gegen das Philisterthum loS- gezogen ist, erhebt jetzt Klage über die Entwickelung, die daS Kneipenleben in Deutschland genommen hat. Und da seine Worte über „deutsche Geselligkeit" in der letzten Nummer von „Ueber Land und Meer" nicht allen Lesern zu Gesichte kommen, seien einige Sätze daraus auch hier mitgetheilt.
„Und ob mich sämmtliche Bier- und Scatbrüder von Tilsit bis Metz mit de» großen Bann belegen: hier steh' ich und kann nicht anders? Es ist betrübsam, daß in dem freien, großen, geeinigten Deutschland die Geselligkeit mehr und mehr auS dem Hause in die Kneipe siedelt. Jawohl, in die Kneipe ’ Das Wort ist salonfähig geworden, seitdem das Studcntenthum gerade im Punkte des Zechens auch jenseits der glücklich bestandenen Gtaatsprüsungen ungeschwächt fort- arbeitct und allabendlich seine ber»fensten „alten Herren", die Staatsanwälte und Richter, die Bergbau- und Forst- bcamtcn, die Aerzte und Chemiker, massenweise in jene Räume entsendet, wo man „vom Besten" schenkt. Beinahe jedes Ouartal bringt die feierliche Eröffnung eines neuen ZcchpalasteS, eines „Bräu", wie der bavarisirende Ausdruck lautet — und trotzdem machen die Wirthe inSgesammt opulente Geschäfte.
Die lustigen Herren so zwischen dreißig und sechzig, die sich da nm den Stammtisch im ,,Löwen"-, Wolfs"- oder „Zacherlbräu" schaaren, ihre steinernen Krügel schwingen und sich beim Qualm der Cigarre jetzt über BiSmarck und Bou- langer, dann über die neuesten Abenteuer deS Ungarn Mikosch
des Herrn Bernhardt die noch außerhalb der Verbände stehenden Vereine veranlassen wird, einem solchen beizutretcn.
O Zum Namen der Stadt Gießen. Die gewöhnliche Erklärung des Namens „Gießen" ist die Burg „zu den Giesen" (Gräben und Bäche, die da zusammenfließen), welche etwa 1130—50 vom Grafen von Gleiberg gegründet worden sei, um für das Kloster Schifsenberg (Skephenburg) ein Schutz zu sein. Der Name dieser Gründung sollte dann zurückführen entweder auf die Bedeutung eines Sammelplatzes für das Heer (ahd. skeopa — Heer, etwa als Wachtposten gegenüber den Romern?) oder einer Schöffenburg, eines Versammlungsortes für die Schöffen. Das Nächstliegende ist indessen damit nicht gegriffen: Schiffenberg weist ungezwungen aus Schiff, und altdeutsche Formen für jenes Wort sind nach W. Wackernagels altdeutschem Handwörterbuch S. 250 schif, skif, sebef, skef, sceph. Was soll nun ein Schiffenberg bezwecken?
Das Wort „Gießen" bezeichnet nach „Sprachliches der Murgschiffer, Birlinger, Alemannia I, 112. I. B. Treukle, Geschichte der Schwarzwälder Industrie von ihrer frühesten Zeit bis auf unsere Tage (Karlsruhe, Braun'sche Hos- buchhandlung. 1874.) § 47 die Rheinschiffsahrt: „Landungs - p l a tz", wie z. B. die Mitglieder der Lauffenburger Schifferzunft „Loffen" hießen. Man kann darnach ruhig annehmen, daß die Lahn nach Aufnahme der bei Gießen zu ihr fließenden Gewässer und bei altem größerem Wasserreichthum hier in alter Zeit schiffbar wurde und von da an nach unten regelmäßig zum Verschiffen von Gütern rc. benutzt wurde. Dann aber war die „S k e p h e n b u r g" nicht etwa durch die Burg „Zu den Giesen" zu beschützen, sondern selbst ein Schutz für den Landungsplatz an der Lahn. Dieser Schutz wurde später überflüssig, als eine Burg unmittelbar am Landungsplätze errichtet wurde, und nunmehr die Schiffenburg einer Kloster- grüudung gewidmet werden konnte.
Diese Entwicklung der Dinge hat ein Seitenstück in dem Vorkornrnniß von Schippenpiel (— Schiffenburg- pil, peil ist ein altpreußischeS Wort für Burg), nahe der preußischen Ostseeküste, wie auch Schipperkaim, 1486 so genannt, ein Schifferdorf bei Wartenburg war. Was Schippenpiel sür den Anfang der Schiffbarkeit der Alle, war der Schiffenberg sür den Landungsplatz an der Lahn, der danach heute „Gießen" heißt.
Wer sich aber mit dieser Erklärung nicht befreunden kann und vielleicht eine noch naturwüchsigere vorzieht, dem kann ich aus Wackernagels Buche namhaft machen, daß althochdeutsch ecipa, sciba, mittelhochdeutsch sebfve so viel heißt als Scheibe, Rad, Kugel, und der Berg seinen Namen am Ende nur von der kttgelig abgerundeten Höhe hat, welche er darstellt. Dr. W. Kellner.
und ähnlicher Celebritäten aussprechen, diese Herren sind nicht etwa Junggesellen, denen die „warme, gemüthliche Kneipe" das fehlende Heim ersetzt, sondern zum größten Theile Ehemänner. Die jüngeren haben daheim eine mehr oder minder niedliche Frau, die älteren ihre treu sorgende, wenn auch nicht mehr im Lenz der Schönheit prangende Lebensgefährtin, dazu ein paar hübsche, freundliche Töchter.
Schon zeigen sich Spuren, daß der unglückselige Geist der Zeit auch die Frauen in Mitleidenschaft zieht. Seitdem das Bier die kleinen Spelunken verlassen hat, um sich in allen erdenklichen Stilen Prunkhäuser und Kathedralen zu bauen, seitdem hat auch die deutsche Fran hier und da den ursprünglichen Abscheu gegen das Kneipenleben überwunden und jetzt schon gibt es gewisse Städte, deren Einwohnerinnen mit fast männlicher Thatkraft allwöchentlich mehrmals ihre zwei, drei, auch vier Seidel genießen. Ueberall aber existirt eine Reihe wirklich fashionabler Locale, wo die Frau, selbst der höheren Klassen, kühn an die Oeffentlichkeit tritt, also dem Beispiele deS Mannes folgt, der sich der Häuslichkeit mehr und mehr zu entfremden droht. Sind unsere Männer wirklich so unempfänglich geworden für die geistigen und gemächlichen Reize der Häuslichkeit und eines freundschaftlichen Privatverkehrs, daß sie das ewige Hocken in der menschengefüllten Kneipe dem Aufenthalt in ihrer behaglichen Wohnung vorziehen? Oder fehlt es der deutschen Frau so sehr an der Gabe, den Mann dauernd zu fesseln, daß er grundsätzlich ihrem Kreise entflieht? Das Ueberwuchern des Kneipenlebens ist meines Erachtens eine ganz natürliche Folge unserer schwerfälligen, umständlichen, langweiligen und dabei sehr kostspieligen Geselligkeit. Der Deutsche, der „in Gesellschaft" geht, will vornehmlich gefüttert sein. Während er sich zu Hause mit einem Butterbrot und einem Stück kalten Bratens begnügt, scheint es ihm unerläßlich, sobald er mit
vermischter.
Wetzlar, 20. November. In den Räumen des Hotel Kaltwasser fand heute Nachmittag eine Generalversammlung des berg- und hüttenmännischen Vereins für die Lahn-, Dill und benachbarten Reviere statt, in welcher über die Stellung des Vereins zu der Frage der Mosel- und Lahnen na l i s i e r u n g Berathung gepflogen wurde. Da Se. Excellenz der Oberpräsident der Rheinprovinz Herr v. Berlepsch, sowie Herr Regierungspräsident v. Pujtkamer aus Coblenz in informatorischer Absicht den Verhandlungen beiwohnten, auch wiederholt in äußerst lebhafter Weise in die Debatten ein griffen, gewannen dieselben eine Bedeutung, welche auf die künftige Behandlung der Canalfrage voraussichtlich nicht ohne erhebliche Rückwirkung bleiben wird.
Marburg, 21. November. Gestern Abend gegen 5 Uhr gewahrte man von der Stadt aus eine intensive Röthe deö südlichen Himmels und stellte alsbald einen Brand in dem 11/2 Stunden entfernten Dorfe Niederweimar fest, worauf man hier sofort eine Abtheilung Feuerwehr und. eine Spritze nach dorthin beorderte. Im Ganzen sind 11 Scheunen und Ställe der Gehöfte Müller, Schnabel, Wittwc Heuser und Bürgermeister Schleich ein Raub der Flammen geworden, darunter einige der größten Scheunen der ganzen Umgegend mit Inhalt. Das Feuer nahm in einem Gebäude des Müller'schen Hofes seinen Ausgang, jedoch konnte über die Entstehungsursache bis jetzt nichts ermittelt werden- Müller selbst hatte sein Inventar nicht versichert.
— Seltsamer Geschmack. In einem Dorfe in der Nähe von Mühlberg a. d. E. wurde kürzlich auf Anordnung der Ortsbehörde ein wuthverdächtiger Hund getvdtct und der Kreisthierarzt von der Sache verständigt. Als dieser aber zur Scetion und Untersuchung des Hundes eintraf, war dieser bereits von seinem Eigenthümer — verzehrt.
— Das gute Zimmer. In säst jeder Wohnung des Mittelstandes finden wir das sogenannte „gute Zimmer". Es ist dies, was die räumliche Beschaffenheit anlangt, der beste Platz in der ganzen Wohnung, aber sonderbar, es wird fast nicht benutzt. Es ist auf das Bestmöglichste ausgestattet und darum glaubt die Familie, es schonen zu sollen. Gut ist doch nur, was seinem Zwecke voll und ganz entspricht. Das thut das betreffende Zimmer nun keineswegs, und sollte man es danach benennen, in welcher Weise es benutzt wird, so müßte es das „überflüssige Zimmer" heißen. Es wird nur etwa an den höchsten Festtagen oder wenn Betuch erscheint benutzt, sonst liegt es mit verhüllten Möbeln in immerwährender Ruhe da. Es ist eigenthümlich, daß in den großen Städte, in denen doch die Preise der Miethen gewaltig hoch sind, die Leute sich noch ein überflüssiges Zimmer erlauben können. Aber die Ursache? Das ist die liebe Eitelkeit. Der Hausvater, die Mutter sollten aber bedenken, daß doch die
anderthalb Dutzend gleichgestellter Zeitgenossen zu Nacht ißt, wenigstens „ein Menu" von vier bis fünf Gängen herunterzuhaspeln. Hierzu gibt es natürlich mehrere Sorten zum Theile recht schwerer und theurer Weine: Rauenthaler, Johannisberger und schließlich „Sect". Nun läßt man sich dergleichen ja ausnahmsweise gefallen. Diese Fütterung jedoch, verbunden mit Excessen im Trinken — denn da- Trinken theurer und schwerer Weine ist für den Mittelstand immerhin ein Exceß — zur Grundlage der Geselligkeit machen zu wollen, stellt doch den gesellschaftlichen Talenten einer Nation ein Armuthszeugniß in bester Form aus. Ach, und wär's nur ein Vergnügen!
Die Thatsache läßt sich nicht abstreiten: in Deutschland fürchtet man die Gesellschaft wie ein nothwendiges Nebel, und das mit vollkommenem Recht.
Das Bier allein ist nicht die Ursache der Heim- entfremdung- c5 trägt nur dazu bei, sie mehr und mehr einwurzeln zu lassen. Wenn man in Betracht zieht, daß die französische Plaudergeselligkeit nicht nur weit billiger ist als die deutsche Eßgeselligkeit, sondern auch billiger als die Un- gefeUigfeit bei chronischem Wirthshausbesuch, so mochte c» doch wohl aus mehr als einem Gesichtspunkte lohnen, sich die ehrliche Zrage zu unterbreiten: Soll das so weitergehen wie bisher? Sollen die deutschen Frauen nicht mit vereinten Kräften, jede in ihrem Kreis, den Versuch machen, diese Verhältnisse umzugestalten? Gelingt ihnen das, so erwerben sie sich ein bleibendes Verdienst um unseren nationalen Wohlstand, denn noch ein paar Schritte weiter, und da- undeutsche Trinken bedeutet auch wirthschaftlich den Ruin."


