— Die Interessenten werden darauf aufmerksam gemacht, daß es sich empfiehlt, das Beischreiben oder Erheben der Zinsen von Einlagen bei hiesiger Spar- und Leihkasse nicht länger hinaus zu schieben, da in diesem Jahre der letzte Zahltag am 24. December abgehalten wird. In der Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr ist die Kasse geschlossen.
m. Theater. „Die beiden Leonoren", Lustspiel in 4 Acten von Paul Lindau. Als Paul Lindau, der bekanntlich vom Feuilleton herkam und auf dem Gebiete des literarischen Essays schon lange vorher als einer der ersten Reigenführer angesehen wurde, zum ersten Mal mit einem dramatischen Versuch in die Oeffentlichkeit trat, entsprach das, was er bot, keineswegs den gehegten Erwartungen. Man vermißte gänzlich den kaustischen Ton, den man aus seinen Plaudereien von ihm gewohnt war, suchte vergeblich nach den scharf umrissenen Charakteren, die er sonst mit wenig Strichen zu zeichnen wußte, kurz man gewahrte nirgends den originellen Kopf des Dichters. Damals fehlten die Sceptiker nicht, die behaupteten, Paul Lindau habe das „ne sutor supra crepi- dam“ außer Acht gelassen, er werde nie etwas wirklich Bühnenfähiges liefern. Durch solche Stimmen hat sich der Getadelte nicht beirren lassen. Er arbeitete auf dem Felde, das er betreten hatte, unentwegt weiter, und rasch stellte sich dann ein bedeutender Erfolg ein, so daß schon jetzt Lindau neben den populärsten und beliebtesten Lustspiel- und Schwankdichtern Moser, Schönthan, Kadelburg, Kneifet, Schweizer usw. genannt werden kann. Der in den „beiden Leonoren" ungemein wirksame und poetische Contrast der verbildeten, blasierten, auf Irrwege gerathenen, seelisch kranken Mutter zu ihrer in ländlich-frischer Luft ausgewachsenen, an Geist, Verstand und Herzen kerngesunden Tochter, die berufen ist jener eine Freundin zu werden und mit ihrem herzlichen, natürlichen Wesen zur Genesung zu verhelfen, hebt das Stück in Wahrheit zu einer Stufe empor, aus der wenige moderne'Lustspiele stehen. Zugleich ist der Ernst der Grundidee für den Ton des Stückes nicht maßgebend geworden, sondern diese wird in wirklich höchst amüsanter und geistreicher Art behandelt. Wir haben selten herzlicher im Theater lachen hören, als gestern Abend. Es ist unsere dringende Bitte, die Direction möge das Lustspiel zu einer zweiten Aufführung bringen. Damit würde dem Wunsche einer sicherlich großen Zahl von Theaterbesuchern, die sich gestern haben abhalten lassen, das allerdings seinem Werth und Namen nach hier wohl seither weniger bekannte Stück zu sehen, stattgegeben. Was nun die Aufführung anlangt, so dürfen wir wohl sagen, daß wir uns keiner abgerundeteren und flotteren entsinnen. Namentlich die Darstellung der Hauptpartieen konnte man füglich sich nicht besser wünschen. Vor allem entzückte Frau Director Re iners mit einer einzig-schönen Verkörperung ihrer Rolle. Sie übertraf, um ein triviales, aber hier ein Mal am rechten Platze angewandtes Wort zu gebrauchen, womöglich sich selber. Ein Duft zartester Poesie lag über ihrem Lorchen ausgegossen. Ihr ganzes Spiel und namentlich dasjenige in ihrem ersten Austritte und der Liebesscene im dritten Acte athmete eine zum tiefsten Herzen dringende Innigkeit und Frische. Die Partie des Herrn von Gallas (Hermann Wiehberg) stellt keine bedeutenden Anforderungen, indem sie weniger indivi- dualisirt ist und keinen sonderlichen Aufwand von Charakteri- sirungsvermögen erheischt. Die Wiedergabe durch Herrn v. Gallas erfolgte mit der nöthigen Gewandtheit und Sicherheit. Herr Otto Frank spielte den Doctor Brosius mit gutem Gelingen, aber unvortheilhaster Maske. Die zweite lustige und zwar sehr lustige Rolle (Christian Wiehberg) war Herrn Director Reiners zugetheilt, der wieder einfach großartig war. Er stattete seine so wie so schon äußerst wirksame, umfangreiche Partie mit unübertrefflicher Comik aus und lieferte einen vorzüglich charakterisirten, wenig krächzenden Gutsbesitzer, der Ruhe für des Bürgers erste Pflicht hält. Frau Jaskowski stellte seine würdige Partnerin dar und erntete für ihr drastisches Spiel lauten Beifall. Auch Herr Max Jaskowski als weltkluger und besonnener, dabei herzlicher und lebensfroher Kaiser entsprach unseren Wünschen vollkommen.
vermischte».
* Mainz, 21. November. Es machen gegenwärtig hier wieder Nachrichten die Runde, wonach beabsichtigt sei, die hier garnisonirenden hessischen Regimenter Nr. 117 und 118 nach Hanau bezw. Frankfurt zu verlegen, so daß überhaupt kein hessisches Militär mehr in Mainz bliebe. Das ist nicht richtig; in militärischen Kreisen weiß man von einer Verlegung hessischer Truppentheile nichts. Nach einer in Rheinhessen gebräuchlichen Redensart verlassen die Preußen Mainz am 30. Februar, und so lange werden wohl auch die Hessen hier bleiben.
Mainz, 22. November. Das erst heute Mitrag beendigte Scrutinium über die gestrigen Ergänzungswahlen zur Stadtverordnetenversammlung ergab das Resultat, daß 4 Deutschfreisinnige, 4 Demokraten, 3 Nationalliberale, 2 Mitglieder der Centrumspartei und 1 Socialdemokrat gewählt sind. Demnach stellt sich das Stimmenverhältniß in der zukünftigen Stadtverordnetenversammlung folgendermaßen: IG Mitglieder der Centrumspartei (seither 14), 12 Nationalliberale einschließlich 3 Mitglieder der Bürgerpartei (seither 19), 10 Demokraten (seither 9), 4 Deutschfreisinnige (seither 1), 2 Parteilose und 1 Socialdemokrat. Es hat also keine Partei eine absolute Mehrheit. Zum ersten Mal tritt ein ausgesprochener Socialdemokrat in die hiesige Stadtverordnetenversammlung ein, wie auch erwähnt zu werden verdient, daß die Socialdemokraten gegenüber der Wahl vor 3 Jahren eine sehr bedeutende Zunahme von Stimmen zu verzeichnen haben. Der Wahlkampf war im übrigen ein sehr heftiger gewesen und ist theilweise mit Waffen geführt worden, die hier bisher nicht gebräuchlich waren. Statt sich sachlich zu bekämpfen, wurde vielfach das persönliche Gebiet betreten und hervorragende Parteimitglieder mit Schmutz und Koth beworfen.
— Die Bassenheimer Hof-Kaserne hier, die seit der im vorigen Jahre stattgehabten Fertigstellung des neuen hiesigen Kasernements nicht mehr militärischen Zwecken dient, ist durch Versteigerung gestern um den Preis von 201,500 Mk in den Besitz eines Weingroßhändlers übergegangen. Die neben dem Gouvernements - Gebäude auf dem Schillerplatz gelegene genannte Kaserne war früher ein Mainzer Patrizierhaus, kam alsdann in die Hände des Militärfiscus und wurde später durch Vereinbarung dem hessischen Staat überwiesen.
* Worms, 22. November. Aus Anlaß der Eröffnung des hiesigen Fest- und Spielhauses wurde dem Rentner Friedr. Schön das Ritterkreuz 1. Kl. des Verdienstordens Philipps des Großmüthigen mit der Krone, dem Rentner Max Michaelis das Ritterkreuz 1. Kl. dieses Ordens, dem Königl. Preuß. Regierungsbaumeister Otto March in Charlottenburg und dem Schriftsteller Hans Herrig in Berlin die goldene Medaille für Wissenschaft und Kunst verliehen.
Verkehr, Land- unfc Volkswirthfehaft.
Gießen, 23. November. (Marktbericht.) Auf dem'heuttgen Wochenmarkt kostete: Butter pr. Pfd. X 1,20—0,00, Hühnereier 1 St. 7-8, 2 St. —. H, Enteneier 1 St. 0- H, 2 St. — Gänse eier — Käse pr. St. 5—8 Kasematte pr. St. 3 Erbsen pr. Liter 18 H, Linsen vr. Liter 30 Tauben pr- Paar JL 0,40—0,55, Hühner pr. Stück -X 0,85—1,00, Hahnen pr. St- X 0,50-0,60, Enten pr- Stück X 1,40—1,80, Gänse vr. Pfd. 50—60 Ochsenfleisch pr. Pfd 66—72 H, Kuh- und Rindfleisch 56—60 Schweinefleisch 60-70 H, Hammelfleisch 50—66 H, Kalbfleisch 56-60 H, Kartoffeln pr. 100 Kilo <X 3,50—4,00, Weißkraut pr. St- 4—8-5, Zwiebeln per Centner 7,00—8,00, Milch pr. Liter 12-18 H.
Die belle Gewähr der Fay’schen Aechten Sodener Mineral-Pastillen i|l der enorm dohe, jährlich sich steigernde Eonsum. In der Thal ist aber auch chrRuf auf Schletm- lösung und gleichzeitig ihr günstiger Einfluß auf die Magenfunction ein begründeter. Fays Pastillen sind in allen Apotheken h 85 die Schachtel erhältlich.8000
Niemand sollte versäumen, sich den WeihnachtS-Katalog, den das Versandtgeschäft Mey & Edlich, Eeipzig-Plagwitz unberechnet und portofrei versendet, kommen zu lassen.
Derselbe bietet, wie man ja von dem bekannten Weltgeschäfte nicht anders erwarten kann, eine reiche Auswahl praktischer Gegenstände für den häuslichen Bedarf, sowie eine Fülle anderer reizender Weihnachts-Geschenke.
Die strenge Reellität der Firma birgt für die Preiswürdigkeit und Solidität aller von ihr angebotenen Maaren. 7269
Auszug aus den Standesaintsregistern
-er Stadt Gießen.
Aufgebote.
November: 9. Heinrich Kraft von Altenhain, Gerber dahier, mit Marie Henriette Engel hterselbst. 22. Peter Baumann von Lumda, Fuhrmann dahier, mit Katharina Eltsabetha Schneider, gebürtig von Hermannftein, wohnhaft dahier.
Eheschließungen.
November: 18. Heinrich Oechler von Herchenhain, Hilfsbremser zu Alstaden, mit Clara Kinkel von Annerod, wohnhaft dahier. 20. Wilhelm Schmidt, gebürtig von Laubus-Eschbach, Taglöhner dahier, mit Elisabeth Röder von Nordeck. 22. Georg Fischer von Rimbach, Kreis Lauterbach, Taglöhner dahier, mit Katharine Ringel von Wingershausen, wohnhaft dahier.
Geborene.
November: 13. Dem Telegraphenlettungsausseher Leo Mainzer eine Tochter, Anna Katharine Christine. 14. Dem Wirth Georg Müssing ein Sohn, Kerl Hartmann. 15. Dem Locomottvhetzer Louis Wachenhausen eine todtgeborenes Kind weiblichen Geschlechts. 19. Dem Rangirer Wilhelm Hansmann ein Sohn, Robert. 21. Dem Restaurateur Jacob Scheuer ein Sohn, Max.
Gestorbene.
November: 16. Friedrich Noll, 23 Jahre alt, Sandformer zu Allendorf, Kreis Dill. 16. Philipp Kraus, 33 Jahre alt, Ackersmann zu Aßlar. 17. Katharine Elisabeth- Repp, 4 Tage alt, Tochter von Taglöhner Heinrich Repp dahier. 18. Rebekka Walldorf, geb. Schiff, 54 Jahre alt, Ehefrau von Händler Herz Walldorf dahier. 19. Heinrich Karl Pfaff, l3/< Jahre alt, Sohn von Postillon Konrad Pfaff dahier. 19. Katharine Belz, geb. Heckmann, 63 Jahre alt, Wittwe von Dtenst- mann Jacob Belz dahier.
Auszug aus -en rttrchenbucherir
der Stadt Gietzen.
Evangelische Gemeinde.
Getraute.
Den 18. November. Heinrich Oechler, Htlfsbremser zu Alstaden, und Clara Kinkel, Tochter des Wagners Wilhelm Kinkel zu Gießen.
Den 20. November. Wilhelm Schmidt, Taglöhner zu Gießen, und Elisabeth Röder, Tochter des Ackermanns Philipp Röder zu Nordeck.
Getaufte.
Den 17. November. Dem Buchhalter Edmund Wetter ein Sohn, Edmund Eduard, geboren den 14. October.
Denselben. Dem Stattons-Diätar Alexander Berck ein Sohn, Richard Carl Christian Hermann, geboren den 12. October.
Denselben. Dem Dtenstmenn Friedrich Schmidt III. ein Sohn, Wilhelm Friedrich Heinrich, geboren den 18. October.
Denselben. Dem Taglöhner Johannes Gilbert ein Sohn, Heinrich, geboren den 26. October.
Denselben. Dem Heilgehilfen Ferdinand Schmidt ein Sohn, Gustav, geboren den 3. October.
Denselben. Dem Kaufmann Carl Schäfer ein Sohn, Friedrich Carl Georg Gustav Theodor, geboren den 13. September.
Den 21. November. Dem Kaufmann Georg Schneider eine Tochter, Irene Elise Katharine Auguste Emma, geboren den 27. October.
Den 22. November. Dem Weinhändler Carl Schwan ein Sohn, Carl Wilhelm Adolf Berthold, geboren den 3. November.
Beerdigte.
Den 17. November. Georg Bartsch, Güterarbeiter an der Bahn, alt 63 Jahre, starb den 15. November.
Den 22. November. Katharine Belz, geb. Hcckmann, Wittwe des Dienstmanns Jakob Belz, alt 63 Jahre, starb den 19. November
Vrodpreise
vom 2 4. November bis 8. December 1889.
1
2
1
2
1
2
3
Bei den Bäckern.
Kgr. (2 Pfd.) Weißbrot)..............28
„ (4 Pfd.) Weißbrod........ 56
„ (2 Pfd.) Schwarzbrod 1. Sorte.........26
„ (4 Pfd.) Schwarzbrod 1. Sorte .........52
„ (2 Pfd.) Schwarzbrod 2. Sorte ......... 24
bei K. Lenz 23
„ (4 Pfd.) Schwarzbrod 2. Sorte.........48
bei K Lenz 46
(6 Pfd.) Schwarzbrod 2. Sorte
bei L. Keil, Johs. Lein
72
Bei den BrodverkLufer«. -3)
1 Kgr. (2 Pfd.) Weißbrod......... 28
2 (4 w ) „ ..............56
1 ” (2 ”, ) Schwarzbrod 1. Sorte .........26
2 , (4 „ ) Schwarzbrod 1. Sorte...... 52
3 (6 „ ) Schwarzbrod 1. S^rte .......—
1 „ (2 „ ) Schwarzbrod 2. Sorte.........24
2 „ (4 , ) Schwarzbrod 2. Sorte.........48
3 , (6 , ) Schwarzbrod 2. Sorte.........—
Gießen, den 23. November 1889. Großh. Polizeiamt Gießen.
| Fresenius.
Hochfeine
Wein-Essige
per Liter 15, 18 u. 24 Pf.
sowie feinsten deutschen COGNAC ärztlich empfohlen. — Liter-Flasche Mark 2.— =
Ferner:
Idqueure
von
Gg. Scherer & Co.
Langen. 9256
Alleinige Niederlage
G. C. Windecker
Seltersweg 2, Ecke am Kreuz
94C0 Unterzeichneter empfiehlt sich im Aufsetzen und AuSputzen jeder Art Feuerungen.
Melcher, Ofenputzer, Wetzsteingasse 10.
e* Freiwillige gait'jchk Feuerwehr.
Samstag den 30. November:
N,, 34. Stiftungsfest , (lebende Bilder, Theater und Tanz) im Leibwachen Saale.
Eintrittskarten für Freunde von Mitgliedern sind im Laden des Kameraden PH. Mootz, Neustadt, sowie Abends an der Kaffe zu haben
Anfang präcis 8 Uhr.._______[9445]________Der Vorstand.
Central-Kranken- und Sterbekasse der Tischler.
Dienstag Abend 8 Uhr:
Mitglieder-Versammlung im Restaurant?. Ritter,
Rittergasse. 9441
Rechnungsabschluß pro 3. Quartal. — Verschiedenes._______________
Gesangverein. Eintracht.
Samstag den 30 November, Abends 8 Uhr
AL. S t i f 6 u iigs-Fest
mit Theater und Tanzunterhaltung
in Steins Garten.
Zur Aufführung kommt: Die Schweizer in Amerika.
Karten ä 1 Mark bei Herrn Thoma, Bahnhofstraße und Herrn Orbig, Rittergasse. [9473] Das Comite.
Sonntag den 2^ November 9467
Grosses Militär - Concert im „Kronprinz“,
ausgeführt von Mitgliedern der hiesigen Regiments-Kapelle.
Anfang 4 Uhr. Eintritt 20 Pfg. Ende 11 Uhr.
Gin angehender fleißiger Kuferbursche findet sofort dauernde Stellung. 9496
Georg Philipp Galt
SW Wer liefert iooo leichte Kistchen für Fleischwaarenversandt, Inhalt: 8. 10, 20 Kilo.
Offerten mit Preisangabe wolle man gefälligst einsenden. 9472
Keßler, Pfetdemetzger.
Julchen-Verein.
Eine anständige, bessere Person zu einem 2 Jahre alten Kinde gesucht. Hoher Lohn Näheres in der Exped. ds. Bl 9169
Concordia.
Heute Sonntag r 9455
Familien - Abend.
Parket-Wden
von den einfachsten bis zu den reichsten Mustern liefere stets in bester, ganz trockener Waare zu den billigsten Preisen. Auch wird das Legen und Wichsen derselben von mir aufs feinste ausgeführt. Auf schadhaft gewordene alte Fußböden ist das Legen von Parkets ganz besonders zu empfehlen.
Joh. Lenz,
Schreinerei und Holzhandlung, Frankfurterstraße 123.
Samstag den 23. November:
Stiftungs-Fest
Abends 7 Uhr:
Festessen. ,
Anzug für Herren: Frack und weiße Weste.' 9466 DaS Festkomitee. 8123


