greifend waren die Scenen, als am Eingagnge des Dorfes die Angehörigen nach Verlesung der Namen den bezciHnetcn Sarg umstellten und ihrem tiefen Schmerze über den herben Verlust, der sie betroffen, in lautem Jammern Ausdruck gaben. Unter dem Leichengesang der Schuljugend wurden die Särge auf den Friedhof getragen und hier nebeneinander eingebettet, 6 nach evangelischem, einer nach katholischem Ritus. Die Beisetzung der übrigen Leichname fand statt um l/212 Uhr 1 in Oberrodenbach, zu gleicher Stunde 1 aus dem hiesigen Friedhöfe, um 11 Uhr 4 in Groß-Auheim und um 2 Uhr 1 in Groß Krotzenburg." lieber die Vorgänge kurz nach der Katastrophe werden noch folgende Einzelheiten bekannt: Die Gattin des Feuerwerks-Lieutenants Hesse auf der Kgl. Pulver fabrik erschien alsbald aus dem Verbandplätze und wirkte hier, als die einzige weibliche Hülse, thätig mit, die Leidenden zu verbinden und ihnen beizustehen. Nicht unerwähnt mag bleiben, daß auch verschiedene Angestellte und Bedienstete mit Aufbietung aller Kräfte an dem Verbandplätze mitgewirkt und selbstständig ihre leidenden Mitmenschen verbunden und zu jedmöglicher Linderung beigerragen haben. Dem Umstande und Glück ist es zu verdanken, daß von den übrigen in demselben Raum beschäftigten Arbeiterinnen drei mit dem Schreck davon gekommen sind. Von den sofort zur Rettung Herbeigceilten haben verschiedene Personen Brandwunden davon getragen, n. A. auch der Director der Pulverfabrik Major Weichbrodt, der gerade an der neuen Balistelle, wo der Brand ausgebrochen ist, zugegen war. — Eine neue Darstellung der Vorgänge, soweit sie die zufällig anwesenden Personen verfolgen konnten, lvird uns von anderer Seite gemeldet. Danach wären einige der Mädchen mit über und über brennenden Kleidern aus dem Hause gestürzt und hier den umstehenden Personen verzweiflungsvoll in die Arme gesunken.
Literatur «nv Kunft.
— Phryne in EleusiS. AuS dem Leben der Böotifchcn Hetäre ist jene Episode am bifanntefttn, da sie vor den Augen des zu der Feier der Mysterien zu EleusiS versammelten Volkes ihre Hülle ablegte und, der der schaumgeborenen Göttin gleich, in die MeereSfluth steigt. Diesen interessanten Vorgang hat H. Siemiradzki »um Vorwurf eines EolosialgemLides gemacht, das ihm von seinem
Landesherrn, dem Kaiser von Rußland, für den seltenen Preis von 70,000 Rubel abgekauft wurde. Auf Wunsch des Künstlers willigte der russische Kaiser darin ein, daß das Gemälde eine Zeit lang in den europäischen Hauptstädten zur Ausstellung gelange. Eine große doppelseitige Reproduction deS Siemtradzkr'ichen Gemäldes bringt das -weite Heft der »Modernen Äunfl* (Berlin, Verlag von Rich. Bong). In derselben Stummer finden wir ein nicht minder prächtiaes Doppelkunstblatt „Traumbilder" von W. I. Mariens, sowie interessante Bilder von Alcazor Tejedor: „Die Taufe", Gamba: „Ter Kuß", A. Andersen Lündbyi „Früher Winter" und F. A. Bridgman: „Sommerabend"; namentlich ist das letztgenannte Bild, eine im Garten lustwandelnde vornehme Araberin darstellend, von hohem künstlerischen Retz. AuS dem textlichen Inhalt erwähnen wir einen iQuftrtrhn Artikel über das „Hrrkomer Theater" in London, einen gleichialls mit Illustrationen geschmückten ausführlichen Bericht über die Preirbewerbung um das Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Berlin, eine Biographie von Ludwig KnauS, besten sechszigster Geburtstag zu einer hübschen illustrativen Huldigung Anlaß gibt, einer Erzählung von H rm. Heiderg und A. v. Klinckowström, Gedichte von Theodor Fontane, einen Artikel mit Portrait über die sächsische Kammersängerin Therese Malten, Berliner Theater, Humor
Kunstchronik rc. Tas nächste Heft (Nr. 3) erscheint als Weih-
nachisnummer, und zwar für die Abonnenten zum gewöhnlichen Preis von 1 JL pro Heft, während Einzelnummern 2 JL kosten.
Als eine Zierde der Weihn-rchtsnummer ist eine doppelseitige Farben- reprobuchon des Haus W. Schmidt'schen Gemäldes „Kaiser Wilhelm II. und G'solye" gratis in Aussicht gestellt, welches Kunstblatt im Kunstbandel nur zun, Preise von 3 X. zu haben ist. Ein Abonnement auf dies- Prachtzertschr ft können wir unseren Lesern auf das Wärmste empfehlen
— ,HeiterkeitS-Vrevier". Lustige Vortrage für gesellige Kreise, gerammelt und hcrausgegeben von Eonstantin Bulla. Schweidnitz, Verlag von Georg Brieger. 8° 204 Seiten. Preis 1
Die in diesem Buche zusammengestellten DortragSdichtungm dürsten ohne Ausnabme und in jeder Gesellschaft den durchschlagendsten Heiterkertserfolg erzielen, zumal sie hier in einer io mannigfachen Auswahl geboten werden, daß sie jeder Art von Grschmacksrichtung zu dienen vermögen.
Wir können daher die vorliegende Sammlung allen Freunder" eines gesunden Humors bestens empfehlen.
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Schisfrncrchrichten.
Bremen, 18. November. sPer transatlantischen Telegraph.^ Der Schnelldampfer Trave, Capt. W. Willigerod, vom Norddeutscher Lloyd in Bremen, welcher am 6. November von Bremen und aos 7. November von Southampton abgegangen war, ist am 15. November, Nachmittag«, wohlbehalten in Newyork angekommen.
Bremen, 18. November. sPer transatlantischen Telegraph^ Der Postdampser Hermann, Capt. W. Schmolder, vom Norddeutscher Lloyd in Bremen, welcher am 30. October von Bremen abgegangen war, ist gestern Mittag wohlbehalten in Baltimore angekommen.
Bekanntmachung.
Die Rechnung der hiesigen Spar- und Lechkaffe für das Jahr 1888, welche der Hauptversammlung der Vereinsmitglieder vorgelegen, hat folgende Resultate ergeben, die in nachstehender Uebersicht bekannt gemacht werden:
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
A. Vermögen.
Die ausgeliehenen Kapitalien betrugen Ende 1887
In 1888 wurden neu ausgeliehen
Ab die in 1888 zurückempfangenen Kapitalien. 5 Das Guthaben der Kasse an ausgeliehenen Kapitalien betrug hiernach Ende 1888. . . . .
Kasseoorratb nach dem Abschlüsse der Rechnung für 1888 .............
Ausstände nach demselben Abschlüsse Guthaben an Stückzinsen bis Ende 1888 . • .
Werth in Mobilien...........
Werth in Immobilien .........
Mehrwerth der Staatspapiere «ach dem Curse am 1. Januar 1889 . . ......
Das Gesammt-Vermögen der Anstalt betrug mithin Ende 1888 ...........
II. Schulden.
Die Einlagen betrugen Ende 1887
In 1838 wurden eingelegt von 10,372 Personen
Summa:
Davon ab die im Jahre 1888 zurückbezahlten Einlagen an 1151 Personen........
Die Schulden der Kasse an Einlagen inclusive 83 154.37 JL Einlagen der Pfennig-Sparkasse betrugen Ende 1888 .......
Verglichen ergibt sich ein Ueberschuß von • • . welcher den Reservefond bildet.
Ende 1887 betrug der Reseroefond
Derselbe hat sich somit in 1888 vermehrt um . .
JL
3,512,351
261,712
54
vN*
3,774,06
161,226
54
33
3,612,837
21
70,025 1,969 69,924 l,R40 44,570
91
13
57
42
5,883
13
3,807,050
37
3,387,915
754.088
40
18
4,142,003
58
689,377
25
3,452,626
33
354,424
04
333,417
42
21,006 | 62
Aus Grund der Statuten wurden in der Hauptversammlung vom
8. November l. I. aus den Ueberschüffen der Anstalt im Jahre 1888 be
willigt :
JL
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
Dem allgemeinen Verein für Armen- und Krankenpflege in Gießen . Dem Verein für Krankenpflege in Gießen..........
Der Kleinkinder-Bewahranstalt..............
Der Herberge jur Heimath .
Dem Aliceverein für Frauenbildung .........
Dem Verein gegen Bettelei...............
Dem Thierschutzverein............... •
Dem Gewerbeverein .............
Dem landwirtbschaftlichen Bezirks verein . . . . .... .4 .
Dem Schulvorstand in Gießen zur Anschaffung von Büchern • . . Der Schullesebibliothek in Gießen.............
Prämien an Dienstboten ..............
Der Rettungsanstalt für Mädchen in Arnsburg • ......
Der Kleinkinder Bewahranft^lt in Burkhardsfelden Der Mathilden Stiftung für Oberhessen ..........
Der Kaiser Wilhelm-Stiftung...... •
Dem Jnvalidenverein ............
Dem Kinderbospital in Bad Nauheim • Dem Elisabethensttft in Darmstadt.............
Der Unterstützungskasse für die hessischen Irrenanstalten .... Der Arbeiter-Colonie zu Neu-Ulrichstein ........ •
Der Luther-Stiftung ..............
Den Fortbildungsschulen , . . -
Der Erziehungs- und Besserungsanstalt für verwahrloste Kinder in
Gräfenhausen .........
Der von Bodelschwingh'ichen Anstalt für Epileptische in Bethel . . Den Kindergärtnerinnen dahier .... ........
Den vier erblindeten Personen in Gießen .........
Den vier kranken Personen in Gießen • ■ • • •
10'0 4100
110c
400
200
100
10)
2 0
50c
50
60
300
100
150
100
100
100
4/0
100
250
200
200 6i0
100
100
300
240
200
Summa: | lldou
Gießen, am 16. November 1889.
Die Direktion deS Spar» und Leihkafse-VereinS.
Langsdorfs.
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Erde, 4. Aufl., br. M. 6, geb.M. 7.
Roßmäßler, Tie vier Jahreszeiten, 6. Aufl.. br. M. 5, geb. M. 7.
Carus Sterne, Die allgem Wetan« schauung, br. M. 6., geb. M. 7.50.
Klein, Allgem. HimmelSknnde, 2. Aufl.
br. M. 5.—, geb. M. 6.—.
Hübner.. I. (3., Pflauzruattss, 6. Aufl., neu? Ansg., kart. M. 4 50.
von Martens u. ttemmler, Flora von 1 Sßärttemberfl und Hohenzolleru, Band I u. II., drosch. M. 1QLQ.
Heß, Pros. Dr. W , Spezielle Zoologie, Bd. I., br. M. 4., geb. M. 5.
Ledebur, Die Metalle, br. M. 3.50, geb. M. 4.50.
Clarus, Tie rationelle Ernährung,
9283 Ein HanSbursche gesucht.
Hermann Dogl Bäcker, Seltersweg.
93-5 Ein kräftiaer HauStznefche im Alter von 17—20 Jahren gesucht.
«rnst Lotz.


