Ausgabe 
21.11.1889 Zweites Blatt
 
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greifend waren die Scenen, als am Eingagnge des Dorfes die Angehörigen nach Verlesung der Namen den bezciHnetcn Sarg umstellten und ihrem tiefen Schmerze über den herben Verlust, der sie betroffen, in lautem Jammern Ausdruck gaben. Unter dem Leichengesang der Schuljugend wurden die Särge auf den Friedhof getragen und hier nebeneinander eingebettet, 6 nach evangelischem, einer nach katholischem Ritus. Die Beisetzung der übrigen Leichname fand statt um l/212 Uhr 1 in Oberrodenbach, zu gleicher Stunde 1 aus dem hiesigen Friedhöfe, um 11 Uhr 4 in Groß-Auheim und um 2 Uhr 1 in Groß Krotzenburg." lieber die Vorgänge kurz nach der Katastrophe werden noch folgende Einzelheiten bekannt: Die Gattin des Feuerwerks-Lieutenants Hesse auf der Kgl. Pulver fabrik erschien alsbald aus dem Verbandplätze und wirkte hier, als die einzige weibliche Hülse, thätig mit, die Leiden­den zu verbinden und ihnen beizustehen. Nicht unerwähnt mag bleiben, daß auch verschiedene Angestellte und Bedienstete mit Aufbietung aller Kräfte an dem Verbandplätze mitge­wirkt und selbstständig ihre leidenden Mitmenschen verbunden und zu jedmöglicher Linderung beigerragen haben. Dem Um­stande und Glück ist es zu verdanken, daß von den übrigen in demselben Raum beschäftigten Arbeiterinnen drei mit dem Schreck davon gekommen sind. Von den sofort zur Rettung Herbeigceilten haben verschiedene Personen Brandwunden da­von getragen, n. A. auch der Director der Pulverfabrik Major Weichbrodt, der gerade an der neuen Balistelle, wo der Brand ausgebrochen ist, zugegen war. Eine neue Darstellung der Vorgänge, soweit sie die zufällig anwesenden Personen verfolgen konnten, lvird uns von anderer Seite gemeldet. Danach wären einige der Mädchen mit über und über brennenden Kleidern aus dem Hause gestürzt und hier den umstehenden Personen verzweiflungsvoll in die Arme ge­sunken.

Literatur «nv Kunft.

Phryne in EleusiS. AuS dem Leben der Böotifchcn Hetäre ist jene Episode am bifanntefttn, da sie vor den Augen des zu der Feier der Mysterien zu EleusiS versammelten Volkes ihre Hülle ablegte und, der der schaumgeborenen Göttin gleich, in die MeereSfluth steigt. Diesen interessanten Vorgang hat H. Siemiradzki »um Vorwurf eines EolosialgemLides gemacht, das ihm von seinem

Landesherrn, dem Kaiser von Rußland, für den seltenen Preis von 70,000 Rubel abgekauft wurde. Auf Wunsch des Künstlers willigte der russische Kaiser darin ein, daß das Gemälde eine Zeit lang in den europäischen Hauptstädten zur Ausstellung gelange. Eine große doppelseitige Reproduction deS Siemtradzkr'ichen Gemäldes bringt das -weite Heft der »Modernen Äunfl* (Berlin, Verlag von Rich. Bong). In derselben Stummer finden wir ein nicht minder prächtiaes DoppelkunstblattTraumbilder" von W. I. Mariens, so­wie interessante Bilder von Alcazor Tejedor:Die Taufe", Gamba: Ter Kuß", A. Andersen LündbyiFrüher Winter" und F. A. Bridgman:Sommerabend"; namentlich ist das letztgenannte Bild, eine im Garten lustwandelnde vornehme Araberin darstellend, von hohem künstlerischen Retz. AuS dem textlichen Inhalt erwähnen wir einen iQuftrtrhn Artikel über dasHrrkomer Theater" in London, einen gleichialls mit Illustrationen geschmückten ausführlichen Be­richt über die Preirbewerbung um das Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Berlin, eine Biographie von Ludwig KnauS, besten sechszigster Geburtstag zu einer hübschen illustrativen Huldigung Anlaß gibt, einer Erzählung von H rm. Heiderg und A. v. Klinckowström, Ge­dichte von Theodor Fontane, einen Artikel mit Portrait über die sächsische Kammersängerin Therese Malten, Berliner Theater, Humor

Kunstchronik rc. Tas nächste Heft (Nr. 3) erscheint als Weih-

nachisnummer, und zwar für die Abonnenten zum gewöhnlichen Preis von 1 JL pro Heft, während Einzelnummern 2 JL kosten.

Als eine Zierde der Weihn-rchtsnummer ist eine doppelseitige Farben- reprobuchon des Haus W. Schmidt'schen GemäldesKaiser Wil­helm II. und G'solye" gratis in Aussicht gestellt, welches Kunstblatt im Kunstbandel nur zun, Preise von 3 X. zu haben ist. Ein Abonnement auf dies- Prachtzertschr ft können wir unseren Lesern auf das Wärmste empfehlen

,HeiterkeitS-Vrevier". Lustige Vortrage für gesellige Kreise, gerammelt und hcrausgegeben von Eonstantin Bulla. Schweidnitz, Verlag von Georg Brieger. 8° 204 Seiten. Preis 1

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Schisfrncrchrichten.

Bremen, 18. November. sPer transatlantischen Telegraph.^ Der Schnelldampfer Trave, Capt. W. Willigerod, vom Norddeutscher Lloyd in Bremen, welcher am 6. November von Bremen und aos 7. November von Southampton abgegangen war, ist am 15. No­vember, Nachmittag«, wohlbehalten in Newyork angekommen.

Bremen, 18. November. sPer transatlantischen Telegraph^ Der Postdampser Hermann, Capt. W. Schmolder, vom Norddeutscher Lloyd in Bremen, welcher am 30. October von Bremen abgegangen war, ist gestern Mittag wohlbehalten in Baltimore angekommen.

Bekanntmachung.

Die Rechnung der hiesigen Spar- und Lechkaffe für das Jahr 1888, welche der Hauptversammlung der Vereinsmitglieder vorgelegen, hat folgende Resultate ergeben, die in nachstehender Uebersicht bekannt gemacht werden:

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

11

12

13

14

15

16

17

A. Vermögen.

Die ausgeliehenen Kapitalien betrugen Ende 1887

In 1888 wurden neu ausgeliehen

Ab die in 1888 zurückempfangenen Kapitalien. 5 Das Guthaben der Kasse an ausgeliehenen Kapi­talien betrug hiernach Ende 1888. . . . .

Kasseoorratb nach dem Abschlüsse der Rechnung für 1888 .............

Ausstände nach demselben Abschlüsse Guthaben an Stückzinsen bis Ende 1888 . .

Werth in Mobilien...........

Werth in Immobilien .........

Mehrwerth der Staatspapiere «ach dem Curse am 1. Januar 1889 . . ......

Das Gesammt-Vermögen der Anstalt betrug mit­hin Ende 1888 ...........

II. Schulden.

Die Einlagen betrugen Ende 1887

In 1838 wurden eingelegt von 10,372 Personen

Summa:

Davon ab die im Jahre 1888 zurückbezahlten Ein­lagen an 1151 Personen........

Die Schulden der Kasse an Einlagen inclusive 83 154.37 JL Einlagen der Pfennig-Spar­kasse betrugen Ende 1888 .......

Verglichen ergibt sich ein Ueberschuß von . welcher den Reservefond bildet.

Ende 1887 betrug der Reseroefond

Derselbe hat sich somit in 1888 vermehrt um . .

JL

3,512,351

261,712

54

vN*

3,774,06

161,226

54

33

3,612,837

21

70,025 1,969 69,924 l,R40 44,570

91

13

57

42

5,883

13

3,807,050

37

3,387,915

754.088

40

18

4,142,003

58

689,377

25

3,452,626

33

354,424

04

333,417

42

21,006 | 62

Aus Grund der Statuten wurden in der Hauptversammlung vom

8. November l. I. aus den Ueberschüffen der Anstalt im Jahre 1888 be­

willigt :

JL

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

11

12

13

14

15

16

17

18

19

20

21

22

23

24

25

26

27

28

Dem allgemeinen Verein für Armen- und Krankenpflege in Gießen . Dem Verein für Krankenpflege in Gießen..........

Der Kleinkinder-Bewahranstalt..............

Der Herberge jur Heimath .

Dem Aliceverein für Frauenbildung .........

Dem Verein gegen Bettelei...............

Dem Thierschutzverein...............

Dem Gewerbeverein .............

Dem landwirtbschaftlichen Bezirks verein . . . . .... .4 .

Dem Schulvorstand in Gießen zur Anschaffung von Büchern . . Der Schullesebibliothek in Gießen.............

Prämien an Dienstboten ..............

Der Rettungsanstalt für Mädchen in Arnsburg ......

Der Kleinkinder Bewahranft^lt in Burkhardsfelden Der Mathilden Stiftung für Oberhessen ..........

Der Kaiser Wilhelm-Stiftung......

Dem Jnvalidenverein ............

Dem Kinderbospital in Bad Nauheim Dem Elisabethensttft in Darmstadt.............

Der Unterstützungskasse für die hessischen Irrenanstalten .... Der Arbeiter-Colonie zu Neu-Ulrichstein ........

Der Luther-Stiftung ..............

Den Fortbildungsschulen , . . -

Der Erziehungs- und Besserungsanstalt für verwahrloste Kinder in

Gräfenhausen .........

Der von Bodelschwingh'ichen Anstalt für Epileptische in Bethel . . Den Kindergärtnerinnen dahier .... ........

Den vier erblindeten Personen in Gießen .........

Den vier kranken Personen in Gießen

10'0 4100

110c

400

200

100

10)

2 0

50c

50

60

300

100

150

100

100

100

4/0

100

250

200

200 6i0

100

100

300

240

200

Summa: | lldou

Gießen, am 16. November 1889.

Die Direktion deS Spar» und Leihkafse-VereinS.

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