Ausgabe 
21.4.1889 Erstes Blatt
 
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Ton und Ausdruck, überall wird uns die eigenste Art deS Komponisten, sei es seelen­volle Aumuth, träumerische Innigkeit oder neckischer Humor, tn ursprünglich, c Un­mittelbarkeit offenbart. Es würde zu weit führen, wollten wir in Einzelheiten über die überreichen Programme eiugehen oder auch nur annähernd dn Bild des Geleisteten entwerfen. Wir sagen nur, was zur Genüge gesagt worden ist: daß Frau Joachim eine Sängerin ist in der höchsten Bedeutung des Wortes. Sie versteht es, wie reine Andere, durch ihre wohlklingende Stimme, welche sie, Dank ihrer trefflichen Schule, in erstaunlicher Weise zu conseroiren weiß, durch die meisterhafte Verbindung von Wort und Ton, die Feinheit der Auffassung, sowie die Zartheit der Voriragschattirungen die Zuhörer zu begeistern und die Herzen zu rühren. Daß die berühmte Sängerin nach Gebühr gefeiert wurde, ist selbstverständlich. Auf nicht endcnwollenden Applaus wiederholte sie unter Anderen auch das letzte reizende Lied:Verbotener Weg" von Bohm. Bei solch' herrlichen Leistungen, wie die der Frau Joachim, ist der Egoismus des Publikums verzeihlich und kann man es den Zuhörern nicht verdenken, wenn sie so viel wie möglich von ihr zu profitiren suchen.

* Gießon, 20. April. Während der gestrigen Beerdigungsfeter wurde der Friedhof polizeilich abgesperrt. Wer Gelegenheit hatte, zu beobachten, in welcher Weise namentlich bet größeren Beerdigungsfeierlichkeiten sich die Neugierde geltend macht, wie sie unter Hintansetzung aller Rücksicht auf die benachbarten Ruhestätten oft, wenn nicht störend, so doch mindestens unangenehm die Leidtragenden berührt, der wird es voll­kommen billigen, wenn, ohne gerade verletzend für Angehörige auf dem Friedhöfe ruhender Tobten zu sein, die Polizei Vorkehrungen traf, die unnöthigen Zuschauer, namentlich aber Kinder, während der Beerdigungsfeier von dem Betreten des Friedhofes ausschloß.

Vermischte-.

A Mainz, 19. April. Im Laufe der letzten Tage wurde dem hiesigen Volks­schulpersonal von dem Ortsschuloorstand ein Circular zugestellt, wodurch die im ver­flossenen Jahre in verschiedenen hessischen Schulfachblättern zum Austrag gebrachten Reibereien zwischen einzelnen Lehrern der Mainzer Volksschule einen scharfen Tadel finden. Der Schulvorstand erklärt dieses Vorgehen der einzelnen Lehrer als unvereinbar mit einer guten Schulzucht und spricht die bestimmte Erwartung aus, daß ähnliche Vorkommnisse für die Folge vermieden werden.

Dem Mainzer Ruder-Verein wurde zu seiner diesjährigen Regatta vom deutschen Ruderoerbaud ein werthooller Ehrenpreis gestiftet.

A Mainz, 19. April. Morgen Nachmittag findet die feierliche Eröffnung der Jubiläums-Ausstellung des hiesigen Gartenbauvereins statt. Die Eröffnung wird unter Anwesenheit des Großherrogs stattftnden, der nach den getroffenen Dispositionen morgen Nachmittag 2 Uhr 44 Mtn. mit Familie auf dem Centralbahnhof eintreffen wird. Durch die Mitglieder des Ausstellungscomitäs wird dem Großherzog auf dem Bahnhof ein feierlicher Empfang bereitet werden. Wie hiesige Blätter mittheilen, wird die Kaiserin Friedrich die Ausstellung auch besuchen.

Der oft genannte betrügerische Juwelier ist gestern zur Verbüßung seiner dl eijährigen Zuchthausstrafe nach Marienschloß verbracht worden. Als Curiosum sei bei dieser Gelegenheit erwähnt, daß an demselben Tage, an welchem Boleg verurtheilt wurde, seine geschiedene Frau feierlichst mit einem anderen Manne den Bund der Ehe schloß.

Köln, 18. April. Der Kölner Mannergesangverein hat heute, 160 Mann stark, eine Sängerfahrt nach Mailand, Florenz, Rom und Neapel angetreten.

Eingesandt.

Gießen, 20. April.

Die Verbindung der inneren Stadt, insbesondere der Neustadt und des Selters­weges mit dem südlichen Theile der Außenstadt ist eine Nothwendigkcit, welche von allen Seiten hiesiger Einwohnerschaft schon wiederholt anerkannt worden ist.

Die Südanlage nebst den dahinter liegenden Bauquartieren der Stephansmarl können zur Zeit nur vom Neuenweger- und vom Seltersthor aus, also für einen großen Theil der Bewohner Gießens nur auf Umwegen erreicht werden, die seit Erbauung der neuen Realschule und der neuen Aula besonders lästig empfunden werden.

Das einzige zur Zeit bestehende Mittelglied zwischen SelterSthor und Neuen­weger Thor, die Plockstraße, ist für den Fuhrwerksverkehr geschlossen, kann auch dem- felben nicht eröffnet werden, ohne gleichzeitige schwere Schädigung des schönsten Theiles ber städtischen Anlagen, welche fast einer Vernichtung derselben gleichkäme.

Die Verlängerung der Löwengasse über die Grundstücke von den Herren Metzger Meister, Gärtner Georg und Otto Schmidt bis zur Göthestraße ist daher der allein richtige Weg, um eine gar nicht mehr länger zu entbehrende Verbindung zwischen den wichtigsten inneren und äußeren Stadttheilen herzustellen.

Die Ausführung dieses bereits in den Stadtbauplau eingezeichneten Projektes bietet auch gar kein^ erheblichen Schwierigkeiten, da die zu erbauende neue Straße nicht lang und Gebäude nur von wenigen Grundeigenthümern zu erwerben ist. Von diesen Grundeigenthümern hat aber Herr Otto Schmidt schon vor längerer Zeit Propositionen gemacht, die für die Stadt vortheilhaft sind, und welche er, dem Vernehmen nach, auch heute noch aufrecht erhält. Herr Gärtner Georg wird mäßige Forderungen stellen und was den Herrn Metzger Meister anbelangt, so ist der jetzige Zeitpunkts nur mit ihm in Verhandlungen zu treten, detzhalb besonders geeignet, weil er, wie man vernimmt, einen Neubau an Stelle seines jetzigen Hauses aufführen will. Würde Herr Meister aber erst einen Neubau an fraglicher Stelle aufführen, so würden dem neuen Straßenbau daraus besondere Schwierigkeiten erwachsen.

Falls hochverehrlicher Stadtvorstand dieser Frage nähertreten und dieses Projekt 9 zur Ausführung bringen würde, fehlte ihm die Zustimmung der gejammten Einwohner- | schäft sicher nicht. R

Handel und Verkehr.

Gießen, 20. April. Auf dem heutigen Wochenmarkt kostete: Butter, pr. Pfd. 101,20,Hühnereier 1 St..2 St. 911 Enteneier 1 St. 5^,2 St. H, Gänse­

eier 1011 H, Käse pr. St. 4-8 Kasematte pr. St 3 H, Erbsen pr. Liter 18 4, Linsen pr. Liter 30 Tauben pr. Paar 0,700,80, Hühner pr- St. JL 1,001,30, Hahnen pr. St. JL 1.802,20, Enten pr. St. JL 2,202,50, Ochsenfleisch pr. Pfd v068 ji, Kuh- und Rindfleisch 4554 H, Schweinefleisch 5060 Hammelfleisch 5464 H, Kalbfleisch 50 H, Kartoffeln pr. 100 Kilo JL 6,007,50, Zwiebeln per Centner JL 8,000,00, Milch pr. Liter 1218 H, Weißkraut pr. St.

Auszug aus den Standesamtsregistern des Standesamts Gießen- Nvfgtbste.

April: 13. Christian Ludwig Leonhard von Wirtz, Bremser zu Betzdorf, mit Katharine LeiS dahier. 13. Dr. Julius Lang, Chemiker zu Griesheim a. M., mit Laura Rosine Kolb zu Frankfurt a. M. 16. Wilhelm Kettner, gebürtig von Klein-Linden, ' Schlosser dahier, mit Barbara Lämmer von Angersbach, wohnhaft dahier. 16. Wilhelm J Carl Haibach, Schlosser dahier, mit Karoline Henriette Johannette Wendling zu Weil- burg. 17. Johann Jonas Ritter, Rentner zu Grünberg, mit Bertha Anna Eleonore Eifert dahier. 17. Friedrich Christian Wilhelm Ludwig Tepel von Corbach, Bäcker dahier, mit Marie Becker von Rödgen. 18. Wilhelm Eisenhauer, Sparkasse^Gehülfe dahier, mit Marie Katharine Margarethe Löffler von Gönningen, wohnhaft dahier.

M Eheschließungen.

April: 13. Johann Georg Friedel, städtischer Buchhalter zu Mainz, mit Henriette Christiane Auguste Zimmermann von hier. 17. Georg Karl Schütz von Holzhauscn, Kreis Hofgeismar, Schneider dahier, mit Anna Margarethe Elisabethe Daubert von Staden. 17. Konrad Wagner, Lackirer Hierselbst, mit Caroline Marie Adolfine Luise Laudon von hier. 17. Johannn Wilhelm Barthel, gebürtig von Geiß- Nidda, Schreiner dahier, mit Marie Wilhelmine Catharine Wiesemann von Vöhl. 17. .Hermann Wilhelm Poppelsdorf, gebürtig von Offenbach a. M., Buchhalter dahier, mit Marie Caroline Georgine Katharine Noll von hier.

Geborene.

April: 9. Dem Schaffner Heinrich Roth IV. ein Sohn. 9. Dem Taglöhner Konrad Maus ein Sohn, Wilhelm. 10. Dem Wirth Friedrich Schieß eine Tochter, Bertha Katharine. 12. Dem Taglöhner Karl Becker ein Sohn. 12. Dem Taglöhner Friedrich Bechthold ein Sohn, Friedrich. 12. Dem Brauer Johann Wilhelm Kraushaar eine Tochter, Anna Wilhelmine. 13. Dem Melalldreher Emil Schußler ein Sohn.

Gestorbene.

April: 12. Kaspar Heinrich Ernst Schmidt, 3 Jahre alt, Sohn von Schuh­macher Wilhelm Schmidt dahier. 13. Elisabethe Spreng, geb. Becker, 40 Jahre alt, Ehefrau von Eisenbahn-Aisistent Jacob Spreng dahier. 13. Luise Leffler, geb. Köroer, 27 Jahre alt, Ehefrau von Wagner Ferdinand Leffler dahier. 15. Friedrich Leo Bernhard Kockerbeck, 2 Jahre alt, Sohn von Architect Heinrich Kockerbeck dahter. 15. Elisabethe Mer, geb. Freund, 59 Jahre alt, Wittwe von Taglöhner Wilhelm Killer dahier. 15. Clara Schneider, geb. Becker, 59 Jahre alt, Wittwe von Feuermann Friedrich Schneider dahier. 15. Elisabethe Möhl, 13 Jahre alt, Tochter von Metzger- meister Georgs Möhl dahier. 15. Christian Schmidt, 46 Jahre, Taglöhner dahter. 16. Johann Kölzer, 52 Jahre alt, Bergmann von Honigessen. 16. Wilhelmine Schäfer, 45 Jahre alt, ledig, Näherin von Darmstadt. 17. Luise Petri, geb. Sitzmann, 46 Jahre alt, Wittwe von Friseur Georg Petri dahier. 17. August Bramm, 59 Jahre alt, Oberbürgermeister dahter. 18. Philipp Kitz, 73 Jahre alt, Oeconom dahier. 18. Carl Friedrich Schleuning, 61 Jahre alt, Kaufmann von Friedberg (OberHessen). 19. Margarethe Paul, geb. Pfeiffer, 60 Jahre alt, Wittwe von Taglöhner Emil Paul dahier.

Auszug aus den Kirchenbüchern der Stadt Gießen.

Evangelische Gemeinde.

Getraute.

Den 13. April. Johann Georg Friedel, städtischer Buchhalter in Mainz, und Henriette Christiane Auguste Zimmermann, Tochter des Schreinermeisters Karl Zimmermann zu Gießen.

Den 14. April. Eine uneheliche Tochter, Anna Christine, geboren den 10. Februar.

Den 17. April. Dem Heizer Philipp Wißner ein Sohn, Willy, geboren ben 24. März.

Beerdigte.

Den 14. April. Katharine Plank, geb. Friebel, Wittwe des Metzgermeisters Wilhelm Plank, all 71 Jahre, starb den 12. April.

Den 15. April. Luise Löffler, geb. Körber, Ehefrau des Wagners Ferdinand Löffler, alt 27 Jahre, starb den 13. April.

Den 16. April. Elisabeth Spreng, geb. Becker, Ehesrau des Stationsassistenten Johann Jakob Spreng, alt 40 Jahre, starb den 13. April.

Den 17. April. Klara Schneider, geb. Becker, Wittwe des Heizers Friedrich Schneider, alt 59 Jahre, starb den 15. Avril.

Denselben. Elisabeth Möhl, Tochter des Metzgermeisters Georg Möhl, alt 13 Jahre, starb den 15. April.

Den 19. April. Luise Petri, geb. Sitzmann, Wittwe des Friseurs Georg Petri, alt 46 Jahre, starb den 17. April.

Denselben. August Bramm, Großherzoglicher Oberbürgermeister, Mitglied des Kirchenvorstandes, alt 59 Jahr, starb den 17. April.

Kirchliche Anzeigen der Stadt Gießen.

Eoangklischk Stmeinde.

Gottesdienst.

1. Osterfeiertag, 21 April:

Vormittags 91/2 Uhr in der Kirche: Pfarrer Dr. Naumann.

Vormittags 9r/2 Uhr in der Friedhofskapelle: Pfarrer Schlosser.

_ £n Nachmittags 2 Uhr: Pfarrer Dingeldey.

Kollekte für die Armen der Gemeinde.

2. Osterfeiertag, 22. April:

Vormittags 9!/i Uhr in der Kirche: Pfarrer Dingeldey.

Vormittags 9Va Uhr in der Friedhofskapelle: Pfarrer Dr. Naumann.

m _ Nachmittags 2 Uhr: Pfarrer Schlosser.

Vorstellung und Prüfung der zu confirmirenden Gymnasiasten und Stadtschüler.

Kollekte für die Kirchenkaffe zur Vermehrung des Kapitalvermögens der Gemeinde.

rxnr Sonntag den 28. April, Confirmation der Gymnasiasten und Stadt­schüler, in Verbindung mit derselben Feier des heiligen Abendmahls; die Beichte findet am Samstag zuvor, Nachmittags 2 Uhr statt.

. Die Psarrgeschäfte in der Woche vom 21. bis 27. April besorgt Pfarrer I Dr. Naumann.

Allgemeiner Anzeiger.

Die Wirllisclinft Textors Hardt eröffnet

Restauration zum Chausseehaus.

Am 2. Feiertage.

Grosse Zither-Concerte,

Anfang Uhr Nachmittag- und 8 Uhr Abends.

Am 3. Feiertage.

Grosses Streichconcert.

Anfang ö Uhr

Es ladet ergebenst ein 3372

P- Jnrmel, Restaurateur.

Gesangverein Eintracht, Gießen. 8

Am zweiten Ostertag:

Ausflug mit Tanz

auf den Westfälischen Hof. 33

Dee Vorstand.

__________ r. 50 Pfg. an der Kasse. --------

3380 Einen Pferdeknecht und «inen Arbeiter sucht

August Schiesst tiger. I 3395'1ün ivalth, Strauch.