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21.4.1889 Erstes Blatt
 
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Nr. 94. Erstes Blatt. Sonntag den 21. April 1L89

Meßmer Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Vurearrr Schulstraße 7.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlobn^

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS.

Ostern.

Lokales.

Gefunden: 4 Taschenmesser, 3 einzelne Handschuhe, 1 Pinsel, 3 Brillen, 1 Korallenkette. Gießen, am 20. April 1889. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

Fresen i u s.

Das herrliche doppelte Triumphfest Ostern, welches uns sowohl die Auferstehung der Natur nach starrem, tobten Winterschlafe als auch die Wiedererweckung des Hei- landes aus dem Todesschlafe und die Unsterblichkeit des Geistes verkündet, begehen wir dieses Jahr mit besonders hoffnungsfreudigem Herzen. Ein ungewöhnlich langer Winter hat sich mit feinen Nachwehen bis in die jüngste Zeit fühlbar gemacht und den Frühlings- Hoffnungen manche herbe Enttäuschung bereitet, aber es tritt der Lenz trotz des Winters doch immer deutlicher mit seinen ersehnten Spuren hervor, und das hehre Oster­fest prangt bräutlich im ersten Frühlingsschmucke der Natur. Doch verkündet uns auch bereits zu Ostern die Natur die Allmacht und Güte des Schöpfers und erfüllt uns mit neuem Hoffen und Vertrauen für die Zukunft, so ist und bleibt des Osterfestes höchste und schönste Bedeutung doch die Auferstehung des gekreuzigten Heilandes, der Steg des Göttlichen über das Irdische, der Triumph des heiligen Idealismus über die vergänglichen Leiden und Freuden dieser Welt. Ostern ist das höchste Fest und über- haupt das eigentl'.che Triumphfest der Christenheit, denn es ist der Erinnerung an die große Letdenszert des Begründers der christlichen Religion, sowie dem aus dieser Leidens- zett heroorgegangenen Stege über die Schrecken des Todes und die Tücke dieser Welt 6/weiht. Ohne Christi Leiden und Kreuzestod konnte es auch kein Ostern, kein christ- ^^Triumphfest geben. Ostern enthüll deshalb für alle empfänglichen Herzen Trost und Mahnung für alle Tage des menfchlichen Lebens, denn dieses Fest verkündet uns "*** "ur die Auferstehung der Todten, sondern es zeigt uns auch die ewige Wahrheit, daß ohne Prüfung, ohne Kampf kein Sieg, kein herrliches Emporsteigen aus niedrigem verirrtem Dasein zu einem höheren, besseren Leben möglich ist. Welch' ein Trost liegt doch in dreier Verkündigung des Osterfestes für all- Leiden dieses Lebens und welch' eine Mahnung predigt die Osterseier, daß wir in Prüfungen und Heimsuchungen stand- hast -ush-rren ollen auch w^n unser Herz dabei bricht. Denn mußte der Erhabenste, km lft- und Beste unter den Menschen, mußte J-sus Christus um Gottes Liebe und Allmacht der in Ftnsterniß wandelnden Menschheit zu zeigen, die Schmach erdulden, w - ein gemeiner Verbrecher noch mißhandelt und barbarisch hingerichtet zu werden so wir wohl kein sündiger Mensch es im Ernst wagen dürfen, vor Gott jemals fein ""'h « L^enszeit tft Prüfungszeit und Prüfungen führen den Treuen

und Beständigen zu einem edleren, selbstlosen Leben, geleiten ihn zu Gott selbst. Muth und <S^r,idOt foll daher auch zum Osterfest auf's Neue unser Herz erfüllen, und diese ffohe ^sterdotschaft mag auch vor allen Denjenigen unserer jungen Mitmenschen zu ^,heil werden, welche zu Ostern Schule und Elternhaus verlassen und sich nunmehr dem praklischen Leben widmen.

fix, ® "Das Andenken an die hohen und werthoollen persön-

ten des Dahingegangenen aber wird in uns Allen und die ihn kannt-m ^aren die Schlußworte, die am vergangenen Donnerstag Herr Bei­geordneter Gnauth an die Stadtverorbneten-Versammlung richtete die au Ebren tOrsCnC£ Bramm abgehalten wurde. ^Daß mit

? Porten der Herr Beigeordnete nicht nur aus dem Herzen der Gemeindcvertre- tung gesprochen, sondern aus dem Herzen der gesammten Einwohnerschaft, dies bewies relta9e l attgefundene Beerdigung des ersten Oberbürgermeisters der Stadt Gre^n, die sich zu einer ernsten, allgemeinen Feier gestaltete wie sie Gießen noch gesehen. Alle Stände und Berufsklassen hatten sich vor dem Tramr- ^ulc a!ä Ludwlgsplatze eingesunden, um dem Verstorbenen, der anderthalb Jahrzehnte ??PHprf^P a%rUI! ? Aufblühen begriffenen Gemeinwesens gestanden,^mit aller n.cL ebenso schlichter wie kundiger Weise gewaltet die letzte Ehre

durch Begleiten zur ewigen Ruhestätte zu erweisen. Auf dem kurzen Wege von der Wohnung des Verstorbenen bis zum Friedhof war eine nach Tausenden zählende h0? ber 23cr9ruJ10 ""^..allgemeinen Theilnahuie, die sich Zfür den 2,,/p ?enen in dem langen, unter dem Geläute der Glocken sich in Bewegung setzenden Zuge verkörperte. welcher dem blumengeschmückten Sarge folgte. Den nächsten Ver- nnh vollzählig erschienenen Stadtverordneten, Vertreter der Staats-

und stad /am Behörden und Anstalten, der Universität, mit umflorten Fahnen die Aktive.l uiiQ ölten Herren des Corps Teutonia, dessen A. H. der Dahingeschiedene ae- wesen, meprere Gesangvereine, Vertreter der anderen Studentencorps eine gr66e ^mfl6^

1 'i Offiziercorps, sowie über hundert Mann

^pni^r e e J6 ^ann einschließlich Unteroffiziere von jeder Compagnie des 11b* h ! & berf ?^rd/gungsfeier befohlen waren. Am Ende des Ludwigsplatzes ^ale» l ^tden freiwilligen Feuerwehren vor den Leichenwagen und geleiteten den- imh hpü bcm Friedhöfe, an dessen Thor die Capelle des 116. Regiments oortrat uni) den Sarg unter den Klangen eines Trauermarsches nach der bestimmten Rübe- am oberen südlichen Ende des Friedhofes geleitete. Nachdem der Sarg die ^"^hinabgelasien und die Trauerversammlung sich um Ä aufgchellt hatte Gesangvereinen bestehender ChorUnter aller? Wipfeln ist : Hierauf hielt Herr Pfarr-er Dingeldey die allen Theilnehmern zu Herz n unter Zugrundelegung des Bibeltextes:Sei getreu bis in den Tod so will ich Dir die Krone des Lebens geben". Hier, am offenen Grabe fanden die Verdienste, die sich der Verstorbene als Beamter, Mensch und Christ um das Gem?in- Äpdtpn mr^o^lfahrt seiner Mitmenschen und die Kirche erworben, nochmals aus dem beredten Munde des Herrn Pfarrers ihre volle Würdigung. Nach dem Seaenssvruck hpm^Cr,Mn Beigeordneter Gnauth an den Rand der Gruft um

^.??b "^fchiedenen Oberbürgermeister Namens der Stadt und der Stadtoertr'etuna L Mühle der Bürgerschaft, wie der Zeugen seimrThätig"ett 'und bi??nn hUpr Stadtverordneten, zum Ausdruck bringenden Worte nachzurufen, und die von der Stadt und ihren Vertretern gewidmeten Palmenzweige niederruleopn He- Prootnzialdirector Frhr v. Gagern legte Namens des Provinzialausschuffes f un^r J)-rr Oberbürgermeister gewesen, eine Blumenspende nieder- es hierauf noch Kranze niedergelegt von den Activen und den A. H. des Coros

?^tonia, dem Offiziercorps, den städtischen Beamten u. s. w., worauf sich die Traue^r- , Versammlung aufloste. Wenn je die Ueberlebenden und die nächsten Generationen. ibEr Emwohnerschaft Gießens sich des Wohlgefühls eines zu herrlicher Entfa tung g?'

""^"Gemeinwesens erfreuen, wenn, was wir alle wünschen, die ästigen Nachf?lger - n ^nes Burgermeisters ebenso wie unser in Gott ruhender OberbürgermeMer I irJc"e Qü,^er Spitze der Gemeinde walten, berathen und unterstützt von pinpr im e?np^N« n ^s?mOh"brfchofl ihätigen Stadtveitretung, dann wird auch dem Namen Sh! In in dauerndes Denkmal im Herzen Mer erstehen, die sich als

treue Burger Gießens erweisen wollen- Vorerst aber bleibt uns, den Ueberlebenden »ä Ä«ÄÄ?iSr * *-

ntragUnß bcr letzteren vollzogen worden ist, wird außer den noch nötbtaen

im engsten Kreise abgehaltene Vorbesprechung stattgefunden, in welcher die nötbigsUn tUnßSl- ^rathen wurden, um demnächst mit den Einladungen zur Constituiruno desNeuen Burger-Vereins" an die Oeffcntlichkett treten zu können. Der^weck bes frnuf^ Smi6prDhirC feln: Die Erwerbung und Herrichtung eines Gesillschafts-

L?ctü!e S|b fnmi°prTrUn9 geselligen Lebens in hiesiger Stadt durch Conoersation ^eelure, Spiel, sowie Tanz und andere gesellige Vergnügungen. 1 vn

Gießen. 20. April. Die Berliner Zeitungen schreiben über die dort

öraSm«, Lowe oder Werke anderer Componisten, - überall findet sie den Passendm

Telegraphische Depeschen.

Wolff's telegr. Correspon-enz-Bnrea«.

q^.pr Der Generalversammlung der Aachener und Müncken-r

^bvungs-Gesellschaft soll die Vertheilung einer Dividende von 70 pCt für bQd "belaufene Geschaftsiahr vorgeschlagen werden PLL |Ur

... ß L9;frprtI- Der Asfisengerichtshof der Gironde verurtheilte Numa Gilly

}_unb6 Gefangniß und 1000 Fr cs. Geldbuße, Savine zu 3 Monaten Gefängniß

Gefänaniß^und)0%r$ ®elbbuegnb 200 9J* unb Peyron zu 14 T?gen jserangntB uno lüUjjr. Geldbuße. Alle Berurrheilten wurden solidarisch zu einer Ent- ^)a^lgung von 8000 Fr. an Raynal und eine solche in der Höhe von 4000 Fr an »u »L,*üw!*gia<* -«- beut, bm 3Ip^L ,D°r Unt-^uchm.gsausjchuß des Stadtgerichtshois nernahm ycuie oen Botschafter Cambon aus Madrid über die Beziebunaen die dersplbp mit

, d°s'°n Commandos in Tunis unterMi ' M«r°-n oll der geg.t, (leneTaMS1«61 General Ferran, über den Prozeß

nommen werden ee6cimen F°nds d-s Krieg,Ministeriums ver-

des Gottesbi^ns«'./^ -^n der Kathedrale zu Valencia explodirte heute während tt-sdienfteS bei dem Hochaltar eine große mit Pulver gesllllte Petarde. Unter

den Andächtigen, von denen das Gotteshaus vollständig gefüllt war entstand eine panikartige Verwirrung viele Frauen wurden ohnmächtig D-r H°chalM is >erßört Die Urheber des Verbrechens sind bis jetzt nicht ermittelt. 3 r|1DrL

c. m 20 April. J.K. Hoheiten der Großherzog, der Erbgroßherzog und

die Prinzessin Alix reisen heute nach Muinz zur Eröffnung der Blumenausftellung.

Keuischland.

,, derlin, 18. April. Der Kaiser und die Kaiserin und die Meininger Lerr- Mtm nahmen heute Mmgen in Gemeinschaft mit der Kaiserin Augusta in$ der fpenbefe ^^"s^^fchkn Palais das Abendmahl, welches der Hofprediger Kögel

Arankreich.

?J^a?na<; .unö ilem ®enerQl Dnbarail haben, ttie' Ls rbin?i96F ^Haussuchungen stattg-sunden. Dagegen wurden f.ben ^nri^*ften und Soudep vorgenommcn. Beide waren abwesend^ routben mit Beschlag belegt. Auch in den Provinzen sind Haus-'

Buchungen vorgenommen worden. J

@ouOer7eu?nnnUS«c5r«85aU,§^u6(r£§ Stadtgerichtshoss hat heute Nachmittag den Ksouoerneur von Paris, General Saussier, vernommen.

c Paris, 18. April. Präsident Carnot ist von seinem Unwohlsein vollständia iur erinntruna änLfew, bet Eröffnung des historischen Museums

zur Erinnerung an die Revolution beiwohnen.