Amts- und Anzeigeblatt für derr Kreis Gießen.
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1889
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Bureau r Schul st raße 7.
v. Gaqern.
treffend: Die Jahresübersichten und Rechnungsabschlüsse der Krankenkassen. Gießen, am 15. Februar 1889.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die Vorstände der Gemeindekrankenverficherungskafse», der Fabrik-Krankenkaffe« und der eingeschriebenen Hülfskasfen.
. , Unter Hinweis auf unser Ausschreiben vom 15. November 1887 - Amtsblatt Nr. 11 - machen wir Sie aus die Einsenduna der na-b S 9 „nh n bcä KrankenverilcherungsgesetzeS vom 15. Juni 1883 und nach § 27 des Gesetzes über die eingeschriebenen Hülfskassen vom 1. ^uni 1884 für das nfwfmifimp (Jahresübersichlen und Rechnungsabschlüsse) aufmerksam. Als spätester Termin für die Ablieferung dieser Nachweisungen £LbJrtJ’ m Jat .Jtebl)$ keinen Anstand, wenn dieser äußerste Termin nicht abgewartet wird, sondern die Einsendung alsbald erfolgt. Hierbei ä ?la$,rt,lVuJ13en ,n ä’uei uon ban Dorstand der Kaffe unterschriebenen Exemplaren vorzulegen sind, und daß nicht mehr das bisheriae
sondern das durch Bundesraihsbeschluß vom 23. Juni 1887 vorgeschriebene, bei Wilh. Klee zu Gießen erhältliche Formul-rznverw°ud7nist b 8' und Erg^m^^NachL^^ichst'^d^'nL?^' ®°r9faU D°räUneNen- banÜt bie b^her vielfach nöthig gewesenen Rücksendungen zur Berichtigung
Beschluß der General. Versammlung des landwirthschaftlichen Bezirksvereins des Kreises Gießen soll in diesem Frühjahr der Bema von auten Saatkartoffeln durch den landwirthschaftlichen Bezirksverein vermittelt werden. " e <’e’us Don »UIen
«to ?lach Beschluß des Ausschusses soll die Kartoffelsorte „Magnum bonum“ bestellt werden. Bestellungen auf andere Kartoffelsorten sollen iedoL auf nnt7?dem AMgm L Zeichen 7enntni^ge7rach7 ““ von den verschiedenen Landwirthen bestellt werden sollte/ Es wird dies
1) daß Anmeldungen bis zum 5. März l. I. bei dem Unterzeichneten einzureichen sind;
2) daß die Kartoffeln so billig als möglich angekaust und pro Malter 5 bis 6 im Ankauf kosten werden:
3) b^BeMungen von Veremsmitgliedern, welche den Betrag von 30 M. nicht übersteigen, die Kosten des Transports der Saatfrucht bis zur «> Grunberg oder Hungen auf die Bezirksvereinskaffe übernommen werden; bei größeren Bestellungen haben die Vereins- Mitglieder die Kosten des Transports der Saatfrucyt insoweit zu übernehmen, als die Bestellung den Betrag von 30 «M. übersteigt. Bei Bestellung pro ^te^bere^nen .^°mmern ober @(^eRen roerbea bei Bestellung eines Waggons Kartoffeln die Kosten des Transports sich' auf circa 2 Jl
4) daß Bestellungen von Landwirthen, welche nicht Mitglieder des landwirthschaftlichen Bezirksvereins sind ebenfalls ausaefübrt werden Dieselben
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5) W SBfilfÄ » TS« ÖMÄÄÄ
ut §un9e<n' Pachter von Oven und Herr Bürgermeister Bender von Hungen und Herr Bürgermeister Köbler m Pannghnrf-
61 L/7?^Lerg.Herr Bürgermeister Pracht von Grünberg, Herr Bürgermeiste? Fe l d m ° nVundUrrMüllerZi mme r vonLuter' mitbringen soll^n. /^ür^dm ^ack ^noch 7o E°prc/ Stück^zu vergüten°sind^^^ M ""b b“6 faCs bie KartoffZ-Empfäng« keine Säcke
*en®/nb^ vorfi^nbe Bekanntmachung in ihren Gemeinden veröffentlichen zu laffen, Anmeldungen entgegen-
Gießen, den 1o. Februar 1889. Der Director des landwirthschaftlichen Bezirksverein» Gießen.
—— ___________ Jost, Regierungsrath.
Erscheint tätlich mH Ausnahme des Montags. 20 Pf. mit BringerlohL?
__________ a Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf
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Politische Ueberficht.
Gießen, 20. Februar.
Die mit der Reichstagsvertagung eingetretene Minderung der parlamentarischen Nachrichten scheint die Entstehung einer ganzen Reihe mehr oder weniger sensationeller Gerüchte über Verhältnisse in der innern Politik begünstigt zu haben. Dieselben haben sich indessen bislang schließlich als völlig erfunden oder doch als stark übertrieben herausgestellt und dies gilt auch von dem Gerüchte, dich der zurückgetretene preußische Justtzminifter Dr. v. Friedberg vom Fürsten Bismarck direct und in kategorischer Meise zur Einreichung seines Demtssionsgesuches aufgefordert worden sei, welchem A.l,innen der Justtzminifter auch sofort entsprochen W- In unterrichteten Kreisen vezweifelte man indessen gleich, daß der leitende Staatsmann einem langjährigen und neubewährten Diener des Staates und seines königlichen Herrn, wie es Herr o. Friedberg ist, in so wenig rücksichtsvoller Weise und aus eigener Machtvollkommenheit entgegengetreten sein sollte. Nach officiösen Berliner Andeutungen hat sich denn auch der Vorgang wesentlich anders zugetragen und wenn allerdings Fürst Bismarck Herrn v. Friedberg es nahe legte, seine Entlassung zu nehmen, so geschah dies infolge kaiserlichen' Auftrages und in verbindlichster Form. Außerdem wird versichert, daß die persönlichen Beziehungen zwischen dem Reichskanzler und Herrn v. Friedberg nach wie vor besten seien und habe letzterer erst dieser Tage im Palais des Reichskanzlers einen längeren Be,uch abgestattet.
Herr Hauptmann Wibman«, der mit ter schwierigen Aufgabe der Niederwerfung des Araber-Ausstandes in Ost-srika betraute Reichskammissar, befindet sich zur ®let ~ ln 2°"»ibar - find bereits mehrere vvrauS- ge.eiste Begleiter der Expedition des Hauptmanns Wißmann, unter ihnen Lieutenant W-lff, eingetrosten, um bis zur Ankunst des Reichskommissars Alles möglichst vvrzu- bä««' derselbe seine Wirksamkeit sofort beginnen kann. Daß ein endliches beli.3Itabern ^nüber dringend nöthig ist, bekunden die neuer- .Meldungen Uber das zweideutig- Verhalten Buschiri's, des Führers der Auf- katboltt^ Angelegenheit der von letzteren gefangen genommenen deutschen «. S™ Missionäre. Dieselben sollten gegen ein Lösegeld von 13400 Mark und Binbta inU£8 «j Ct dm Deutschen gefangen genommener arabischer Sclaoen-
vnlanat ”etbcn' aber bie8 ift '«der noch nicht geschehen. Vielmeir
sr-ia-a-ben Tn' b“6 °ltc°°n den Deutschen ausgebrachtcn Selavenschiffe «retgegeben werden sollen und ob auch diese unverschämte Forderung zugestandcn werden
| wird, erscheint mehr als sraglich. - Nach einer Msttheilung von „Reuter's Bureau" srnd die von dem arabischen Sclaoenhändler Tippo Tip mit Briefen an Stanley abgesandten Boten durch die Araber mißhandelt und zur Rückkehr nach dem Kongo gezwungen woi den. Dte Boten haben die Rückreise auf einem anderen Wege angetretm.
Der greise holländische Herrscher wird der Zeitlichkeit nun wahrscheinlich doch seinen Tribut zollen muffen. In dem Befinden des Königs WUHelm ist plötzlich eine derartige erneute Wendung zum Schlimmen eingetreten, daß sich dte schleunigste i Berufung des Specialistcn Dr. Vtrckhuizen von Amsterdam nach Schloß Loo an das j ^^7"lager des Monarchen nöthig machte, wo der Leibarzt des Königs Dr. Vlaanderen, ' die letzten Nächte anwesend war. Der König leidet erneut im Munde und
Halse, dqs schlucken ist erschwert und schmerzhaft und nimmt er nur wenig Nahrung i 3p der Kraftezustand erheblich beeinträchtigt wird. In Amsterdam soll
es langst kein Geheimniß mehr sein, daß der König seit geraumer Zeit auch geistig ' mirV Un?r Erfüllt und daß dies seitens der Regierung nur deshalb verheimlicht . wird, weil man die sonst nothtge Einsetzung einer Regentschaft vermeiden will.
am " Frankreich mit dem Sturze des Ministeriums Floquet eingetretene ! Wirrwar-r scheint nachgerade seinen Höhepunkt erreicht zu haben. Der Kammer- ; }*?1 * MÄtne hat ferne Bemühungen zur Bildung des neuen Cabinets als aussichtslos erkannt da, wie er selbst erklärt, dte Gegensätze unter den Republikanern zu große 1 sind und deshalb seinen Auftrag in die Hände des Präsidenten Earnot zurückgegeben. Letzterer beauftragte Freycinet mit der Cabinetsbildung: das Weitere wird abzuwar-
, . Die Stratzenunruhen in Rom haben in Neapel ein bedenkliches Echo ge- kam es am Montag zu wiederholten Ausschreitungen beschäftigungsloser Arbeiter, die dabei mit einer schwarzen und rothen Fahne demonstrirten. Die Gens- s.^^rte schritt ledoch rasch ein und verhaftete etwa 30 der Tumultuanten, worauf sich die übrigen Demonstranten zerstreuten.
In der italienischen Deputirtenkammer hat am Dienstag die große Debatte außerordentlichen Ftnanzmaßnahmen begonnen, von deren Ausgang das - Schicksal des Ministeriums Erispt abhängt. Schon in der Montagssitzung der Depu- tirtenkammer kam es zu einem Vorspiel der Finanzdebatte, indem die äußerste Linke die Zurdi.Positionsstellung des Deputaten und Generals Mättei, welcher in der Kam- merverhandlung vom 22. Dezember v. I. über die außerordentlichen Milttärcredite die Regierung abgegeben Halle, zur Sprache brachte. Nachdem der Eabinetschef und der Kriegsminister die Haltung der Regierung in dieser Angelegenheit


