Ausgabe 
17.11.1889 Erstes Blatt
 
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Rr. 269. Erstes Blatt Sonntag den 17. November

1889.

Gießener Anzeig er

General-Anzeiger.

Amts- und Anzeigeblntt für den Kreis Gieren.

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Der

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Amtlichem Theil.

Bekanntmachung.

Nachdem der Ausbruch der Schafräude unter der Herde des Jacob Sauer zu Odenhausen sestgestelll worden, haben wir die Sperre über diese Herde angeordnet. Die Ausführung von Schafen aus der Gemarkung ist nur mit unserer be­sonderen Erlaubnis und nur zum Zwecke des sofortigen Ab­schlachtens zulässig.

Gießen, am 15. November 1889.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

o. Gagern.

Bekanntmachung.

Es wird hiermit zur Kenntniß der Interessenten gebracht, daß, nachdem das Großherzogthum in zwei Fabrikaufsichtsbezirke eingetheilt worden ist, der Aussichtsbezirk I, bestehend aus der Provinz Starkenburg und dem Kreise Worms, dem Groß- herzoglicheu Fabrikinspector Möser in Darmstadt und der AuisichtSbezirk II, bestehend aus den Provinzen Oberheffen und Rheinhessen, mit Ausnahme des Kreises Worms, dem provi­sorischen Fabrikinspector Kraus in Parmstadt überwiesen worden ist.

Gießen, den 13. November 1889.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Gefunden: 12 Schreibhefte, 1 Jäckchen, 2 Taschen­tücher, 1 Vorstecknadel 1 Reißzeug, 1 Portemonnaie, 1 Säge­bock, 1 Messer, 1 Paar Kinderhandschuhe.

Gießen, den 16. November 1889.

Großherzogliches Polrzeiamt Gießen.

Fresenius

Darmstadt, 15. November. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädlgst geruht: Am 13. November dem bisherigen Präsidenten des landwirthschaftlichen Vereins für die Provinz Oberhessen, Frhrn. Adalbert von Nordeck zur Rabenau in Friedelhausen, die goldne Verdienstmedaille für Wissenschaft, Kunst, Industrie und Landwirthschaft zu verleihen.

Neueste Nachrichten.

WolffS telegraphisches Correspondenz-Bureau.

Berlin, 15. November. Abends treffen Hierselbst der japa- nesische Prinz Urisugawa Takehito und seine Gemahlin in cognito unter dem Namen Graf und Gräfin Sawa mit zahlreichem Gefolge ein und werden in Hof-Equipagen ab­geholt. Der Prinz, ein Adoptivsohn des Kaisers von Japan, ist Corvetten-Capitän und beabsichtigt, die deutschen Marine- Einrichtungen zu studiren, während die Prinzessin, eine Schön­heit des japanischen Hofes, sich in die hiesige Hofgesellschaft einführen lassen will.

Berlin, 15. November. Die Budgetcommission berieth in ihrer heutigen Sitzung den Marineetat. Bei dem Titel Schiffsbauten wurden von den zwei geforderten Avisos einer (Titel 20) abgelehnt, das Uebrige bewilligt. Desgleichen wurde auch die neue kaiserliche Dacht (Titel 21) mit 21 gegen 7 Stimmen genehmigt, nachdem der Staatssccretär des Marineamts, Contreadmiral Heusner, ausgeführt hatte, daß ein Ersatz für die DachtHohenzollern" unumgänglich nothwendig sei, da letztere bei einer Fahrgeschwindigkeit von 15,10 Knoten den jetzigen schnelleren Schiffen nicht zu folgen vermöge. Vom Centrum stimmten dafür die Abgeordneten Frankenstein, Hüne und Hönsbröch.

Dresden, 15. November. DemD resd. Anzeiger" zufolge wurde durch eine heute eingegangene Entschließung des Reichskanzlers die Schlachtschweineeinfuhr aus Steinbruch nach dem Dresdener Schlachthause bedingungsweise genehmigt, wodurch die Versorgung Sachsens mit ungarischen Schlachtschweinen umfassender als bisher ermöglicht ist. Die anderweitigen Gesuche der sächsischen Landestheile um Eröff­nung von Einfuhr-Stationen wurden nicht genehmigt.

München, 15. November. DenNeuesten Nachr." zu­folge wird der Berliner Mititärbevollmächtigte Generalmajor -kylander demnächst abberufen und durch den Ingolstadter Gouverneur Generallieutenant Sauer oder Generalmajor von Schuh ersetzt werden.

München, 15. November. Der heutigen Festsitzung der Akademie der Wissenschaften wohnten die Minister v. Lutz und v. Feilitzsch, die Mitglieder der Stadtvertretung und andere distinguirte Persönlichkeiten bei. Die Festrede hielt Professor v. Doellinger überdie Zerstörung des Templerordens", ferner sprach Professor Scholl überdie An­fänge einer politischen Literatur bei den Griechen". Die

Akademie ernannte hierauf den Dr. Nauck Petersburg, den Professor des Sanskrit Dr. Kern-Leyden und den Senator, Professor der Chemie Stanislaus Cannizaro Rom zu aus wärügen, sowie den Professor der Philologie Dr. Sievers Halle, den Honorarprofessor und Director der Sternwarte Dr. Abbe-Jena, den Professor der Geschichte Albert Sorel Paris und Heinrich Lea Philadelphia zu correspondirenden Mitgliedern.

München, 15 November. DieAllgem. Ztg." vcrninnnt, die Staatsregierung sei schlüssig geworden, bei eventuellen Neuvereidigungen von Abgeordneten gegen einen etwaigen Vorbehalt vor der Eidesleistung kein Veto einzulegen, jedoch keine Vermengung des Vorbehalts mit der eigentlichen Eides forme! zuzulassen. Die Rückkehr des Kaisers von der Orientreise begrüßt dasselbe Blatt mit dem Ausdrucke aufrichtiger Genugthuung über die neuen Bürgschaften zur Förderung der friedlichen Weiterentwickelung.

Pest, 15. November. Der Volkswirt hschastsaus schuß nahm den Markenschutzentwurf an mit einem Amendement, wonach das Strafmaximum wegen Mißbrauch von tausend auf zweitausend, das Entschädigungsmaximum von dreitausend auf fünftausend Gulden erhöht wird.

Kronstadt (Siebenbürgen), 15. November. Der Kirch thurm des Dorfes Olah Ujsaln ist eingestürzt. Sechs Personen sind gelobtet, 4 schwer verletzt.

Paris, 15. November. Die Deputirte n kämme r setzte heute die Giltigkeitserklärung der nicht bestrittenen Wahlen fort. Wahrscheinlich wird am nächsten Montag nach der definitiven Cvnstituirung des Bureaus die Erklärung der Regierung über die von ihr zu befolgende Politik ver lesen werden. In der Erklärung wird dem Vernehmen nach die Nvthwendigkeit betont werden, die Wünsche des Landes nach Beruhigung zu befriedigen und seiner speculativen Politik eine Politik der Geschäfte folgen zu lassen. Ferner soll in derselben gesagt werden, daß man rein politische Fragen, wie die Verfassungsrevision und die Trennung von Kirche und Staat, auf sich beruhen lassen müsse; endlich wird die Vor­legung eines Gesetzentwurfs, betreffend die Grundsteuer und die Getränkesteuer, angekündigt werden. Mit dieser ministe­riellen Erklärung wird die Regierung anzeigen, daß sie ein Vertrauensvotum der Kammer erwarte und zurücktreten werde, wenn sie ein solches nicht erhalte.

Toulon, 15. November. Der neue Marine Minister befahl, die Herstellung der auf den Werften befindlichen Kriegs­schiffe möglichst zu beschleunigen.

Feuilleton.

Aus der Kcichshauptstadt.

Berlin, 15. November 1889.

Unsere Banquiers athmen auf und sie haben alle Ursache dazu. Der Defraudant Döring ist verhaftet worden, und was noch wichtiger, als die Festnahme seinerwerthen" Per­son, ist der Umstand, daß er noch im Besitze fast sämmtlicher Werthe Jbetroffcn wurde. So ist die betroffene Firma mit einem blauen Auge davongekommen, das an dieser Stelle etwa 10,000 Mk. besagt, und dieses blaue Auge wird die Herren von der Börse veranlassen, mit ihrem Vertrauen nicht ins Blaue hineinzugehen, sondern ihre Leute sich etwas genauer anzusehen. Das wird jetzt, nachdem das Kind, nein, das alte Bankhaus, in den Brunnen gefallen ist, einige Zeit hindurch geschehen, bis Gras über die Geschichte gewachsen ist und das alte wiederhergestellte Vertrauen einem Anderen Veranlassung gibt, dasselbe aufs Neue gründlich zu erschüttern. Wenn wir auch in der Zeit des Telegraphen und Telephon leben, mit denen wir allenfalls den flüchtigen Defraudanten auf den Socken bleiben, so ist doch Vorsicht in Geldsachen gerade noch so am Platze wie früher. Da wir gerade beim Telephon sind, so wollen wir nicht versäumen, mitzutheilen, daß demselben in Zukunft neben feiner Nützlichkeit auch die Grazie nicht fehlen wird. Excellenz Stephan wird nämlich Telephonistinnen anstellen, Damen natürlich, die noch im heirathslustigen Alter sind, von denen man nicht behaupten darf, daß sieden Anschluß versäumt hätten". Denn wenn ihrer eigenen Person das passirt, was dürfen die Fremden, Anschluß heischenden von solchen Beamten erwarten? Also den Beweis werden sie vermöge ihrer Jugend und Schönheit wohl führen müssen, daß sie den Anschluß noch immer erreichen könnten, wenn sie wollten. Wenigstens würde ich, wenn ich Stephan wäre, einen derartigen Befähigungsnachweis für das Amt fordern. Welche neue Perspective für Gott Amor! Man sagt, die Liebe arbeite ohne alle Apparate! Sie kommt und sie ist da!" Jetzt kann sie sich leicht am

Apparate entwickeln, wenn eine süße Mädchenstimme holdselig uns fragt:Wer dort?" und wir uns mit schneller Phan­tasie ein Mündchen vorzaubern, das ein reizender Theil eines reizenden Mädchenköpfchens ist, welcher von einer Schlanken, Zierlichen ober wie wir sonst bie Gestalt uns ausmalen, getragen wirb. Unb Hinwieberum sie, bie Gebieterin im Reiche ber Fernsprecher, sollte sie nicht bas Verlangen haben, jenes Wesen in ber Nähe zu sprechen, bas so freunblich unb gar nicht so geschäftsmäßig kurz bittet, verbunben zu werben? Zehntausenb Verbinbungen hat ber Generalpostmeister in Berlin bereits hergestellt, aber nur geschäftlicher Natur, keine einzige Herzensverbinbung, es seien benn biejenigen, welche unter ber ÜberschriftPostlagernb" sich abspielten. Mit ber Anstellung von Telephonistinnen wirb sich hier eine Wanblung zum Besseren vollziehen, benn ber Weg zum Herzen führt durchs Ohr, eine Thatsache, an deren Wahrheit die paar hundert Meter Draht, mit denen unser Gehör unmittelbar in Verbindung kommt, nichts ändern werden. Viele junge Damen werden daher dem Aufruf, sich um eine solche Stellung zu bewerben, gern Folge leisten, um auf Amt IIX so lange zu schalten und einzuschalten, bis nicht mehr abgeklingelt, sondern die Verbindung auf dem Standesamt geschloffen wird für alle Zeit.

Für die gebrückte Menschheit gibt es in Berlin An­stalten genug, welche den unglücklichen Brüdern und Mit- fchwestern zu Helsen suchen. Da haben wir bie 14 Volks­küchen, in welchen am Freitag bie winterliche Abenbspeisung begonnen, wo Suppen, Bratkartoffeln zu 6 Pf., Häring unb Kartoffeln zu 8 Pf., Wurst unb Bratkartoffeln zu 10 Pf. pro Portion verabreicht werben- auch wirb Kaffee unb Thee, ber Becher für 5 Pf., gegeben. Die Mittagsspeisung in diesem Jahre wird die von 1888 wesentlich übersteigen. Vom 1. Januar bis 1. October d. I. wurden in den Volksküchen verspeist: 1,603,113 Portionen, ferner in den beiden Speise­anstalten für Frauen 88,051, im Ganzen 1,691,164 Portionen. Und neben den Volksküchen ist es das Asyl für Obdachlose, das sich der Aermsten unter den Armen annimmt.

Die Gesammtzahl ber Aufgenommenen betrug im ver­gangenen Jahre 5084, darunter 1298 Familien. Bei ihrer

Entlassung konnten 1098 Familien mit 13,522 Mk. unter­stützt werden, jede Familie erhielt daher durchschnittlich 12,50 Mk., ebenso wurden 415 einzelne Personen mit durch­schnittlich 8,50 Mk. unterstützt. Außer diesen Baarunter­stützungen sind Kleidungsstücke, größtentheils Geschenke aus der Bürgerschaft, an 310 Personen verabreicht, sowie in 116 Fällen von den Hauswirthen retinirte Möbel u. s. w., in Summa mit 3281 Mk. eingelöst worden. Dem städtischen Obdach war eine Partie schwarzer Stoffe, von der Aus­schmückung der Trauerstraße bei der Beisetzung des Kaisers Wilhelm I. herrührend, überlassen worden und aus diesen Stoffen sind 21 Jacken, 148 Hosen, 3 Westen gefertigt und an 116 Personen vertheilt worden. Hervorzuheben bleibt die verhältnißmäßig geringe Zahl von weiblichen Personen, welche das städtische Obdach durchschnittlich täglich aufsuchen, im Verhältniß zu den Männern. Die Zahl derselben beträgt durchschnittlich noch nicht 20 bis 30, während die täglichen Besuchszahlen der Männer von 250 bis über 1400 schwanken. Von den 1298 im Laufe des Jahres aufgenommenen Familien besuchten 751 das städtische Obdach zum ersten Male, 380 Familien zum zweiten Male, 116 zum dritten Male, al Familien noch öfter. In der Abtheilung für nächtliche Obdachlose wurden im Ganzen 211,176 Männer, 9353 Frauen, 237 Kinder, zusammen also 220,766 Personen aus­genommen, d. h. 56,628 Personen mehr als im Vorjahre. Selbst in den Monaten und Tagen, wenn die Frequenz der Männer 1000 und darüber war, blieb der Zugang ber Frauen nur 30, trotzbem bie Zahl der weiblichen Bevölkerung in Berlin jetzt sogar größer ist als die männliche. Im Durch­schnitt sind täglich 200 Personen beherbergt worden, welche sonst erbarmungslos aus dem Pflaster oder beiMutter Grün" übernachten müßten. Und das ist in der jetzigen Jahreszeit wahrlich nichts Angenehmes. Es hat hier zu Lande bereits tüchtig gereift und wenn bas Thermometer nicht aus seinen Standpunkt beharrt, sonbern noch ein wenig nach umen avancirt, bann ist ganz Berlin reif für bie Eisbahn.

Heinrich Blankenburg.