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Abg. Richter: Ich habe Zahlen über den Import rack Kamerun und Togo gewünscht, von Herrn Woermann aber nicht erhalten; seine Angaben sind einseitig, denn er »st in dieser Sache Interessent. Es wird auch die Aeutzerung des Kanzlers über die Sklaverei nicht verfehlen, die Bewegung zu Gunsten der Sklaverei zu beein­trächtigen. Die offictöse Press, batte dem Kanzler mehr Anlaß geben sollen zu Unzu­friedenheit, als die unabhängige Presse. (Abg. Böcke! ruft: Juvenpresse!) H:rr Böckel, seien Sie lieber still! (Heiterkeit.) Ich freue mich, daß es eine Presse gibt, die dem mächtigsten Manne in Europa noch die Wahrheit sagen kann. Es wäre schlimm, wenn «s bet uns schon so weit gekommen wäre, wie etwa die Irländer, bei denen der ganze Ehlan bedingungslos für das etntritt, was die Häuptlinge gethan.

Reichskanzler Fürst Bismarck: Ich halte nicht geglaubt, heule hier auf die Coloniaipoltttk eingehen zu sollen. Was meine Stellung gegenüber der Presse anbetrifft, so ist mir eine unabhängige Presse sehr werth. Aber ich bestreite, daß die dem Abg. Richter nahestehende Presse die unabhängige ist und daß sie die Wahrheit sagen kann.

Abg. Stöcker (cons.): Ucber die Branntwein-Einfuhr in den Schutzgebieten wird allerdings Klage geführt, während der Zustand der Skaoerei von den Diegern, wie allgemein versichert wird, nicht sehr empfunden wird, sich auch bald von selbst auflösen wird, sobald die Sklavenbesttzer keine Mittel mehr haben, die Sklaven festzu- halten. Alle Missionsarbeit ist verloren, wo die freie Schnapseinfuhr bei den Negern gestattet ist. Am besten wäre es, den ganzen Schnaps-Import zu verbieten. Künstlich erhöhte Schnapspreise allein schützen nicht vor den unheilvollen Folgen der Schnapspest, wie man in Transvaal gesehen hat. Es entspricht aber nicht dem patriotischen Ehr­gefühl, wenn wir einzelnen Unzuträglichkeiten und Unfällen eine so bedeutende Trag­weite beilegen, wie es die freisinnige Presse thut, die nur frei ist von Rücksichten für das Vaterland, aber ihren Sinn nur auf Judenthum und Kapitalismus richtet.

Der Titel wird bewilligt.

Bei dem Titel:Zuschuß zu den Verwaltungskosten für das südwestafrikantsche Schutzgebiet, 102 000 JL weist der Abg. Bamberger (dfr.) darauf hin, daß früher die Ostafrikanische Gesellschaft Sympathien für die Sklaverei deutlich habe ei kennen lassen. Wenn Herr v. Kardorff auf Frankreich verweise, so wollen wir uns doch hüten, es ebenso zu machen. Es wäre wünschenswerth, etwas Näheres über die südwestafrikanische Gesellschaft zu erfahren, von der man seit drei Jahren nichts mehr höre.

Reichskanzler Fürst v. Bismarck: Es hat uns bei den südwestafrikanischen Verbandlungen gerade die Haltung der heimischen Opposition sehr erheblich geschädigt. Die Colonien versprachen, Dank der Thätigkeit des Herrn Lüderitz, einen recht erfreu­lichen Aufschwung zu nehmen. Wenn nun die Engländer kommen und denSand­büchsen", wie sie auch hier genannt wurden, nachlaufen, so muß das doch eine andere Bedeutung haben und ich bedauere den Mangel an Scharfsinn und Combinattonsgabe bei dem Abg. Bamberger, der ihn hindert, das einzusehen. Ich wundere mich, daß Herr Richter heute plötzlich für den theuren Schnaps schwärmt, den er hier so sehr bekämpfte. Was haben wir denn im Auswärtigen Amt von der ganzen Colonial- Politik? Mehr Arbeit, sonst nichts; uns kann die Sache schließlich gleich sein. Wenn aber von hervorragenden Abgeordneten die Verträge in Südwestasrika als zweifelhaft bezeichnet werden, bann dürften die Engländer, die bis jetzt unsere Verträge anerkannten, sich auf den Patrioten Herrn Bamberger berufen und sie ferner nicht anerkennen.

Abg. Bamberger (dfr.) behauptet, vom Reichskanzler falsch verstanden zu sein, er habe nur Dinge mitgetheilt, die längst öffentlich bekannt sind. Sehr duldsam gegen andere Meinungen scheine der Dr. theologiae Fürst Bismarck nicht zu sein, ich glaube meinem Vaterlande mehr zu dienen, wenn ich die Colonialpolitik bekämpfe, als wenn ich sie oertheidige. Die Erfahrungen der letzten fünf Jahre geben mir mehr Recht als dem Reichskanzler.

Reichskanzler Fürst Bismarck: Es sollte doch dem Abg. Bamberger Hai sein, daß uns seine Ausführungen in dem gegenwärtigen Augenblicke schädlich sind, wo die Verbandlungen mit England schweben. Oder soll ich an den Gesandten in London telegravhiren: Lassen Sie die Sache fallen, der Abg. Bamberger wünscht keine Colonial- politck i (Heiterkeit.) Ich hoffe doch die Stellung des Herrn Bamberger soweit fest­genagelt zu haben, daß Herr Bamberger cs unternommen hat, die Rechte der Deuischen in Südwestafrtka in Zweifel zu ziehen.

Abg. v. Kardorff (Rp.) macht dem Abg. Bamberger den Vorwurf, daß er und feine Gesinnungsgenossen wegen ihrer Haltung die Colonialpolitik erschweren. Die Opfer von Samoa gehören auf das Conto der Freisinnigen. (Widerspruch. Bravo!)

Äbg. Bamberger: Meine Stellung gegenüber Samoa ist bekannt, ich habe mit der Mehrheit des Hauses gegen die Inangriffnahme der Samoa-Angelegenheit gestimmt. Der Reichskanzler thut mir zuviel Ehre an mit meinem Einfluß auf die Politik. Vielleicht macht der Kanzler seinen Einfluß auf die reichen Leute einmal geltend, damit sie Geld für die Colonialpolitik geben!

Reichskanzler Fürst Bismarck: Es bleibt die Thatsache unanfechtbar, daß Herr Bamberger die Rechte der Deutschen in dem Momente bezweifelt hat, wo über dieselben verhandelt wird.

Abg. Richter weist darauf hin, daß vor einigen Jahren Fürst Bismarck er­klärte, man müsse einen Reichskanzler fortjagen, der auf das Unternehmen einer Privat­gesellschaft hin Colonialpolitik treiben wollte. Wenn wir Geld bewilligen sollen, müssen wir uns auch unterrichten können, wie die Dinge liegen. Unklar liegt aber die Sache in Südwestafrika und deßhalb wünschen wir die Abstimmung über die dortigen Be­willigungen bis zum Schluß der Bubgetberalhung ausgesetzt. Die Voiwürfe des Reichskanzlers über Mangel an Patriotismus, die der Kanzler erhebt, müssen doch eine Grenze haben, wenn w-r auch seine Gereiztheit wegen mancherlei Vorkommnisse in der letzten Zeit begreifen. Eine abenteuerliche Colonialpolitik werden wir stets bekämpfen.

Fürst Bismarck: Ich wundere mich über die Erregung des Abgeordneten Richter, ein so hervorragender Mann, bedeutender Redner und Selbstherrscher der demokratischen Partei, der nur die Regierung zu kritisiren hat, vereinigt in sich zwei Leidenschaften, nämlich neben der Liebe zum Vaterlande eine unüberwindliche Ab­neigung gegen den Reichskanzler. (Sehr richtig.) Was die Vorgänge in Samoa an- betrifft, so liegen nähere Berichte nicht vor; wir werden unsere Maßnahmen treffen, sobald nähere Nachrichten vorliegen. Redner polemlfirt noch mit dem Abg. Richter, der lediglich seinem Freunde Bamberger Beistand leiste in dem Bestreben, die Rechte der Deutschen in Südwestafrika zu schädigen.

Die Debatte wird geschlossen und die Position bewilligt, ebenso der Rest des Etats des Auswärtigen Amtes.

Hierauf vertagte sich das Haus.

Nächste Sitzung Donnerstag 1 Uhr. Tagesordnung: Etat (Eisenbahnen, Post, Reichsdruckerei, Neichsamt des Innern, Reichsheer, Reichsschatzamt).

Schluß 5V< Uhr.

Telegraphische Depeschen.

Wolffs lelegr. Corresponderrz-Bureau.

Berlin, 15. Januar. Der Kaiser hat sich heute Mittag 1 Vs Uhr mittelst Sonder­zugs nach Bückeburg begeben. In seinem Gefolge befanden sich die Chefs des Militär- und des Civilkabinets, sowie einige General-Flügeladjutanten.

Bückeburg, 15. Januar. Der Kaiser kam heute Nachmittag 6 Uhr hier an, am Bahnhof empfangen vom Fürsten, dem Erbprinzen, dem Prinzen Otto Adolf und den Spitzen Der Behörden. Der Kaiser umarmte und küßte den Fürsten und fuhr mit dem­selben durch die prachtvoll dekorirte und illuminirte Bahnhofsstraße zum Schloß. Um 8 Uhr war Galadiner, an welchem die fürstlichen Damen, der Kommandeur General Albedyll, der Oberpräsident Hagemeifter, Präsident Pilgrim und die Spitzen der Landesbe­hörden Theil nahmen. Der Fürst dankte in einem Toaste dem Kaiser für seinen Besuch und brachte demselben ein Hoch aus. Der Kaiser erwiderte, er danke für den herzlichen Empfang; er verehre in dem Fürsten einen der ältesten Freunde und Kameraden seines Großvaters und bitte, der Fürst möge auch ihm dieselbe Gesinnung bewahren. Er schloß mit einem Hoch auf den Fürsten. Nach dem Diner fand ein Fackelzug statt, der von der Bürgerschaft, den Vereinen, Schulen und Fabriken unternommen wurde. Der Kaiser er- ! /chien mit dem Fürsten und der Fürstin auf dem Balkon. Als der Fackelzug im Innern °

des Schloßhofes angekommen war, hielt der Oberbürgermeister eine Ansprache und krachr- em Hoch aus. Die Stadt war prachtvoll illuminirt. Für Morgen ist Hirschjaad im Schaumburger Walde projektirt. b 1

. Berlin, 15. Januar. Das Abschiedsgesuch des Generals Böbn wurde genehmigt und General Lewinski mit der Führung des sechsten Armeecorps beauftragt

$aJUQr- Die hiesigen Morgenblätter betonen ausnahmslos den der vreußischen Thronrede. DasFremdenblatt" sagt, Kaiser Wilhelm sei em Friedensfurst wie seine unvergessenen Vorfahren. Er freue sich wie bQ§ Vorland in innerer Consolidlrung und wirthschaftlichem Gedeihen fort- febreiten zu sehen. Die Thronrede beweise dies klar und unzweideutig. Dies Ver- trauen in die Zukunft werde sich allen europäischen Völkern mittheilen. Die Presse- meint, die Thronrede werde durch ihre ruhige, friedenszuversichtliche Sprache" überall r?rbHThmn61^^11 A" der besonderen Betonung der Hoffnung auf

bC%^rab£n? .^kunde die segensvolle Wirkung des Bündnisses ber C^n- welches Jntnguen unschädlich mache, die ganze Politik vereinfache, eine »afiö des Vertrauens m den internationalen Verkehr schaffe und Handel und Industrie sich entwickeln lasse. DieNeue Fr. Presse" weist auf die auswärtigen Beziehungen hin, die ganz geeignet feien, die vorhandenen Friedenshoffnungen mächtig zu stärken Me Thronrede fei von dem Nimbus der deutschen Friedenspolitik umwoben- Das Wiener Extrablatt sagt, die Thronrede enthalte die eminenteste, an ganz Europa ge­richtete Friedensbotschaft. Die Politik, welche die Grundlage der Friedensliga biete, habe sich zum Helle der europäischen Völker bewährt. DieDeutsche Reituna" be­merkt, das Vertrauen, welches der Kaiser bezüglich der Erhaltung des Friedens aus­gedrückt, erfüllt seit Jahren den bangenden Welttheil mit der sorgelösenden Zuversicht daß in der noch vor wenigen Monaten bedrohlichen allgemeinen Weltlage eine Wen­dung zum Besseren eingetreten fei.

Luzern, 15. Januar. Der frühere Bundesrath und Bundespräsident Knüsel ist gestorben.

Paris, 15. Januar. In Folge des Zwischenfalls in den Wandelaängen der Kammer empfing Floquet gestern Abend die Abgeordneten Laisant und Le Herisse als Zeugen Laurs. Floquet erklärte, er habe Laur aufgeforbert, die in derPress-" ent­haltenen Behauptungen, welche er mit Recht alsinfame" Lügen bezeichnet ha - auf Tribüne zur Sprache zu bringen. Er halte diese Aufforderung aufrecht uno'habe derselben außerhalb der Tribüne nichts hinzuzufügen. Die Zeugen zogen sich hierauf zurück

Paris, 15. Januar. Die Regierung übersandte dem Gouverneur von Obok Ver­haltungsmaßregeln, wodurch derselbe ermächtigt wird, keinerlei bewaffnete Haufen landen zu taffen.

Marseille 15. Januar. Jrn Stadtviertel Bellemai ist in her vorigen Nacht em Haus emgesturzt, wodurch sieben Personen getöbtet unb neun verwunbet würben.

{Rom, 15. Januar. Nach einer Meldung derAgencia Stefan»" aus Suakin setzte die russische Mission unter Führung Aschinows heute ihre Reise nach Obok fort. Dieselbe wurde an allen Stationen von den französischen Konsuln ofstziell begrüßt.

Schloß Loo, 15. Januar. Der König brachte heute einige Zeit außerhalb des Bettes zu und erledigte einige Arbeiten.

London, 15. Januar Die meisten Morgenblätter besprechen die Thronrede des Kaisers Wilhelm 11. und drücken ihre hohe Befriedigung über die Frsibensworte des Kaisers aus. Wie verlautet, tritt das Parlament am z1. Februar zusammen.

Petersburg, 15 Januar- Nach einem Telegramm derNordisch n Tele- graphen-Agentur" Handels es sich bei der vorgestern veröffentlichten Umwandlung von zwanzig europäischen Schützenbataillonen und einigen Referoe-Jnfanteriebataillonen in Regimenter zu zwei Bataillonen nicht um eine neue Maßnahme; dieselbe ist vielmehr im Laufe der letzten drei Jahre allmählich zur Ausführung gelangt. Der hierauf be­zügliche Erlaß des Kaisers bezweckte die Eintragung des Etatbestandes der genannten Truppentheile in das Reichsbudget.

Darmstadt, 16. Januar. Fürst Alexander reist morgen nach Wien, um dem Kaiser die österreichischen Orden feines verstorbenen Vaters, des Prinzen Alexander tion Hessen, zu überbringen.

Lokales.

Gießer», 16. Januar. Vor einer größeren Anzahl Zuhörer, als dies seither bei den Vorträgen im Gewerbveiein der Fall, hielt gestern Abend Herr Professor Dr. Thiel aus Darmstadt im physikalischen Lehisaale bei Realschule einen Vortrag über die Luft in den Wohnräumen." Den Einfluß der Lufi auf bas Befinden des Menschen als bekannt ooraussetzend, legt der Herr Vortragende dar, daß oer Unter­schied zwischen der Lufl tin Freien und derjenigcn in unseren Wohngebäuden ein ganz bebeutenbtr ist. Die sich nut der Luft beschäftigende, Wissenschaft ist ve»hältnißmäß»g noch jung, seit kaum einem Jahrhundert »st man ubtr die Zusammensetzung der Luft unterrichtet, ebenso über das Gewicht derselben, welches je nach Höhe und Ausdehnung ca. 1,3 Kilo per Ci'bikmeter beträgt, bei einem Diuck von 700 Mm. Barometerstand. Natürlich ist erwärmte Luft leichter als falle unb aus diesem Grunde vereint mit der durch die Wärme hervorgebrachten Ausdehnung der Luft erklärt sich die Vclbreitung der Ofenwärme über einen Wohnraum. 100 Cdm. aus Sauerstoff und Slickstoff be­stehende Luft nJegen ca. 125 Kilo, es befinden sich in 100 Liter Lust 21 Liter Sauer­stoff unb 79 Cier Kohlensäure. Die Luft, welche wir einathmen, enthält nach ihrem Rundgang durch den Köiper beim Ausathmen ca. 4pCt. Kohlensäure, doch sind die Bestanbtheile der ausgeaihmelen Luft, je nach dem Geschlecht, dem Aller, der Bcschät- tigung, der Jahreszeit veischieden, sie schwanken zwischen 310pEt. an Kohlensäure; der Mensch probuctrt bet einer Athmnng von 560 Liter Luf: pro Stunde 20 Liter Kohlensäure. Lust unter 9pCt. Sauerstoff ist nicht mehr atbembar. Die menschliche Wasserausscheidung beträgt 50 Gramm pro Stunde, sie wie andere organische Stoffe der Haut sind Luftoerderber, ebenso die Beleuchtung unserer Wohnräume; so erzeugt z. B. eine gewöhnliche Gasflamme stündlich 86 bis 92 Liter Kohlensäure, eine PetroUum- flamme 46 bis 52 Liter. Es spielt sonach auch die Beleuchtung eine sehr große Rolle in Bezug auf die Luft in Wohnungen, nur die elektrische Beleuchtung ucrDiroi die Luft nicht. Besondere Beachtung ist auch den Feuerungsanlagen zu schenken; das in den Oefen erzeugte Kohlenoxydgas ist unathembar, wie die so oft eintretenben Er- stickungsfälle, namentlich bet geschloffener Ofenklappe bewiesen. Daß bet ben auf der Erde athmenden mehr als 1000 Millionen Menschen eine Verminberung der Athmungsluft nicht etntritt, der Bestand an Kohlenstoff unb Sauerstoff sich also gleich bleibt, bafür sorgt in hinreichender Weise das Pflanzenreich. Die Pflanzen nehmen Kohlenstoff auf unb geben Sauerstoff ab; begreiflich ist es baher, daß man soviel wie möglich darauf bedacht fein muß, durch Schaffung von Anlagen, Gär­ten u. s. w. namentlich in den Städten für richtige Kohlenstoffvertilger und Sauer­stofferzeuger, wie es die Pflanzen sind, zu sorgen. Weitere Luftverberber sinb die der Fäulntß ausgesetzten Stoffe, sie bilden Amoniak, Kohlensäure und Schwefelwasserstoff, letzteres ein sehr gefährliches Gas, ferner Küchenabfälle, Abtritte, Tabak u. f. w. Nachdem Herr Prof. Thiel die Ursachen der Luftoerderbniß eingehend erläutert, ging er über zur Erläuterung der Mittel, die geeignet sind, verdorbene Luft zu verbessern. In erster Linie ist, wie überall, auch in Bezug auf Erzielung möglichst guter Luft in den Wohnräumen auf größte Reinlichkeit zu halten, fäulnißerregende Stoffe, Inhalt der Abtritte, Küchenabfälle sind schnell zu entfernen; als geeignete Desinfectionsm»ttel sind Chlorkalk, übermangansaures Kali, Carbolsäure zu empfehlen. Die Abführung der Stoffe geschieht am besten auf dem Wege der Canalisalion. Das sicherste Mittel zur Erzielung gesunder Luft in den Wohngebäuden ist aber eine durchgreifende Ventilation, von welcher sich die künstliche am besten bewährt, indem sie weit vollständiger die Lust erneuert, als die natürliche. Einen ganz besonderen Einfluß auf die Beschaffenheit der Luft in ben Wohnraumen übt auch das zum Bau der Wohnungen verwendete Material aus. Erschwert wird der Luftwechsel durch tapezierte und mit Oelfarbe gestriche»ie Wände. Daß Backstein-Wände für die Luft durchlässig sind, zeigte Herr Prof. Dr. Thiel an einem Backsteine, durch welchen er Luft in einen mit Kalkwasser gefüllten Behälter einblafen konnte. Ein ganz vorzüglicher Ventilator unserer Wohnungen ist der Ofen; Versuche haben ergeben, daß in einem sonst dicht geschlossenen Zimmer durch Ofen­heizung 90 Cubikmeter Luftwechsel pro Stunde erzielt wurde. Dem interessanten,