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tadelt Redner insbesondere die Extemporalien, als ebenso unzweckmäßig wie nerven- | zerstörend. Das Kind werde durch dieselben erregt, verliere den Glauben an sich selbst j und sogar die Eltern würden durch die Extemporalien manchmal irre an der Be- j fähigung ihres Kindes. Unter den Lehrern bält der Vortragende diejenigen für mehr schaden- als nutzbringend, welche über Partikelchen lange Reden halten, aber das In­teresse des Schülers für die Sprache nicht zu erwecken vermögen. Er nennt diese Sorte von LehrernSchatzgräber nach Regenwürmern", die sich nur ausrotten lasse, wenn die Lachmann-Ritschl'sche Philologie nicht mehr an unseren Universitäten maß­gebend sei. Aeußerlich sei für unsere Schulen außerordentlich viel gethan, wahre Pa­läste mit allen Bequemlichkeiten würden errichtet, aber innerlich krankten wir noch sehr. Die viel verlangte Einheitsschule bekämpft Redner, weil diese zur Ver­krüppelung aller jetzigen Schulen führen würde, dagegen befürwortet er eine zweck­mäßige Gliederung. Die Gymnasien sollen denjenigen zurückgeaeben werden, welche sich dem Gelebrtenberuf widmen wollen, die Realschule solle dem Manne des praktischen Lebens dienen und neben diesen beiden Anstalten nock eine sechsklassige Bürgerschule bestehen. In den Realschulen soll kein Latein, in den Bürgerschulen nur eine moderne Sprache gelehrt werden. Das Privilegium, die Berechtigung zum ein­jährigen Dienst zu ertheilen, sollte in Wegfall kommen, jedenfalls aber nicht anders ertheilt werden, als bei Absolvtrung einer dieser drei Anstalten, d. h. dann, wenn der junge Mann eine abgeschlossene Bildung erhalten habe. Auf diesem Wege würden die Gelehrtenschulen entlastet und wir außerdem ein Schulsystem erhalten, das allen An­forderungen unserer Zeit entspreche. Der Vortrag wurde sehr beifällig ausgenommen und dürfte in mancher Beziehung größte Beachtung verdienen.

Hanau, 13. März. Auf der hiesigen königl. Pulverfabrik wurde heute früh 7 Uhr bind) eine Explosion ein Gebäude thetlweise zerstört. Glücklicherweise ist eine Verletzung von Personen nicht vorgekommen.

Kassel, 11. März. Bei dem Brande des alten Zuchthauses an der Fulda sind, wie sich jetzt herausstellt, zwei Sträflinge in den Flammen umgekommen.

Für den Kölner Dom ist bisher aus Staatsmitteln im Ganzen eine Summe von 6,345,252 Jt aufgewendet worden. Die Summe der von 1842 bis 1880 insgesammk verwendeten Beträge beläuft sich auf 18,427,552 JL einschließlich des Er­trages der Dombaulotterie.

In einer kleinen Stadt der Mark so erzählt man derA. Ztg." lebte vor einigen Jahrzehnten ein Kaufmann Sch., der wegen seiner lustigen Stretche und Ueber- raschungen noch in der frischesten Erinnerung steht. Eines guten Abends sind die Stadtverordneten und der hochwohllöbliche Magistratetnmüthig" zu einemstädtischen Essen" versammelt. Schon beginnen einige allzu philiströse Herren vom Rachhause- gehen zu reden, als Sch. plötzlich denAntrag etnbringt", die ganze Gesellschaft solle üch alsbald zum Kirchplatz begeben, die Pferde des noch vom Jahrmarkt dort stehenden Karoussels besteigen und einen nächtlichenUmritt" halten; er selbst werde vorauseilen, den Besitzer wecken und alles Weitere mit ihm abmachen. Ein toller Gedanke! Darob denn auch zuerst allgemeines Kopfschütteln und ernstliche Bedenken, die jedoch der sprudelnden Beredtsamkeit des Antragstellers und den Zuflütterungen des Wein- kobolds nicht lange Stand zu halten vermögen. Die Sache hat doch entschieden Reiz und Sch.'s Vorschlag wird endlich einstimmig angenommen, jedoch nur unter der aus­drücklichen Bedingung:Im Dunkeln und einmal 'rum ganz sachte!" Dieses Amendement" stammte vom Herrn Bürgermeister her. Eiligst entfernte sich Sch. Nach etwa 20 Minuten ist er zurück und meldet, daß in kurzer Zeit alles bereit fein werde. Leise austretend, ziehen die Väter der Stadt durch die schlummernden Straßen dem Kirchplatz zu. Jetzt sind sie zur Stelle. Man sväht wohl erst noch einmal scheu um­her man zaudert doch der Spaß ist zu verführerisch, und mit gegenseitiger Unter­stützung sitzen schließlich alle im Sattel.Vorwärts!" tönt Sch.'s Commando. Leise und langsam setzen sich die hölzernen Gäule in Bewegungeinmal 'rum" sind sie unter hörbarem Gekicher ihrer edlen Ritter gelangt.Halt! Halt!" ruft es gedämpft von allen Seiten--umsonst; das Karusfel dreht sich weiter schneller

und schneller, trotz vielseitigen Einwandes und o Entsetzen nun stimmt eine Blechkapelle", die bis dahin im tiefen Schatten der Kirche verborgen gestanden bat, schmetternd denDragonermarsch" des alten Dessauers an:So leben wir, so leben wir, so leben wir alle Tage!" Rasch entzündeten sich auch ein paar Lampen und ihr verrätherisches Licht zeigt dem geschwind herbeigeeilten Wächter der Nacht und den aus süßem schlafaufgeblasenen", neugierig die Fensterläden öffnenden Bürgern das ebenso seltene w»e'erhabene Schauspiel: Magistrat und Stadtverordnete zur Nachtzeit mit > Musikbegleitung auf dem Karoussel!

London, 12. März. [(Sine kostbare Gelge.j Der deutsche Violinvirtuose Waldemar Meyer ist durch seine englischen Bewunderer in den Stand gesetzt worden, in den Besitz einer historischen Geige zu gelangen. Dieselben überwiesen ihm in An­erkennung seiner künstlerischen Leistungen einen Betrag von 1250 Lstrl. für den besten Stradivarius. den er finden könnte. Am 28. Februar kaufte nun Herr Meyer in Berlin von oem Geigenmacher Riechers daselbst eine Violine für 25,000 Jt. Die Geige war 1716 von Stradivarius eigens für den König Georg I. von England gebaut worden und die größte Geige in der Form, die Stradivarius gemacht hat. Bis zum Beginn dieses Jahrhunderts verblieb die Geige in dem Besitze der königlichen Familie und ging alsdann in die Hände eines schottischen Edelmannes über, der sie, als eng­lischer Officier, stets in seinem Gepäck mit sich führte und sie auch in der Schlacht bei Waterloo bet sich hatte. Seine Familie schenkte die Violine dem berühmten Geiger Molique und dieser überließ sie vor 20 Jahren, als er nicht mehr spielen konnte, seinem Freunde und Schüler Baron von Dreifus in München. Vor etwa 14 Tagen kaufte sie Riechers für 20.000 und Herr Meyer ist mithin jetzt der sechste Eigenthümer derselben. Sarasate hat im November 1887 ein vorzügliches Gutachten über die Eigen­schaften der Violine abgegeben. Herr Meyer ist nicht wenig stolz auf den Schatz, den einst ein englischer König besessen hat.

Stockholm. Auf Veranlassung der Verwaltung der schwedischen Staatsbahnen und auf deren Kosten erhalten in Upsala eine Anzahl Eisenbahnschaffner Unterricht in der deutschen Sprache, hauptsächlich in Redeübungen, damit dieselben deutschen Ver­gnügungsreisenden, deren Zahl stetig wächst, mit Rath und Auskünften zur Seite stehen können.

Handel und Verkehr.

Herborn (an der Köln-Gießener Eisenbahn), 14. März Auf den heutigen hiesigen Markt wurden gebracht 511 Stück Rindvieh und 540 Schweine. Der nächste Markt ist am Donnerstag den 10. April l. I.

Kirchliche Anzeigen der Stadt Gießen

Evangelische Gemeinde.

Gottesdienst.

Sonntag Reminiscere, 17. März:

Vormittags 9*/r Uhr: Pfarrer Schlosser.

Abends 6 Uhr: Pfarrer Dr. Naumann.

Kinderkirche, Vormittags 11 Uhr, Pfarrer Schlosser.

Die Bibel stunde am Montag den 18. März fällt aus.

3. Passionsandacht am Mittwoch den 20, März, Abends 6 Uhr, in der Kirche. Pfarrer Dingeldey

Am Sonntag den 24. März, Beichte und heiliges Abendmahl im Abendgotte,sdienft.

Die Pfarrgeschäfte in der Woche vom 17. bis 23. März besorgt Pfarrer Schlosser. ___________

Katholische Gemeinde.

2. Sonntag der hl. Fastenzeit-

(Beginn der österlichen Zett).

Samstag: Nachmittags um 5 Uhr und Abends um V38 Uhr Gelegenheit

zur hl. Beichte.

Sonntag: Morgens von 6 Uhr an Gelegenheit zur hl. Beichte; um V«7 Uhr

Austheilung der hl. Cornmunion; um */z8 Uhr Frühmesse; um 3/<10 Uhr Hochamt mit Predigt Nachmittags um 3 Uhr sacramentalische Bruderschafts-Andacht- Abends um 6 Uhr Fastenpredigt.

Mittwoch: Abends um 6 Uhr Fastenandacht.

Gottesdienst in der Synagoge.

Freitag Abend 5" Uhr, Samstag Morgen 830 Uhr, Samstag Mittag 3°° Ubr Samstag Abend 650 Uhr.

Okffeuiliche Aufforderung.

Forderungen an den Nachlaß des verlebten Johanne- Jung zu Obbornhofen sind binnen 8 Tagen bei Meidung deren Nichtberücksichtigung dem unterzeichneten Gericht mitzutheilen.

Hungen, den 12. März 1889. Grobherzogliches Amtsgericht Hungen.

Jttmann. 2046

Submission.

Für das Rechnungsjahr 1889/90 soll die Abfuhr des Stratzcn- kehrichtr und die zu 1160 Mark veranschlagte Anlieferung von Lahn- kieS mittelst Submission vergeben werden.

Die bezüglichen Uebernahmsbedin- gungen liegen auf dem Stadtbauamte offen, woselbst die Angebote bis Mittwoch den 20. 1. MtS., Vormittags 11 Uhr, einzureichen sind.

Gießen, den 15. März 1889.

Großherzogl. Bürgermeisterei Gießen.

Keller, Beigeordneter. [2055

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II- Freitag den 22. d MtS-, in den Districten Hollerberg, Lappenberg und Pfaffenstrauch, Zusammenkunft MorgenS 10 Uhr im District Hollerberg zunächst der Chauffee.

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Hohensolms, den 12. März 1889.

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