Ausgabe 
15.12.1889 Erstes Blatt
 
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Nr. 293. Erstes Blatt. Sonntag den 15. December

Der

Hießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.

Die Gießener AamikienVtLller werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.

Gießener Anzeig er

Kenerat-Wnzeiger.

1889.

Vierteljähriger ASonnemcntspreiLr 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezöge» 2 Mark 50 Pfg.

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Zum Abonnement auf den »Gießener Anzeiger^ für das 1. Quartal 1890 laden wir hiermit freundlichst ein. Trotz des vergrößerten Formats wird der Bezugspreis der alte bleiben: Mk. 2.20 incl. Träger!ohn innerhalb der Stadt Gießen, Mk. 2. auf der Post excl. Postgebühr.

Getreu ihrem bewährten Princip wird die Redaction es sich stets angelegett sein lassen, keine Partcipolitik zu treiben, sondern nur stets referirend die Tagesereignisse zur Kenntniß der Leser zu bringen. Unterstützt von bcivährten Correspondenten in allen Theilcn des engeren Vaterlandes, wird derAnzeiger" auch für die Folge bestrebt sein, in knapper Kürze alles das zu bieten, was seinen zahlreichen Lesern von Interesse und üott Nutzen sein dürfte. Auswärtige Leser bitten wir bei der Post ihre Bestellung vor dem 28. d. M. aufgeben zu wollen, damit die Nachgebühr von 10 Pfg. weg­fällt, welche die Post für alle die Bestellungen erhebt, welche nach obigem Datum anfgcgeben werden. Den Lesern in hiesiger Stadt werden wir, falls keine ausdrückliche Ab­bestellung erfolgt, denAnzeiger" auch für die Folge weiter senden und den Betrag hierfür durch Quittung erheben lassen. Neuhinzutretende Leser erhalten den Anzeiger vom Tage der Bestellung bis Ende dieses Monats umsonst zugestellt.

Hochachtend

Verlag desKießener Anzeiger"

Briihlffche Druckerei, Schulstr. 7.

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Amtlicher Theil.

(Ebirtallahmf^

Nachdem gegen den zur Disposition der Ersatzbehörden entlaßenen Oeconomiehandwerker Johann Anton Laut aus La Chaux-de-fonds, Schweiz, heimathsberechtigt in Wersau Kreis Dieburg, Großh. Hessen, aus dem Landwehrbezirk Lörrach, der förmliche Desertionsprozeß einqeleitet worden, wird derselbe hierdurch aufgefordert, spätestens in dem aus

Dienstaq den 18. April 1890,

Vormittags 10 Uhr, in hiesigem Militär-Gerichtslokal anberaumten Termine sich wieder einzufinden, widrigenfalls er nach Schluß der Unter­suchung in contumaciam für fahnenflüchtig erklärt und in eine Geldbuße von 150 bis 3000 Mark verurtheilt werden wird.

Freiburg i. B, den 11. December 1889.

König!. Gericht der 29. Division.

Gefunden: 1 Stück Eisen, 1 Löthkolben, 1 Tuch, 1 Schlashaube, 1 Schürze, 1 Peitsche, 1 Armring, 2 Taschen­tücher, 1 Armring, 1 Portemonnaie mit Inhalt, 1 Regen­schirm, 1 Pferdedecke, 1 Bleisttfthalter, 2 einzelne Handschuhe, mehrere Schlüsiel und Hundeblechmarken.

Gießen, am 14. December 1889.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

Fresenius.

Neueste Nachrichten.

Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.

Berlin, 13. December. Der Abgeordnete Dr. Haar­mann hat, unterstützt von 57 Mitgliedern der nationalliberalen Fraction, beim Reichstag den Antrag cingereicht, die ver­bündeten Regierungen zu ersuchen, im nächsten Etat für die Verwaltung des Reichsheeres die PositionReisekosten und Tagegelder" angemessen zu erhöhen, um den Mannschaften des stehenden Heeres im Fall der Urlaubsertheilung alljähr­lich für eine Reise in die Heimath freie Fahrt auf den deutschen Eisenbahnen zu gewähren.

Berlin, 13. December. DerNordd. Allg. Zlg." zu­folge wird die Leitung der ersten Unterrichtsabtheilung im Cultusministerium (höheres Schulwesen) von Neujahr ab der

bisherige Director der zweiten Abthcilung, de la Croix, übernehmen und an dessen Stelle der neucrnanntc Ministcrial- director Kügler treten.

Hannover, 13. December. Der Kaiser ist uni 1 Uhr hier cingctrvffen. In seiner Begleitung befinden sich Walder- see, Herbert Bismarck, Lucius re. Empfang war verbeten - der Kaiser begab sich, lebhaft begrüßt, durch die beflaggten 1 Straßen mit Waldersee nach dem Casino des Königs-Ulanen- , Regiments, einer Einladung des Qfsiziercorps zum Frühstück folgend.

Hannover, 13. December. Bei dem Frühstück im Casino trank der Kaiser auf das Wohl des Königs-Ulanen-Regi- ments, welches stolz darauf sein könne, durch die glänzende Attaque im Feldzuge von 187071 die Aufmerksamkeit auf das Uebergewicht der Lanzen gelenkt zu haben. Dadurch sei er jetzt bewogen worden, die Lanzen allgemein einzuführen. Der Kaiser sprach sodann die Erwartung aus, daß das Regv ment, aus dessen Wohl er trinke, auch künftig seinen Ruhm ; bewahren werde. Nach dem Frühstück ließ der Kaiser die Garnison allarmiren und nahm auf dem Waterloo-Platze den Parademarsch ab. Um 5 Uhr erfolgte in Begleitung des Fürsten von Waldeck, des Regenten von Braunschweig Prinzen Albrecht, des Erzherzogs Franz Ferdinand von Este und des Gefolges die Abfahrt nach Springe.

Stuttgart, 13. December. DerStaatsanzeiger" er­klärt die neuerdings verbreitete Nachricht über Einberufung des würirembergifch?n Landtags im Januar für durchaus unbegründet. Es könne nicht die Absicht der Re­gierung sein, vor Schluß des Reichstags den Landtag ein- znbernfen.

Paris, 13. December. Der Afrikareisende Brazza weilt gegenwärtig hier, um die Regierung über die bei der Brüsseler Conferenz in Frage kommenden französischen Jn- tressen aufzuklären. Er beabsichtigt ferner, im Verein mit einigen Kaufleuten und Industriellen die Untersuchung der ausbeutungsfähigen Reichthümer des französischen Congo und Pläne über die herzustellenden Communicationswege ein­zuleiten. Brazza hat der Regierung ein Project, betreffend die Verbindung von Brazzaville mit dem Meere unter Be­nutzung des Laufes des Mariquillion, unterbreitet- es handelt sich nun zunächst um die Bildung einer Gesellschaft, welche über Ort und Mittel der Ausführung des Projectes Er­hebungen machen soll. Die Frage ist bereits von einem Ministerrathe erwogen und kehrt Brazza, sobald Beschluß gefaßt, nach dem Congo zurück.

London, 13. December. Der Dichter Robert Brow­ning ist gestern in Venedig gestorben.

London, 13. December. Die Fälle von Influenza mehren sich in London. Die Krankheit tritt namentlich in einigen Gegenden des Westendes epidemisch auf. Während der letzten zehn Jahre ist sie in jedem Herbste in milderer Form in London vereinzelt beobachtet worden, niemals aber hat sie sich so acut gezeigt, wie in diesem Herbste. Mehr als die Menschen leiden die Pferde seit den letzten sechs Wochen in ganz London an der eigcnthümlichen Krankheit. Auch der letzter Tage eingetretene Frost hat der Influenza keinen Ab­bruch gethan. Hunderte von Pferden sind bereits der Seuche erlegen. Vor sieben Jahren wüthete die letzte Epidemie dieser Art unter den Pferden der englischen Hauptstadt. Ver­einzelte Fälle werden jetzt auch von Liverpool und Manchester berichtet.

Nom, 13. December. Am 30. dss. Mts. wird der ; Papst den Erzbischöfen von Paris, Prag und Lyon den Cardinals Hut verleihen und mehrere Bischöfe prä- conifiren.

Petersburg, 13. December. DasJourn. de St. Peters- bourg" bespricht die Zulassung der bulgarischen An­leihe zur Cotirung an der Wiener Börse und die Garantien für die Anleihe. Das Blatt meint, Ferdinand von Coburg und die bulgarische Regierung verfügten nach Belieben über die Nationalgüter trotz ihrer unregelmäßigen Stellung- sie verfügten ungezwungen über die finanziellen Hilfsquellen des Landes unter Mißachtung des Rechtes und ohne Rücksicht auf die früheren seit Jahren nicht erfüllten Verbindlichkeiten. Das Journal glaubt diese augenfällige Abweichung vom Ber­liner Vertrage conftatiren zu müssen.

Zanzibar, 13. December. (Meldung desBureau Reuter".) Emin verbrachte eine unruhige Nacht- er kann I in Folge schwierigen Schluckens keine feste Nahrung ein- ! nehmen und hat fortwährend sehr erschöpfende Hustenanfälle. Sein Zustand ist sonst unverändert.

Locale- und provinzielle-.

(Siegen, 14. December.

* Theater. Leider muß auch heute die Kritik der gestrigen Vorstellung aussallen. Wir ersetzen sie durch fol­gende Mittheilungen: Morgen Sonntag beginnt, tote wir demGießener Anzeiger" entnehmen, das zweite diesjährige Gastspiel, und zwar wird der berühmte Zwergcomiker Janez M a l l y, der schon seit Jahren an allen größeren Bühnen (Berlin, Breslau, Königsberg u. s. w.) mit feinen Gastvor­stellungen das größte Furore erregt, an vier Abenden auf­treten. Daß Mally, der ein Deutsch Ungar ist, im Augen­blicke noch in Deutschland weilt, ist einem glücklichen Zufalle zuzuschreiben. In Berlin existirt bekanntlich eine völlige Gesellschaft solch kleiner Schauspieler, die im Augenblick in Amsterdam gaftiren, um dann einem glänzenden Engagement nach Amerika nachzukommen. Der verehrte Leser erinnert sich vielleicht, die Portraits der kleinen Künstler in einem der deutschen illuftrirtcn Journale (Heber Land und Meer", wenn wir nicht irren), vor Kurzem gesehen zu haben. Die Berliner Gesellschaft nun hat sich wiederholt bemüht, Ignaz Mally gegen brillante Bedingungen zu gewinnen, ohne Er­folg, da er durch verschiedene Abschlüsse an Deutschland ge­fesselt war. Janez Mally, der übrigens den Gießenern durch sein riesiges Furore erregendes Gastspiel vor sieben Jahren noch in angenehmster Erinnerung steht, gehört zu den ur­gelungensten Comikern der Gegenwart. Am Sonntag tritt er zuerst als Schneider imLumpacivagabundus" auf, eine Rolle, die zu seinen comischsten und brillantesten zählt.

Da die Influenza (Grippe) nun auch schon an einigen Orten Deutschlands ausgebrochen ist und deren Verbreitung befürchtet wird, wird von competenter Stelle darauf auf­merksam gemacht, daß nach den Beobachtungen namhafter Gelehrten (wie Professor Dr. Binz, Dr. Gräser, Dr. Bu- walda, Dr. O. Schelling und Dr. A. Tschirch) Chinin der­artige Malariafieber nicht nur heilt, sondern daß durch recht­zeitige reichliche Gabe von Chinin der Ausbruch des Fiebers verhütet werden kann. Nach Mittheilung derWiener med. Blätter" ist der Handverkauf von Chinin in Petersburg zur Zeit ein geradezu kolossaler. (In einer mittleren Apotheke 1 Pfund in 2 Tagen.) Man handle aber nur nach vorher eingeholtem ärztlichen Rath, wonach allein die einzunehmende Dosis berechnet werden kann.

Ein Wort zu Gunsten unserer hungernden Vögel. Die freundliche Aufforderung, unserer armen Sänger zu gedenken, findet vielfache Berücksichtigung- indessen bleibt dabei zu wünschen, daß die verabreichten Brodstückchen u. s. w. mehr zerkleinert würden, ansonst die kleinen Geschöpfe die bald gefrorenen Brocken nicht verzehren können.

Griinberg, 6. December. Bei einer gestern im nahen Stadtwald abgchaltenen Treibjagd wurde eine starke Wild­katze erlegt.

Laubach, 11. December. Das Schienengeleis ist nun­mehr beinahe vollendet. DerBürgeler Weg" ist theilweise verlegt worden- eine Straße wird links der Nebenbahn (von welcher der Weg zum Friedhöfe sich links abzweigt), eine andere rechts der Bahn, dicht an der Wetter her, an­gelegt. Zwischen Steinmühl und Sträuches ist ein hoher Damm, zwischen Sträuches und Roth (bei Wetterfeld) ein starker Durchstich nebst einer bedeutenden Ueberführung nach dem Wetterfelder Steinbruch fertiggestellt worden. Letzterer Steinbruch ist wieder in lebhaftem Betrieb. (D. Z.)

Friedberg, 12. December. In einer vor Kurzem in Reichelsheim stattgehabten Sitzung des Comites zur Erbauung einer Nebenbahn Friedberg-Hungen wurde befchlossen, unter Festhaltung der einmal beschlossenen Linie demnächst zur Betreibung der Angelegenheit eine Deputation nach Darmstadt zu entsenden. Vom Großh. Kreisamt Friedberg ist der dortige Gemeinderath um Stellungnahme in Bezug auf Errichtung eines Schlachthauses ersucht worden. Eine stattgehabte Besichtigung der hiesigen Schlachtstätten hat die Nichtachtung der erlassenen Polizeivorschriften ergeben.

Lber-Ohmeu, 6. December. Ein sehr bedauerlicher Un­fall ereignete sich gestern Abend in der Familie eines hiesigen Einwohners. Das zweijährige Söhnchen desselben fiel in einem unbewachten Augenblick rücklings in ein mit siedend heißem Wasser gefülltes Gefäß, das auf dem Boden bei dem Ofen stand. Das arme Kind verbrühte sich der Art, daß es noch in der Nacht seinen entsetzlichen Verletzungen erlag. (L. A.)

vermischte-.

Frankfurt a. M., 12. December. Der Kaiser und sein Lehrer. Nachträglich erfährt derG. A.", daß der