stände, die wohl aus einer Weltausstellung glänzen, gehören nicht in eine, doch ein Bild des Gewcrbestandes geben sollende Provinzial-Ausstellung. Es fragt sich sehr, auf welcher Seite Mangel an Localpatriotismus herrschte, auf derjenigen, welche eine immerhin nicht bedeutende Ausstellung nicht beschickten, oder auf derjenigen, welche alle möglichen, weit hergeholten Handelsartikel in Concurrenz mit der heimischen Industrie treten ließ. Mögen die Veranstalter künftiger Ausstellungen dies berücksichtigen, der Erfolg wird ein anderer werden.
s- Gießener Concertvercin. Erstes Concert. Wer geneigt ist, einen guten Anfang für ein gutes Omen anzusehen, der wird uns gerne beipflichten, wenn wir sagen, daß die diesjährige Saison des Gießener Concertvereins nach dem Cou- certe von gestern zu schließen, unter den denkbar günstigsten Auspicien vor sich gehen zu sollen scheint. Ein überaus reichhaltiges Programm, eine sorgfältige und nach jeder Seite hin befriedigende Wiedergabe des Angekündigten, ein nni- mirtes und empfängliches Publikum, diese drei unerläßlichen Elemente bei solchen Gelegenheiten fanden sich zusammen und verhalfen den Mitwirkenden zu einem großen und durchaus verdienten Erfolg. Vor allem zeigte der orchestrale Theil wiederum, waS auch eine Capelle, deren Zusammensetzung in Folge der am Ort bestehenden Verhältnisse nicht die tadelloseste und vortheilhaftcste ist, unter einer tüchtigen und energischen Direction zu leisten im Stande ist, sowohl was Neich- thum, als was Güte des Gebotenen anlangt. An erster Stelle kam Robert Schumanns vierte Symphonie in D-moll zu Gehör. Das tiefe, an musikalischen Schönheiten höchster Art überreiche und dabei sehr schwierige Werk wurde unter der bewährten Leitung des Herrn Musikdirektors Adols F e l ch n e r mit großer Exactheit und feinem Verständniß der Intentionen seines Schöpfers gespielt. Der erste Satz aus der unvollendeten Symphonie in H-moll von Schubert zeigt, zumal wenn er so trefflich zum Ausdruck gelangt wie gestern Abend, wie viel wir von dem großen Meister des Liedes, der sich nur selten auf dem Gebiete der Symphonie versucht hat, auch in dieser Hinsicht hätten erwarten dürfen, sofern ihm ein längeres Leben beschieden gewesen wäre. Die ewig schöne waldfrische Freischützouverture machte den würdigen Beschluß. Leider erfreut sich an Abenden, an denen noch Solisten von Ruf auftreten, das Orchester nicht derjenigen Aufmerksamkeit und Würdigung von Seiten eines Theiles der Anwesenden, die es vollauf für seine Leistungen verdient. Gestern nahm begreiflicher Weise Herr Carl Buss, genannt Gießen, Großherzoglicher Hofopernsänger aus Weimar, dem ein bedeutender Ruf vorausgeeilt war, das Hauptinteresse für sich in Anspruch. Unsere Erwartungen wurden nicht getäuscht. Allerdings ist die Tiefe des Künstlers nicht sonderlich ausgiebig und bedeutend. Um so wundervoller ist die hohe Lage des Sängers. Seine jugendsrische Stimme besitzt hier namentlich einen Schmelz und eine Kraft sondergleichen. Den wundervollen Wohlklang seines Organs stellte er in den Dienst der vornehmsten poetischen Auffassung seiner Vorlagen. Wir sind Herrn Buss ganz besonders auch dafür zu Dank verpflichtet, daß er seine eminente Künstlerschaft auf so vielen, disparaten Gebieten des Gesanges durch die Wahl ganz verschiedenartiger Musikstücke und deren ausgezeichneten Vortrag erwies. Für seine Beherrschung der italienischen Musik und eine dem bei canto zuneigenden Singweise war der Vortrag der Arie des Arnold aus „Wilhelm Tell" von Rossini ein klassischer Beweis. Seine Meisterschaft, auch die dramatischen Accente der recitativischen Gesänge aus Wagner'schen Opern und Musikdramen zu treffen, ließ die meisterlich wiedergegebene Erzählung Lohengrins aus dem dritten Acte („Im fernen Land, unnahbar en’ren Schritten u. s. w.") erkennen. In den vier Liedern mit Klavierbegleitung setzte er feine große Befähigung für das Lied in's helle Licht. Mit inniger Hingabe _ und feiner poetischer Auffassung trug er das Nachtstück von Fr. Schubert, „Murmelndes Lüstchen" von Ad. Jensen, Trennung von Ed. Lassen, Am Rhein und beim Wein von F. Ries vor. Den stürmischen Rusen des Publikums gab der Künstler zuletzt noch liebenswürdig nach und legte das Lied des „Troubadur" ein. Zum Schlüsse wollen wir eine lang geführte Klage wiederholen. Es gibt leider immer noch Leute, die nicht im Stande 'sind, t)ie zehn Minuten, die das letzte Orchesterstück bei solchen Concerteu wie gestern dauert, rulsig auf ihren Plätzen zu bleiben. So wie der Solist abgetreten ist, stürzen sie eilends hinaus, unbekümmert darum, ob das letzte Musikstück begonnen hat und womöglich das zarteste piano gröblich gestört wird oder nicht. In solchem Verhalten liegt eine derartige Nück- sichtslosigkeit gegen den Dirigenten, wie das Publikum gleichmäßig, daß es endlich an der Zeit wäre, nachdem so ost darum gebeten worden ist, dieser Unsitte ein Ende zu machen, vielleicht dadurch, daß man, wie es in größeren Städten längft geschieht, die Thüren schließt und dies auf den Zetteln bekannt macht.
1- Einiges über die „Cyprienne" von Sardou. Wie wir lasen, soll im hiesigen „Neuen Theater" demnächst Sardous Cyprienuc ausgeführt werden. Es verlohnt sich vielleicht, namentlich da der Zudrang zu der Vorstellung ein sehr großer fein soll, einige Worte über das Lustspiel zum besseren Verständniß der Besucher vorauszuschicken. Sardous Cyprienne erblickte das Lampenlicht am 6. December 1880 in Paris im Palais Royal und wird also in einiger Zeit 9 Jahre alt — gewiß ein ansehnliches literarisches Alter, zumal das Stück auS einer Tagesfrage geboren wurde, nämlich aus der nach der Lösbarkeit der katholischen Ehe. Es ist von Interesse, über diese Frage, die vor nicht gar zu langer Zeit noch in Frankreich actuell war, auch einmal unsere deutschen Orakel zu hören. In den Wahlverwandtschaften sagt Goethe in dieser Beziehung: „Die Ehe ist der Anfang und Gipfel aller Cultur- sie macht den Rohen mild und der Gebildetste hat keine bessere Gelegenheit, seine Milde zu beweisen. Unauflöslich muß sie sein, denn sie bringt soviel Glück, daß alles einzelne Unglück dagegen gar nicht zu rechnen ist." Mit Recht hat man bemerkt, daß aus diesen Worten nicht der Dichter, dem nichts Menschliches fremd war, gesprochen habe,
sondern der weimarische Herr Geheime Rath, dem die knöcherne Staatsraison das Höchste dünkt. Anders als Goethe entscheidet Hegel in seiner Rechtsphilosophie: „Die Gesctz- gebuilgen müssen die Möglichkeit der Auslösung der Ehe aufs Höchste erschweren und das Recht der Sittlichkeit gegen das Belieben ausrecht erhalten." Mit dem Problem der Ehescheidung nun befaßt sich auch das pikante und geistreiche Sardou'sche Lustspiel. Es entstand, wie gesagt, zu einer Zeit, wo die Frage für die Franzosen noch die größte praktische Bedeutung besaß und behandelt sie in conservativem Sinne. Es ist ehrend für die Tendenzlosigkeit des literarischen Geschmackes der Franzosen, daß sie das Stück mit großem Beifall und höchstem Vergnügen aufnahmen trotz seines con- servativen Charakters, während die katholische Ehe ganz bald von den nämlichen Franzosen lösbar gemacht wurde. Die Frage von damals ist entschieden, 9 Jahre sind vergangen, aber noch immer behauptet die erfolggekrönte Dichtung ihre glänzende schon lange errungene Stellung, ein schlagender Beweis für das hohe Interesse, das sie an sich fortgesetzt erregt. Allerdings ist es erforderlich, wenn das Stück seine volle Wirkung machen soll, daß eine wirklich hervorragende Künstlerin die Hauptrolle übernimmt. Nun daran soll es ja hier in Gießen nicht fehlen. Frau Dircctor Anni Reiners besitzt, wie man uns versichert, alle nöthigen schauspielerischen Fähigkeiten für diese Partie im höchsten Grade und soll ja eine ganz treffliche Künstlerin sein.
Vermischtes.
△ Mainz, 10. November. Am verflossenen Freitag ist über Hamburg die dritte Schiffsladung amerikanische Ochsen hier augekvmmen, um von Mainz aus auf die Hauptviehmärkte der Umgegend vertheilt zu werden. Auf Veranlassung von Schleswig-Holstein, das seinen Viehhandel durch die amerikanische Concurrenz bedroht sieht, hatte die Regierung über diese dritte Schiffsladung in Hamburg eine zwölstägige Quarantäne verhängt, während die ersten Sendungen nur eine fünftägige Quarantäne zu bestehen hatten. Das Fleisch von den amerikanischen Ochsen ist hier sehr beliebt.
— Der Ausschank von Branntwein erfährt neuerdings hier wieder eine strengere Überwachung. Der Verzapf wird nur noch denjenigen Personen gestattet, welche eine Wirthschaftsconcession haben. In Specereihandlungen, Cigarrenläden :c. ist der Ausschank verboten.
△ Worms, 10. November. In einer gestern Nachmittag stattgehabten Ausschußsitzung wurde beschlossen, die Eröffnung des Fest- und Spielhauses bestimmt den 2Q. d. M. vorzunehmen. Nach einer Mittheilung des Hosmarschallamtes wird der Kaiser der Eröffnung nicht anwohnen, sondern erst zu einer Vorstellung im December kommen. Dagegen wird der Großherzog der Eröffnungsvorstellung beiwohnen.
△ Aus Rheinhessen, 10. November. Die im Jahre 1890 in Mainz stattfindende große landwirthschaftliche Ausstellung wird nicht, 'wie ursprünglich geplant, eine Landesausstellung, sondern nur eine Provinzialausstellung von Rhein- Hessen werden. Wie von Oberhessen hat auch der Ausschuß des landwirthschastlichen Vereins von Starkenburg eine Betheiligung abgelehnt. Dagegen hat der Ausschuß des letzteren Vereins 1000 Mk. für Prämien unter der Bedingung zugesagt, daß auch Angehörige der Provinz Starkenburg zur Concurrenz zugelassen werden.
Malsfeld, 9. November. Der Abends um 6 Uhr 55 Min. von Treysa nach Niederhone abgehende Personenzug Nr. 173 entgleiste gestern Abend um 8 Uhr bei der Einfahrt in den Bahnhof Malsfeld mit der Maschine, dem Packwagen und drei Personenwagen. Von den Passagieren und dem Fahrpersonal ist glücklicherweise Niemand verletzt worden. — lieber diesen Unfall wird uns weiter geschrieben:
X Kassel, 10. November, lieber das kurz gemeldete Eisenbahnunglück aus der Berlin-Coblenzer Bahn, Strecke Treysa-Leinefelde, erfahren wir von einem Augenzeugen und im verunglückten Zuge befindlich«! Passagier nähere Einzelheiten, woraus hervorgeht, daß der Unfall ein sehr ernster war und hierbei in seltenem Maße Glück im Unglück ,obgewaltet hat, sonst wäre ein größerer Verlust an Menschenleben unausbleiblich gewesen. Es handelt sich um den vorgestern Abend von Treysa bezw. Frankfurt und Coblenz kommenden Personenzug, welcher gegen 8 Uhr Abends die Station Oberbeisheim passirte und nach der Station Malsseld weiter fuhr. Der Zug war sehr stark besetzt und waren zwei Maschinen vorgespannt. Die Strecke nach Malsseld (Kreuzungsstation mit der nach Thüringen gehenden Berg.-Märk. Bahn) zu hat ziemlich starkes Gefälle und so konnten die beiden Maschinen bei der Wucht der nachdrückenden Waggons fast ganz ohne Dampf fahren. Der Personenzug hatte zum Glück schon ein langsameres Fahrtempo eingeschlagen, die Bremsen thaten ihre Wirksamkeit schon und eben war der Zug im Begriff, in die weit hinausliegenden Schienenstränge des Bahnhofs Malsfeld einzulaufen — da, plötzlich ein furchtbarer Stoß, ein zweiter, noch stärkerer Stoß — und unter dem gräßlichen Aufschrei der entsetzten Passagiere springen die Waggons aus den Schienen, neigen zur Seite und die Insassen der Coupces werden mit großer Gewalt von ihren Sitzen empor- und gegeneinander geschleudert, daß ihnen Hören und Sehen verging. Dabei krachten die Sitze und Bremskasten zusammen, die Lampen verlöschten, die Funken der Feuerung sprühten umher, die Puffer und Eisen- theile der Koppelung wurden mit lautem Krach zerstoßen, ein wildes entsetzliches Durcheinander! Dazu flogen die Holz- und Eisenstücke gegen die theilweise in Dunkel gehüllten Coupees, aus denen die angst- und schreckerfüllten Jammerrufe der verzweifelten Passagiere in die dunkle Nacht hinausschallten — Dilles in Allem eine entsetzliche Scene, die allen Betheiligten zeitlebens unvergessen bleiben wird. — Die beruhigenden Zurufe der rasch die Situation überschauenden Beamten steuerte endlich etwas der leichterklärlichen, furchtbaren Auf- regung, in denen sich die meisten Passagiere besanden, die
zum Theil festgeklemmten Thüren öffneten sich — und erleichtert atijmctc Alles auf, als es dem Unglückszuge entsteigen und das Freie gewinnen konnte. Stand man nun auch draußen zwar auf freier Strecke in finsterer, kalter Nacht, so freute sich doch Jeder, daß er mit dem Leben davon gekommen war, um so mehr, als es nach und nach zur thatsäch- lichen Gewißheit wurde, daß Niemand getödtet oder schwer verwundet worden war. Welch' wundersame Fügung, wenn man bedenkt, daß fast die fämmtlichen Waggons des stark besetzten Zuges entgleist waren! Die meisten Passagiere hatten allerdings Contusionen erlitten, Beulen und leichte Quetschungen im Gesicht, im Rücken, Brust, an Armen und Beinen, insbesondere au Kops und Knien, doch wird ärztliche Inanspruchnahme wohl nur in wenigen Fällen nöthig sein. Unser Gewährsmann, ein wetterfester Jägersmann, fuhr seinem Gegenüber mit seinem Jagdstocke dermaßen bei dem Anprall in's Gesicht, daß eine blutige Verletzung entstand,- er selbst erlitt eine Quetschung in der Seite und am Knie, auch war ihm der Schreck so sehr in die Glieder gefahren, daß er gestern das Bett hüten mußte. Und so wird es den Meisten ergangen sein. Trotzdem die Waggons theilweise stark beschädigt wurden, auch die Bremsersitze zerdrückt wurden, hat auch das Fahrpersonal, soweit bekannt, nur leichtere Contusionen davongetragen. — Was den äußeren Verlauf des Unglücks anbetrifft, so war, wohl in Folge eines Schienenbruches, in der Nähe einer Weiche die zweite Maschine entgleist, nachdem die erste Maschine die Unfallstelle bereits passirt hatte. Die Koppelung zwischen den Maschinen riß entzwei und während nun die erste Maschine weiterfuhr, lief die zweite entgleiste Maschine, mit Tender zur Seite, über drei Geleise hin und bohrte sich in die Böschungswand ein; die nachfolgenden Waggons rannten nun auf die Maschine aus und entgleisten ebenfalls — ein wüstes Durcheinander bildend. Der Bahnkörper ist stark in Mitleidenschaft gezogen, der gesammte Materialschaden erheblich. Ein unnennbares Glück ist es zu nennen, daß die Entgleisung nicht 100 Schritte früher erfolgte, denn nach dem vorhandenen Terrain wäre es zweifellos gewesen, daß der Zug die Böschung hinabstürzen mußte und dann wäre es nicht so gut abgelaufen. Zu erwähnen ist ferner noch, daß Mitglieder der Eisen bahndirection Frankfurt, der die Strecke unterstellt ist, sich in dem verunglückten Zuge befanden. Durch den Unfall ist der Verkehr gestört und findet gegenwärtig ein Umsteigen der Reisenden an der Unsallstelle statt.
— Achttausend Stück falsche Fünfmarkftücke wurden auf Grund einer anonymen Denunciation bei einem Gürtlermeister inSteinschönau in Böhmen beschlagnahmt. Dieser, sowie sieben Personen, welche Falsificate ausgeben wollten, wurden verhaftet. Die achttausend Exemplare funkelnder Fünfmarkftücke waren in vierfacher Sorte, nämlich als preußische, sächsische, württembergische und bayerische hergestellt. Dieselben sind sämmtlich auf galvanoplastischem Wege auf Zinn und Silber erzeugt. Sie sind ächten Fünf- markstücken täuschend ähnlich, doch um eine Kleinigkeit leichter.
— lieber Ernährung der Schulkinder und das Frühstück in der Schule hielt vor Kurzem Professor Dr. Hoffmann in Leipzig einen Vortrag. Der Vortragende betonte zunächst, daß das Schulkind chronischen Hunger habe. Der raschere Stoffwechsel des Kindes, die Wachsthumsperiode verlange regelmäßiges häufiges Essen. Nehme das Kind außer der Hauptmahlzeit nicht Nebenmahlzeiten ein, so trete dieser chronische Hunger ein, der, da er nicht schmerzhaft, auch nicht zum Essen treibt. Das Kind hungert, ohne daß ihm dies zum Bewußtsein kommt. Blutarmuth und Blutmangel im Gehirn seien die Folgen. Die unglücklichste Schulzeit sei die von 9—11 Uhr. Das um ^2$ Uhr eingenommene Frühstück sei nicht nachhaltig. Um ^12 Uhr kommt das Kind nach Hause und seinen lauten oder stummen Forderungen wird Seitens der Mutter nicht Gehör gegeben, es sei doch gleich Mittag. Unbedingt müsse das Kind Frühstück mit in die Schule nehmen, da die Zwischenzeit zwischen dem ersten Frühstück und dem Mittagsessen zu groß sei. — Der Forderung des Dr. Hoffmann dürfte die weitere noch beigefügt sein, daß dem Kinde in der Schule auch gute Gelegenheit gegeben werde, das mitgebrachte Frühstück in Ruhe zu sich zu nehmen; die Spielzeit auf dem Schulhofe ist dazu nicht die geeignetste.
— Boshaft. Ein sehr lebenslustiger Professor einer kleinen Universität heirathete zum vierten Male. Seine drei Frauen, die ihm unglücklicher Weise im Lause der Jahre gestorben waren, waren drei Schwestern gewesen, die er, bei der ältesten beginnend, der Reihe nach geheirathet hatte. Der Zufall wollte nun, daß feine vierte Frau ebenfalls zwei jüngere Schwestern hatte. — „Der Herr Professor hat eine neue Familie angebrochen", sagten seine boshaften Schüler über die vierte Heirath.
— Ein Pariser Blatt gibt eine interessante Tabelle über die Zahl der Kinder in den französischen Familien. Darnach gab es 1886 in Frankreich 248,188 Familien mit 7 und mehr Kindern, 313,400 Familien mit 6 Kindern, 549,693 Familien mit 5 Kindern, 936,853 Familien mit 4 Kindern, 1,512,154 Familien mit 3 Kindern, 2,265,317 Familien mit 2 Kindern, 2,512,611 Familien mit einem Kinde, während 2,073,205 Familien keine Kinder hatten. Demnach hat fast die Hälfte aller Familien Frankreichs entweder ein ober gar kein Kind. Für das Verständniß der nervösen und unberechenbaren Stimmung des französischen Volkes, dem zur Hälfte die Sorge um die Erhaltung einer Familie fast gänzlich fremd ist, können diese Zahlen mehr als hunderte von staatsphilosophische'n Abhandlungen beitragen.
— Noble Knhställe. In der „Mälkeritid" erzählt einer der Nedacteure, Lehrer N. A. Hansen an der Dalumer land- wirthschaftlichen Schule, von seinen Reisen in Holland Folgendes: Das Vieh kommt im Sommer durchaus nicht auf den Stall. Wenn es im Frühjahre herauskommt, wird im Kuhstall gewaschen und gescheuert wie in unseren Stuben


