Nr. HO Zweites Blatt. Sonntag den 12. Mai 1889.
(Athener Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Bttteau: Schulstr-ß- 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. '
Amtlicher Hßeit.
? Gießen, am 10. Mai 1889.
Betreffend: Darstellung über den Zustand der Volksschulen im Kreis Gießen in den Schuljahren 1886/88.
Die Großherzogliche Kreis-Schul-Commission Gießen
sm die Schulvorstände des Kreises.
Wir sehen Ihren Berichten innerhalb 8 Tagen entgegen über:
1) die Durchschnittszahl der Schulkinder der Volksschule aus den drei letzten Schuljahren und zwar nicht von den einzelnen Klassen oder Abheilungen getrennt, sondern von der ganzen Schule zusammen;
2) den Geldbetrag der Schulstrafen und deren Verwendung in den drei Jahren;
3) die Durchschnittszahl der Schulversäumnisse aus den letzten drei Jahren und zwar
1. der Volksschule, Die Zahlen sind in % auszudrücken und zwar für jede Schulklasse
2. der Fortbildungsschule, ! besonders. Bei der Berechnung der % ist genau nach unserem Amtsblatt
a. unerlaubte Versäumnisse, , Nr. 2 vom 7. Mai 1879 zu verfahren. Die Berechnungen stnd mit einzu-
b. erlaubte, i senden; das Resultat ist nicht in gewöhnlichen, sondern in zweistelligen
c. wegen Krankheit. ' Decimalbrüchen auszudrücken;
4) eingetretene Veränderungen in den drei Jahren durch Avgang, bzw. Versetzung und Neuanstellung von Lehrern, Schulverwaltern oder Gehülsen, ebenso durch Errichtung neuer Schulklassen;
5) Kosten, welche in den drei Jahren für Schulhausbauten (Neubauten und Umbauten) aufgewendet wurden. Kosten für kleinere Reparaturen stnd nicht aufzuführen.
Sie wollen in Ihren Berichten genau nach vorstehendem Schema mit Anführung der OrdnungSnuurmern verfahren. ___v. Gügern.__
Gießen, am 10. Mai 1889.
Das Großherzogliche Kreis-Gesundheitsamt Gießen
macht hiermit bekannt, daß während der vom 1. Mai bis 30. September d. I. dauernden Jmpsperiode die regelmäßigen Sprechstunden nicht eingehakten werden können Es empfiehlt sich daher in diesem Zeitraum die geschäftlichen Angelegenheiten möglichst auf schriftlichem Weg zu erledigen.
Bezüglich derjenigen Sachen, welche eine persönliche Rücksprache nck-ffg. machen, sei bemerkt, daß der Unterzeichnete jeden Sonntag und Dienstag in den Morgenstunden von 8—972 Uhr ziemlich sicher anzutreffen sein wird.
_______________ _____________________ Dr. Köhler.
Darmstadt, 7. Mai. Das Großherzogl. Regierungsblatt (Beilage Nr. 10) j enthält:
1. Bekanntmachung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz, die Ausführung des Bauunfalloersicherungsgesetzes nom Jl. Juli 1887 betr.
2. Bekanntmachung Großh. Brandoersicherungs-Commission, die Aufbringung des Bedürfuisfes der Großb. Landcs-Brandversicherungs-Anstalt für 1888 betr.
3. Bekanntmachung Großh. Kreisamts Offenbach, den Sleuerausschlag für den Rabbinengehall zu Offenbach pro 1889—90 betr.
4. Uebersicht der von Großh. Ministerium des Innern und der Justiz für das Etatsjahr 1889—90 zur Bestreitung der Gommunalbedürfntsse in den Gemeinden des Kreises Groß-Gerau genehmigten Umlagen.
5. Bekanntmachung Gcoßh. Kretsamts Groß-Gerau, die Erhebung einer weiteren j Umlage zur Bestreitung oer Bedürfnisse für die israelitische Reltgionsgemetnde Mör- ! felden mit Walldorf im Kreise Groß-Gerau pro 1889—90 betreffend.
6. Ordensverleihungen.
Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: Am ! 17. April dem eoangel. Pfarrer Florus Bus zu Weiterstadt das Ritterkreuz erster \ Kiasse des Verdienstordens Philipps des Großmüthtgen, an demselben Tage dem Beztlksoorsteher Friedrich Fritzinger zu Mainz das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift: „Für langjährige treue Dienste", am 20. April dem Fußgensdarm Martin Vogel vom Großh. Gensdarmeriecorps das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmüthigen, an demselben Tage der Dienstmagd Margaretha Wettmann zu Offenbach, in Anerkennung ihrer 40jährigen einer und derselben Familie geleisteten Dienste die Silberne Verdienstmedaille des Ludewigs-Ordens, am 29. April dem Schullehrer Georg Weis zu Hohenstadt das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift: „Für 50jährige treue Dienste" zu verleihen.
7. Dienstnachrichten.
Am 6. April wurde dem Schulamtsaspiranten Philipp Reinheimer aus Nieder- Wollstadt eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Nieder-Beerbach übertragen; am 15. April wurde der Heizer bei den Oberhessischen Eisenbahnen Johannes Seth zum Lokomotivführer und der Hilfsheizer bei den Oberhessischen Eisenbahnen Friedrich Posse zum Heizer bei diesen Bahnen, beide mit Wirkung vom 1. Mai dss. Js. an — ernannt.
8. Abwesenheitserklärungen.
9. Eharakterertheilung.
10. Ruhestandsoersetzungen.
Verwischtes.
* (Statistisches über Brandschäden und Brandschaden-Versicherung im Großherzogthum Hessen aus dem Jahre 1888.] Das Brand- verstcherungskapital im Großherzogthum Hessen betrug im Jahre 1887 1064 543 860 JL, es stieg bis Ende 1888 aus 1089 315 340 JL Nach Provinzen geordnet bezifferte sich das Versicherungskapital in Oberhessen auf 288 719 200 in Starkenburg auf 425 540 850 Jt, in Rheinhessen auf 375 055 290 JL An dieser Gesammtsumme partictpiren die 5 größten Städte des Großherzogthums mit 340332890 JL, nämlich Mainz mit 129 128 260 JL, Darmstadt mit 86 860100 JL, Offenbach mit 53 846 650 JL, Worms mit 34 998 170 JL, Gießen mit 35 499 710 JL, während die übrigen Gemeinden des Landes 748982 450 aufbrachten. Von den 5 größeren Städten steht in Bezug auf absoluten Zuwachs an Brandversicherungskapital Mainz, hinsichtlich des oerhält- nttzmäßigen Zuwachses dagegen die Stadt Gießen obenan. Die Gesammtsumme aller infolge von 362 Bränden entstandenen Entschädigungen einschließlich der Abschähungs- kosten im Betrage von 5066.29 JL betrug 750 759 52 oder 0.73 JL pro Mille Ver- ficherungskapttal. In der Provinz Starkenburg ereigneten sich 131, in Oberhessen 97
JL
mit
bis
II
II
100 1000 5000 10000 20000
100
1000
5000
10000
20000
50000
50000
Brände
H
155 81 91 21
6
7
1 u ii ii ii h mehr als Im Durchschnitt verursachte jeder einzelne Brand im
und in Rheinhessen 134 Brande. Von den in Oberheffen ftattgefundenen Bränden kommen auf die Kreise Gießen 32, Alsfeld 15, Büdingen 8, Friedberg 25, Lauterbach 12" und Schotten 5. Die größte Entschädigung im ganzen Großherzogthum hat im abßerlaufenen Jahre der Kreis Friedberg mit 134 500.44 JL in Anspruch genommen, ihm folgen mit 96 514.18 der Kreis Bingen, mit 50 816.51 JL der Kreis Mainz und mit 60 839.76 der Kreis Offenbach. Bezüglich des Kreises Friedberg tragen hieran 4 größere Brände die Schuld, von welchen die Gemeinden Okarben, Groß-Karben, Ober-Wöllstadt und Ober-Roßbach heimgesucht wurden. Im Kreise Bingen war ein großer Brand in der Stadt Bingen selbst und ein anderer in der Strohstofffabrik zu Rieder-Ingelheim die Veranlassung, während die Kreise Offenbach und Mainz den in beiden Städten selbst vorgefallenen größeren Favrikbränden ihre ungünstige Stelle zuzuschreiben haben. Am wenigsten Brandentschädigung ist für den Kreis Schotten zn leisten gewesen, indem trotz der schlechten Bauart seiner Gebäude seit einer Reihe von Jahren regelmäßig nur wenige Brände oorfielen; ihm am nächsten kommt der KreiS Büdingen. Eine weit günstigere Stelle als in dem zunächst vorausgegangenen Jahre nimmt der Kreis Heppenheim ein, für den seither regelmäßig große Entschädigungen zu leisten waren. Die verhältnißmäßig kleinste Entschädigung von den fünf größeren
Städten des Landes hat Darmstadt erhalten.
Unter den 362 vorgefallenen Bränden befänden sich 14, bei denen die gezahlten Brandentschädtgungen je 10 000 überstiegen; 303 kleinere Brände, bet denen die zur Auszahlung Zekommenm Entschädigungen unter je 10 000 JL im einzelnen Falle geblieben sind; ferner 47 Blitzschläge, wovon 6 zündeten und 40 213 JL Entschädigung verursachten und 47 sogen, kalte Blitzschläge, für welche 3395 JL Entschädigung gezahlt wurden. Von den Bränden ereigneten sich in den Monaten Januar 33, Februar 30, März 22, April 27, Mai 39, Juni 38, Juli 36, August 36, September 27, October 24, November 26 und December 27. Die größte Entschädigung war, wie in früheren Jahren, wieder für die im August stattgehabten Brandschäden zu leisten, die kleinste iur Dtoocmber. Was die Tageszeit der Entstehung von Bränden betrifft, so fällt diese bei der größten Zahl zwischen 6 und 12 Uhr Abends, bei der kleinsten zwischen 6 und 12 Uhr Vormittags. Es entstanden nämlich in der Zeit von Morgens 12 bis 6 Uhr 68, von Vormittags 6 bis 12 Uhr 51, von Nachmittags 12 bis 6 Uhr 102 und von Abends 6 bis 12 Uhr 137 Brände. Hinsichtlich des Entstehungsortes nehmen wie in früheren Jahren auch in 1888 die Wohngebäude die erste Stelle einf ihnen folgen die Scheuern, die anderen Nebengebäude, Ställe u. s. w. Es wurden nämlich von Brandschäden betroffen 188 Wohngebäude, 78 Scheuern, 24 Ställe, 25 andere Nebengebäude, 4 Mühlen, 11 Kirchen und Schulhäuser, 5 sonstige öffentliche Gebäude und 25 gewerbliche Gebäude. Die Entstehungsursache der Brande ist in zwei Fällen auf bewiesene Brandstiftung, einmal durch den betr. Eigenthümer und einmal durch dritte, in 34 Fällen anf muthmaßliche Brandstiftung, vierzehnmal durch die betr. Eigenthümer und zwanzig- mal durch dritte zurückzuführen; 40 Brände entstanden infolge tahrlässigen Umgangs mit Feuer und Licht, 18 durch Spielen der Kinder mit Feuerzeug, 62 durch mangelhafte Feuer ungsanlage, 8 durch feuergefährlichen Gescväftsbetrieb, 6 durch Blitzschlag, 3 durch Explosion, 5 durch Selbstentzündung von Stoffen; bei 141 Bränden blieb die Entstehungsursache unaufgeklärt. Nach der Höhe der Entschädigungen ordnen sich die Brände der Jahre 1888 wie folgt:
■ einer Entschädigung von weniger als
Jahre 1887 Jahre 1888 daher in 1888 weniger
eine Ausgabe von 2739 2074 665 v*L


