Wo die Viel-
6000,00 JL
1687
1786
Monat October 1885 . im Monat October 1887
1462,14
1462,14
1000,00
„theure" Martinsgans!
Jeder Versuch bringt dauernde Abnehmer des HoÜLnd. Tabaks, 10 Pfd. fco. 8 Mk. nur bei B. Becker in Seesen a. Harz. [726
welche, wie bisher, in den verschiedensten Formen zur Ermöglichung des Betriebes eines Handwerks, durch Anschaffung von Handwerkszeug, Arbeitskleidern, Rohmaterial, zur Ermöglichung des Betriebs eines Kleinhandels durch Ankauf von Maaren, zur Anschaffung von Hausgeräthe, Bettwerk, Zahlung rückständigen Miethzinses, von Kapitalzinsen, zur Bestreitung von Erztehungs- und von Auswanderungskosten, endlich auch zu der im Sinne unserer Vereinsbestrebungen, einem empfänglichen Gemüthe gegenüber besonders wirksamen Unterstützung der Angehörigen eines Gefangenen, während der Strafverbüßung. (Gemäß S 2 Abf. 2 der Statuten).
Bei der sodann vorgenommenen Wahl des Vereinsaus- schussetz wurden die Herren:
1. Oberconsistorialprästdent Wirkt. Geh. Rath Dr. Goldmann, Excellenz in Darmstadt,
2. Provinzial-Dtrector v. Marquard daselbst,
3. Oberbürgermeister Ohly daselbst,
4. Rechtsanwalt Schm eel daselbst,
5. Fabrikant Karl Hochstätter daselbst,
6. Prootnzial-Director Geheimerath Küchler in Mainz, wieder, an Stelle der ausgeschiedenen Herren Stadtpfarrer Ritsert in Darmstadt, Ober-Apvellattons- und Cassationsgerichtsrath i. P. Schenck daselbst und Proo.-Director i. P. Dr. Böckmann von Gießen, die Herren Landgerichtsrath Arnold in Darmstadt, Stadtpfarrer Dr. Flöring daselbst und Prov.-Dtrector Freiherr von (Sagern in Gießen neugewählt.
Mit einem der Großh. Staatsregterung, sowie allen Vereinsorganen und allen anwesenden Mitgliedern und Freunden des Vereins für ihr, den Vereinsbestrebungen stets entgegen gebrachtes warmes Interesse ausgedrückten Danke schloß sodann der Vorsitzende, da weitere Anträge über Vereinsangelegenheiten nicht gestellt wurden, die 25. Generalversammlung.
sunkenen jährlichen Zinsenertrag von Unter Zugrundelegung dieses Ztnsenertrages mit
des jährlichen Zuschusses aus der Staatskasse mit . . der Mitgliederbeiträge, in dem, nach dem Ergebnisse des Rechnungsjahres 1887 (3489,70 JL) annähernd angenommenen Betrage von nur ........
Summe
zu welchen Einnahmen noch die Kassenvorräthe aus dem Vorjahre, Geschenke und sonstige besondere Einnahmen treten, konnte die Gesammteinnahme in den Voranschlägen pro 1890 und 1891 (gering veranschlagt) auf rund................
angenommen werden.
Die Ausgaben wurden auf rund .
veranschlagt und somit für Ende 1891 als Kassenvorrath
geteilt jur Unterstützung und Besserung der aus den Ltrafanstalten Entlassenen.
Darmstadt, den 1. November 1889.
Die 25. Generalversammlung des Vereins zur Unterstützung und Besierung der aus den Strafanstalten Entlassenen fand Mittwoch den 30. vor. Mts. unter zahlreicher Betheiltgung hiesiger und auswärtiger Mitglieder und Freunde des Vereins, sowie mehrerer Vertreter und Mitglieder des Großh. Staatsministertums, im Stadthause dahier statt.
Der Vorsitzende, Oberlandesgerichtsrath Freiherr von Rtcou gedachte in seiner Begrüßungsansprache zunächst der, im Anschluß an die Confrrenz deutscher StrasanstaltSbeamten, dieses Jahr zum erstenmale stattgehabten Zusammenkunft von Vertretern der Schutze vereine für entlassene Gefangene aus ganz Deutschland, welche in den ersten Tagen deS verflossenen Monats September in Freiburg i. B tagte. Es wurde dortselbst daS Bedürfntß nach Schaffung eines Verbandes der deutschen Schutzvereine zur gegenseitigen Hülfe- leistung ausdrücklich anerkannt und beschlossen, bet Gelegenheit der nächsten Conferenz deutscher Strafanstaltsbeamten wieder zusammenzutreten, sowie für die Zwischenzeit ein Ausschuß mit Wahrnehmung der gemeinsamen Angelegenheiten der deutschen Schutzveretne beauftragt.
Hiernächst betonte der Vorsitzende die Schwierigkeit, Strafent- laffenen, welche die Vereinshülfe nachsuchen, die erbetene Beschäftigung zu verschaffen, die am meisten hervortritt, wenn es sich um passende Unterbringung von, den gebildeteren Ständen angehörigen Schutzbefohlenen, insbesondere von bestraften Beamten, Lehrern, Kaufleuten, Angehörigen des Rcchnungs- und Schreibereifaches und dergl. handelt. Um dieser Roth thunltchst abzuhelfen, ist den Beztrksoereinscommisstonerr im Lande Seitens des Vorstandes des Vereins die Einrichtung förmlicher Arbeitsnachweisebüreaus oder doch ähnlicher Veranstaltungen im Anschluß an regelmäßige periodische Versammlungen und Besprechungen der BezirkS- vereins-Commisstonen, unter Beiladung der Bezirksmitglieder des Vereins, sowie der Herren Geistlichen und Bürgermeister empfohlen worden, in welchen, neben den allgemeinen Veretnstnteressen, grade auch die im Lande und speciell im betr. Bezirke sich darbietenden Arbettsgelegenhetten besprochen und passende Arbetts- und Unter-
und beläuft sich die Zahl jetzt auf
Darunter ist auch eine erhebliche Anzahl von Gemeind en des Großherzogthums (jetzt 338). Aus dem Geschäfsbenchte des Vorsitzenden über die abgeschlossene Periode 1886 und 1887 ist weiter
kunftsstellen ausgemittelt werden könnten. Aehnliche Einrichtungen bestehen bet vielen deutschen Schutzvereinen mit großem Erfolge und sie würden bet uns nicht nur die Erreichung des heroorgehobenen Veretnszweckes, den Strafentlassenen möglichst bald Arbeit und Verdienst zu vei schaffen, erleichtern, sondern auch zur Belebung der Vereinsorganisation beitragen und den Veretnsmitgliedern Gelegenheit zur Betätigung ihres Interesses geben. Zugleich war den Herren Kretsamts-Vorständen dringend an's Herz gelegt worden, das Zustandekommen der Bezirksvereinscommifsionen in Gemäßheit des § 16 der Statuten zu fordern, wo es noch nicht möglich gewesen sei,.solche tn's Leben zu rufen. , r,r „ . .
Den Erfolg der Vereinsthättgkeit in der abgeschlossenen Periode anlangend, so sind nach dem Berichte des Vorsitzenden unangenehme Erfahrungen und Enttäuschungen allerdings auch in der abgelaufenen Zeit nicht erspart «blieben, auf der anderen Selle ist es aber doch auch in vielen Fällen gelungen, die Schutzbefohlenen, die ohne die Vereinshülfe vielleicht dem Drucke der Verhältnisse erlegen wären, wieder aufzurichten und zu ihrer Besserung beizutragen.
Nach dem Bericht des Vorsitzenden hatte der Verein in dem 1563 Mitglieder
— Die Martinsgans ist wieder da!
beliebte eigentlich entstanden und wie lange sie wohl schon den Martinstag durchduftet, darüber sind die Ansichten nicht einig. Pach einer bekannten Legende soll der heilige Martin (geb. 316, gest. 400) als man kam, ihn zum Bischof von Tours zu wählen, aus demüthiger Bescheidenheit sich im Gänsestall versteckt, jedoch das Geschnatter der Gänse den Suchenden seinen Aufenthalt vexrathen haben. Andererseits dagegen wird berichtet, daß die Sitte ihren Ursprung sinde in der früheren Sitte der „Zehnten" und Zinsen, an Hühnern und an Gänsen der Geistlichkeit am Tag des heiligen Martin, den 11. November, zu entrichten. Urkundlich bestätigt ist dieser Brauch seit 1176, weil dazumal der edle Herr Ritter Ulrich von Schwabenstein zum Martinsfeste der Abtei von Corwai das werthvolle Geschenk einer Gans von Silber machte! — Jedenfalls sehen wir die respectable und sehr mit Unrecht gewissermaßen so in Mißcredir stehende, als dumm verschrieene Gans überall in Verbindung mit dem Martins- tage, welchen einst die norwegischen Runen-Kalender sehr „geschmackvoll" durch eine Gans bezeichneten, wie später die Tyroler in ihren Bauern-Kalendern. Auch besondere Stif- tungs- und Erinnerungs-Gänse nehmen noch immer ihren gebratenen Flug durch unsere Gegenwart, an welche sich oft sehr alte Traditionen knüpfen, ohne dem alljährlichen Wohlgeschmäcke Abbruch zu thun. „Der Gans läuten!" heißt man an manchem Ort das Einläuten des Tages von St. Martin und ehedem hat sogar einmal der fette Brauch geherrscht, die magere Lebensweise vieler Lehrer in angenehmer Abwechslung durch das Pflichtgeschenk der „Martinsgans" zu unterbrechen, ein Brauch, dessen schone Reste noch hier und da sich blicken lassen. — So durchzieht Alles , in Allem — immer noch der süße Duft des Gänsebratens den Tag des heiligen Martin, aber die schönen Zeiten, wo — wie zu Anfang des 15. Jahrhunderts — eine anständige Gans, die sich sehen lassen konnte, noch zum Preise von — 2 Groschen zu erschwingen war, sind leider längst tempi passati; —■ trotzdem indessen ist sie der Liebling fast des ganzen germanischen Europas geblieben: die inzwischen so im Werth gestiegene
6000,00 „
600,00 „
erstes Pflegejahr gelte.
Von den, nach dem Vorgesaaten in Betracht stehenden 477 Pfleglingen konnten 80 als gebessert der Aufsicht entlüften werden, 205 waren als gut zu bezeichnen, 188 als schlecht, 4 mußten als unverbesserlich ausgestoßen werden. Dieser Einthetlung liegt: me, auch bisher angewandte Norm zu Grunde, daß als geb ess er! diejenigen anzufehen sind, welche sich während der ganzen Pflegezett oder doch der zwei letzten Jahre derselben tadellos geführt haben, als gut diejenigen, bei welchen dies im letzten Pflegejahr der Fall war, als schlecht diejenigen, welche im letzten Pflegeiahr Anlaß zur Unzufriedenheit gaben, als unverbesserlich solche, welche wieoer- holt rückfällig wurden Es stehen hiernach 285 günstigen 19- ungünstige Resultate gegenüber. Das Ergebnitz erscheint, vom Standpunkte des überhaupt Erreichbaren beurthellt, als ein zufriedenstellendes, wenn man bedenkt, daß bei dieser VereinS- psiege vorwiegend Personen von niederstem Bildungsgrade, roher Gemüthsbeanlagung und mangelhafter Erziehung in Frage stehen.
Die gewährten Unterstützungen betrugen in 1886 und 1887 zusammen 6832 JL 36
in Aussicht genommen .... . - . . .. ,
Die Generalversammlung erteilte der Kassenführung Entlastung und genehmigte die, wie vorstehend von dem Ausschüsse beantragten Voranschläge pro 1890 und 1891.
Von der Gesammtzahl der in der abgeschlossenen Periode aus den hessischen Strafanstalten entlassenen Gefangenen von 1334 haben sich 336 der Vereinspflege unterzogen, also ein Viertheil.
Gegenüber den Ergebnissen früherer Nechenschaftsperioden bedeutet dieses Ergebniß ziffermäßig allerdings einen Rückgang, in- foferne früher der Prozentsatz der Pfleglinge annähernd Vs der Entlassenen überhaupt war. Jnsoferne hieraus jedoch auf »inen Rückgang der Vereinsthättgkeit an sich geschlossen werden möchte, ist dieser Schluß unzutreffend. Der ziffermäßtge Rückgang ist nämlich ausschließlich bedingt gewesen durch die praktische Durchführung des von der 23. Generalversammlung angenommenen Verwaltungsgrundsatzes, daß jedem Sträflinge, welcher die VereinS- hilfe in Anspruch nimmt, von der entlassenden Strafanstalt als Vorbedingung für irgend welche Vereinshülfe und | Unterstützung zur Pflicht zu machen ist, sich sofort an seinen Wohnort, bezw.Unterstützungswohnsitzzubegeben, Prostituirte überhaupt nicht und rückfällige Bettler und Vagabunden nur unter der Voraussetzung ihrer Bereitwilligkeit zum Eintritt in die Arbeiter-Eolonie zu Neu- Ulrichstein in den Verein ausgenommen werden sollen.
Eine große Anzahl von Aufnahmegesuchen solcher, welche diesen Vorbedingungen nicht genügten, war in der abgeschlossenen Periode von vornherein zurückzuweisen. Der Verein hielt sich hierdurch von Elementen frei, die sich lediglich als ein Hemmschuh für die Entfaltung einer um so wirksameren Vereinsthätigkeit gegenüber wirklich willigen und reuigen Pfleglingen erwiesen hatten, von Personen, die thatsächlich doch nur alS Durchgangsziffern in den ziffermäßigen Ergebnissen figurirten, infoferne die betreffenden sehr bald nach ihrer Aufnahme in den Verein wieder als unverbesserlich auSgestvßen werden mutzten. Während die Zahl solcher, nach dem vorigen Rechenschaftsberichte, 101 betrug, sind es in der abgeschlossenen Periode nur 4. (vgl. unten). Der weitaus grötzteTheil obiger 101 betrifft Bettler, welche aus dem Arbeits- Hause in Dieburg entlassen worden waren, damals in dem Verein Ausnahme fanden, aber bald wieder ausgestotzen werden mußten, während solche nunmehr regelmähig nicht mehr als Vereins- pfleglinge erscheinen. Von den, mit Hinzurechnung der aus den Jahren 1884 und 1885 nach in der - 3jährigen - Vereinspflege verbliebenen 233 bezw. 271 = 504 Pfleglinge, Ende 1887 in«gejammt in derselben befindlichen 504 + 336 = 840 Pfleglingen sind 9 freiwillig ausgetreten, 153 abwesend (flüchtig, auSgewandert oder sonst mit pflichtwidriger Entfernung von ihrem Wohnsitze ohne Benachrichtigung der Vereinsorgane, der Vereinsthätigkeit thalsächlich umzugänglich), 49 gestorben, in Beaufsichtigung standen demnach 840 — 211 — 629. Von diesen sind 152 im Jahre 1887 ausgenommen worden, lieber ihre Führung Aufschluß zu geben ist Aufgabe des für die Jahre 1888 und 1889 demnächst zu erstattenden 26. Hauptrechenschaftsberichtes, weil, in Abänderung des bisher bestandenen ModuS der Berechnung der dreijährigen Pflegezeit, als deren erstes Pflegejahr das Jahr 1888 einschließlich der im Jahre 1887 feit der Entlassung in Freiheit verbrachten Zett erscheint. Es hat sich nämlich als mißständig erwiesen, das EntlassungSiahr selbst als erstes Pflegejahr zu berechnen, insoferne alsdann diefenigen Pfleglinge, welche auf Grund der tret Monate vor der Entlassung, durch die Strafanstalten erfolgenden Anmeldung, in den letzten Monaten eine« Jahres Ausnahme fanden, in diesem Jahre überhaupt nicht, oder doch nur ganz kurze Zeit, in keinem Falle aber ein volles Jahr der Vereinspflege unterstanden, und erschien darum eine Aenderung in der Art angemessen, datz fortan die noch erübrigende Zeit aus dem Entlassungszahre mit dem nächstfolgende« zusammen, als ein und zwar als
Niemand sollte versäumen, sich den Weihnacht-»C<tt^los, den das Versandgeschäst Mey & Edlich, Leipzig-Plagwitz unberechnet und portofrei versendet, kommen zu lassen.
Derselbe bietet, wie man ia von dem bekannten Weltgeschäfte Nicht anders erwarten kann, eine reiche Auswahl praktischer Gegenstände für den häuslichen Bedarf, sowie eine Fülle anderer reizender Weihnachts-Geschenke^üit^t ber Firma birgt für die Preiswürdigkeit und Solidität aller von ihr angebotenen Maaren-
Folgendes zu entnehmen:
Die Einnahmen betrugen L
in den Jahren 1886 und 1887 zusammen 14008. 70 Die Ausgaben............. 10609. 09
und blieb mithin Ende 1887 als Kassenvorrath . . . 3399. 61
Der Reservefond des Vereins besteht in Werthpapieren im Nominalwerthe von 37328,58 JL.
(angekauft zu 35036,56 J4.) mit einem, gegen früher, in Folge Umwandlung einzelner 4o/etiger Wertpapiere in 3I/2°/oti0e, etwas ge=
Ende allen Lebens in der Natur. Da war es denn ein sinniger Gedanke, in den November Gedenktage zur Erinnerung an die Todten der Menschen zu legen. „Allerseelen" und „Todtensest" sind die Tage, an denen Katholiken und Protestanten nach den Kirchhöfen hinauspilgern, die Gräber ihrer Lieben mit Immergrün schmücken und der theuren Todten gedenken. Wenn der Wind durch die raschelnden Blätter fährt, ist es wie das Rauschen der Vergänglichkeit und ein Tod, der das Herz zu ernsten Betrachtungen stimmt. — Auch die Bußtage mehrerer deutscher Staaten sind in den trüben, ernststimmenden November gelegt, wie denn überhaupt dieser Monat für das kirchliche Leben von besonderer Be> deutung ist, da das Reformationssest und das Erntedankfest in ihm gefeiert werden und am 1. Advent das Kirchenjahr von Neuem beginnt. Die Natur ist gestorben und die Seele wird daher von keinem äußerlichen Reize mehr abgezogen, sondern kann sich ganz in sich selbst zurückziehen und aufschwingen zu ernsten religiösen Betrachtungen. — Was das Wetter im Monat November anbelangt, so sagt das Sprichwort : November tritt oftmals hart herein, braucht aber nichts dahinter zu sein. Ernster sind nach dem Bauernkalender aber gewisse Tage des Wintermonde^? zu nehmen, so z. B. „Clemens bringt den Winter", und „Andreas Schnee thut dem Korne weh". Vom Martinstage sagt der Kalender: „St. Martin will Feuer im Kamin". Ist der Martinstag trüb, macht er den Winter lind und lieb. Ist er hell, macht er das Wasser zur Schell", d. h. es friert tüchtig, u. s. w. — Wenn auch diese Wetterregeln nicht immer verläßlich sind, eins steht fest: der Winter kommt. Wohl dem, der ihm gerüstet entgegengehen kann, der einen warmen Rock und warmen Ofen tjat; wehe aber den Armen, welche frieren und hungern müssen, wenn sich nicht erbarmende Liebe ihrer annimmt. Wartet nicht bis zum Weihnachtvfeste, sondern gedenket schon jetzt der Hungernden und Frierenden und erbarmet Euch ihrer- das ist die Mahnung, welche uns der Wintermond bei seinem Beginn zuruft.
Univepfitäts - Nachpichten.
— In Leyden starb der Professor der classischen Philologie an der dortigen Universität Eobet.
— Oberlehrer Dr. phil. Rethwisch in Berlin, Sohn des Steuerraths Rethwisch in HaderSleben, ist als Professor der Chemie und Naturwissenschaften am National-Lyceurn in Chile angestellt worden und reist Ende November dorthin.
— Professor Friedrich v. Bezold in Erlangen ist, dem Vernehmen nach, in erster Reihe als Nachfolger von Prof. Baumgarten in Straßburg in Vorschlag gebracht worden. Prof. v. Bezold gehört, wie die „Post" mittheilt, einer bayerifchen Gelehrtenfamilie an, deren Mitglieder auf verschiedenen Wissensgebieten sich ausgezeichnet haben.
— An der Universität Belfast wird vom nächsten Schuljahre ab die medicinische Facultät den Frauen zugänglich gemacht; auch erhält diese Facultät das Recht, den Studentinnen Doctordiplome zu ertheilen.
Literat«» und Aunst.
— Soeben ist der 79. Jahrgang von LeskeS Schreib- unb Geschäfts'Kalender erschienen. Seit den 79 Jahren feines Bestehens bietet er: einen Kalender und Notizenblätter für alle Tage des Jahres, einen Kalender der Juden, ein Cassabuch, die Jnteressen- Rechnung von 3 bis 6pCt., Umrechnungstabellen von sechs verschiedenen Währungen in die jetzige deutsche Reichswährung, viele
wichtige und höchst interessante, im Geschäftsleben wohl zu verwendende Notizen, einen Post- und Gebühren-Tarif für Telegramme, einen ausführlichen Verloosungs-Kalender, sowie sehr verwerthbare statistische Notizen in Betreff des GroßherzogthumS Hessen und schließlich eine ausführliche Genealogie der Regenten und aller hohen fürstlichen Häuser und zwar alles dies — sauber und solid gebunden — zu dem Preise von 1.25 Mk., zu welchem daS handliche Büchlein in Taschen- Format durch jede Buch» und Papierhandlung, sowie von dem Verleger (C. W. Leske in Darmstadt, Promenaden-Straße Nr. 5) zu beziehen ist.
verkehr, Land« und volkswirthschaft.
— Was die Hühner «nd die Gänse von den Dreschmaschinen sagen. Nach v. Tschudis Landw. Lesebuch.
Ich hatte beobachtet, daß es keine besseren Controleure und Arbeitsrichter als Gänse und Hühner gäbe und zog sie daher immer zu Rathe, wenn ich die genaue und fleißige Arbeit der Drescher beurteilen wollte. Vielleicht wird tiefer Wink auch von anderen Landwirthen benutzt. Sie werden dann sehen, wie die Ganse über das von schlechten oder guten Dreschern ausgedroschene Stroh herfallen und die Aehren untersuchen. Sind recht viele Körner darin geblieben, dann fangen die Gänse an, die Drescher zu loben und eS erhebt sich ein Geschnatter, daS um fo Heller schmettert, je mehr die Flegel den Gänfen übrig ließen. Nun kommen auch die Hühner und glucksen die Jungen herbei, und der Haushahn stößt in die Trompete und bläst zum Angriff. Es geht laut und luftig her.
Kommt einige Zeit darauf der Hausherr, reibt sich die Augen und untersucht daS Stroh, dann ist es leer, und er lobt die schon von den Hühnern und Gänsen gelobten Drescher, und alle sind zufrieden, auch die Hausfrau, deren Geflügel von selbst fett wird und ®iCr W-il"ich"nuu weiß, welchen Antheil di-G-inI- und dl-Hühner am Dreschen haben, und welch' feine Urtheilskraft darüber in ihnen verborgen liegt, so betrachtete ich diese Controleure neben den Dreschmaschinen, was sie dazu wohl schnattern und glucksen wurden. Diese aber sagten gar nichts dazu. Die Hühner fliegen darauf herum, wie auf einem Reisigbündel, und guckten und kletterten wieder herab und schlichen davon, als waren sie alle krank und hStl-n^d-n ( strcckt-n di- HSls- und wackelten bedächtig
herbei und raschelten darin herum und zagen di- A-hren durch den gelben Schnabel und schüttelten mit dem Sopfe und standen e ne Weile ■ dann sahen sie einander verlegen an, Hoden erst das eine Auge 'zum Himmel und dann da« andere, sichren mit dem Schnabl wieder in den Hausen, zogui ihn abermals leer heraus, dachten wieder eine Weile nach, wendeten sich dann verächtlich um, zogen den einen Fuß in die Höhe und standen, steckten den Kopf unter die Wael, was bet den Gänsen dasselbe ist, als wenn sich ein verlegener Mann hinter den Ohren kratzt, und schlichen endlich still
I D°n d?)olla^ dachte ich, die Gänse und Hühner sind mit der Dreschmaschine nicht zufrieden, und ich riß sogleich einer flügelschleppenden Gans eine Feder aus und schrieb damit ihr Urtheil nieder, um es, wie vorfteht, zur allgemeinen Kenntniß zu bringen.
I Aber wohlgemerkt! eS verdient diese alte Beobachtung auch I heut, nachdem die Herrschaft deS Dreschflegels fast ganz zu Ende I ist, in Erinnerung gebracht zu werden, denn es gibt. gute und I schlechte Dreschmaschinen und die Arbetter an Maschinen find heute nicht weniger lässig in ihrer Behandlung als beim Schwingen
I des Dreschflegels; darum mag e« heute noch recht nützlich erscheinen, die Hühner und Gänse auch vor der Dreschmaschine zu beobachten
I und zu behorchen, was sie von deren Arbeit wohl sagen.
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