Ausgabe 
9.1.1889
 
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Nr. ~ Mittwoch den 9. Januar iss»

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

«rrrrav r S ch u l ft r a ß e 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

___________Durch die Poft bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf«

Amtlicher Hßeil.

Bekanntmachung.

ES wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß der Districtseinnehmer Jo Hs. Müller zum Districtseinnehmer der Districtseinnebmerei Grünberg ernannt worden ist und am 2. d. Ms. seinen Dienst angetreten hat.

Gießen, am 5. Januar 1889. Grobherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Bekanntmachung.

Der Ortsvorstand zu Biebesheim beabsichtigt, gelegentlich des daselbst am 5. März d. I. stattfindenden Fasel-, Zuchtvieh, und Schweinemarktes eine »erloosung von Zuchtvieh zu veranstalten. Es wird dies unter dem anfügen zur Kenntniß gebracht, daß Großherzogliches Ministerium des Innern und der Justiz die nachgesuchte Erlaubniß zur Veranstaltung dieser Verloosung unter der Bedingung ertheilt hat i,aß nicht mehr als 5000 Loose ä 1 auSqeqeben werden dürfen und mindestens 76% des Bruttoerlöses aus dem Verkauf der Loose zum Ankauf von G.winngegenständen zu verwenden find.

S)er Vertrieb der Loose im Großherzogthum ist gestattet worden.

Gießen, am 5. Januar 1889. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

_______ v. Gagern.____________

* 4 Polizei-Reglement.

Die polizeiliche Beaufsichtigung der Ipinnffuben in der Gemeinde Heuchelheim betreffend.

Mit Genehmigung Großherzoglichen Ministeriums der Innern und der Justiz vom 29. December 1888 zu Nr. M. I. 31423 wird hiermit nach- stehendes Polizei-Reglement für die Gemeinde Heuchelheim erlassen:

i) Spinnstuben dürfen nur bis zu der festgesetzten Polizeistunde stattsinden. Wer über diese Stunde hinaus eine Spinnstube hält oder an einer solchen thellmmmt, wird mit Geldstrafe bis zu 30 JL bestraft.

2) Gegenwärtiges Polizei-Reglement tritt mit dem Tage seiner Verkündigung in Kraft.

Gießen, am 5. Januar 1889. Grobherzogliches Kreisamt Gießen.

_______________________________v- Gager.^_____________________

Betreffend: Die Prüfung der Bewerber um die Berechttgung zum einjährig-freiwilligen Mllitärdienst im Frühjahr 1889.

Bekanntmachung.

Diejenigen jungen Leute, welche beabsichtigen, sich der im Frühjahr 1889 stattfindenden rubr. Prüfung zu unterziehen werden hierdurch aufgefordert, chre desfalsigen Gesuche um Zulaffung bei Meibung des Aurschluffes von dieser Prüfung ö 91

spätestens bis znm l. Februar 1889

der Gesuche wird im Speciellen das Folgende bemerkt:

'bei Der nnleri.eichneten Commisston elnzureichen.

Hinsichtlich der Anbringung

1) Das Gesuch ist bei der unterzeichneten Prüsungs-Commission nur dann anzubringen, wenn der sich Äfeldende im Großherzogthum Hessen seinen dauernden Auserrlhaltsort hat.

2) Die Zulassung zur Prüfung kann nicht vor vollendetem 17. Lebens­jahr erfolgen.

3) Das Gesuch muß von dem Betreffenden selbst geschrieben sein. Auch erscheint es zweckdienlich, wenn stets die nähere Adresse an­gegeben wird.

4) Dem Gesuche sind folgende Papiere beizufügen:

a Gebnrtszengnih;

i>. Eittwilliguttge. Attest des Vaters oder Vormundes, mit der Erklärung über dessen Bereitwilligkeit und Fähigkeit den Frei­willigen während einer einjährigen actioen Dienstzeit zu bekleiden, auszurüsten und zu verpflegen;

ließet die Anforderungen, welche an die zu Prüfenden gestellt werden, Ordn, vom 28. Septbr. 1875 Rea.-Bl. Nr. 55 von 1875) Aufschluß.

Bezüglich des Prüfungs-Termin-, sowie des Local», in Ladung kann nicht gerechnet werden.

In diesem Attest darf die Erklärung des Vaters oder Vor- wlmdes, daß er in der Lage sei, den Freiwilligen während der einjährigen Dienstes unterhalten zu können, nicht fehlen, auch muß die Unterschrift des Vaters oder Vormundes beglaubigt sein; e. ein Unbescholtenheitszeugniß, welches von der Polizei-Obrigkeit oder der vorgesetzten Dienstbehörde auszustellen ist;

d. ein selbstgeschriebener Lebenslauf.

5) In dem Gesuche ist außerdem anzugeben, in welchen zwei fremden Sprachen (Französisch, Englisch, Lateinisch oder Griechisch) der sich Meldende geprüft fein will.

6) Ist bereits früher ein Gesuch um Zulassung zur Prüfung eingereicht worden, so bleibt dem erneuten Gesuche nur ein Unbescholtenheit^- zeugniß beizuiegen.

gibt die Prüfungs - Ordnung (Anl. 2 zur Ers.-Ordn. I. Theil der Wehr- ersolgt co. weitere Bekanntmachung; auf specielle

welchem die Prüfung stattsindet,

Darmstadt, den 2. Januar 1889.

Großherzogliche

Prüfunas-Commission für einjährig FreiwMge. Der Vorsitzende:

Dr. Zeller.

Politische Rundschau.

Gießen, 8. Januar.

roiebcrum blutige Vorgänge abgespielt, bei denen Diesmal die deutsche Marine in ernstester Weise betheiltgt gewesen ist. Wie aus Mi«' o? ^°U?l°oe ®amoa'8' amtlich gemeldet wird, entsandte das deutsche Kriegs- «ZT ce Landungscorps, um den deutschen Consul nach dem Kriegsschauplätze der Eingeborenen zu geleiten; der Consul wollte daselbst Verhandlungen wegen Zer- »örung deutschen Eigenthums und thätlicher Beleidigungen beurlaubter deutscher &te aufftändischen Samoaner einleiten. Auf dem Wege «ach der Pflanzung Vatlele wurde das Landungscorps von den Aufständischen unter des Amerikaners Klein überfallen, aber Mannschaften des Kreuzers ^Adler" «nd des KanonenbootsEber" eilten ihren überfallenen Kameraden zu HUfe, worauf Vie Eingeborenen zuruckgeworfen und einige ihrer am Strande gelegenen Dörfer zer- Lenn ^Um,Cnh ßeraCr4 kTüP? äf Verluste der Deutschen als nicht unerheblich, «nnta brCn alVibt Lieutenant Sieger und 15 Mann, als verwundet die Lieute- und Burchard, sowie 36 Mann, gemeldet. Eine Verlustliste wird oer- Mentlicht werden, sobald die Namen festgestellt sind. DaS Befinden der Verwundeten

ist gut. Ueber die Verluste der Aufständischen sind noch keine Meldungen eingegangen" Aus diesen Mittheilungen erhellt zunächst, daß in dem Kampf der beiden, sich auf Samoa feindlich gegenüberstehenden Parteien, derjenigen des von den Deutschen einge­setzten Königs Tamasese und der Partei des von Engländern und Amerikanern unterstützten Häuptlings Mataafa, nun auch die Deutschen direct hinetngezogen worden sind. Es ist ganz offenbar, daß die Partei Mataafa's heimlich von den Engländern und Amerikanern gegen die Deutschen aufgehetzt wird und welche Rolle hierbei spectell die Yankee's spielen, geht aus der Meldung, der Amerikaner Klein sei der Anführer der die Olgatruppen überfallenden Insurgenten gewesen, genugsam hervor. Ob die deutschen Hiebe, welche die Anhänger Mataafa's soeben empfangen haben, denselben zur Lehre dienen werden, steht noch dahin. Jedenfalls därf man überzeugt sein, daß die Interessen der Reichsangehörigen wie die Ehre und Würde des deutschen Namens auf Samoa von unfern wackernBlaujacken" energisch gewahrt werde und sollte es noth- wendig sein, so wird eben die Zahl der deutschen Kriegsschiffe vor Samoa vermehrt werden.

Nach wochenlangem Suchen sind die republikanischen Parteien in Pari» endlich so glücklich gewesen, ihren gemeinsamen Candtdaten für die Deputirten-Ersatzwahl des 27. Januar aufzufinden. Am Sonntag fand in der französischen Hauptstadt eine Art.