Ausgabe 
8.11.1889
 
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Ober.Gleen, 2. November. Bei einer bn^icr vorge- nontmcnen Reinigung und Vertiefung -eines Brumrens büßte Heinrich Lein aus Maulbach fein Leben ein- er war im Be­griffe, da die Arbeit vollendet, das Handwerkszeug aus dem Brunnen zu holen imb ist hierbei vermutlich tmrd) Eis- athmen schädlicher Gase um das Leben gekommen. Der Bc- dauernswerche, welcher sich erst kürzlich zum zwrnteu Male verheirathcte, ist Vater von vier Kindern.

Alsfeld, 6. November. Die lsiesixe land wirth schäft - liche Winter schule hat vorigen Montag den Unterricht begonnen. Ausgenommen wurden 30 Schüler gegen 18 hn vorigen Jahre. Die Schule hat ihre Lehrmittelsammlung in diesem Jahre nicht unbeträchtlich vervollkommnet, beispiels­weise die chemische und physikalische Sammlung, durch Ankauf von Modellen der verschiedenen Rinderrassen, eines zerleg­baren Kuheuters, eines Pferdehufes, eines Herzes, eines Widcrkäuermaoens re. aus Papmach6, durch Vervollkommnung der Boden- und Gesteinssammlnng. Es ist demnach zu hoffens daß sich die Schule bald kräftig weiter entwickelt.

Büdingen, 6. November. In der Nacht von Sonntag auf Montag ist vom hiesigen Bahnhof «ein schwerer Ballen Kleiderstoffe, ein Pack Säcke und ein Pack Cigarren gestohlen worden. Den erstgenannten Ballen hat man in einem Waffergrabcn im Wiesengrund gefunden. Hoffentlich gelingt es der Polizei, bald Klarheit in diese Diebsgeschichtc zu bringen. Der überaus zahlreiche Besuch und die günstige Ausnahme, deren sich die Militär-Concerte während der Ausstellung zu erfreuen hatten, hat Anlaß zur Bildung eines Camitss gegeben, das beabsichtigt, für diesen Wmter vorläufig zwei Doppel-Concerte der Gießener Regimentsmusik unter Leitung des Herrn Musikdireetors Krauste zu veranstclten und zwar das erste am dritten Weih- uachtsfeiertag und das zweite Ende Januar oder Anfangs Februar. ' 3

Vermischtes.

Darmstadt, 6. November. Wie der Darmstädter «Tägl. Anz." zu berichten weist, soll die Gräfin Hartenau, Ge­mahlin des früheren Fürsten Alexander von Bulgarien, bei der Entbindung gestorben lein. Von anderer Seite wird diese Nachricht indeß dementirt.

Darmstadt, 6. November. Am Sonntag hielt der Landes­ausschuß der uatio nallib eralen Partei in Hessen unter dem Vorsitze des Landtagsabgeordnetell Rechtsanwalt Dr. Osann von hier eine Sitzung ab, in welcher namentlich auch die für die Reichstagswahlen zu treffenden Vorbereitungen besprochen wurden. Man faßte den Beschluß, vor den fraglichen Wahlen jedenfalls eine Landesversammlung der Partei in Frankfurt a. M. abzuhalteu.

A Mainz, 6. November. Die große Bauthä-tigkeit, welche )id) in den letzten zehn Jahren hier entwickelt und welche in kurzem Zeiträume ganze Stadtviertel neuer Wohngebäude erstehen ließ, beginnt jetzt eine ziemlich bedenk­liche Kehrseite zu zeigen. Dieselbe macht sich durch das Freistehen sehr zahlreicher Wohnungen und des damit in Ver­bindung stehenden Mckganges des Immobiliarbesitzes bemerk­bar. Bei dem letzten Onartalwechsel fehlten nach einer ziemlich verlässigen Aufzeichnung für über 400 Wohnungen bie Miether und zwar sind diese leer gebliebenen Wohnungen fast ' ausschließlich größere elegantere Miethsräume. Etwa 7o Procent dieser Wohnungen liegen in der Altstadt, während sich das verbleibende Viertel auf die Neubauten an der Gartenfront und dem Rheinufcr vertheilen. Bei dem großen Angebot der Wohnungen sind naturgemäß auch die Mieths-

prcise gedrückt und begirmen dieselben schon theilweise nicht mehr im Einklang mit den Baupreisen zu stehen.

A Mainz, 0. November. Die vor einiger Zeit bei dem hiepgen 7nilitärischcn Proviantamts vorgekommenen Hafer dicbstähle haben heute vor dcr Strafkammer des Landgerichts hier ihr richterliches Nachspiel gefunden. Die Diebe, Arbeiter des Proviantamts, die Abends durch unvergitterte Fenster Les Magazins den Hafer sortgeschafft haben, wurden zu 5, bczw. 4 Monate Gesängniß und em hiesiger Geschäfts­mann, dcr die gestohlene Frucht von den Arbeitern unter dem Preise gekauft hat, als Hehler zu B Tage Haft ver­urteilt.

Ein Veteran des Waldes. Am 1. d. M. trat dcr Förster Klingler aus Harreshausen bei Seligenstadt, eine allgemein sehr geachtete Persönlichkeit, in den wohlverdienten Ruhestand, nachdem derselbe 61 Jahre im Dienste des Waldes stand. Er galt als ein Muster von Pflichttreue und Ge­wissenhaftigkeit. Von dem Großherzog wurde dem Förster bereits vor langen Jahren das ^Allgemeine Ehrenzeichen" zu Thctl und vor fünf Jahren erhielt er noch dasVerdienst- kreuz Philipps des Großmüthigen" nebst dem TitelFörster". Der Veteran, welcher seine Entlassung wegen hohen Alters genommen hat, erfreut sich trotz seiner 77 Lebensjahre noch einer guten Gesundheit.

(fo Wort für die Hausmusik. Man hat in letzter Zeit vielfach die Musik angegriffen, namentlich ihre Stellung im Hause, und doch kann sich gerade im Hause am ersten ihr wohltätiger Einfluß geltend machen. Selbstredend ist noth- wendig, daß ihre Ausübung in vernünftigen Grenzen bleibt. Dann aber wird sie sich als segenbringend für die Familie erweisen. Eine große Herrschaft ist der Musik über die Menschen gegeben- daS kleine Kind, das in der Wiege liegt und schreit, es wird still und schläft lächelnd ein, wenn die Mutter ihm ihre Lieder vorsingt, die Erwachsenen aber werden durch die Musik von manchen anderen und zwar schädlichen Vergnügen, namentlich vom Wirthshausbesuch, abgehalten, wenn sie im eigenen Hause Unterhaltung finden. Die Wirths- hausbesitzer wissen wohl, warum sie Musikanten halten und bezalflcn. So ist die Musik im Hause ein geeigneter Factor zur Hebung eines gesunden Familienlebens', denn sie zeigt die Annehmlichkeiten und stmstigeu Vorzüge desselben, weckt und hebt den Sinn für das Familienleben und stellt dasselbe gleichzeitig in scharfen Gegensatz zu den Kneipen, in denen man euißer verpesteter Luft und verpesteten Herzen wohl auch Musik und Gesang findet, aber von welcher Art! Gute Musik und guter Gesang wird jene Art bald verabscheuen lassen. Wer hätte übrigens die Macht und den Einfluß der Musik noch nicht an sich selbst erfahren? Wer wäre von ihr nicht schwi unwillkürlich gefangen genommen und gefesselt worben? Sie erhebt unser Gemüth, veredelt unseren Sinn und läßt uns Schönheiten empfinden, die uns das Häßliche und Schichte leichter erkennen lassen. Mit der Hebung unserer Stimmung hält die Freude am Guten und Schönen, ja selbst em gewisser innerer Drang, ebenfalls gut zu lhnn, gleichen Schritt. Schon die ältesten Völker waren sich über den Werth der Musik klar- der Ausspruch des weisen chinesi­schen Gesetzgebers Konfutse, nach welchem man vor Allem die Niusik eines Volkes hören müsse, um zu beurtheilen, ob es tociie regiert und gut gesittet sei, ist nicht unbekannt, und ebenso bekannt ist, daß bereits Platon und Aristoteles sich mit Forschungen über die ethische und ästhetische Bedeutung der Mupk beschäftigt haben. Allenthalben hat man schon im Alterthum die Musik als ein vorzügliches Mittel zur Hebung der Sittlichkeit und damit selbstredend auch zur Volkserziehung erkannt. Beweist uns nicht auch die Kirche, daß sie in der

Dlusik eine Förderin ihrer religiösen und erziehlichcii Zwecke sieht. Sonst würde sic dieselbe doch wohl nicht in ihren Dienst genommen haben. Also verdammt nicht die Haus- musik, eine der edelsten und treuesten Freundinnen des Menschen - nur die rücksichtslose musikalische Belästigung anderer Menschen ist zu verdammen.

London, 3. November. Die geheimnißvolle Kugel. Bischof D. war mit seiner Gemahlin auf der Rückreise aus den Staaten. Eine schwüle, gewitterhaste Nacht, der Ocean in Aufruhr, so daß die Frau des kirchlichen Würdenträgers nicht schlafen konnte. Der Bischof stand auf und öffnete das Lukenienster, durch welches die zuckenden Blitze sichtbar waren. Durch das offene Fenster hing eine an einer Schnur befestigte Holzkugel. Der Bischof wußte nicht, was das bedeutete, doch zog er sie herein, befestigte sie an einem Nagel und bcsttcg wieder fein t-agcr. Aber die Kugel schlug gegen die und wollte beim Schwanken des Schisses nicht zur Ruhe kommen auch die bischöfliche Dame kam nicht zur Ruhe und ihr Mann mußte wieder ausstehen- diesmal rollte er die Schnur weiter auf, nahm die Kugel mit sich in sein Bett, legte sie unter sein Kopfkissen und schlief ruhig ein, trotz dem Krachen des Donners und dem Leuchten der Blitze. Am nächsten Margen beim Frühstück gab dcr Bischoi das Abenteuer mit dcr Kugel mit Salbung und epischer Breite zum Besten. Der Capitän lachte. Auch der Bischof lachte, denn er glaubte, daß es eine gute Geschichte sei. Wie gut sie aber sei, wußte er erst, als dcr Capitän ihm mitthciltc, das; die Holzkugel daS Ende des Blitzableiters war. In der folgenden Nacht lugte der Bischof unter das Kissen, bevor er sich schlafen legte und behielt, trotz der Vorstellungen seiner Ehehälfte, die Luke geschlossen.

verkehr, Land- tmfc volkswirthschaft.

,, L'A^rg, e, November. (Fruchtmarkt). Rother Weizen «M. 16.05, X 15'90 Korn JL 12 65, Gerste JL 10.60 Hafer JL 7.00 Erbsen JL OO.Ou, Kartoffeln JL 0.00.

Frankfurt, 6. November. Erbsen ganze per <ßFb. 1218 bo. 0^3^ 1418 ^ 2^11 1828 weiße Bohnen 1618 X

0d6e Äartoffeln per Gescherd 14-16 i, rothe Kartoffeln per Geschttd »r14 ?^^"'per Pfd. 1,10-1,25H, Eier das Stück 5-6 1225^^^Wttstn 1^' 15^fr0Ut bQ§ 6tücf 8-15 Rothkraut

?änJeri "" Sängerinmeu haben an­erkannt, daß Fays achte Sodener Mineral-Pastillen ßjroonnen aus den Salzen der zur Kur gebrauchten berühmten Gemetnde Quellen No- III und XVIII, auf die Sttmmoraane einen o wohlthatigen und günstigen Einfluß ausüben, daß die^oon jenen s'brseMrchtee Heiserkeit durch die Pastillen, die in allen Apotheken ür nur 85 die Schachtel zu haben sind, die denkbar beste Be­kämpfung findet- 8,00

Univcrfitäts - Nachrichten.

Marburg, 6. November. 4tach der nunmehr beendeten ^tm- ?? für das kommende Wintersemester

läßt sich mtt einiger Sicherhe.t enormen, daß die Winter-Frequenz unserer Unroersitat si-v auf etwa 800 Siudnende belaufen rotrb *

Schiffsnachrichten.

(2hrnp^' 51 ^ooember. (Per ttansatlantischen Telegrapb.j K^.SchneUdamu!.. Werra, Eapt. R Busüus, vom Norddeutschen §7^ Bremen, welcher am 26. Cdobei von Bremen und am «Ai.., °on Sourhampton abgegangen war. ist gestern 3 Uhr Nachmittags wohlbehalten in Newyork angekommen.

Gottesdienst der israelitischen Religionsgesestschast.

Freitag Abend 4«» Uhr, Samstag Vormittag 8 Ubr Samstaa

Nachmittag 3°o Uhr, Samstag Abend 5« Ubr 8 ° f 9

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Obrrhksßsche Eisenbahen ?^trun8 von 6000 Kiefern- und 2000 Eichenschwellcn soll vergeben weiden Angebote, mit bezüglicher Aufschrift ver­sehen, sind bis zum 16. dS. MtS. hier einzureichen. Die Bedingungen rönnen bei unseren Stationen Alsfeld, Lauterbach, Nidda und Hungen, sowie bei unserer Magazinsoerwaltung dahier eingesehen werden.

Gießen, den 5. November 1889.

9039 Großherzogliche Direktion-

Stammholz­verkauf.

Aus den Waldungen der Gemeinde Keffelbach sollen tm Wege der Sub­mission circa 180 Feftmeter Fichten- und Nadel-Stammholz und circa 40 Festmeter Eichen-Slammholz oer- kauft werden.

Schriftliche Gebote sind unter Be­zeichnung

Submission auf Stammholz" versiegelt bis zum 27. Novemb-r l I., Mittags 12 Uhr, an unter­zeichnete Bürgermeisteret einzuretchen.

Die Oeffnung derselben findet am genannten Tage, Nachmittags 2 U£r, auf unserem Bureau in GegenvUrt der erschienenen Submittenten stakt.

Nähere Auskunft kann erthellen Forftwart tzillgartner dahier.

Keffeldach, am ö. November 1889. Großh. Bürgermeisterei Keffelbach.

Stein. * 9033

Tägl. frische Schlachtung.

Fleisch (okne Knochen) ä Pfd. 23 H, bei Abnahme von 30 Pfd. entsprechend billiger.

Gießener Kferdemetzgerei 9048 und LVurstfadrilr

9040] Einige Häuser in bester Lage der Stadt, begrenzt von mehreren Haup straßen, umgeben von Anlagen und ®arfei?V roe^c sich sowohl zu privaten als geschäftlichen Zwecken eignen, ferner einige im Eeutrum bfr Stadt gelegene Geschäftshäuser sind unter günstigen Bedingungen zu verkaufen durch

B. Katzenstein, Schillerstraße 27.

Holländisches Weißkraut wird Freitag und Samstag den 8. und 9. November billig abgegeben auf dem Brandplatz.

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Grossh. Salinen- und Bergamt Bad-Nauheim.

3äSer. [4H6

Nachdem die Maul- und Klauenseuche zu Londorf, Keffelbach und Allendorf a. o. Lumda erloschen und die verhängten Sp-rrmaßregeln aus. gehoben worden sind, wird mit dem am 14 d M. dahier statlhabenden »rawennarft, rote m früheren Jahren, ein Vtevma-kt mit Rind­vieh, Schweinen und Schafen verbunden.

Grün berg den 6. November 1889.

Großherzoglfche BMrgeneeifttrei Brünberg.

_____Pracht.______________ 9044

Der Feierabend für Lehrli-me?^ tfl vom nächsten S »ntag den 10. Novemb. r an jeden Sonntag Abend von 610 Uhr im alten Ratbhause für alle Lehrlinge, die daran Iherlnehmen wollen, unentgeltlich geöffnet. Spiele, Bücher, Gejära Vor- träge u. s w. y '

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