Ausgabe 
8.11.1889
 
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Nr. 261.

Freitag den 8. November

1889.

5) er -Kleir-r erscheint täglich, mit Ausnahme beS Montags.

Die Gießener I»M»ikieu ß täller werden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal beigelegt.

Gießener Anzeiger

Vierteljähriger Aöo»ne«entspreis: 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg.

Redaction, Expedition und Druckerei:

Kenerat-Wnzeiger.

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Amts- und Anzeigeblatt für den Avers Gieszen

chratisbeitage: chießener Aamitienötätter.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Corrn. 10 Uhr.

Alle Annoncen-Bureaux deS In« und Auslandes nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger- entgegen.

Amtlicher Theil.

Bekanntmachung.

Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die nach § 6 des Reichsgesetzes vom 21. Juni 1887 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden er­mittelten Durchschnittsmarktpreise, einschließlich eines AuffchlagS von Fünf vom Hundert, pro Monat October für den Lieferungs- verband Gießen pro 100 kg betragen:

Hafer JL 16, Heu Jt 8.40, Stroh JL 7.40.

Gießen, am 6. November 1889.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

politische Uebersicht.

Gießen, 7. November.

Graf Kalnoky, der österreichisch-ungarische Minister des Auswärtigen, hat am Mittwoch Nachts 1^12 Uhr Friedrichs- ruh wieder verlassen und die Rückreise nach Wien angetreten. Der Besuch des österreichischen Staatsmannes beim Fürsten Bismarck dauerte diesmal also drei volle Tage und offenbar sind da die schwebenden Fragen der hohen Politik gründlichst erörtert worden. Vielleicht, daß schon die nahe Zukunft Auf­schluß über die Ergebnisse der jüngsten Ministerconferenzen von Friedrichsruh bringt.

Wie eine moderne Odyssee lesen sich die Berichte, welche jetzt aus Afrika über die Stanley-Expedition zur Befreiung Emin Paschas kommen. Nicht weniger als drei Mal ist Stanley nach einer von ihm selbst herrührenden Depesche vom Congo aus nach der Provinz Emins im Herzen des dunkeln Con- tinents ausgebrochcn und erfährt man erst jetzt aus diesen Mittheilungen, daß Emin Pascha in der That einmal in die Hände der Mahdisten gefallen war, und zwar am 18. Au­gust 1888. Die Mahdisten wurden durch die eigenen revol- tirenden Truppen Emins, sowie durch die Eingeborenen unter­stützt und erfuhr hierbei seine Provinz eine grauenhafte Verwüstung. Schließlich gelang es ihm aber, sich zu befreien und den Mahdisten eine Niederlage beizubringen, wobei die­selben nach Khartum um Verstärkungen sandten. Deren Ein­treffen scheint Emin Pascha aus's Neue in arge Bedrängniß gebracht zu haben, aus der ihn Stanley durch einen dritten Zug nach dem Weißen Nil rettete. Am 18. Januar d. I. traf Stanley wiederum bei Emin ein und brachte ihm Ersatz, dann wartete Stanley noch bis zum 8. Mai auf Flüchtlinge und trat hierauf den Rückmarsch an, was'wohl heißen soll, daß sie zu diesem Zeitpunkt ihren gemeinsamen Vormarsch nach der ostasrikanischen Küste begannen. Aus demselben wurden sie, wie verschiedene andere Berichte bekunden, von den Feinden hart bedrängt- auch langte am 1. November ein directer Bote Stanleys in Zanzibar an, welcher um Hilfe nachsucht. Seinen Mittheilungen zufolge befanden sich bei Emin und Stanley sechs Engländer und zwei Italiener, sowie 800 Ein­geborene, die Expedition wartete ungeduldig auf Lebensmittel. Hoffentlich wird von deutscher und englischer Seite in Ost­afrika alles Menschenmögliche gethan werden, um den kühnen Afrikahelden, die sich nach den furchtbarsten Anstrengungen und Entbehrungen endlich' den Grenzen der Civilsation nähern, Rettung zu bringen.

In Oesterreich erwärmt man sich immer wieder für den Gedanken einer Zoll-Union mit Deutschland, wie ein bezüg­licher im niederösterreichischen Landtag gestellter Antrag beweist. Der Plan, Deutschland und Oesterreich-Ungarn, die schon politisch so eng verbunden sind, nun auch wirthschastlich einander durch einen Zoll-Verband näher zu bringen, hat unläugbar etwas Bestechendes an sich, aber seiner Verwirklichung stehen znr Zeit noch so viele practische Bedenken entgegen, daß die erträumte deutsch-österreichische Zollunion eben nur ein schöner Gedanke bleiben wird.

In London ist unter den Schiffsarbeitern eine neue Strikebewegung ausgebrochen. Die Lichterschiffer begannen am Montag einen Massen-Ausstand, infolge eines Zerwürfnisses mit den Arbeitgebern bezüglich der Auslegung des Schieds­spruches Lord Brasseys.

In der serbischen Sknpschtina wurde am Dienstag das Budget vorgelegt. Dasselbemacht einen sehr günstigen Eindruck, zumal, weil es zum ersten Mal einen genauen Einblick in die serbischen Finanzen gestattet.

Der Prinz von Wales hat Egypten, wohin er sich von den Athener Hochzeitsfeierlichkeiten aus zur Jnspicirung der englischen Occupationstruppen begab, wieder verlassen. All­gemein betrachtet man den Besuch des englischen Thronfol­

gers am Nil als eine Demonstration Englands gegenüber Frankreich.

Der brutsche Kaiser in Konstantinopel.

(Verspätet).

Konstantinopel, 5. November. Gestern Abend war beim Sultan Diner in intimem Circel, sodann wohnte Ihre Majestät die Kaiserin in Begleitung der Gemahlin des Bot­schafters v. Radowitz und anderer Damen einem Feste im Harem des Sultans bei und verblieb daselbst bis 1 Uhr Nachts. Heute Morgen fuhr Se. Majestät in einem Kaik zum Schlosse Begler Beg, wo im Jahre 1869 weiland Kaiser Friedrich als Kronprinz gewohnt hatte. Auf dem Wege nach Skutari genoß Seine Majestät vom Berge Cham- lindja aus die herrliche Aussicht und stieg sodann nach Haider Pascha, dem Ausgangspunkte der anatolischen Bahnen hinunter. Von hier aus besuchte Seine Majestät der Kaiser zu Schiffe das Schloß der Sieben Thürme und machte sodann einen Spazier­gang um die alte Stadtmauer, welchen Allerhöchstderselbe am gestrigen Tage wegen der Besichtigung einiger militärischer Anstalten verschoben hatte. Seine Majestät der Kaiser Wil­helm ist von dem hiesigen Aufenthalte entzückt und spricht in Ausdrücken höchster Befriedigung über die unvergleichliche Gastfreundschaft des Sultans. Ihre Majestäten tauschten gestern Abend mit dem Sultan kostbare Geschenke. Der Sultan überreichte Seiner Majestät dem Kaiser verschiedene werthvolle Erzeugnisse orientalischen Kunstfleißes: gestrickte Stoffe, Möbel mit Mosaikverzierung, ein mit Edelsteinen ausgelegtes Schreibzeug,- Ihrer Majestät der Kaiserin wid­mete der Sultan ein herrliches Collier. Seine Majestät der Kaiser hat an nachstehende hervorragende Personen Orden verliehen: dem Generaladjutanten Marschall Gharzi Osman Pascha das Großkreuz des Rothen Adlerordens, dem Minister der Civilliste Agob Pascha Kasasjan, dem ersten Secretär des Sultans und Sureya Pascha und dem Marine­minister Hassan Pascha den Rothen Adlerorden erster Klasse und dem Präfekten von Pera, Blaque, den Kronenorden erster Klasse, General Strecker Pascha, der Minister des Innern Munir Pascha und der Generaladjutant Ali Nizami Pascha, welche bereits hohe Orden besitzen, erhielten von Seiner Majestät dem Kaiser mit Brillanten besetzte Tabatieren. Außerdem wurden die dem Dienste Seiner Majestät attachirten Persönlichkeiten durch ihrem Range angemessene Ordens­verleihungen ausgezeichnet. Sowohl vor wie nach den per­sönlichen Besprechungen der beiden Monarchen haben Unter­redungen stattgefunden, zu denen der Staatssecretär des Auswärtigen, Graf Bismarck, und der Minister des Aeußeren, Said Pascha, zugezogen wurden. Beim gestrigen Diner überreichte Seine Majestät der Kaiser Wilhelm dem Sultan die Kette des Großcomthurs des Königl. Hausordens von Hohenzollern und legte demselben die Kette persönlich um den Hals. Der Sultan war durch diese Auszeichnung aus das Höchste erfreut. Nach den bis jetzt getroffenen Be­stimmungen werden Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin am Mittwoch die Rückreise nach Venedig antreten. Das kaiserliche Gefolge begibt sich per Bahn nach Berlin zurück. Der Staatsminister Graf Bismarck beabsichtigt, aus der Rückfahrt einen kurzen Aufenthalt in Pest zu nehmen.

Konstantinopel, 6. November. Nach einer Morgen- spazierfahrt stattete der Kaiser dem Sultan seinen Abschieds­besuch ab. Um 11 ^2 Uhr holte der Sultan die Herrschaften zu der Fahrt nach Dolmabagdsche ab, woselbst die Würden­träger, das Gesandtschaftspersonal re. harrten. Bei dem Dejeuner für 50 Gedecke saß der Kaiser zur Linken, die Kaiserin und Prinz Heinrich zur Rechten des Sultans, welcher große Uniform und die Kette des Hohenzollernordens, sowie den Stern des schwarzen Adlers angelegt hatte. Das Kaiserpaar unterhielt sich lebhaft und verweilte später eine halbe Stunde im Kaffeesaal. Inzwischen versammelten sich die Würdenträger auf der zum Bosporus sührenden Treppe, worauf wenige Minuten vor Zwei die Fürstlichkeiten unter dem Vortritt des Ceremouienmeisters Numir erschienen. Der Sultan führte die Kaiserin, der Kaiser hatte Husarenunisorm angelegt. Das Kaiserpaar verabschiedete sich warm von dem Großvezier und dem Minister des Aeußeren und sprach seine Befriedigung über den Aufenthalt aus. In derselben Weise verabschiedeten sich die Herrschaften von den per Bahn Reisenden und dem Gefolge und bestiegen darauf nach huld­vollem Abschiede von der Familie Radowitz zwischen einem Spalier der Leibgarde die Landungstreppe. Die deutschen und türkischen Schiffe feuerten Salutschüsse ab. Der Ab­schied des Sultans von den Herrschaften war sehr herzlich. Der Kaiser sagte, er werde den Aufenthalt in Konstantinopel nie vergessen und wiederholte diese Worte mehrmals, indem er

dem Sultan die Hände schüttelte, welcher in gleichem Sinne dankte. Nach wiederholter Begrüßung des Gefolges und der Würdenträger begab sich die Kaiserin auf dieHohenzollern", der Kaiser und Prinz Heinrich auf denKaiser". Der Sultan kehrte ins Dildizpalais zurück und verabschiedete sich huldvoll von Gras Herbert Bismarck, welchem er Grüße für den Reichskanzler aufgab. Gegen 2 Uhr verließen die deutschen Schiffe den Bosporus. Ein Theil deS Gefolges trifft das Kaiserpaar in Venedig wieder, während Graf Bis­marck wahrscheinlich in Pest und Wien sich aufhalten wird.

Deutscher Reich.

Berlin, 5. November. Der Budgetcommission theilte der Staatssecretär v. Bötticher mit, die Arbeiten am neuen ReichstagSgcbäude würden sehr energisch gefördert, so daß das Haus im Jahre 1892 bezogen werden könne. Die hierfür bewilligten Mittel würden ausreichen. Der Etat für das Reichsamt des Innern wurde darauf bewilligt. Bei der Berathung der Etats der Reichspost und Telegraphen erklärte der Staatssecretär v. Stephan, er würde die gewünschte Herabsetzung des Portos der Doppelbriefe gern eintteten lassen, wenn dadurch nicht ein zu bedeutender Ausfall zu er­warten wäre. Hierauf wurden die Einnahmen des Etats genehmigt.

Die Ael testen der Berliner Kaufmann­schaft haben zur Gesammtvertretung der Interessen deS Handels mit Colonialwaaren (ausgenommen Getreide, Hülsen­früchte und Mehl) eine ständige Deputation von 15 Mit­gliedern, darunter mindestens 5 Detailhändler und ein Depu- tirtcr des Aeltesten - Collegiums, errichtet; als Letzterer ist Commercicnrath Sobernheim bestimmt.

Deutscher Reichstag.

9. Plenarsitzung. Mittwoch den 6. November 1889, 1 Uhr.

Haus und Tribünen sind mäßig besetzt.

Am Bundesrathstische: Dr. v. Boettich er, Herr- surth u. A.

Das Haus tritt in die Tagesordnung ein: Fortsetzung der ersten Berathung des Socialistengesetzes.

Abg. Or. Hartmann (cons.): Ein größerer Wirrwarr der Gedanken als in der gestrigen Rede des Abg. Liebknecht ist selten hier zum Ausdruck gekommen. Die Attentate waren nicht Ursache, sondern Anlaß des Socialistengesetzes,- sie gleichen dem Blitze, der dem ruhigen Wanderer plötzlich einen gähnenden Abgrund erkennen lassen. Die Socialdemokratie hatte es zu einer cynischen Verhöhnung von Gesetz und Recht gebracht. Die Socialdemokratie umfaßt auch nicht die Blüthe der deutschen Arbeiter, sondern eine verschwindende Minder­heit derselben, die nur dadurch Bedeutung erlangt, daß sie in den großen Städten sestorganisirt ist. Nach der Haltung der Socialdemokratie könnte man sich darauf beschränken, das Gesetz einfach zu verlängern. Als ausschließliche Vertreter "bet Arbeiter aufzutreten haben die Socialdemokraten kein Recht, der Reichstag hat genug für die Arbeiter gethan, ohne daß die Socialdemokratie dabei mitgeholfen hätte. Der Arbeiterstand verdankt seine politische Gleichberechtigung dem Königthum. Die Forderung Reichenspergers nach einem Ausnahmegesetz gegen die Arbeitgeber war zwar nicht ganz roth, aber stark rosig. Meine Partei ist für ein dauerndes Specialgesetz. Das Gesetz wird eine bessere Wirkung haben, wenn man weiß, daß es immer vorhanden ist, wenn man eS gebraucht. Ob die Socialdemokraten besser wegkommen, wenn das Reichsgericht an die Stelle der Beschwerdecommission tritt, möchte ich bezweifeln- ich wünsche im Interesse des Reichsgerichts nicht, daß es mit dieser Sache zu thun be­komme. Die Regierung wünscht die bisherigen Vollmachten nicht in ihrem bisherigen Umfange und wir haben deshalb keinen Grund, ihr diese Vollmachten aufzudrängen. Eine Freude, ein Vergnügen ist es nicht, an diesem Gesetz mir- zuhelfen, aber wir werden mithelfen ohne Murren und un­erschrocken. (Bravo! rechts.)

Minister des Innern Herrfurth: Den Beifall der Socialdcmokratie würde man nur finden, wenn man nicht bloß das Socialistengesetz, sondern auch das ganze Strafgesetz aufhebt. Wir hören ja oft genug, daß die letzten Ziele dieser Partei nur auf dem Wege des Umsturzes zu erreichen sind und daß Alles, was besteht, werth ist, daß es zu Grunde gebt. Man hört J)as ja bei einer gelegentlichen Heerschau, die von den Herren abgehalten wird. Hier schlagen Sie eine mildere Tonart an. Ich behaupte aber, daß Sie nicht ein­mal berechtigt sind, im Namen aller Socialdemokraten zu sprechen. Ihren Zielen gegenüber befindet sich die Gesellschaft in einem Zustande der Nothwehr. Auf die Behauptung von den