die Schichten in Westphalen die kürzesten sind, ift richtig, aber nirgends wird so scharf in den Gruben gearbeitet, wie in Westphalen. Die Hauptursache des Strikes war die schlechte Behandlung der Grubenarbeiter, die Lohnfrage kam erst in zweiter Linie in Betracht. Die Bergwerksactien waren vor dem Strike um 30, 40 und 50pCt. in die Höhe gegangen und die Arbeiter hielten sich nun allerdings berechtigt, auch eine Lohnerhöhung zu verlangen. Den verhältnißmäßig guten Löhnen stehen die hohen Preise der Wohnung und Lebensmittel im Bergwerks-Revier gegenüber, so daß ein Bergarbeiter bei 4 Mk. täglichem Verdienst nichts erübrigen kann, wenn er Familie hat, ja noch Noth leiden muß. Noch heute halten die Grubenbesitzer eine Sperre aufrecht gegen gewisse Arbeiter, die beim Strike betheiligt waren. Diese Arbeiter bekommen nicht nur nirgends Arbeit, sondern verlieren auch ihre Jnvalidenpension. Man sollte doch ein Einsehen haben und ernstlicher daran denken, zum Frieden zu gelangen. Durch Arbeiterausschüsse könnte ein besseres Verhältnis angebahnt werden, aber davon wollen die Grubenbesitzer ja nichts wissen. Dazu komme, daß das Oberbergamt zu Dortmund das Vertrauen der Arbeiter vernichtet habe. Gelinge es jetzt wirklich, die Arbeiter zu unterdrücken, so werde der Kamps bald wieder um so heftiger entbrennen. Mögen die Arbeitgeber etwas nachgeben, damit wir bald dauernde friedliche Zustände bekommen.
Abg. Dr. Hammacher (natl.): Der Reichstag wird hier zum Gerichtshöfe über eine wichtige Sache berufen. Die Resultate der stattgehabten Enquete liegen der preußischen Regierung vor; leider hat diese bisher es nicht für nöthig gehalten, diese Resultate zu veröffentlichen. Die hier gehaltenen- Reden entscheiden vielleicht über das Schicksal des deutschen Bergbaues. Die „Westphälische Volkszeitung" hat an Aufhetzung während des Strikes mehr geleistet als irgend ein anderes Blatt. Der Redacteur Fußangel ist bereits auf dem Würzburger Katholiken-Congresse von den Ultramontanen desavouirt worden, weil er sich dort Ungehörigkeiten erlaubte, heute hat er für sein Blatt einen Sitzredacteur bestellt, unter dessen Namen das Blatt weiterhetzt.' Ich nehme keinen Anstand, zu erklären, daß die Herren Schmidt-Elberfeld und Baumbach sich sehr verdient gemacht haben um die Beilegung des Strikes. Doch waren die Andeutungen über die prin- cipielle Stellung der Arbeitgeber nicht richtig. Es ist auch nicht richtig, daß die Arbeitgeber ihre Ansicht gegen Arbeiterausschüsse gebildet hätten, nachdem sie erfahren, daß der Reichskanzler diese Ausschüsse nicht wollte. Die Arbeitgeber haben ihren principiellen Standpunkt, mit den Arbeitern nicht verhandeln zu wollen, aufgegeben und sich auf den Boden des Berliner Protocolls gestellt, obwohl dasselbe .bei ihnen vielfach keinen Anklang sand. Die Arbeitgeber faßten ihre Beschlüsse, in Bochum erklärten sich die Arbeiter-Vertreter mit diesen Beschlüssen einverstanden und es sollte an einem bestimmten Tage die Arbeit überall wieder ausgenommen werden. Dies geschah nicht, vielmehr erließen die Arbeiter eine Proclamation, es seien die Versprechungen der Zechen nicht gehalten und verweigerten die Arbeit. Bei einer genaueren Untersuchung dieser angeblichen Fälle erwies sich keiner als begründet und selbst die Arbeiterführer müssen anerkennen, daß sie an Stelle der Beamten vielleicht noch strenger gehandelt hätten. Bei 150 Betrieben kann nicht jeder Posten mit vollkommenen, sittlich durchgebildeten Menschen besetzt sein. Unfreundlichkeit und Ungezogenheiten sind auf beiden Seiten vorgekommen, aber so schlimm wie in Schlesien waren die Verhältnisse in Westphalen nicht. Der Bergbau hat eine schwere wirthschaftliche Krise durchgemacht. Der Strike hat die Frage aufgeworfen, ob das patriarchalische Verhältniß zwischen Arbeiter und Arbeitgeber fortbestehen oder eine neue Form dieses Arbeitsverhältnisses gefunden werden muß. Am Ende des 19. Jahrhunderts wird man die Arbeiter als gleichberechtigt mit den Arbeitgebern anerkennen müssen. Ein freundliches Wort des Unternehmers vermag viel. Aber ich würde mich schämen, wenn die elenden Carrieaturen wahr wären, die man gestern hier von den Arbeitgebern entworfen hat. (Der Präsident rügt den Ausdruck, daß von Mitgliedern des Hauses elende Carrieaturen gezeichnet würden.) Mögen die Arbeitgeber sich bemühen, gemeinschaftlich mit den Arbeitern neue Formen zu finden zu einem Verhältniß der beiden
treiben, mouopolisiren in den östlichen Staaten die Wäschereien. Obwohl in Schrift und Wort gegen die langbezopften Söhne des Reiches der Mitte geeifert wird, so wissen sie sich doch immer mehr sestzusetzen. An allen Orten und Enden wachsen chinesische Wäschereien wie Pilze aus der Erde. Tüncharbeiten werden säst ausschließlich von Farbigen besorgt, welche ebenfalls das Reinigen von Schornsteinen besorgen. Die irische Nation wird am zahlreichsten unter den Bauhandlangern an- getroffen, wo nur wenige Deutsche vorgcsunden werden können. Das Stiefelputzen aus den Straßen wird fast ausschließlich von italienischen Knaben besorgt, und auf diese Weise geht es schließlich ad Infinitum weiter. Unsere deutschen Landsleute behalten die Gewohnheiten und Gebräuche, welche sie von drüben mit herüber brachten, bei und betreiben einen Parti- eularismus im Lande, wie er schlimmer nicht zu Zeiten des deutschen Reiches, als dasselbe noch aus unzähligen kleinen Ländern und Ländchen bestand, vorhanden war. Dieser Particularismus äußert sich besonders iif dem Feiern von Festen jeder beliebigen Art und bei der Gründung von Vereinen. Da gibt es hessische, bayerische, badische, pfälzische, plattdeutsche, schwäbische, thüringische u. s. w. Krankenunterstützungsvereine. Jeder Verein hält natürlich 'alljährlich ein Sommerfest, einen Ball, eine Excursion zu Wasser oder zu Lande und was es der Feste noch mehr gibt, ab. Von den Dialecten, die der Besucher da zu hören bekommt, ist ein jeder unverfälscht, ja, es wird sogar etwas darin gesucht, denselben so rein als möglich sprechen zu können.
Theile gegeneinander. Die Aufgabe ist eine ernste, man versäume sie nicht. Discite moniti!
Staatssecretär Dr. v. Boetticher: Die Debatte gab den verbündeten Regierungen gar keinen Anlaß, sich zu betheiligen. Zu Jnitiativ-Anträgen muß zunächst der Bundesrath Stellung nehmen. Was die Enquete anbetrifft, so ist dieselbe noch gar nicht beendet. Aber der Ernst, mit dem die Enquete begonnen, bürgt dafür, daß das Ergebniß der- elben kein negatives sein wird. Darum festina lente. Daß der Frieden hergestellt wird, kann Niemand mehr wünschen, als die verbündeten Regierungen.
Abg. Dr. Windthorst lCtr.): DaS festina lente ist nicht am Platze, wo Gewalt droht. Da hätte sofort ein Special-Commissar entsendet werden müssen. Die Sache ist die wichtigste, welche bisher den Reichstag beschäftigt hat und wenn wir bei dieser Sache nicht fleißiger sind, dann werden wir unser ganzes Ansehen im Lande verlieren. Die Erörterung der Sache ist nicht vorzeitig, sie wird beruhigend wirken. Die Arbeiter setzen ihre ganze Hoffnung auf das ihnen vom Kaiser gegebene Wort und es ist zu hoffen, daß der Kaiser sein Wort einlösen werde. Daß die Thätigkeit der Presse den Strike verschuldet habe, ist nicht nachgewiesen. Die Arbeiter sollen nie vergessen, daß sie nur gemeinsam mit den Arbeitgebern etwas erreichen können, niemals aber durch Kampf und Lärm. Es macht fast den Eindruck, als ob Herr Hammacher und die Nationalliberalen das Bedürfniß hätten, ein wenig Culturkampf in die Sache hineinzuziehen. Die Arbeitgeber in Westphalen mögen die Sperre aufheben, sonst sind schlimme Dinge zu befürchten. In Schlesien sind die Dinge geregelt, Dank der Einwirkung der Arbeitgeber, in Westfalen ist es nicht der Fall. Lasse man dem Arbeiter bei den Wahlen seine Freiheit, gebe man ihm die Orden zurück. Beim Culturkampf hat man die Unzufriedenheit der Leute aufs Höchste gesteigert. Die Arbeitgeber mögen deshalb zur Nachgiebigkeit gemahnt sein- die Arbeiter aber mögen! sich vor jeder Ge- waltthätigkeit hüten.
Abg. Haarmann (nL): Die Hauptpersonen beim Strike waren unreife Bursche und für das Bild, welches der Abg. Frohme gestern von den Bergarbeitern entworfen, werden diese sich am wenigsten bedanken. Die Hauptsache bei dem Strike war die Lohnfrage und lediglich um einen höheren Lohn zu erzielen, wurde die Bewegung mit einem Contraetbruch begonnen. Dazu war es nöthig, den Grubenbesitzern alle möglichen Untugenden Vorzuwersen. Der Antrag, der hier zur Discussion steht, ist ganz unbegründet, denn auch die Reichsgewerbeordnung läßt es zu, daß der Arbeiter bei seinem Abgänge ein Zeugniß verlangen kann. Auch enthält das preußische Berggesetz, welches die Vorlegung der Abkehrscheine verlangt, allerdings eine Ausnahmebestimmung, aber nicht zu Ungunsten der Arbeiter, sondern zu deren Gunsten. Es ist auch bisher von Seiten der Arbeiter nicht eine einzige Petition cingelaufen zur Unterstützung des Antrages Barth. Daß die Arbeitgeber es an dem guten Willen,, Frieden herzustellen, nicht fehlen lassen werden, daran ist nicht zu zweifeln.
Die Debatte wird geschlossen.
Das Schlußwort nimmmt für die Antragsteller der
Abg. Dr. Baumbach (dsr.): Daß durch diesen Antrag dem Hause Gelegenheit gegeben wurde, die Strike-Angelegen- heiten zu erörtern, ist ein Verdienst, das die deutschsreisinnige Partei für sich in Anspruch nehmen darf. Soeben geht eine Depesche ein, wonach am Samstag eine große Bergarbeiter- Versammlung stattfindet, um über einen neuen Strike zur Beseitigung der Sperre zu beschließen. Es wäre vielleicht gut gewesen, wenn man sich hier entschiedener über die Sperre geäußert hätte. Der Abkehrschein leidet an dem Uebel, das die Einführung des obligatorischen Arbeitsbuches hauptsächlich verhindert hat, es ermöglicht die Anbringung geheimer Zeichen. Aus diesem Grunde ist es für die Bergarbeiter ebenso schädlich, wie für andere Arbeiter. Den Arbeitgebern ertheilt Redner den Rath, sich ihren Arbeitern gegenüber nicht so sehr aus den Standpunkt des vornehmen Mannes zu stellen.
Damit ist der Antrag in erster Lesung erledigt und kommt, da eine Commissionsberathung nicht beliebt ist, demnächst zur zweiten Lesung vor das Plenum.
Das Haus vertagt sich. Nächste Sitzung: Donnerstag 12 Uhr: Etat (Eisenbahnen). — Schluß 5]/4 Uhr.
Neueste Nachrichten.
Wolffs telegraphisches Correspondcnz-Bureau.
Berlin, 4.Dec. Den „Berl.Pol.Nachr." zufolge dürfte demnächst ein neues Regulativ über den zoll- oder steueramtlichen Verschluß derjenigen Schiffe, welche den Rhein und seine Nebenflüsse befahren, erlassen werden.
Berlin, 4. Dec. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht, daß der Bundesrath am 14. November beschlossen habe, der Kamerun er Land-und Plantagen-Gesellschaft die Fähigkeit beizulegen, Rechte am Eigenthum und andere dingliche Rechte an Grundstücken zu erwerben, Verbindlichkeiten einzugehen rc. Nach einem gleichfalls veröffentlichten Auszuge aus dem Gesellschaftsvertrage sind Mitglieder der Gesellschaft, die persönlich haftenden Gesellschafter und Commanditisten der früheren Kameruner Land- und Plantagen-Gesellschaft Wörmann, Thvr- mählen & Comp., die zusammen 280,000 Mark Antheile erwarben. Das Vermögen der früheren Gesellschaft geht mit allen Rechten und Pflichten auf die gegenwärtige über.
Deffau, 4. Dec. Der Kaiser wurde heute Mittag bei seiner Ankunft am Bahnhofe von dem Herzog und der Herzogin empfangen und theilte unter dem Ausdruck seines Bedauerns mit, daß die Kaiserin durch eine leichte Unpäßlichkeit abgehalten worden sei, an der Fahrt theilzunehmen. Nachdem die Ehren-Compagnie abgeschritten war und dieselbe defilirt hatte, wurde die Fahrt in die geschmückte Stadt angetreten. Eine prächtige Ehrenpforte war am Kriegerdenkmal errichtet und dort 30 Jungfrauen aufgestellt, welche dem
Kaiser Blumen überreichten. Oberbürgermeister Funk hielt eine Anrede, worin er sagte, daß die Hohenzollern Dessau oft besucht, daß die anhaltischen Fürsten die Geschicke Dessaus und Anhalts enge an Preußen geknüpft hätten und daß sie den besten Ueberlieferungen ihres Hauses gefolgt wären, als sie das Land dem neuen Reiche anfügten. Seit dieses erstanden, habe sich Dessau aus kleinen Verhältnissen zu einer Industriestadt entwickelt. Für die Fürsorge des Kaisers für die Verbesserung der Lage der Arbeiter und die Erhaltung des Weltfriedens müsse daher Dessau als Stadt der gewerb- fleißigen Arbeit dankbar sein. Darum schalle auch dem Monarchen aus vollem Herzen der Jubel der Bewohner entgegen, die in guten und bösen Tagen zu Kaiser und Reich stehen würden. Nach dem Aufenthalt im Schlosse wurde eine Umfahrt durch die Stadt angetreten.
Bern, 4. December. In der heutigen Sitzung des Nationalraths antwortete der Bundesrath Droz auf die Anfrage des Nationalraths Müller in Betreff der Aeußerung des Staatsfecretärs Grafen Herbert Bismarck im Reichstag über die Bundesgenossenfchaft der Schweiz im Kampf gegen die socialistifchen Bestrebungen und gegen die Verfolgungen der deutschen Socialdemokratie in der Schweiz: Er habe aus dem vom stenographischen Bureau des Reichstags mit- getheilten Wortlaut der Rede des Grafen Herbert Bismarck den Sinn nicht herausfinden können, daß zwischen beiden Staaten Vereinbarungen zum Zweck eines gemeinschaftlichen Vorgehens gegen die Bestrebungen der Socialdemokratie bereits getroffen seien oder im Begriffe seien getroffen zu werden. Die Note vom 10. Juli d. I. fei das letzte Wort der schweizerischen Negierung in dieser Angelegenheit gewesen. Seitdem habe sich bezüglich der Fragen, welche Gegenstand der Verhandlung waren, nichts Weiteres zugetragen. Insbesondere seien noch keine Schritte zur Erneuerung des Niederlassungs-Vertrages gethan worden und man gewärtige nun, was in dieser Richtung geschehen werde. Es gereiche ihm übrigens zur Befriedigung, im Allgemeinen constatiren zu können, daß die Beziehungen der Schweiz zu Deutschland wiederum dieselben geworden seien, wie sie früher vor dem Zwischenfall gewesen. Nationalrath Müller dankte für diese Aufklärungen und constatirte, daß die Schweiz stets bereit sei, ihre internationalen Pflichten gewissenhaft zu erfüllen, und daß sie fest entschlossen sei, mit Niemand einen Bund oder eine Bundesgenossenschaft behufs Unterdrückung von politischen Gedanken oder Bestrebungen einzugehen. Damit ist der Zwischenfall erledigt.
Paris, 4. December. Dem „Journal des Debats" zufolge hat der Marineminister im Einverständniß mit dem Minister des Aeußeren beschlossen, ein Kriegsschiff nach Brasilien zu schicken. Die „Debats" sprechen sich gegen diesen Beschluß als vollständig unnütz aus, derselbe wäre nur geeignet, die bestehenden guten Beziehungen zu Brasilien zu beeinträchtigen.
Paris, 4. December. Dem Arbeitsminister ist gestern das Gesuch einer englischen Gesellschaft um Ertheilung der Concessiou zum Bau einer Brücke über den Canal zugegangen.
London, 4. December. Wiej dem „Standard" aus Shanghai telegraphirt wird, ist in Wienhien (Provinz Shan- tung) während einer Theatervorstellung eine Zuschauertribüne z usamm en gestürzt, wobei gegen 200 Personen das Leben einbüßten.
Bristol, 4. December. Der Ausstand der hiesigen Dockarbeiter ist durch Vermittelung beigelegt worden.
Brüssel, 4. December. Deputirtenkammer. Bara weist in längerer Auseinandersetzung alle dem abgesetzten Chef der Polizei, de Rassa, zur Last gelegten Beschwerden zurück. Derselbe habe gar feinen Anlaß gehabt, der Regierung unvollständige Berichte zu liefern. Die Regierung ihrerseits habe dagegen amtliche Actenstücke, welche ein grelles Licht aus die ganze Angelegenheit geworfen hätten, verborgen gehalten. Bara bestreitet dem Parquet das Recht, sich in das Verhalten eines ministeriellen Beamten einzumischen und sagt, der Minister habe Rache geübt und die Rechte der Kammer begehe eine Ungerechtigkeit, wenn sie _ das Ministerium in Schutz nehme. Der Justizminister verliest hierauf einen Bries des General-Proenrators van Schoor, in welchem dieser die ganze Verantwortlichkeit für die Angelegenheit für sich in Anspruch nimmt und den Wunsch ausspricht, daß dieser seine Erklärung in der Kammer verlesen werde. Der Minister fügt hinzu, die Rechte der Kammer und das Parquet sind durch die Ehre mit dem Ministerium verbunden. „Wir sind nicht früher eingeschritten, weil wir volles Licht in die Sache bringen wollten". Der Justizminister erklärte schließlich, der Chef der öffentlichen Sicherheit habe kein Recht gehabt, sich der Staatsarchive zu bedienen; die betr. Actenstücke feien gefälscht gewesen. Die Sitzung wurde darauf auf morgen vertagt. An den Eingängen der Kammer hatte sich eine immer zunehmende Menschenmenge angesammelt, doch kam es zu keiner erheblicheren Kundgebung. Die angrenzenden Straßen waren von starken Polizeimannschafteu besetzt..
Alexandrien, 4. December. Die egyptische Regierung hat den Dampfer „Mansouah" nach Zanzibar geschickt, nm Stanley und Emin Pascha abzuholen.
Berlin, 5. December. Wie der „Kreuzztg." aus Dessau gemeldet wird, erwiderte bei der gestrigen Hoftafel der Kaiser den Toast des Herzogs; mit herzlichem Danke betrete er Anhalt, es sei das Land, zu dem Brandenburg-Preußen die ältesten Beziehungen habe, hätte doch das Askanierhaus glorreich in der Mark regiert und dort den Grund gelegt, worauf die Hohenzollern weiter bauen konnten. Der Kaiser feierte ehrend das Andenken des Feldmarschalls Fürsten Leopold, des Lehrmeisters der preußischen Armee.___________
Locales rrnd provinzielles.
Gießen, 5. December.
- * Im Jnseratentheile der vorliegenden Nummer befindet
| sich eine Bekanntmachung Großh. Bürgermeisterei Gießen, in I welcher alle im Falle einer im nächsten Jahre etwa nothwendi-


