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6.11.1889 Erstes Blatt
 
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ruduptrii't). Weizen X 19,10, jafer X 14,10, Erbsen X 17,20, öarioffeln X 0,00, Linsen X 26.

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Staötrathswahl.

Allen Wählern, denen die Gleichberechtigung Aller mehr als Phrase ist und die neben den bisher vorgeschlagcnen Fabrikanten, Rentnern und Kauf­leuten auch einem Vertreter der Arbeiter und Klein­bürger ihre Stimmen geben wollen, empfehlen wir Derrn Karl Orbig, Schreiner als geeigneten Kandidaten.

Allen Arbeitern und Kleinbürgern empfehlen wir besonders für seine Wahl einzutreten. 9 02 Der Verein zur Erzielung volkstümlicher Wahlen. Stimmittel am Wahltage Mittwoch, 6 d.M, Ritterggste 17. An sämmtliche Wähler der Stadt Giessen.

Wir erlauben uns, nachstehende Männer, als geeignet, die städtischen Interessen zu vertreten, unseren Mitbürgern angelegentlichft zur Stadt- Verordnetenwahl zu empfehlen und glauben auch, das Richtige getroffen zu haben. Nach Prüfung sämmtlich aufgestellter Listen nehmen wir an, Jedem Rechnung getragen zu haben. Es ist von jedem Vereine, sowie von jeder Partei Abstand genommen und sind dies Männer, von welchen wir überzeugt sind, daß sie nur das Wohl unserer Vaterstadt im Auge haben und auch würdig sind, dasselbe überall zu vertreten. Wir bitten deshalb, nachstehenden Herren Eure Stimmen zu geben:

I*. Heiligenstädt, Fabrikant,

J. Hoch, Rentner,

A, Keller, Ortsgerichtsmann, W. Köber, Bäckermeister,

C. Wenzel, Kaufmann,

C. Haas IV., Kalkbrenner,

F. Helfrich, Oekonom,

W. Kail, Fabrikant,

C. Brück, Goldarbeiter,

W. Scaling. Kaufmann,

K. Huhn, Architekt, H. Vogt, Rentner.

8987 Diele Wähler m allen StMhkilen.

Zur Stadtverordnetenwahl.

Am Dienstag den 29. October er. fand imFrankfurter Hof" die von 70 Parteimitgliedern besuchte außerordentlicbe Generalversammlung der deutsch'freisiwligen Partei statt zwecks Besprechung über die bevor­stehenden Stadtverordnetenwahlen und behufs Aufstellung geeigneter Candidaten. Der Vorstand des Vereins präsentirte eine Liste mit 12 Herren und erklärte, daß aus der Mitte der Versammlung Vorschläge über weitere Candidaten entgegen genommen würden.

Der Vorschlag, des Vorstandes fand den Beifall der Verfammlung und gingen die nachverzeichneten, von dem Vorstand präfentirtcn Herren mit Majorität als gewählt aus der Urne hervor.

Heinr. Adami, Wilh Grünewald, Rechtsanwalt, Carl Haas, Fr. Habenicht fen., Th. Haubach, Jul. Hoch, M. Homberger, Heinr. Veib, Wilh Löber, Adolf Möhl, Richard Scheel, PH Uhl,

Es scheint sich nun den Herren des Vorstandes durch Fühlung mit wirklich frei denkenden Wählern die Ueberzeugung aufgedrängt zu haben, daß man bei Ausstellung der Candidaten zu sehr im Parteiinteresse vor­gegangen und deshalb auf einen Erfolg bei der Wahl nicht zu rechnen sei, man müsse, wenn auch mit Minoritäten, andere politische und Bezirksvereine bedenken.

Da einige der gewählten Herren die Annahnie einer Candidatur ob sämmtlich ganz freiwillig und ohne Zwang, mag dahingestellt sein ablehnten, war der Weg gefunden, auf dem man, ohne sich zu schaden, weiter schreiten konnte.

Es wurde seilens des Vorstandes eine weitere außerordentliche Generalversammlung aus Sonntag den 3. ds. Mts., Nachmittags 5 Uhr, ausgeschrieben und solche im Local des Herrn Feidel abgehalten. Bei Er­öffnung derselben theilte der Vorsitzende mit, daß die Herren Grünewald, Leib und Möhl sowie bedingungs­weise Herr Haas, welche Angabe bei dem Letzteren jedoch nicht der Fall war, die Annahme einer Candidatur abgelehnt hätten und daß man, da nunmehr der Wahlzettel ein ganz anderes Gesicht zeige, für nöthig gefunden habe, eine andere Candidatenliste aufzustellen, die demnächst den Mitgliedern bekannt gegeben wurde. Es stellte sich dabei heraus, daß, abgesehen von den vier Herren, die verzichtet hatten und die demzufolge nicht wieder vor- gescblagen werden konnten, man von den bei der ersten Wahl Seitens des Vorstandes vorgeschlagenen, von der Versammlung mit Majorität gewählten nur Herrn Wilh. Löber nicht wieder zum Vorschlag brachte, ohne daß derselbe auf seine Aufstellung Verzicht geleistet hatte.

Es ist nicht ganz verständlich, woher es kommen mag, daß man Jemand, den man seinen Mitbürgern als zur Wahl geeignet empfiehlt, der von den eigenen Parteigenossen mit 53 von 70 abgegebenen Stimmen gewählt wird, ohne sich mit deniselben zu verständigen, ohne jeden greifbaren Grund von der Candidatenliste absetzen kann.

Welche Gründe den Vorstand der freisinnigen Partei veranlaßt haben, in dieser Weise gegen Herrn Löber vorzugehen, das entzieht sich wenigstens jetzt noch unserem Wissen; daß aber gerade dieses Vor­gehen der Parteileitung nicht den Beifall der Wähler findet, ist man überzeugt und deshalb richtet man die Bitte an alle unbefangenen, nicht einseitiges Parteiinteresse im Auge habenden Wähler, gebet dem Vorstande der frei­sinnigen Partei die ihm gebührende Antwort auf sein Vorgehen, wählet einstimmig Herrn Wilhelm Löber, Bäckermeister.

sämmtlich Mitglieder der deutschen freisinnigen Partei, da nach Beschluß des Vorstandes Candidaten, die einer anderen oder gar keiner politischen Partei angehören, nicht ausgestellt werden sollten.

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Stadtverordneten Wahl.

Mitbürger!

Ter Tag ist da, an welchem in unsere Stadtvertretunos eine größere Anzahl Männer gewählt werden soll, die künftighin über die Geschicke unserer Stadt mit zu entscheiden hat. Nun in letzter Stunde tritt an den Wähler die ernste Pflicht heran, diejenigen Personen endgültig zu bezeichnen, welchen er seine Stimme geben will.

Angesichts der vielen Wahlvorschläge gilt es: Prüfet, und behaltet die Besten!"

Prüfen soll der Wähler, ob die Candidaten besitzen, was man für ein solches Amt fordern muß:die nöthigen Kennt­nisse, eine unabhängige Stellung, ein sicheres, praktisches Urtheil, und vollständige Unabhängigkeit von politischen Parteien!"

Bei letzterem Punkt ist es Pflicht des Wählers, die Augen besonders offen zu halten. Denn wenn man in die großen Versammlungen politischer Parteien hereinsieht, wie die Candi- daten-Listen aufgestellt, verworfen und wieder erneuert werden, wie die Zugehörigkeit zur Partei allein in den Vordergrund gestellt und nur einige Namen nicht zur Partei gehöriger Leute zur Decoration und als Lockspeise eingefügt werden, während es in der Hauptsache sich doch nur auf einen Sieg der mehr als genug die städtische Verwalttmg beherrschenden politischen Partei ankommt dann muß man dem Wähler zurufen:Nun thne erst recht die Augen auf, prüfe die Namen und lasse Dich nicht ins Schlepptau einer politischen Partei nehmen, die in eommu- nale Wahlen gar nichts drein zu reden haben sollte."

Wie einseitig solche Candidaten-Listen aufgestellt werden und wie viel politische Sonder-Interessen sich unter glatten und empfehlenden Worten verbergen, davon weiß ein in diesen Tagen viel empfohlener, sehr befähigter Stadttaths-Candidat zu erzählen, der trotzdem er zuerst mit großer Stimmenzahl vorgeschlagen war und dadurch ein zweifelloses Anrecht hatte, von dem verun­glückten ersten auf den zweiten Candidaten-Zettel vorzugsweise mit zu wandern, vom Vorstand gänzlich fallen gelassen wurde.

Cine solche absichtliche unberechtigte Zurücksetzung möge die unbefangenen Wähler erst recht veranlassen, dem Herrn

Bäckermeister Wilhelm Löber

ihre Stimmen zu geben, der doch sicherlich manchem schon oft durchgefallenen und dennoch neu aufgestellten, aber hoffentlich wieder zum Durchfall berufenen Candidaten vorzuziehcn sein dürfte, da er wohl auf allen sonstigen Wahl-Vorschlägen zu finden ist.

Wenn man dann den Bezirks-Vereinen ihre Berechtigung und einem darin vorgeschlagenen ehrenwerthen, hochgeachteten Bür­ger gewissermaßen die chrenrechtliche Befähigung absprach, wieder in den Stadtvorstand gewählt zu werden, dann wurde Einem klar' zu welchem Zweck der Redner sich dieses ihm angeblich so sauer werdenden Geschäfts unterzog, doch nur um die Gegner klein zu machen und seiner politischen Partei zum Sieg zu ver­helfen.

Der Bezirks-Verein Nord-Ost aber wird jenes unerbetenen Rathes entbehren können, denn er weiß, was er will, und schlägt seine Candidaten unverändert vor in der festen Zuversicht, daß seine nach gesünderen Grundsätzen aufgestellten Candidaten von der Wählerschaft vorzugsweise acceptirt werden und dadurch dem Wohle der Stadt besser gedient werde. Mögen auch der Stadt- theil Neustadt und der Seltersberg-Verein, sowie alle Wähler nach jenen Grundsätzen und dieser Liste wählen, dann wird man sich und der Stadt besser dienen, als mit der Vereinigung mit einer politischen Partei!__9003

Zur Nadtrathswahl.

Zu unserm Bedauern lehnt Herr I. Hanstei» int «estrigen Gießener Anzeiger eine Wiederwahl ab. Dennoch empfehlen wir allen Wählern dessen Wieder­wahl, weil derselbe sich während der 25 Jahre, in welchen er als Stadtverordneter fungirt, namentlich im Schulwesen Verdienste erworben und sich über­haupt bewährt hat und bitten Herrn H a n st e i n eine etwaige Wahl annehmen zu wollen.

8992)__________Viele Wähler.

Mitbürger!

Mit vielen Wählern, namentlich freisinnigen und solchen aus dem westlichen Ltadttheil, haben wir uns entschlossen:

an -er Wahl des Heern Rechts­anwalt Grünewald.

festzuhaltcn.

8991 Viele achte Gießener.