Das Haus schließt sich einstimmig den Anträgen des Ausschusses an, genehmigt dagegen debattenlos die anderen Gesetzesparagraphen.
Die nun folgenden Punkte finden in rascher Folge ihre Erledigung nach den Anträgen Zweiter Kammer.
Nur bei dem Anträge, der Stadt Friedberg die sogen. Seewiese käuflich zu überlasten, ergreift Graf Laubach nochmals das Wort, um der Regierung anheimzustellen, bet der Normtrung des Preises möglichst schonend zu sein, da er eine gewisse Sympathie jür die Stadt Friedberg hege und weil dieselbe durch den Verlust seiner Garnison schon geschädigt genug sei.
Mtntfterialpräsident Weber kann aber die Ansicht des Herrn Grafen nicht theilen. Die Normtrung des Kaufpreises sei nach genauen Ermittelungen geschehen und demgemäß vollständig richtig bestimmt. Ein Präjudiz dürfe man nicht schaffen, cs sei denn, daß man diese Wiese der Stadt Friedberg schenke.
Die Kammer beschließt hiernach einstimmig nach dem Antrag des Ausschusses.
Hierauf vertagt sich das Haus auf unbestimmte Zeit.
Berlin, 2. Juli. In Marinekreisen verlautet, daß der Kaiser vor der englischen Reise nicht nach Berlin zurückkehrt, sondern von den Lofoten nach Wilhelmshaven und von dort mit der ganzen Flotte nach Cowes geht. Diese Meldung der „Voss. Ztg." findet einen Anhalt in dem Bericht der „Nordd. Allgem. Ztg." über den Aufenthalt des Kaisers in Kiel, an dessen Schluß eS heißt: „Wie verlautet, geht die „Hohenzollern" nach der Rückkehr von den Lofoten direct nach Wilhelmshaven, um von hier aus mit der Manöverflotte nach England zu gehen."
Telegraphische Depeschen.
Wolff's telegr. Korrespondenz-Bureaus
Berlin, 3. Juli. Das Urtheil in dem Sensationsproceß gegen die Armee- lieferanren Wollanck und Hagemann wurde heute verkündigt. Hagemann wird mit fünf Jahren Gefängniß und fünf Jahren Ehrverlust, Wollanck mit anderthalb Jahre Gefängniß bestrast.
Berlin, 3. Juli. Den „N. Polit. N." zufolge ist an Stelle des ausscheidenden Generaidtreciors der indirecten Steuern, Hasselbach, Prooinztalsteuerdtrector Schomer zu Stettin ernannt worden.
Wien, 3. Juli. Nach der „N. Fr. Pr." ist die Fahrt des Donaumonitors „Maros" lediglich eine Uebungsfahrt, sie steht nicht mit den Vorgängen in Serbien im Zusammenhänge. Der Monitor erhielt die Instructionen für die Fahrten bereits im Mat, tr dürste im Laufe des Sommers auch hierher kommen.
Lemberg, 3. Juli. In Folge ihres Steges bet den galizischen Landtagswahlen bilden die Rulyencn nunmehr eine zur selbstständigen Antragsstellung berechtigte Fraktion. Der frühere Landtag wies keinen Bauer auf, diesmal sind deren sechs gewählt.
Trieft, 3. Juli. Eine Deputation der hiesigen italienischen Colonie überreichte gestern dem ttalienischen Generalconsul Durando eine Vertrauensadresse.
Paris, 3. Juli. Heute fand in den Gruben bei Saint Etienne eine Explosion schlagender Wetter statt; gegen 300 Bergleute waren in den Gruben eingefahren, bisher wurden zahlreiche Leichen, wenig Lebende herausgeholt. Man befürchtet, daß 200 Arbeiter umgekommen sind.
London, 3. Juli. Heute fand ein glänzender Empfang des Schahs in der Guidhall statt. Der Weg vom Bucktnghampalast nach der Guildhall war auf das Prächtigste geschmückt; die Truppen bildeten Spalier und eine ungeheure Menschenmenge war herbeigeströmt. In Beantwortung der Adresse der städischen Behörden erttgrte der Schah, er schätze die Freundschaft, Macht und Industrie Englands hoch, und hoffe, sein Besuch werde eine neue Aera zwischen England und Persien eröffnen. Der Feier wohnten der Prinz und die Prinzessin von Wales mit Söhnen, der Herzog von Cambridge, Lord Salisbury, die Minister, Botschasler und andere Nota- bilitäten bei.
London, 3. Juli. Bei dem Dejeuner zu Ehren des Schah von Persien in Guidhall sagte Lord Salisbury: „England wünsche Persien gutes Gedeihen und Stärke, es beanspruche keine ausschließlichen Vorrechte, sondern nur für sich dieselbe Handelsfreiheit, wie für andere Nationen. England erstrebe mit Persien keineswegs die Freundschaft, die zu einem Krieg oder Angriff, sondern zu Eroberungen des Handels und der Industrie für die ganze Welt führen solle.
London, 3. Juli. Das Unterhaus erledigte in der Etnzelberathung die schottische Universttätsbill. Im Lause der Debatte willigte die Regierung ein, den Testeid für die nicht theologischen Lehrstühle aufzuheben.
Brüssel, 3. Juli. Der Generalgouoerneur des Congostaates telegraphirt, daß der Dampfer „Lulealaba" von 1860 Tonnen, der am 18. Mat von Antwerpen abgegangen, den Congo aufwärts bis Matadi befahren hat. Der letztgenannte Ort werde somit als Ausgangspunkt der neuen Congobahn anzusehen sein.
Chriftiania, 3. Juli. Nach etngelaufener Meldung besucht Kaiser Wilhelm Stavanger, Bergen und Throndhjem. Die Regierung wies die Ctoil- und Mtlilär- behörden an, sich in jeder Weise zur Verfügung zu stellen. — Der Kaiser traf auf der „Hohenzollern" um IV/a Uhr Morgens in Stavanger ein und reiste ohne ans Land zu gehen, zunächst durch das Hardangerfjord nach Odda weiter. Der Kaiser erfreut sich des besten Wohlbefindens.
— Das Storthing wurde ohne Thronrede geschloffen.
Belgrad, 3. Juli. General Gruttsch ließ — laut der „Pol. Corr." — im Namen des Königs durch den Gesandten Hengelmüller dem österreichischen Kaiser die Gefühle seines lebhaften Dankes aussprechen für die ihm anläßlich seiner Salbung übersandten Versicherungen der Freundschaft. — Die Regierung berief die Truppen zurück, welche wegen der Ruhestörungen in Novibazar an der Grenze ausgestellt waren.
Belgrad, 3. Juli. Unmittelbar nach der Salbung des Königs sandte der Mtnifterpräiident Gruic zwei Telegramme an Milan und Natalie ab, in welchen er ihnen die Salbung mittheilte. Daraus trafen Beglückwünschungen von Milan und Natalie ein, ebenso von den Kaisern von Oesterreich-Ungarn und Rußland.
Bukarest, 3. Juli. Gegenüber den falschen Nachrichten, welche gewisse panslawistische Blätter in Betreff Rumäniens veröffentlichen, geißelt die „Jndependance Roumaine" diese unpassende Sprache und sagt, daß es angesichts der so großen Gewalt der russischen Censur erlaubt sei, sich über die Nachsicht derselben gegenüber diesen Blättern zu wundern, deren Tendenzen in unbedingtem Widerspruche zu der vom Petersburger Cabtnete befolgten politischen Richtung stehen; es wäre wünschenswerth, daß die Abenteurer, welche sich in Bukarest befinden und von hier aus lügnerische und Rumänien schädigende Nachrichten verbreiten, genau überwacht würden.
Vermischte 4.
Friedberg, I.Juli. Der hiesige Weißgerber Seligmann betreibt sein Geschäft in zwei etwa 10 Minuten von einander entfernten Lokalen, indem das Waschen der Felle an der Ufa, die weitere Zurichtung derselben innerhalb der Stadt ausgeführt wird. Die Steuerbehörde war nun der Ansicht, Seligmann habe für seinen in zwei räumlich getrennten Lokalen stattfindenden Geschäftsbetrieb zwei Patente zu lösen und ließ denselben, da er, gestützt auf die Erlaubnis der Bürgermeisterei, nur ein Patent gelöst hatte, wegen Gewerbesteuerdefraudation verfolgen. Das hiesige Schöffengericht sprach den Beschuldigten frei, indessen das Landgericht Gießen hob auf eingelegte Berufung der Staatsanwaltschaft das schöffengerichtliche Urtheil auf und verurteilte Seligmann wegen Gewerbesteuerdefraudation. Gegen dieses Erkenntniß erhob nun der Angeklagte Revision bet dem Oberlandesgericht zu Darmstadt und dieser oberste Gerichtshof des Großherzogthums sprach den Beschuldigten kostenlos frei, von der Ansicht ausgehend, daß es sich in vorliegendem Falle lediglich um einen Gewerbebetrieb, ausgeübt in am selben Orte befindlichen und räumlich getrennten Gewerbslocalen, handle, sonach auch nur ein Patent bei der Bürgermeisterei zu lösen sei. — Wer mehrere, einerlei ob gleichartige oder verschiedenartige Gewerbe in mehreren abgesonderten Gewerbslocalen betreibt, muß für jeden solchen Gewerbsbetrieb ein besonderes Patent lösen und jeden besonders besteuern. Wer aber nur ein Gewerbe betreibt, muß nur ein Patent lösen und muß das Gewerbe nur einmal besteuern, einerlei, ob er das Gewerbe in einem Gewerbslocal oder ob er es in mehreren ganz abgesonderten Gewerbslocalen in derselben Stadt betreibt. Diese Entscheidung unseres obersten Gerichtshofs ist sehr wichtig, denn die Steuerbehörden haben daS Gesetz seither
anders ausgelegt und es haben viele Gewerbtreibende, obgleich sie nur ein Gewerbe dennoch für jedes abgesonderte Local ein besonderes Patent gelöst und ihr Gewerbe doppelt und dreifach besteuert. Von nun an brauchen dieselben nur ein Patent zu losen und nur einmal Steuer für ihr Gewerbe zu bezahlen
, . Ze"""' 30 Juni. Seit vorgestern stellten 500 Kohlenauslader im hiesigen Hasen ihre Arbeit ein. Hauptgrund des Ausstandes ist etgenthümlicherweise nicht die Ueberhaufung, sondern der Mangel an Arbeit. Die Leute arbeiten nämlich im Accord eAne ungenügende Anzahl Wagen stellt, so können sie ihre Arbeits- krZte nicht vollständig oerwerthen. Daher der Ausstand, der in diesem Falle ein praktischer Protest gegen Wagenmangel ist. v
ZUriver stt Lis - gsrerriL.
— D" außerordentliche Professor Lic. theol. Johann Meinhold zu Greifswald ist in gleicher Eigenschaft in die evangelisch-theologische Fakultät der Universität Bonn versetzt worden. 1
LaadwtrthschaftUch« Nachricht««.
(Nachdruck verboten.)
— (Bereitung eines guten Johannisbeerweines.) Allen Freunden eines guten Beerenobstweines kann die Fabrikation des Johannisoeerweines nach folgender Anweisung auf das Angelegentlichste empfohlen werden, da man mit Recht von demselben, behaupten kann, daß er die Perle aller Beerenweine ist. Wenn richtig bereitet, ist er ebenso gut als der beste sranzösische Rothwein, dessen Farbe er auch zeigt. Dabei besitzt er ein vorzügliches Aroma und Bouquet und in von untadelhafter Reinheit, so daß er Kranken und Reconvalescenten dewnderS dienlich ist und niemals Kopfschmerzen verursacht. Kein Wunder also, daß die Production dieses edlen Getränkes in den letzten Sauren en°rm zugenommen hat. Wer nur etmge Johanntsbeerbüsche in seinem Garten hat, sollte nicht unterlassen, sich jährlich ein Fäßchen selbst zu bereiten. Die Sache ist gar nicht so schwierig und der Preis stellt sich, wenn man die Arbeit und den Werth, der Beeren nicht rechnet, pro Flasche auf 10 bis 20 Pfg., für welchen überaus niedrigen Preis man sich den Genuß eines sehr gesunden und wohlschmeckenden Getränkes ver- schanen kann. Die Zubereitung geschieht auf folgende Art. Die bei trockenem Wetter gepflückten ^rauben werden abgebeert, dann in großen Schüsseln mit den Händen zerdrückt; hierauf wird die Masse in ein Haartuchsieb geschüttet, so daß der Saft ab- laufen kann. Die im Siebe zurückbleibenden Treuer werden bann in einem geeigneten Gesäß mit ein wenig Wasser übergossen und bleiben zum Auslaugen an einem kühlen Orte 24 Stunden stehen, woraus sie ebenfalls abgepreßt werden. Der so gewonnene Sa t mutz nun mit einem entsprechenden Wasser- und Zuckerzusatz tn einem reinen Weinsatzchen vergahren. Aus 1 Liter Saft nimmt man 2 Liter Wasser und je nach der Starke des zu erzielenden Weines 1—2 Pfund Hutzucker. Hat man fein Wein- fätzchen zur Verfügung, fo können auch Spiritus-, Rum- und Branntweinfässer Verwendung finden, müssen aber erst mehrmals mit kochender Sodalauge ausgebrüht und mit reinem Wasser nachgespült werden. Ist das Fätzchen ganz geruchlos und rein, so bringt man den Most hinein, legt das Faß in einem Raum, wo die Temperatur 14 bis 16° R. beträgt, bedeckt das Spundloch mit einem umgekehrten Weinglase und wartet nun ruhig den Beginn der Gährung ab, die gewöhnlich in einen Tagen eintritt. Ist dieselbe in vollem Gange, so w.rd das Spundloch mit einer Gähnohre verschlossen, die man sich leicht für ein paar Pfennige selbst Herstellen kann. Die Anwendung derselben ist nöthtg, weil sonst Essigbildung eintreten würde. Hat das Zischen und Brausen im Fasse aufgehört, was tm October oder November der Fall sein wird, so füllt man das Faß mit Wein, in Ermangelung mit Zuckerwasser ganz voll, spundet es fest zu und bringt es in den kühlen Keller. Damit es stets spundooll bleibe, mutz man häufig nachfüllen, besser ist die Anwendung der Füllflasche. Im März ist der Wein völlig klar geworden, die Hefe hat sich zu Boden gesenkt und es ist nun Zeit, ihn von dem Bodensatz abzuziehen, um ihn getrennt von der Hefe in einem eigenen Fäßchen, das ebenfalls immer spundvoll gehalten werden muß, der vollkommenen Ausbildung entgegen zu führen. DaS Abfüllen geschieht mittelst einer Hebevorrichtung, dasselbe mutz aber mit großer Behutsamkeit bewerkstelligt werden, damit die Hefe nicht aufgerührt wird. Den Bodensatz gießt man durch einen Filter oder ein Tuch, damit die Hefe zurückgehalten wird. Hat man fein zweites Fätzchen zur Verfügung, so kann das Gährsaß auch als Lagerfatz dienen. Dian läßt den Wein bann klar in einen Eimer, einen glafirten Topf, aber nie in ein Metallgesätz ab, reinigt das Fatz durch Ausspülen und bringt den Wein wieder baldmöglich hinein. Das Faß muß tm kühlen Keller lagern und stets spundooll gehalten werden. Nach 6—8 Wochen ist der Wein gut ausgebildet; er wird auf Flaschen gezogen, die fest verkorkt und verlackt im Keller stehend oder liegend aufbewahrt werden. Aus diese Weise behandelt erhält man einen vorzüglichen Johannisbeerwein, der einem guten Rothwein tn nichts nachsteht, nur daß der Unterschied tm Preise ein ganz bedeutender ist, eben aus diesem Grunde ist es auch zu wünschen, daß der Johannisbeerwein weit mehr confumtrt wird, als dies bisher der Fall ist, da er viel gesünder und besser verdaulich ist, wie die billigeren französischen Rothweine.
Schiffs Nachrichten.
Bremen, 2. Juli. (Per transaUantischen Telegraph.) Der Schnelldampfer Elbe, Capt. R. Sander, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 22. Juni von Bremen und am 23. Juni von Southampton abgegangen war, ist heute 6 Ubr Morgens wohlbehalten in Newyork angekommen.
Temperatur in Gießen.
Juni 1889.
Niederste 4- 5,5 °B.
Mittlere ...... 4- 16,12 „
Mittel früherer Jahre 4- 13,12 „
Höchste 4- 26,8 „ Im Juli 1865 erreichte das Thermometer . 4- 27,5 „
Niederschlag an 11 Tagen 0,81 Par. Zoll.
„ im Mittel früherer Jahre an 14 Tagen . 2,90 „ „
Im Jahre 1865 betrug der Niederschlag nur . . 0.54 „ „
Der wärmste Juni, so lange hier beobachtet wird.
Die Roggenernte hat in den letzten 35 Jahren nicht so früh begonnen wie diesmal.
Handel und Verkehr.
Limburg, 3. Juli. (Fruchtmarkt). Rother Weizen Jü 15.75, weißer j Weizen 15 45, Korn JL 1100, Gerste 8.40, Hafer JL. 7.35, Erbsen JL 00.00; Kartoffeln JL 0.00.
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Gottesdienst btt israelitischen Keligionsgeseltschast.
Freitag Abend 7« Uhr, Samsag Vormittag 800 Uhr, Samstag Nachmittag 4oo Uhr, Samstag Abend 9n Ubr.
Wärmegrade der Lahn und der Luft
gemessen nach Reaumur am 4. Juli zwifchen 11 und 12 Uhr Mittags:
Wasser 17 Va Grad, Luft 19 Grad.
L. Ehr. Rübs am en, Turn- und Schwimmlehrer»


