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Nr. 153. Freitag den 5 Juli 1889.

Gießener Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Dureanr Schulstraße 7. Erscheint tSglich mit Ausnahme des MontagS. Ä^ährlkch2MmiMPf mitBringnloh«,

.____________________________ ________ ___________________________________________Durch die Post bezogen vtertchahrlich 2 Mark 50 Pf.

Amtlicher Tßeit.

Gießen, am 1. Juli 1889.

Betreffend: Das Landgestüt, insbesondere die Bedeckung der Stuten durch die Landgestütsbeschäler.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

arr die Grotzherzoglicheir Bürgermeistereien des Kreises.

Diejenigen von Ihnen, welche noch im Rückstand sind, werden an Erledigung unserer Verfügung vom 14. Juni l. I. mit Frist von 8 Tagen erinnert.

__v. Gagern.__

Betreffend: Maßregeln zur Unterdrückung des Milzbrandes in der Werterau Gießen, am 2. Juli 1889.

Das Grobherzogliche Kreisamt Gießen

die Großherzoglichen Bürgermeistereien Avendorf a. d. Lahn, Bellersheim, Bettenhausen. Birklar, Dorf Gill, Gber. stadt, Großen Linden, Grüningen. Holzkeim, Hungen. Inheiden, Klein Linden, Langd, Lang GönS, LangSdorf, Leihgestern, Lich, Muschenheim, Obbornhofen. Ober-Hörgern, Rabertshausen, Rodheim, Steinheim. TraiS Horloff und Utphe.

Sie werden, insoweit Sie noch im Rückstände stnd. an baldige Einsendung der in unterem Ausschreiben vorn 23. August 188U Anzeiger Rr. 201 vorgeschriebenen Tabelle nach dem unten abgedruckten Muster über Die In dem letzten halben Jahre crepirten Thiere erinnert, wobei namentlich in bet Spalte «Bemerkungen" die Angabe über die Krankheit des Thieres und die Art der Beseitigung des Cadavers nicht zu vergeben ist v. Gagern.

Tabelle

über die in der Gemeinde.....*. vom . . . 18 . . . bis......18 . . . crepirten oder gelobtsten Thiere-

Ord.- Nr.

Monat

Datum

Namen der Besitzer

Der crepirten oder Thiere

Zühl Gattung

Mdleten

Alter Jahre

Bemerku ngen über Krankheit, wenn solche durch de« Thierarzt jeftgestellt ist, sowie übet hie Art der Beseitigung der Cadaver.

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Politische Rundschau.

Gieren, 4. Juli.

Mit herzlichen Segenswünschen begleitet die gesammte deutsche Nation die zweite Nordlandsfahrt, die auch in diesem Jahre Kaiser Wilhelm nach Norwegen zum Besuche der berühmten norwegischen Küsten, der wunderbaren Lofoteninseln und des Nordkap unternommen hat. Sehr bedauert muß es werden, daß von dieser Kaiser­fahrt wahrend der Seereise selbst nur wenige Nachrichten zu uns zurück tn's Vaterland gelangen können, doch wird wohl unmittelbar nach Beendigung der Kaiserretse und wohl auch noch zum Thetl wahrend derselben eine malerische Schilderung derselben bekannt werden. Soweit die bisherigen Nachrichten reichen, passirte die kaiserliche Z)achtHohenzollern" mit dem Begleitschiff bereits am Dienstag früh die dänischen Küstengewässer und fuhr am Mittwoch durch das Kattegat und das Skagerak in die norwegischen Gewässer. Die Rückkehr des Kaisers nach Berlin wird erst am 27. Juli erwartet, es scheint daher, daß der Kaiser mit seiner gegenwärtigen Nordlandsfahrt eine Anzahl Ausflüge nach den landschaftlich berühmtesten Sehenswürdigkeiten Norwegens verbinden wird.

Auf dem Geviete der inneren Angelegenheiten herrscht schon beinahe völlige Ruhe, nur die Ausschüsse des Bundesralhes halten noch eifrig Berathungen ab, auch dürften zur Bewältigung der zahlreichen Vorlagen noch mehrere Plenarsitzungen des Bundesralhes nöthtg sein.

Die österreichischen und ungarischen Parlaments-Delegationen be­schäftigen sich in den letzten Tagen neben den Budgetarbeiten vorzugsweise mit mili­tärischen Angelegenheiten. Als wichtig heben wir daraus hervor, daß in der ungarischen Delegation der Kriegsminister erklärte, daß bis zum Frühjahre 1890 sämmtliche 13 Armeecorps mit dem neuen Repetirgewehr bewaffnet sein würden.

Nach den bis jetzt vorliegenden Ergebnissen der Landtagswahlen in Böhmen haben die Altczechen an die Jungczechen 21 Sitze verloren, also hätten die Jungczechen jetzt 27 Mandate. In den deutschen Wahlbezirken Böhmens sind alle früheren Ab­geordneten wieder gewählt worden.

Aus Petersburg wird gemeldet, daß laut kaiserlicher Verfügung an den dies­jährigen russischen Herbstmanövern kein einziger auswärtiger Mtlitär-Attachö thetl- nehmen darf.

Die scharfen Abweisungen, welche der Papst Leo im jüngsten Consistorium der Haltung der italienischen Regierung und den Urhebern des Gtordano-Bruno-Denk- males hat zu Theil werden lassen, haben in Rom eine gewisse Erregung heroorgebracht, zumal man seltsamer Weise das Gegentheil von Tadel und Rüge seitens des Papstes als Ergebniß des Eonsistoriums erwarten zu dürfen glaubte. Gerüchtweise verlautet sogar, daß im päpstlichen Consistorium die Frage der zeitweiligen Uebersiedelung des Papstes nach Spanien oder Oesterreich erwogen worden sei, um den fortwährenden ktrchenfetndltchen Demonstrationen in Rom ein Paroli zu bieten.

Die Aufregung über die Confiseation der Delagoa-Bay-Eisenbahn durch die Portugiesen hat sich in England wieder gelegt und soll im Einverständnisse mit Portugal die Affaire durch ein Schiedsgericht beglichen werden. Der erste Lord des Schatzes, Smith, legte dem Unterhause zwei Botschaften der Königin vor, worin eine Apanage für den Prinzen Albert Victor verlangt, die Verlobung der Prinzessin Louise mit dem Earl of Fife mttgetheilt und zugleich Apanage für die Prinzessin ver­

langt wird. Die Berathung darüber findet an diesem Donnerstag statt. Labouchdre meldete sich zum Wort gegen die Vorlagen.

Unter großer Begeisterung fand in Kraljewo am Dienstag die feierliche Salbung deS Königs statt. Die erste Glückwunschdepesche traf von dem österreichischen Gesandten von Hengelmüller ein, welcher im Namen des Kaisers Franz Josef Glück­wünsche und Gefühle der Freundschaft für den König Alexander ausdrückte. Bei dem Empfang des russischen Gesandten Persiani hob der Wortführer der Stadtgemeinde von Kraljewo hervor, daß das einstige Zusammenwirken der Russen und Serben für die Befreiung des serbischen Volkes stets in der Erinnerung jedes Serben lebe. Die Serben seien von Sympathien und den Gefühlen der Dankbarkeit für die mächtige russische Nation erfüllt. Der russische Gesandte drückte seine Freude darüber aus, der Salbung des aus der ruhmreichen Dynastie stammenden und von lebhaften Sympa­thien der russischen Nation begleiteten Königs beiwohnen zu können.

In der in Bern tagenden Konferenz, betreffend den Simplon-Tunnel, wurde dieser Durchstich für eines der nützlichsten Werke dieses Jahrhunderts erklärt. Der italienischen Delegation wurde übertragen, nach erfolgtem Einvernehmen mit der Schweiz durch technische Sachverständige die Trace zu bestimmen, welche den Wünschen der italienischen Regierung entspräche. Diese solle die Grundlage für die Discussion der Conferenz bilden. Die schweizerischen Delegirten behielten sich die endgültige Ent­scheidung in Betreff der Trace ausdrücklich vor.

Ein Kopenhagener Blatt läßt sich aus St. Petersburg schreiben, daß man daselbst sehr lebhaft über die Stellung Dänemarks im Kriegsfälle dtskutire. Dänemarks einzige Rettung sei der Anschluß an Rußland, da eine Übereinkunft zwischen Schweden und Deutschland getroffen sei, die sich gegen Dänemark richte. Diese russische Illu­sionen widerlegen sich erstens durch eine kürzliche Erklärung König Oskar's von Schweden, daß weder eine mündliche noch eine schriftliche Ueberetnkunft mit Deutschland bestehe, und zweitens durch die ausgezeichnet guten Beziehungen zwischen den Höfen von Kopenhagen und Berlin. In Dänemark wünscht Jedermann neutral zu bleiben. Die dänische Presse protestirt sogar gegen die Unterstellung, als sei Dänemark der natürliche Bundesgenosse Rußlands.

Darmstadt, 3. Juli. Seine Königliche Hoheit der Großherzog empfingen heute u. A. den Landgerichtspräsidenten Knorr von Gießen.

nn. Darmstadt, 3. Juli. Die Erste Kammer setzte heute Morgen ihre Berathungen fort und behandelte als ersten Gegenstand den Gesetzentwurf, die Er­richtung einer Landes-Ereditkasse betr.

Staatsminister Finger entwickelte hierbei die Gesichtspunkte, von welchen Großh. Staatsreaierung ausgegangen, um einem wenn auch nicht dringenden Bedürsniß der Credit bedürfenden ländlichen Bevölkerung abzuhelfen. Die neu zu schaffende Kasse soll nur zu landwirthschaftltchen Zwecken zur Verfügung stehen, um hierdurch eine beständige Klage der Landwirthschaft aus der Welt zu schaffen.

Seitens des Ausschusses Erster Kammer wird beantragt, entgegen den Beschlüssen Zweiter Kammer, dieser Kasse wettergehendere Rechte, als die in Art. 2 und 3 des Gesetzentwurfs bezeichneten, einzuräumen, spricht sich auch gegen eine Vereinigung der Kasse mit der Hauptstaatskaffe aus. Graf Laubach motivtrt in eingehender Weise die Gründe, welche den Ausschuß zu diesen Anträgen bewogen, und bittet das Haus, denselben zuzusttmmen.