Ausgabe 
4.5.1889
 
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Nr. 103. Samstag den 4 Mai 1889.

DUDKW Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Bureaur Schul st raße 7.

Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Amtlicher Hßeit.

Gießen, am 1. Mai 1889.

Betreffend: Die Ausführung der allgemeinen Bauordnung; hier: die Gebühren der Bezirksbauausseher und Sachverständigen für Prüfung genehmigungspflichtiger Bauten.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an dte Grotzherzogltchen Bürgermeistereien des Kreise-.

Nach dem Schlußsatz unserer Ausschreibens vom 1. August 1887 (Gießener Anzeiger Nr. 181, 2. Blatt) ist uns vierteljährlich ein Verzeichnis; über die Gebühren der Bezirksbauaufseher und Sachverständigen einzusenden, beziehungsweise zu berichten, wenn keine derartigen Gebühren erwachsen sind.

Wir sehen der Einsendung der rückständigen Auszüge für das I. Quartal d. I. binnen 14 Tagen entgegen.

v. Gagern.

Betr.: Feldbereinigung in der Gemarkung Steinbach.

Bekanntmachung.

Nachdem der Gemeinderath und eine größere Zahl bethelligter Grundeigenthümer von Steinbach die Einleitung des Verfahrens der Feldbereinigung und der Anlage von Wegen in den Baumstücken in der Gemarkung Steinbach beantragt haben, nachdem von der Grobherzoglichen Landescommrssion für Feldbereinigung das beantragte Verfahren als zulässig erachtet und der Unterzeichnete als Kommissär zur Leitung der Abstimmung bestellt worden ist, wird Tagsahrt zur Abstimmung über den gestellten Antrag auf _ , , ,

Mittwoch, 13. Mai I. I., Vormittags von 9 bis 11 Uhr, in daS Gemeindehaus zu Steinbach anberaumt und zu derselben die betheiligten Grundeigenthümer unter dem Rechtsnachtheil eingeladen, daß diejenigen, welche in dem Termin weder persönlich noch durch gehörig Bevollmächtigte abstimmen, als für den gestellten Antrag stimmend angesehen werden.

Gießen, den 23. April 1889.

Der zur Leitung der Abstimmung bestellte Kommissär.

Nebel, Großh. Amtmann.

Die Wendung in der holländisch-luxemburgischen Regentschaftsangelegenheit.

Die Weltgeschichte liebt es zuweilen, sich in heiteren Settessprüngen zu ergehen und die ernsthaftesten politischen Berechnungen und mühevollsten Erwägungen mit einem Male über den Haufen zu werfen. Diese Erscheinung zeigt sich auch wieder einmal in der überraschenden Wendung, welche die plötzliche Reconvalescenz des Königs Wilhelm von Holland für die Regentschaftsfrage in den Niederlanden und in Luxemburg be­deutet. Noch vor einigen Wochen war der Zustand des greisen Monarchen ein der­artiger, daß nach den Aussagen der behandelnden Aerzte jeden Tag das Ableben des greisen Herrschers zu befürchten stand und wenn auch dte Katastrophe nicht eintrat, |o blieb doch das Befinden des Königs ein höchst bedenkliches. Die Einsetzung der Regentschaft in Luxemburg unter Herzog Adolf von Nassau erschien deshalb vollkommen degründet und dasselbe galt für die Uebernahme der Regentschaft in Holland durch den Staatsrath, wenngleich hier diese Maßregel wegen der Verfassungsbestimmungen vorerst nur provisorischen Charakter tragen konnte. Nunmehr sollte auch in Holland die Re­gentschaft durch Proclamirung der Königin Emma zur Regentin eine definitive werden und waren zu diesem Zweck dte Generalstaaten ober Kammern für vergangenen Dienstag xu einer außerordentlichen Session einberufen worden. Anstatt jedoch dem Parlamente den Gesetzentwurf über die Regentschaft der Königin Emma vorlegen zu können, sah sich der Ministerpräsident Makay zu der ja nur erfreulichen Mtttheilung veranlaßt, Laß sich das Befinden des Königs Wilhelm stetig bessere und daß daher das Mini­sterium in Uebereinstimmung mit dem Staatsrathe der Ansicht sei, der Monarch ver­möge die Regierung wieder zu übernehmen. Da diese ministerielle Erklärung durch die gewichtige Thatsache unterstützt wurde, daß König Wilhelm selbst ausdrücklich das Aufhören der Regentschaft verlangt und erklärt hat, vom 3. Mai ab die Regierung wieder übernehmen zu wollen, so war das Parlament selbstverständlich genöthigt, der Wiederaushebung der Regentschaft zuzustimmen. Daß dtefe Vorgänge indessen die holländische Nation sonderlich tief erregen sollten, ist kaum anzunehmen, denn es tritt für sie alsdann einfach der frühere Zustand wiederum ein, daß König Wilhelm eigentlich nur seinen Namen unter die hauptsächlichsten Regierungsacte setzt, während das Mini­sterium thatsächlich die Staatsgeschäfte führt und diese verhältnißmäßlge Zurückhaltung des Königs in den eigentlichen Regierungsgeschäften hat den Holländern immer ganz besonders behagt, während sie ihn doch an der Spitze des Staatswesens auch nicht missen wollen. Etwas anders gestaltet sich aber die Aufhörung der Regentschaft für die Luxemburger, welche sich mit der Regentschaft des Herzogs Adolf schon ganz ver­traut gemacht und sich daran gewöhnt hatten, in demselben baldigst ihren Großherzog zu erblicken. Denn auch das Amt, welches Herzog Adolf als Regierungsverweser in Luxemburg ausübte, hat mit der Wtedergenesung des hölländischen Monarchen aufgehört und nicht einmal von der Ernennung des Herzogs zum Statthalter Luxemburgs ist mehr dte Rede. König Wilhelm selbst zeigte in einem Briefe, der seine persönliche Unterschrift trug, dem Herzog Adolf, zugleich demselben für dte Ausübung der Regent­schaft dankend, die Wiederübernahme der Regierung an, infolge dessen Herzog Adolf der luxemburgischen Kammer am Donnerstag die Mittheilung vom Aufhören Der Re­gentschaft machte und noch am Abend des genannten Tages mit dem Erbprinzen von Luxemburg abreifte. Gerade vier Wochen hat demnach die Regentschaft des Nassauers gedauert und deren plötzliches Ende kommt um so unerwarteter, als alle Welt überzeugt war, daß dieses Provisorium wohl baldigst dem definitiven Regierungsantritte des Herzogs Adolf als Großherzog Platz machm würde. Bei dem herzlichen Verhältniß, welches sich zwischen der luxemburgischen Bevölkerung und dem Herzog Adolf während seiner kurzen Regentschaft bereits herausgebildet hatte und den großen Hoffnungen, welche die Luxemburger auf die Regierung ihres Herzogs-Regenten setzten, werden die­selben den greisen Fürsten gewiß nur mit lebhaftem Bedauern scheiden sehen, und es bleibt noch abzuwarten, ob diese überraschende Wendung der Dinge im luxemburgischen Ländchen nicht eine gewisse Erregung Hervorrufen wird. Herzog Adolf selbst aber hat durch die Loyalität, welche er bewiesen, indem er ohne Weiteres dem König-Großherzog seinen Platz wieder räumte und seiner neuen hohen Stellung ohne Vorbehalt entsagte, sich in noch verstärktem Maße die Hochachtung der Zeitgenossen erworben und diese wird dem von so eigenthümlichen Schickungen betroffenen greisen Fürsten auch ferner sicher sein.

Darmstadt, 2.Mai. Die Abgeordneten Grünewald und Schade haben bei der zweiten Kammer den Antrag eingebracht: Dieselbe wolle an die Großherzogliche Regierung das Ersuchen richten, den Ständen eine Vorlage zu machm behufs Erbauung einer normalspurigen Sekundärbahn von Alsfeld über Kirtorf bis zur Landesgrenze auf Staatskosten. Einen ähnlichen Antrag wird der Abgeordnete Pfann stiel wegen der Erbauung der Etfenbahn von Nieder - Gemünden bis zur Landesgrenze stellen.

Telegraphische Depeschen.

Wolff'S telegr. Korrespondenz -Bureau.

Berlin, 2. Mat. Der Post zufolge wäre in der vorgestrigen Sitzung des Kronraths unter dem Vorsitz Sr. Majestät des Kaisers auch die Angelegenheit des Polizei-Jnspectors Wohlgemuth zur Besprechung gekommen.

Berlin, 2. Mai. Der Unterstaatssecretär im Finanzministerium Meinecke feierte heute sein fünfzigjähriges Dienstjubiläum. Se. Majestät der Kaiser verlieh demselben den Rothen Adlerorden erster Elaste; der Bundesrath sandte ein von allen Mitgliedern gezeichnetes Glückwunschschreiben. Der Jubllar verbrachte den Tag außer­halb Berlins.

DiePost" schreibt: Von einer neuen colonialpolitischen Vorlage, welche mehrere Blätter in Aussicht stellen, ist an maßgebender Stelle nichts bekannt.

Potsdam, 2. Mai. Der Kaiser verlieh heute Vormittag feierlichst dem ersten Bataillon des 1. Garde-Regiments z. F. eine neue Fahne. Anwesmd warm noch die Kaiserin, die drei ältesten Prinzen, die übrigen Prinzen des Königshauses, der Groß- Herzog von Hessen, zahlreiche Fürstlichkeiten, die Generalität, an deren Spitze Graf Moltke. Um 10 Uhr fand die feierliche Nagelung der Fahne im Broncesaale des Stadtschlosses statt, sodann die kirchliche Feier im Marmorsaale, wobei Feldprobst Richter die Weiherede hielt; Hofpredtger Rogge assisttrte. Dm Schluß bildete die feierliche Uebergabe der Fahne an das Bataillon durch den Kaiser mit einer Ansprache, worauf Oberst Plessm dankte. Mit einem dreimaligen Hurrah auf den Kaiser schloß der Festakt. Demselben wohnten auch die englischen und amerikanischm Delegirten zur Samoa-Eonferenz auf besondere Einladung bei.

München, 2. Mai. Das heutige Bulletin aus Hohenschwangau meldet, daß das Befinden der Königin-Mutter unverändert ist. Das Erbrechen hat nicht aufgehört, der Schwächezustand sich in gleicher Stärke erhalten. Die letzte Nacht ist jedoch ver- hältnißmäßig nicht ungünstig verlaufen.

Bremen, 2. Mai. Der- LloydpostdampferKöln", welcher am 28. April von Montevideo abgegangen war, ist am 1. Mai mit gebrochener Übertragungswelle von dem KosmosdampferMenes" nach Montevideo zurückgebracht worden.

Straßburg t. E., 2. Mai. Alle verläßlichen Nachrichten stimmen darin überein, daß nicht die geringste Veranlassung zu der Verhaftung des Polizei-Jnspectors Wohlgemuth vorlag; derselbe war nach Rheinfelden gereift, um die ihm aus der Schweiz her angebotenen Aufklärungen über im Elsaß stattfindende socialistische und andere staatsfeindliche Umtriebe zu empfangen.

Haag, 2. Mai. In der heutigen Plenarsitzung der Generalstaaten wurde ein­stimmig beschlossen, daß der in Artikel 38 der Verfassung vorgesehene Fall (Einsetzung einer Regentschaft) ausgehört habe, zu exiftiren und daß der König die Regierung wieder Übernehmen werde. Der Präsident brachte ein dreimaliges Hoch auf den König aus, in welches dte Versammlung enthusiastisch einstimmte. Gleichzeitig wurde beschlossm, eine Glückwunsch-Depesche an dm König abzusenden.

Luxemburg, 2. Mai. Das Schreiben des Königs an den Regenten ist in überaus freundschaftlichen, warmen Worten gehalten. Der König beabsichtigt, die Re­gierung des Großherzogthums an demselben Tage zu Übernehmen, wie diejenige Hollands. Die Nachricht von der Abreise des Regenten ist verftüht; der Herzog bleibt, bis die Angelegenheit erledigt ist.

Wien, 2. Mai. Heute Vormittag fanden die letzen Sitzungen der Sectionen des Katholikentages statt. Der mährische Priester Klima erklärte die Behauptung, daß die böhmischen und mährischen Priester beabsichtigten, auf dem Katholikentage die Ein­führung der slaoischen Liturgie zu beantragen, für vollständig aus der Luft gegriffen. Die Schulsectton faßte eine Resolution, in welcher es heißt, daß dte Katholiken ver-