Ausgabe 
3.11.1889 Erstes Blatt
 
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Geldgeschenk von 500 Jt. zu Theil. Außerdem wurde das Dienstmädchen von den übrigen Familienmitgliedern der Herr­schaft reichlichst beschenkt.

Aus Hoffen, 31. Octvber. Eine glückliche Gemeinde ist die Gemeinde Ginsheim a. Rh. Deren sämmtliche Orts­bürger sind letzter Tage aufgesvrdert worden, auf der Gcmeinde-Einnehmerei je 13 Mk. 50 Psg. in Empfang zu nehmen. Alljährlich gelangt nämlich dort der Erlös für ver­steigertes Holz und Waldstren aus den Gemeindewaldnngen zur Verthcilung.

/X Aus dem Ried, 31. October. Die Weißkranternte liefert in diesem Jahre nur ein mittelmäßiges Erträgniß. Der Preis, welcher dafür bezahlt wird, ist bedeutend niederer als in früheren Jahren und wurden beispielsweise auf dem letzten Mainzer Markt, der eine Hauptabsatzquelle für das Kraut bildet, für 100 Krautköpfe nur 4 Mk. bezahlt.

Das Land der Schnapskneipen ist Belgien. Es gibt in dem kleinen Lande gegenwärtig' 136,000, sage einhunderr- sechsunddreißigtansend Schnapskneipen. Daneben beläuft sich die Zahl der Schulen aus 5500. Ein edles Verhältnis;.

Richt die Sonne, sondern die Laterne hat jüngst im Danton Schwyz ein Verbrechen an den Tag gebracht. Ein Bäckergeselle griff am letzten Sonntag in Merlcschachen bei Küßnacht eine Frau an und zwang sie, ihm das Porte­monnaie zu übergeben. Um nicht verrathen zu werden, suchte er dieselbe zu erwürgen, wurde aber von einem herbei­eilenden Manne verjagt. Bei dieser Gelegenheit verlor er seinen Regenschirm. Er kehrte zurück, nm ihn zu suchen, und da es inzwischen dunkel geworden, klopfte er am Fenster eines Hauses an, um sich eine Laterne zu leihen. Zufälliger Weise hatte er just bei seinem glücklich entronnenen Opfer ungepocht und der allzu ordentliche oder übervorsichtige Ver­brecher wurde erkannt und verhaftet.

Eingesandt.

Eine auherordentlich große Zahl von Listen zur bevorstehenden Stadtverordnetenwahl ist aufgefkllt worden und eine jede der auf­stellenden Parteien empfiehlt selbstverständlich ihre Kandidaten als ganz besonders zur Wahl geeignet. Es ist mit Recht betont worden, daß man weniger auf das politische Glaubensbekenntntß der zu Wählenden sehen müsse, als auf ihre Befähigung zur Verwaltung des so wichtigen Amtes eines Stadtverordneten.

Auch hat man und wie uns scheint, ist das ein sehr wich­tiger Gesichtspunkt die Forderung aufgestellt, daß die Stadt- verordneten-Versammluvg aus Männern der verschiedensten Berufs­arten zusammengesetzt sein solle, damit die verschiedensten Interessen gleichzeitia gewahrt werden, und zugleich Sachverständige aller Be­rufe im Sladtrathe vertreten sind. Die Landwirthe Gießens haben deßhalb den Wunsch ausgesprochen, dast noch einige der ihrigen gewählr werden möchten, damit die Jntercffen der Ackerbau treibenden Bevölkerung nicht vernachlässigt werden.

Aber Gießen ist noch mehr als eine Ackerbau treibende Stadt, es ist auch Universitätsstadt, und dessen scheint sich bis jetzt noch Niemand erinnert zu baden, sonst würde auf irgend einer der vielen Liften wohl auch em Mitglied der Universität zu finden sein. Die Interessen der Stadt Gießen und ihrer Universität sind solidarisch.

Was ist also naturgemäßer, als daß die Universität im Stadt­vorstande vertreten ist! Und man werfe einmal einen Blick in die Stadtvertretungen anderer Universitätsstädte, überall wird man wenigstens ein Mitglied der Universität finden. So manche wich­tige, Stadt und Universität zugleich betreffende Angelegenheit würde dann in einfacherer und rascherer Weise als bisher ihre Erledigung, finden.

Wir sind überzeugt, daß unter den schon längere Jahre hier wohnenden und in Gießen heimisch gewordenen Universitätsmitgliedern mehr als einer geeignet fern wird, die Interessen der Stadt und der Universität zu vertreten, und daß es nur dieser Anregung bedurfte, um die Eandidatenlisten im (Sinne dieses Eingesandt zu vervoll­ständigen.

AnrvexsitLts - 2Iad$rid?tett.

Der Professor des Strafrechtes an der Wiener Universität- Salomo Mayer, hat feine Professur unter freiwilliger Verzicht­leistung auf Pensionsbemge niedergelegt. Mayer Übersiedelt nach Paris, um sich dort als Advokat für internationales Recht nicder- zulaffen.

Verkehr, Lcsnd- tinö Volksw«rthschafL.

Gießen, 2. November. [Marktbericht.^ Auf dem heutigen Wochenmartt kostete: Butter pr. Psd. l,u0-l,10, Hühnereier 1 St. 67, 2 St.. H, Enteneier 1 St. 0 2 St.

Ganseeier -H, Käse pr St. 58 H, Käsematte pr. St. 3 Erbsen pr. Liter 18 Linsen vr. Liter 30 Tauben pr. Paar vH. 0,4)0,55, Hühner pr. Stück 0,851.00, Hahnen pr. St. JL 0,50-0,60, Enten pr. Stück JL 1,401,80, Gänse pr. Pfd. 5058 H, Ochsenfteisch pr. Pfd. 6672 H, Kuh- und Rindfleisch 5660 H, Schweinefleisch 6070 Hammelfleisch 5066 Kalb­fleisch 5660 H, Kartoffeln pr. 100 Kilo vH. 3,003,50, Weißkraut pr. St. 6-9 -Zwiebeln per Centner JL 6,007,00, Milch pr. Liter 12-18 H.

Grünberg, 26. October. (Fruchtpreise). Weizen vH 19,00, Korn JL 16,2u, Gerste 14,20, Haier JL 14,20, Erbsen vH* 18,00, Samen JL 33,00, Wicken JL t 0,0b, Kartoffeln JC. 0,00, Linsen JL 30.

ArLSMg aus den SLau-esmlntseegiste^n

der Stadt Gieße«.

Aufgebote.

October: 26. Sigmund Oppenheimer, Fabrikant zu Mainz, mit Rosalie, genannt Recha Rosenthal zu Gießen. 28. Jacob Fett II., Schuhmacher zu Nieder-Weisel, mit Maria Diehl dahier. 30. Johannes Schmitt IV., Landwirth zu Winnerod, mit Elisabetha Graulich zu Bersrod. 30. Johann Georg Haber, Fußgendarm zu Darmstadt, mit Elisabetha Berk zu Lauterbach. 30. David Lion, Kaufmann zu Euskirchen, mit Johanna Wallach Hierselbst. November: 1. Georg Fischer, gebürtig von Rimbach, Kreis Lauterbach, Taglöhner dahier, mit Katharina Ringel, gebürtig von Wingershausen, wohnhaft dahier.

Eheschließungen.

October: 29. Georg Friedrich Jordan von Eschwege, Kauf­mann dahier, mit Marie Josephine Ruckstuhl Hierselbst.

Geborene.

October: 24. Dem Feldwebel Heinrich Adolph ein Sohn. 26. Dem Taglöhner Johannes Gilbert ein Sohn, Heinrich. 27. Dem Fruchthändler Samuel Rosenbaum ein Sohn, Willy. 27. Dem Kaufmann Georg 'Schneider eine Tochter, Irene Elise Katharine Auguste Emma. 28. Dem Drechsler Jean Häuser eine Tochter. 30 Dem Bremser Reinhard "Kling ein Sohn.

Gestorbene

October: 26. Marie Schlabach, 66 Jahre alt, ledig dahier. 27. Bernhard Lippold, 26 Jahre alt, Buchhalter zu Wetzlar. 37. Karl Rinn, 1 Jahr alt, Sohn von Schlosser Georg Rinn dayier. 27. Moritz Gregori, 40 Jahre alt, ledig, Kaufmann dahier. 27. Margarethe Kißnsr, geb. Meyer, 78 Jahre alt, dahier, Wittwe von Pfarrer Johann. Heinrich K'ßuer. 28. Julie Eberhard, geb. Hettenhein, 48 Jahre alt, Ehefrau ron Hüttenoerwalter Wilhelm Eberhard dahier. 29; Luise Eckstem. geb. Becker, 66 Jahre alt, dahier, Wittwe von Landgerichts-Assessor Ferdinand Eckstein. 30. Auguste ßip§, geb. Ritter, 68 Jahre alt, dahier, Wittwe von Mitprediger Karl Lips. 31. Abraham Stein, 61 Jahre alt, Makler dahier.

Auszug ES den

der Stadt Gießen.

Evangelische Gemeinde.

Getraute.

Den 29. October. Georg Friedrich Jordan, Kaufmann zu Gießen, und Marie Josephine Ruckstuhl, Tochter des Dachdecker- meifters Peter Ruckstuhl zu Gießen.

Getaufte.

Den 27. October. Dem Tapezier Heinrich Enders eine Tochter, Johanna Elisadethe Wilhelmine, geboren den 22. August.

Denselben. Dem Eiftndreher Wilhelm Hartmann ein Sohn, Max Julius, geboren den 17. .September.

Denselben. Dem Kaufmann Johann Heinrich Arnold H. ein Sohn, Johann Georg Christoph Earl, geboren den 2. September.

Denselben. Dem Taglöhner Heinrich Ruth ein Sohn, Johann Heinrich Carl Martin, geboren den 23. September.

Denselben. Dem Regiments-Schuhmacher Earl Amußlich ein Sohn, Carl Ludwig Bernhard, geboren den 7. October.

Denselben. Eine außereheliche Tochtar, Marie Elisabethe, geboren den 30. August.

Beerdigte.

Den 26. October. Heinrich Buchenau, Schneider, ein Wittwer, alt 28 Jahre, sthrb den 24. October.

Den 28. October. Marie Schlabach, ledig, alt 86 Jahre, starb den 26. October.

Den 29. October. Bernhard Lippold, Buchhändler zu Wetzlar, lediger Sohn des zu Gumbinnen verstorbenen Kaufmanns Gustav Adolf Lippold, alt 25 Jahre,, starb den 27. October.

Den 30. October. Margarethe Kißner, geb. Meyer, Wittwe des Pfarrers Johann Heinrich Kißner, alt 78 Jahre, starb den 27. October.

Denselben. Julie Eberhard, geb. Hüttenhein, Ehefrau deÄ Verwalters Wilhelm Eberhard, alt 48 Jahre, starb den 28. October.

Den 31. October. Lulle Eckstein, geb. Becker, Wittwe des Land- gerichts-Affeffors und Bellrks-Strafrichters Ferdinand Eckstein, alt 66 Jahre, starb den 29. October.

Den 1. November. Auguste Lips, geb. Ritter, Wittwe des Mit­predigers Carl Lips, alt 68 Jahre, starb den 30. October.

Amtliche Prüfung der Lichtstärke des Leuchtgases.

October 1889: 191/2 Kerzen.

Buchner.

Briefkasten.

K. 8. FürHerbstsonne" keine Verwendung. Red.

BekamrLMachung.

Der an der verlängerten Bismarckstraße neben der Ruckstuhl'schen Befitzung gelegene städtische Bauplatz soll

Donnerstag den 7. d. Ms., Uachm. 2 111)r, an Ort und Stelle versteigert werden-

Gießen, 2. November 1889.

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen-

8928_____________________Gnauth._____

WühlersBerkauf.

Die vordere, an hiesigem Orte gelegene Müble mit einem Gang und gutem Gefälle des Wetterflusfes, soll Samstag den 9* November d. I., Nachmittags 1 Uhr, auf unserem Gemeindehause unter recht günstigen Zahlterminen verkauft werden-

Trais-Münzenberg, den 27, October 1889.

Großherzogttches Ortsgericht Trais-Münzenberg- _________________ G 0 rr. 8919 Stahtrathswahl.

Zur Wahl her Stadtverordneten empfehlen nach gewissen' Hafter Prüfung folgende Herren:

Adümi, Heinrich, Oieituier, Gail, Wilhelm, Fabrikant, Grünewald, Wilhelm, Rechtsanwalt, Haubach, Theodor, Kaufmann, Hoch, Zulins, R- utuer, Katz, Aron, Kaufmann, Mchdach, Emil, Kaufmann, Keller Audreas, Ortsgerichtsmann, Klein, Z., Mtzaermeister, Kiidtt, Dr. Jnftitutsvorsteher, Scheel, Richard, Kaufmann, Uhl, Philipp, Phowgraph.

8923 Et»e groß« Anzahl Bürger.

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Mitglieder, die noch nicht im Besitz von Karlen und Statuten finb,. müssen dieselben beim Vorsitzenden ab hol en.

Der Vorstand.

Mit dem Verfasser des Aufrufes an unsere Landwirthe ui Nr. 256 desGießener Anzeiger" vom 2. November ist der Unterzeichnete nicht ganz einverstanden.

Die Canalifation für Gießen als Universitäts- und vielleicht auch späteren Großstadt ist nothwendig; sie allein kann den Schmutz und Gestank in der Altstadt entfernen.

Was die Feldwege der Gemarkung anbetrifft, so besteht in Gießen eine Unsitte, indem die größeren Oeconomen nur bei Regenwctter (beson­ders in den Sommermonaten) ihre Dunggruben ausfahren, wodurch die Wege am meisten Noth leiden.

Die Aecker der Stadt sind verpachtet und zwar sehr hoch; die Wiesen stehen unter einer sehr guten Verwaltung, davon kann der Herr Einsender durch Einsicht der Gras-Versteigerungsprotokolle sich jederzeit überzeugen; solche Preise wie da sind noch von keinem Privaten erzielt worden.

Die Zusammenlegung der Grundstücke betreffend, ist der Besitzer eines solchen Herr seines Grundstückes und kann nach den verborgenen Schätzen suchen, die da nicht zu finden sind. Bereinigung kann erst statt­finden, wenn die Tilgungsrente ganz aufhört, das ist meine Ansicht. Um jeden Winkel und jedes Grundstück genau kennen zu lernen, gehört mehr als ein Menschenalter. 8900

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