Nr. 178. Erstes Blatt. Samstag den 3. August 1889.
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
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, _ , r n c. n * ~ f- .. Q. - r c = , & Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlob»-
Ärrreaur Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme bes MorttagS. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 M
Amtlicher Hßeit.
Betreffend: Faselschau zu Grünberg.
Bekanntmachung.
Bei der gestern zu Grünberg abgehaltenen öffentlichen Faselschau wurden die nachstehend verzeichneten Fasel für tauglich erkannt, als Gemeindezuchtstiere Verwendung zu finden:_____________________
Ord.- Mr.
Eigenthümer.
Raffe des Fasels.
Alter.
Farbe.
Körperbau.
Nährzustand.
Hautpflege.
Allgemeines
Gutachten und Bemerkungen.
Name.
Wohnort.
1.
2.
3.
4.
-5.
6.
7.
8.
9.
10.
11.
12.
13.
Konr. Langohr.
Balth. Schnepv
Ernst Zimmer.
Ludw. Launspach VIII.
Ludw. Loth.
Hermann Christ.
Heinr. Horst III.
Joh. Kratz XIV.
H. Diehl II.
L. Emmel.
H. Scheld H Aug. Gemmer. Herm Jhring. Gießen, am 1.
Wettsaasen.
Climbach. Lauter.
Reiskirchen. Beltershain.
Grünberg.
Ruppertenrod.
Ruppertenrod. Ruppertenrod. Grünberg. Harbach.
Ober-Ohmen.
Lich. llugust 1889.
Vogelsberger.
Vogelsberger. Vogelsberger. Vogelsberger. Vogelsberger.
Vogelsberger-
Simmenthal. Kreuzung.
ff
V ff ff ff ff
1'/, Jahr.
2 Jahr. 1% Jahr. I1/» Jahr. l‘/3 Jahr.
1V* Jahr.
14 Monat.
14 Monat.
14 Monat. l3/4 Jahr.
1'/- Jahr
l‘/4 Jahr.
14 Monat.
Großherzo I. 23.:
Gelbroth.
Dunkelroth. Gelbroth
Dunkelroth.
Roth.
Roth.
Rothscheck.
Rothscheck.
Rothscheck. Gelbroth. Rothscheck.
Gelbfalbc ohne Weiß. Gelbrothsch. gliches Kreis Jost, Regü
Genügend.
Genügend. Gut.
Genügend.
Genügend.
Gut.
Gut.
Genügend.
Gut. Gut. Gut.
Gut.
*
Genügend, amt Gießen, rungsrath.
Genügend.
Gut.
Gut. Genügend
Gut.
Gut.
Gut.
Gut. Gut. Gut. Gut.
Gut.
Gut.
Gut.
Gut. Gut. Gut. Gut.
Gut.
Gut.
Gut. Gut. Gut, Gut.
Gut.
Gut.
Genügend. Verkauft nach Weickartshain.
Gut. Verkauft nach Mainzlar.
Gut.
Genügend. In V» Jahr tauglich.
Genügend In 2 Monaten tauglich.
Verkauft nach Mddingshausen.
Gut. In Vi Jahr tauglich. Verkauft nach Daubringem
Gut.
j In 2 Monaten tauglich.
Gut.
Gut. Für die Gemeinde Harbach eingestellt.
Gut. In 3 Monaten tauglich.
Genügend. Nach Oppenrod verkauft.
Wolitische Rundfch««
Gießen, 2. August.
Im Mittelpunkte der Wochenereignisse steht diesmal die Meeresfahrt Kaiser Wilhelms nach England, welche der erlauchte Monarch, geleitet von einem überaus stattlichen deutschen Geschwader, am Mittwoch Morgen von Wtlhelmshafen aus antrat. Kurz vorher hatte sich hier die Kaiserin von ihrem kaiserlichen Gemahl verabschiedet und die Rückreise nach Schloß Wilhelmshöhe bet Cassel angetreten, woselbst die hohe Frau mit ihren Kindern noch einige Zett verweilen wird. Man darf ohne Uebertreibung sagen, daß die Augen ganz Europas auf die Englandsfahrt des deutschen Kaisers gerichtet sind, sowohl wegen der ungemein glanzvollen Bilder, welche sie äußerlich einrahmen, als auch wegen der ihr innewohnenden besonderen Wichtigkeit und Bedeutung. An der Spitze von zehn Kriegsschiffen, unter ihnen sieben Panzerschiffe, ist Kaiser Wilhelm an den Gestaden Englands erschienen und noch niemals wurde ein so stattliches deutsches Geschwader in fremden Gewässern gesehen. England aber hat den kaiserlichen Gast in einer Weise begrüßt, die vollständig der Würde dieses Landes als erste Seemacht der Welt entspricht, denn tnsgesammt fast 100 Schiffe zählte das englische Geschwader, welches die deutsche Kaiserflotille bet der Ankunft in Osborne-Bai mit seinen Salutschüssen begrüßte und über diese gewaltige Armada wird auch Kaiser Wilhelm am Samstag bet Spithead die Revue abnehmen. Wenn somit schon durch diesen äußerlichen Glanz, der das erstmalige Erscheinen Wilhelms II. als Herrscher in England umgtebt, das Jnterresse dieser neuesten Kaiserreise zugelenkt wird, so erhöht sich dasselbe noch durch den ganzen Charakter der englischen Reise unseres Kaisers. Wohl stellt sie sich zunächst als durch die höfische Etikette und verwandtschaftliche Rücksichten geboten dar, aber diese Momente werden doch noch durch den politischen Charakter der gegenwärtigen Englandsfahrt Kaiser Wilhelms überragt. Von ihr erwartet man sowohl eine innigere Gestaltung des Verhältnisses zwischen Deutschland und England und hiermit zugleich die Beseitigung auch der letzten Differenzpunkte, welche zwischen beiden Staaten aus colonialpolitischen Gründen aufgetaucht waren, als auch eine festere Gestaltung der Beziehungen des britischen Insel-Reiches zur Allianz Deutschlands, Oesterreichs und Italiens. Es braucht wohl kaum besonders hervorgehoben zu werden, daß die einander stammverwandten Völker Deutschlands und Englands große gemeinschaftliche Lebensinteressen haben, daß aber auch die Interessen Englands in den großen Fragen der europäischen Politik dem britischen Jnselreich mit Naturnothwendigkeit seinen Platz an der Seite der drei verbündeten Mächte anweisen. Daß der jetzige Besuch Kaiser Wilhelms in England nach beiden angedeuteten Richtungen hin ersprießliche Früchte tragen wird, dies steht mit Zuversicht zu erhoffen und darum rechtfertigen sich vollkommen die freudigen Empfindungen, mit denen das deutsche Volk — und mit ihm seine Freunde — auf die Englandsreise seines Kaisers blickt. — Von den leitenden Londoner Blättern werden Kaiser Wilhelm Worte der herzlichsten Begrüßung gewidmet und besonders sympathisch ist ein Artikel des „Standard" gehalten, welcher die verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen den der deutschen Kaiserfamilie und dem englischen Königshause und weiter die gemeinschaftlichen Interessen Deutschlands und Englands betont und mit der bestimmten Erwartung schließt, der Kaiserbesuch werde das Band familiärer und politischer Beziehungen zwischen beiden Rationen noch sester knüpfen.
Der bevorstehende Besuch deS Ezarerr am Berliner Hofe soll, wie die „Nat.- Ztg." als glaubwürdig vernimmt, nunmehr auf diplomatischem Wege in Berlin ange
zeigt worden sein; nähere Angaben über die Reise des russischen Herrschers nach der deutschen Reichshauptstadt stehen aber trotz dieser Ankündigung noch aus.
Die Unfälle, welcher seit einiger Zeit die französische Marine betreffen, mehren sich in bedenklicher Weise. In Toulon explodirte ein Geschoß in einer Revolver- kanone des Artillerieschulschiffes „Couronne", wobei von der Besatzung 5 Mann getödtet und 17 Mann verwundet wurden, 3 davon lebensgefährlich.
Die Zuversicht der Friedensfreunde erhält in jüngster Zeit durch wiederholte Kundgebungen des leitenden englischen Staatsmannes einen kräftigen Rückhalt. Sowohl im Oberhause, als beim gestrigen Jahresbanket im Londoner Mansion House gab Lord Salisbury hinsichtlich der allgemeinen Lage, unter besonderer Berücksichtigung der Konjunktur im Osten Europas, Versicherungen der beruhigendsten Art. Der englische Premier findet nicht, daß die Elemente der Zwietracht und Kriegsgefahr sich vermehrt hätten, im Gegentheil, sowohl was die Balkanstaaten als was Kreta angeht, vermag Lord Salisbury Grund zu ernsten Besorgnissen nicht wahrzunehmen. Dieses wohlerwogene Urthetl eines Staatsmannes, der ein Land vertritt, welches mit den Orientdingen so vielfach und so eng verknüpft ist, darf auf allseitige Werthschätzung und Autorität ohne Zweifel begründeten Anspruch erheben. Der Einwand, daß England sich an dem Gange der Ereignisse destnteressire, daß es den Frieden um jeden Preis erstrebe und deshalb etwas mit gezwungenem Optimismus in die Zukunft blicke, erscheint nicht stichhaltig, denn ein eventueller Zusammenbruch der gegenwärtig in Europa bestehenden völkerrecht- lichm Ordnung würde England nicht unberührt lassen, vielmehr es sehr bald nöthigen, zum Schutze seiner vitalsten Interessen in Aktion zu treten. Englands moralischer Einfluß sowie seine materielle Machtstellung erfordern stete Bethätigung, zwar nicht im Sinne einer chauvinistischen, immerhin aber einer solchen Politik, welche von Schwächlichkeit mindestens eben so weit entfernt ist als von Herausforderung, oder, wie Lord Salisbury sich ausdrückte: eine Politik der Erhaltung des Friedens, aber ohne Opfer an Ehre.
Last not least sind auch die ungeheuren Rüstungen von heute eine wichtige Garantie des Friedens, und dies gewiß nicht nur in den Augen des englischen Staatsmannes, sondern vor allen Dingen auch in dem Empfinden derjenigen Völker, aus deren Schultern die Last der gesteigerten Schlagfertigkeit ruht und eben nur mit dem festen Wunsch und Willen übernommen wurde, das Mögliche zur Verstärkung der Schutzwehren des Weltfriedens zu leisten.
Der von den italienischen Behörden in Coni wegen Verdachtes der Spionage verhaftete französische Ofsizier de Grandmaison wurde wieder fretgelassen, womit der jüngste französisch-italienische Zwischenfall erledigt erscheint.
Darmstadt, 31. Juli. Zum zweiten Fabrikinspector für das Großherzogthum Hessen wurde der Salineninspector von Theodorshall ernannt.
Berlin, 1. August. Neber die Friedensrede des ehemaligen Kriegsministers Bronsart v. Schellendorff macht ein offictöser Berliner Berichterstatter der Wiener „Montagsreoue" folgende Bemerkungen^ „Aus einem Munde von unbezweifelbarer Autorität, dem des langjährigen Kriegsministers und jetzigen commandirenden Generals des ostpreußischen Armeecorps, haben wir eine unumwundene Bestätigung der Anschauung empfangen, daß dem Frieden keine Gefahr drohe. Wenn in Frankreich und Rußland hochgestellte Militärs sich vernehmen lasten, so geht durch ihre Reden in der Regel ein starkes Sabelgeraffel und Puloergeruch erfüllt die Lust. Ein deutscher General dagegen, der obenein wirklich in der Lage ist, ein Urthetl über die


