schlossen und über den unter portugiesischer Oberhoheit stehenden ostafrikanischen Küstenstrich den Biokadezusiand verhängt. Auch die Theilnahme Spaniens an dem gegen die Sclaveret gerichteten Vorgehen steht zu erwarten, da die Königin-Regentin Christine auf einen ihr vom Afrikareisenden Soreba überreichten Brief des Cardinals Lavigerie htn erklärt hat, bezüglichen Schritten ihre Unterstützung leihen zu wollen.
Die Session des französischen Senats ist am Samstag durch eine Abendsitzung, in welcher das Budget ohne Abänderungen endgilttg angenommen wurde, geschlossen worden. Vorher hatte sich noch ein merkwürdiger Kampf zwischen Kammer und Senat entspannen, indem der Senat seinen Zusahartikel, betreffend die Beschränkung der öffentlichen Arbeiten, aufrecht erhielt, welchen die Kammer wiederholt abgelehnt hatte. Schließlich hat aber der Senat doch noch nachgegeben, denn anders ist doch die Pariser Meldung vom Samstag Abend, wonach eben der Senat das Budget ohne Abänderungen schließlich genehmigte, nicht wohl zu verstehen. Die Deputirtenkammer blieb bis Sams- iag Abends 10 Uhr zusammen, doch dürfte ihr Schluß erst am Montag erfolgt sein.
In Paris sind die republikanischen Gruppen anläßlich der am 27. Januar bevorstehenden Deputtrten-Ersatzwahl noch immer auf der Suche nach einem gemeinsamen Candtdaten gegenüber der Candtdatur Boulanger's. Das Gerücht, der Ministerpräsident Floquet werde bei der Pariser Ersatzwahl als alleiniger Candtdat der Republikaner auftreten, ist inzwischen vom „Radical", dem Organe Floquet's, formell dementtrt worden und da es auch Herr Antoine, .der Metzer Abgeordnete zum deutschen Reichstage, abgelehnt hat, Boulanger entgegenzutreteu, so erweist sich demnach diese Candi- datenfrage für die Republikaner als noch immer ungelöst, natürlich zum großen Gaudium der Boulangiften und Monarchisten.
pmlschland.
Berlin, 31. December. Ihre Majestät der Kaiser und die Kaiserin begaben sich heute Nachmittag nach Potsdam und dem Mausoleum in Charloltenburg und legten dort Kränze auf den Särgen der Kaiser Wilhelm I. und Friedrich III. nieder. — Ihre Königlichen Hoheiten der Großherzog und die Großherzogin von Baden begaben sich gleichfalls nach Potsdam und legten einen Kranz am Sarge Kaiser Friedrtch's nieder.
Berlin, 31. December. Dem Bundesrath ist der Gesetzentwurf für Elsaß- Lothringen, betreffend das Grundeigenthum und Hypothekenwesen, sowie die Notartatsgebühren, zugegangen. Für die Vorlegung des Entwurfs ist im Wesentlichen der Gesichtspunkt einer Vorbereitung auf das vom deutschen bürgerlichen Gesetzbuch zu erwartende Grundbuchsystem maßgebend gewesen.
— Der „Nationalzeitung" zufolge gehen die Berichte an den Kriegsminister seitens der Truppentheile dahin, daß das Bayonettfechten abgeschafft werden dürfte. Das neue Exercier - Reglement für die Feldartillerie soll am 1. April 1889 in Benutzung genommen werden. (F. I.)
Berlin, 31. December. Nach englischen Meldungen aus Zanzibar wäre der Vertreter der englischen ostafrikani'chen Gesellschaft, Mackenzie, welcher alle Häfen und alle Chefs der eingeborenen Bevölkerung in dem englischen Ufergebiet besucht habe, überall freundlich ausgenommen^ worden und herrsche in diesem Gebiet Ruhe und Sicherheit.
Im Gegensatz lzu dieser Meldung hören wir, daß die britisch - ostafrikanische Gesellschaft trotz zahlreicher Geschenke an die eingeborenen Häuptlinge in ihrer Thätig- keit auf Mombas beschränkt ist und auch dort nur unter den von der arabischen Bevölkerung diktirten Bedingungen geduldet wird.
Hamburg, 31. December. Der „Hamburgischen Börsenhalle" zufolge machte der Präsident der Handelskammer in der heutigen Versammlung der Kaufmannschaft die Mittheilung, daß die neuen hiesigen Hafenanlagen roegen der starken Zunahme des Verkehrs sofort erweitert werden müßten. Mit der Erbauung von zwei weiteren Schupoen für 16 Schiffe sei bereits begonnen, von der HamburgMmerikanischen Packet- fahrt-Actien-Gesellschast sei der Bau von 250 Meter bedeckter Quais beantragt. Bei den Verhandlungen der Versammlung wurde auch des neuen Handelsvertrages mit der Schweiz gedacht, wofür der Reichsregierung der Dank des Handelsftandes gebühre.
Hesterreich.
Wien, 31. December. Zur Erörterung der Principien, nach welchen das Exercier-Rlglement für die Fußtruppen mit Rücksicht auf die Neubewaffnung zu revi- diren wäre, finden im Laufe des Januar in Wien unter Vorsitz des Erzherzogs Albrecht commissarische Berathungen statt, zu welchem auch einige Corps-Commandanten htnzugezogen werden.
England.
London, 31. December. Das „Reuter'sche Bureau" meldet aus Teheran: Bereits am 20. d. M. ist die angekündigte Note der persischen Regierung veröffentlicht. Dieselbe enthält 24 Bestimmungen. Der Inhalt derselben ist milder als erwartet wurde. Der Aufenthalt fremder Schiffe ist nicht auf 24 Stunden, sondern auf die zum Laden, bezw. Ausladen erforderliche Zeit beschränkt. Die Dampfer zahlen eine Abgabe von 7 Pence pro Tonne, Segelschiffe die Hälfte. Eine Verletzung der Bestimmungen wird mit schweren Geldbußen und Suspendtrung des Schifffahrtpasses auf zwei Jahre bestraft.
Itaüea.
Rom, 31. December. Anläßlich des Schlusses des Jubeljahres fand in der St. Peterskirche ein vom Papste celebrirtes Tedeum statt. Die Kirche war überfüllt, der Papst wurde lebhaft begrüßt. Dem Tedeum wohnten u. A. das diplomatische Corps, der römische Adel und die Verwandten des Papstes bet. Der Verkehr auf dem Petersplatze wurde vom Militär aufrechterhalten.
Telegraphische Depeschen.
Wolff's telegr. Correspondenz - Burea«.
Berlin, 1. Januar. Der Neujahrsempfang bei dem Katserpaare fand in programmmäßiger Weise statt. Nach demselben begab sich dasselbe zur Gratulation bei der Kaiserin Augusta. — Bet der heutigen großen Deftlircour zeichnete der Kaiser einzelne Personen durch kurze huldvolle Ansprachen aus; gutem Vernehmen nach sind aber irgend welche auf die Politik bezügliche Aeußerungen dabet nicht vorgekommen.
Wien, 1. Januar. Das „Fremdenblatt" theilt mit, nach in kompetenten Kreisen eingezogenen Informationen sei daselbst weder von Vorschlägen bezüglich der theoretisch schon öfter erörterten Frage, betreffend die Errichtung einer Donau-Kriegs- flotille, noch von einem Memorandum der Marinesektion, noch weniger von irgend welchen diplomatischen Schritten in Bukarest, wie der Correspondent eines hiesigen Blattes mitthetlte, etwas bekannt; es sei daher auch von der Absicht einer diesbezüglichen Credttforderung in Regierungskreisen keine Rede.
Rom, 1. Januar. Der König und die Königin empfingen heute, von ihren Hosftaaten umgeben, die Deputationen der großen Staatskörperschaften, welche die Glückwünsche zum neuen Jahre darbrachten. Bei dem Empfange der Deputation des Senats und der Kammer sprach der König seine hohe Befriedigung über die bis jetzt erfolgte Erledigung der parlamentarischen Arbeiten aus und fügte hinzu, der größte Wunsch, den er hegen könne, sei die Erhaltung des Friedens. Dank dem guten Willen und der beharrlichen Aktion der Großmächte werde der Frieden, wie er hoffe, auch in diesem Jahre erhalten bleiben.
Petersburg, 1. Januar. Der „Nowoje Wremja" zufolge ist eine Verordnung erlassen, nach welcher in der russischen Armee besondere Tratn-Abthetlungen eingerichtet werden. Fünf Train-Cadre-Batatllone werden zu 18 Compagnien formirt, welche in Kriegszeiten auf 18 Train-Bataillone gebracht werden.
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. „ Gießen, 2. Januar. Die Sylvesternacht verlief wie in früheren Jahren te der ihr einmal eigenen geräuschvollen Weise. Der Verkehr in den inneren Stadltheilen wuchs, je naher der Zeiger der Uhr sich der in dieser Nacht so bedeutungsvollen „12" näherte und der erste Glockenschlag gab das Zeichen zum allgemein „Prosit Neujahr"- Rufen, zum Händedrücken und sonstigen Freundfchasts- und Liebesbezeugungen. Ge- chossen wurde natürlich wieder tapfer, es entwickelte sich mitunter ein wahres Schnell- seu-r, so daß selbst die allerunberufensten der Neujahrsschützen befriedigt worden sein durften. Auch an sog. „Fröschen" schien kein Mangel zu sein, sie halfen redlich den Neufahrsspektakel erhöhen.
Gießen, 2 Januar. sNeues Theaters Zum Benefiz für Herrn Ster na n wird am £onner§tag den 3. Januar 1889 das neue Lustspiel von Eduard Schacht „Gesährltche Mädchen" gegeben und können wir mit Recht dieses neue Lustspiel als ein? interessante Novität allen Besuchern auf's Wärmste empfehlen. Herr Steinau hat sich als talentirtes, strebsames Mitglied unserer Bühne viele Sympathien erworben und wünschen wir demselben zu seinem Ehrenabend ein volles Haus.
~ Gießen, 2 Januar. Zum drittenmal in kürzerer Zeit ist in der Gemarkung Lang-Gons ein Strohhaufen in Brand gesteckt worden. Der Brandstiftung dringend verdächtig wurden zwei Kesselflicker verhaftet.
. ~ Gestern ist im Prooinzial-Arresthaus der Taglöhner Hartmann von Saasen,
der wegen Bettelns inhaftirt war, gestorben. ' '
Vermischtes.
Büdingen, 29. December. Heute fand dahier die Verlobung der durchlauchtigen Prinzessin Elisabeth zu Ysenburg und Büdingen mit dem Netchsfrelyernr Rudolf von Thungen statt. 1 v
- ^bU'Ulrichstein, 1. Januar. Monats-Bericht der Arbeiter - Colonie pro December 1888.] Ultimo December sind in der Colonie arbeits-, resp. stellenlos ins- gesammt 115 Mann.
c Hiervon waren Arbeiter 35, Bäcker 3, Barbiere 1, Bergmann 1 Buch, binder 3, Bürstenmacher 1, Commis 5, Condttor 1, Eisendreher 1, Eisengießer 1 Former 1, Formftecher 1, Gärtner 5, Glasmacher 1, Gürtler 2, Hutmacher 1' Kammmacher 1 Koch 1 Korbmacher 1, Kutscher 1, Maler 1, Maschinenschlosser 5, Maurer 5, Müller 1, Schmiede 1, Schneider 4, Schreiber 7, Schuhmacher 7 Steindrucker 1 Schriftsetzer 1, Tischler 1, Weber 7, Weißbinder 4 Ziegler 2 Zimmermann 1. * 0 *
, . , i nach kommen auf: Großherzogthum Hessen 40, Regierungs
bezirk Cassel 13, Regierungsbezirk Wiesbaden 23, auf die Provinzen: Brandenburg 1 Hannover 4, Ostpreußen 1, Rheinland 6, Sachsen 3, Schlesien 4, Westfalen 3- auf die Königreiche: Bayern 9, Sachsen 3, Württemberg 1; Thüringer Staaten 4. *
Abgegangen sind im Laufe des Monats December 23.
Davon gingen in Stellung durch die Colonie 14, durch eigenes Bemühen 1 auf eigenen Wunsch 6, wegen Krankheit (Epilepsie) 1, arretirt 1.
Im Ganzen wurden seit Eröffnung der Anstalt ausgenommen 1104 Colonistem abgegangen 989. ' *
3nt Ganzen Arbeitstage im December: 2747, darunter 248'/- für fremde Rechnung.
Die Weihnachtsfeier fand in üblicher Weise am 26. December statt.
△ Mainz, 31. December. Der Gründer und langjährige Eigenthümer und Leiter der ehedem renommirten Mainzer Möbelfabrik Hemmger L Co. hier Herr Johann Heminger, hat sich gestern Abend erschossen. Langwierige Krankheit und mißliche Vermögensoer häitnisse sollen den früher sehr wohlhabenden und allezeit geachteteten Mann zu dem verzweifelten Schritt veranlaßt haben.
Mainz, 1. Januar. In dem Justizfache hier stehen verschiedene Veränderungen bevor, indem, wie verlautet, außer Landgerichtsdirector Dr. Pa.'ly noch zwei ältere Landgcrichtsräthe um ihre Pensionirung bei dem Großherzoa nack- gesucht haben. ö
. Aus Rh ein hes sen, 1 Januar. Dem Beisplele der Schwesterkammern von Mainz, Darmstadt, Offenbach und Bingen folgend ist die Handelskammer in WormS in ihrer letzten Sitzung dem Anträge des Gabelsberger Stenographen-Vereins bei dem Ministerium in Darmstadt um Einführung der Stenographie als facultatioer Lehrgegenstand an den höheren Lehranstalten des Großherzogthums vorstellig zu werden beigetreten. — In gleicher Sitzung schloß sich die Handelskammer einer Petition bc£ Deutschen Buchdrucker-Vereins auf Einführung einer Zwischenstufe des Portos für Drucksachen im Portotarif (5 Pfg. für 50 bis 100 Gramm zwischen die feitherigcn Stufen von 3 und 10 Psg.) an.
△ Vom Rhein, 1. Januar. Obgleich das Brauereigewerbe bereils einen Rückschlag erlitten hat, nehmen die Brauereigründungen noch immer kein Ende. So werden neuerdings wieder von einem Consorttum Wiesbadener und Mainzer Kapitalisten unfern von Biebrich an der Station „Curve" Bohr versuche nach Wasser vorgenommen um, wenn solche Erfolg haben, an der Straße zwischen Biebrich und Kastel eine große Brauerei zu erbauen.
— Ausoerkauft. Es könnte einen National Oeconomen bedenklich machen, wenn er jetzt in den Tagesblättern auf jeder Seite der Annoncen eine große Anzahl von angekündigten Ausverkäufen lesen muß. — Gewiß will jeder Geschäftsmann möglichst viel verkaufen, aber ob diese Ausverkaufs-Anzeigen ihren Zweck erreichen, ist doch sehr zweifelhaft. Wirklich Bedenken erregend sind aber die sich oft allmonatlich wiederholten Ankündigungen von Ausverkäufen zu und unter Kostenpreis der Waare. Wo, fragt sich dabei jeder denkende Mensch, soll dabei der Gewinn herauskommen, den ein ordentlicher Geschäftsmann haben muß, uni seine oft großen Geschäftsspesen ztr decken, sein Capital zu verzinsen und seinen Lebensunterhalt zu verdienend Solche Gedanken kamen uns, als uns wirklich einmal beim beabsichtigten Kauf eines kleinen Gegenstandes, der sich, wie es scheint, die Gunst des Publikums im Fluge erobert hat, vom Verkäufer gesagt wurde: „Ich muß bedauern, Ihnen nichts mehr liefern zn können, Mey's Abreißkalender für 1889 sind total ausverkauft!" Die Auflage dieses nützlichen Abreißkalenders war, wie wir vernehmen, eine Viertel-Million Stück, und wenn man bedenkt, daß Kalender doch eigentlich erst gegen Ende des Jahres, ja in der Hauptsache am Beginn des neuen Jahres gekauft werden, so kann es allerdings für Mey's Abreißkalender keine bessere Empfehlung geben, als die Thatsache, daß er am 24. December schon total ausverkauft war. — Wir sind überzeugt, daß eine Auflage von einer halben Million Exemplare für das Jahr 1890 sich ebenso leicht verkaufen würde, hoffen aber jedenfalls, daß die Firma Mey & Edlich das nächste Mal dafür sorgen wird, daß das „Ausverkauft" nicht zu zeitig für diesen Hausfreund eintritt.
Univer-tittS - Chronik.
— Die theologische Facultät der Universität Greifswald hat dem Professor der Theologie I. Gloöl in Erlangen die Würde eines Doctors der Theologie unt> der heiligen Schrift honoris causa ertheilt. Den gleichen Titel hat von Seiten der theologischen Facultät der Universität Halle-Wittenberg der Professor der Theologie A. Schlatter in Greifswald erhalten.
HandeL -mV
— Folgende Abänderungen der Postordnung sind vom 1. Januar ab « in Kraft getreten: Der Meistbetrag für Postauftrage zur Geldeinziehung wird von 600 JL auf 800 Jt erhöht. An Eilboj,enlohn für Postsendungen und Telegramme J nach Landorten sind vom Absender vorauszubezahlen: für Briefe und Telegramme 60 für Packele 90 Gedruckste Doppelkarten können offen, also ohne Band j oder Umschlag, zur Beförderung gegen das Drucksacheu-Porto aufgeliefert werden, auch j wenn ihre nach außm gekehrte Rückseite mit gedruckten Angaben versehen ist.
Lelegraphischer Schiffrbericht
der „Red Star Line" Antwerpm.
] Newyork, 29. December. Der Postdampfer „Rhynland" der „Red Star Line" 1 ist von Antwerpm heute wohlbehaltw hier angenommen.


