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im preußischen Landtage anbelangi, so läßt sich hierüber jetzt noch nichts Be­stimmtes sagen, wahrscheinlich wird aber bis dahin Pfingstm herankommen.

Bei den am Sonntag vollzogenen verschiedenen Ersatzwahlen zur französischen Deputirtenkammer ist der Minister des Aeußern, Flou- rens, im Departement der Ober-Alpen mir 12 613 Stimmen gewählt worden. Herr Flourens hat also seine schönen Wahlreden nicht umsonst gehalten! In St. Etienne wurden die republikanischen Candidaten gewählt. Aus General Boulanger, obwohl derselbe nicht wählbar war und auch gegen seine Candtdatur protestirt hatte, fielen zahlreiche Stimmen, besonders in Dijon.

Die Veränderungen im italienischen Cabinet scheinen mit dem Per­sonalwechsel im Unterrichts-Ministerium noch nicht abgeschloffen zu sein. Zwischen dem CabinetSches Crispt und dem Oppositionsführer Ntcotera sand dieser Tage eine vielbesprochene Unterredung statt, welche dahin gedeutet wird, daß die Heber» tragung des Portefeuilles des Innern, welches Crispi bislang interimistisch mit' verwaltete, an Nicotera in Aussicht genommen sei.

Die Handelsvertrags-Verhandlungen zwischen Italien und Frankreich sollen jetzt wieder mehr Aussicht auf Erfolg haben, so daß der von der französischen Deputirtenkammer bereits angenommene Gesetzentwurf, nach welchem der Zolltarif für verschiedene italienische Products erhöht wird, vielleicht überflüssig wird.

Eine englische Exvedition gegen Thibet steht bevor. Die Thi- betaner haben Lingtu im Gebiet von Sikkim (Nord.Jndien) besetzt und da sie sich weigern, Lingtu zu räumen und sogar Verstärkungen empfangen haben, sollen anglo-indische Truppen gegen die Thibetaner vorgehen.

Die Gotthardbahn ist schon wieder von beträchtlichen Lawinenstürzen, verbunden mit maffenhaftem Schneefall, betroffen worden. Diesmal gingen die Lawinen an der Südseite des St. Gotthard nieder, wo der Bahnkörper aus einer Länge von 400 Metern total verschüttet wuroe. Die Bahnverwaltung hoffte indeffen, den Personenverkehr durch Ermöglichung des Umsteigens bis Dienstag wieder ausnehmen zu können.

Aeutschland.

Darmstadt, 26. Februar. Wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren, ist der in der gestrigen Kammersitzung allseitig angegriffene Generalsecretär Dr. Weiden­hammer, der den Verhandlungen längere Zeit aus der Gallerte beiwohnte, schon gestern Nachmittag um seine Pensionirung eingekommen. (F. I.)

Berlin, 27. Februar. Profeffor Kußmaul berichtete telegraphisch an den Kaiser, daß er zwar in den Lungen des Kronprinzen auch bei der zweiten Untersuchung nichts Krankhafter gefunden habe, daß er aber den Gesammr» zustand als sehr be enklich ansehe. Eine Anzahl von Präparaten aus dem Auswurf, in denen Bergmann und Kußmaul Krebszellen fanden, werden auf Wunsch Mackenzie'- an den Profeffor Walbty?r in Berlin zur Untersuchung gesandt werden. (Fr. Ztg.)

Berlin, 27. Februar. Der ^Reichs-Anzeiger" veröffentlicht einen Erlaß des Handelsministers an die Äeltestm der Kaufmannschaft über die Zustände der hiesigen Getreidebörse. In demselben heißt es: Die jetzige Zu­sammensetzung der Sachverständigenkommission entspreche dem SBebürfmffe nicht; es sei daher geboten, entweder unter Ausschluß aller mit dem Getterde- geschäst befaßten Kreise ausschließlich Personen ohne jedes Interesse an der Sache zu wählen ober neben den Getreidehändlern auch Vertreter der Land- wirthschaft, der Mühlenindustrie und anderer an der Vertheilung zur Konsumtion behelligten Gewerbe zur angemessenen Mitwirkung bei der Sachverständigen, wafyl heranzuziehen. Jnbetreff des Rauhweizens empfehle sich die Einführung von zwei Arten von Schlußscheinen und zwar für Rauhweizrn und für die übrigen Weizenarten. Die Aeltesten werden ersucht, über die Aenderung der Schlußscheine sowie über die anderweitige Organisation der Sachverständigen­kommission Beschluß zu fassen und dar Ergebniß mitzuthrilen.

Krankreich.

Pari-, 27. Februar. Den Abendblättern zufolge wurde in dem zwi­schen Frankreich und Italien bezüglich der Zollerhöhungen stattgehabten Mei­nungsaustausche erklärt, die letzten Vorschläge Frankreichs enthielten die äußerste Grenze der Concesfionen, welche überhaupt möglich seien.

Krrgland.

Loudon, 27. Februar. Im Oberhaus erklärte Onslow, es sei nicht beabsichtigt, das portugiesische Gebiet der Delagoabay oder die dortige Eisen­bahn zu erwerben.

Im Unterhaus erklärte Ferguffon, die gestrige Nachricht desTemps", daß England sich in der Nähe der Dardanellen die Session eine» türkischen Häsens oder einer türkischen Insel ausgewirkt ober eine solche gefordert habe, sei unwahr; auch seien alle Übrigen Nachrichten jenesTemps"-Artikels unbegründet.

Italien.

San Remo, 26. Februar. Der Kronprinz verbrachte einen ziemlich guten Tag. Es heißt, Bergmann und Kußmaul würden morgen adreffen.

San Remo, 27. Februar. Im Gegensatz zu den letzten Tagen ist heute Nachmittag keine Verschlimmerung ringetreten. Der Kronprinz war heute Mittag fast eine halbe Stunde auf dem Balkon. (Fr. Ztg.)

San Remo, 27. Februar. Der Kronprinz hat gut geschlafen, weniger gehustet und ausgeworfen. Das Allgemeinbefinden ist befriebigenb, der Appetit gut. Die Aussichten auf Wiebergenesung sind gewachsen, seitdem die Gefahren, welche aus dem Allgemeinbefinden drohten, nachgelaffen haben. Die Aerzte fürchteten nämlich einen Ktästezecfall. Die Krankheit tritt jetzt in das Stadium der lokalen chronischen Erkrankungen, und es ist Aussicht, daß dar Mittel gefunden ist, den Krankheirsprozeß an Ort und Stelle anzugreiftn und zu behandeln durch einen ebenso sinnreichen wie einfachen Apparat, den ein Darmstädter (?) Arzt erfunden hat und der mit der Kanüle in Ver- bindung gebracht worden ist, vorläufig jedoch geheim bleiben soll. Professor Kußmaul sand die Lunge und die Bronchien intatt, soll aber über die Krank­heit der Kronprinzen im Allgemeinen kein günstige Urtheil abgegeben haben.

(Fr. Ztg.)

Deutscher Reichstag:

47. Sitzung vom 27. Februar 1888.

Der Antrag des Abg. Goldschmidt betr. die Abänderung des Gesetzes über den Verkehr mit blei- und zinkhaltigen Gegenständen wird in dritter Lesung debattelos angenommen.

Es folgt dritte Berathung des Gesetzes betr. den Schutz von Vögeln.

Abg. Dr. Baumbach (srets.) befürwortet nochmals strengere Verbote für den Kramm tsoogelfang.

Abg. Dr. Meyer-Halle verzichtet auf die Wiedereinbringung seiner in zweiter I Lelung abgelehnten Anträge. Redner bedauert, daß die Regierungen in der zweiten i Lesung ihre Vorlage nicht vertheidigten; vielleicht schien ihnen die Vorlage verdächtig, . weil er sie vertheidigt habe. Die Vorlage in ihrer jetzigen Fassung verdiene nicht den NamenGesetz über den Vogelschutz", sondernüber die Vögeloertilgung".

Bei 8 1 bedauert Abg. Schultz-Lupitz (Reichsp.), daß durch das zahlreiche Einsammeln der Mbitzeier der Vogel degenerirt werde.

Nachdem noch Abg. Dr. Windthorft gegen und Abg. Dr. Meyer-Halle für eine größere Einschränkung des Sammelns von Kibitzeiern gesprochen, wird der $ 1 angenommen.

Der Rest der Vorlage, sowie das ganze Gesetz wird nach kurzer Debatte unver­ändert angenommen.

Es folgt erste und eventuell zweite Berathung des Entwurfs eines Gesetzes betreffend die Löschung nicht mehr bestehender Firmen im Handelsregister.

Die Abgg. Dr. Websky (natl.) und Klemm (cons.) begrüßen die Vorlage als eine langvermißte Besserung der Bedeutung der Handelsregister.

Abg. Dr. Meyer-Halle kündigt für die zweite Lesung ein Amendement an, wodurch die Bestimmungen der Vorlage auch auf in Liquidation befindliche Actien- gesellschaften und Commanditgesellschaften aus Actien ausgedehnt werden sollen.

Nach kurzer Dtscussion wird die Berathung geschlossen; die zweite Lesung wird in einigen Tagen im Plenum ftattfinden.

Es folgt zweiteBerathung betr. die unter Ausschluß der Oeffentlichkeit ttattftndenden Gerichtsverhandlungen.

S 173 lautet in der von der Commission beantragten Fassung: In allen Sachen kann durch das Gericht für die Verhandlung oder für einen Theil derselben die Oeffentlichkeit ausgeschlossen werden, wenn sie eine Gefährdung der öffentlichen Ordnung, insbesondere der Staatssicherheit, oder eine Gefährdung der Sittlichkeit besorgen läßt.

Abg. Pfafferott (Centr.) hält die ganze Vorlage für überflüssig, weshalb er gegen dieselbe stimme.

Abg. v. Reinbaben (Rchsp.) befürwortet die Fassung der Commission.

Abg. Rintelen (Centr.) führt aus, daß durch die Bestimmungen dieses Para­graphen das Vertrauen des Volkes in den Richterspruch vernichtet und das Ansehen der Gerichte geschädigt werde.

Wirkl. Geh. Leg.-Rath Kayser weist die Angriffe Rintelens zurück und betont, daß durch dieses Gesetz nicht allein die äußere, sondern auch die innere Sicherheit des Staates gewährleistet werden solle.

Abg. Hahn (cons.) erwidert dem Abg. Rintelen, daß er früher derselben Vorlage zugestimmt habe, die er heute bekämpfe. Die Vorlage bewege sich völlig auf dem Boden des jetzt geltenden Rechts.

Abg. Munckel (freit) erklärt Namens feiner Freunde, daß sie gegen ben § 173 stimmen, weil sie keine besonderen Gründe für denselben anerkennen könnten.

Nachdem noch die Abgg. Meyer-Jena (natl.) und Klemm (cons.) für und Dr. Meyer-Halle und Dr. Windthorft gegen den $ 173 gesprochen, wird der Schluß der Discussion beantragt.

Abg. Dr. Meyer-Halle bezweifelt die Beschlußfähigkeit des Hauses.

Der Namensaufruf ergiebt die Anwesenheit von nur 145 Mitgliedern, das Haus ist somit beschlußunfähig.

Morgen 1 Uhr: Rechtsverhältnisse in den deutschen Schutzgebieten, Ausschluß der Oeffentlichkeit bei Gerichtsverhandlungen.

Telegraphische Depeschev

Wolff'S telegr. e gtamtfc

Berlin, 27. Februar. Se. Majestät der Kaiser empfing Vormittags den Staats- secretär Bismarck zu kurzem Vortrag, arbeitete dann mit Wilmowskt und empfing Nachmittags den Prinzen Wilhelm, welcher sich morgen früh zur Beisetzungsfeier nach Karlsruhe begibt.

Berlin, 27. Februar. DerReichsanzeiger" bringt folgendes Bulletin aus San Remo vom 27. Februar, Vormittags 10 Uhr 30 Minuten, das auch von Pro­fessor Kußmaul unterzeichnet ist: Der Schlaf des Kronprinzen war gut, Husten und Auswurf sind geringer, der Auswurf ist weniger gefärbt. Das Allgemeinbefinden ist befriedigend.

Ein Extrablatt desArmee-Verordnungsblattes" bringt folgende Cabinets- Ordre des Kaisers an den- Kriegsminister:Des allmächtigen Gottes Wille berief meinen lieben Enkelsohn Prinzen Ludwig von Baden aus diesem Leben ab, in dem er die Freude der Eltern, Großeltern, Angehörigen, sowie Aller, die ihn kannten, und schöne Hoffnung für die Zukunft war. Meine Armee, die jederzeit Freud und Leid mit mir theilt, wird auch diesen liefen Schmerz mit mir empfinden und wird in ihrem Herzen mit mir um dieses junge hoffnungsvolle Leben trauern. Ganz besonders wird dies bei den Regimentern geschehen, denen mein lieber Enkelsohn mit seinen warmen kameradschaftlichen Empfindungen, mit seinem ganzen Herzen angehörte, und ich wünsche daher, daß diese Regimenter auch äußerlich an der Trauer sich beteiligen, indem ich hierdurch bestimme, daß die Vorgesetzten und Officiere aller badischen Truppenthetle neun Tage, die Officiere des 1. badischen Leib-Grenadier Regiments Nr. 109 und des 1. Garde-Ulanen-Regiments aber vierzehn Tage Trauer (Flor um den linken Oberarm) anzulegen haben.

Berlin, 27. Februar. Staatssecretär Graf v. Bismarck ist heute nach Dublin abgereist.

Berlin, 27. Februar. Dem Abgeordnetenhause gingen die bereits angekündigten kirchenpolitischen Anträge seitens des Centrums zu, wonach nur Personen, gegen welche die Kirchenbehörde in kirchlich-religiöser Hinsicht keinen Einwand erhebt, zu dem Amte eines Volksschullehrers berufen werden sollen. Die kirchlichen Oberen sollen allein die Organe bestimmen dürfen, welche in den Volksschulen den Religionsunterricht leiten dürfen. Daö zur Leitung des Religionsunterrichts berufene Organ kann nach eigenem Ermessen den Religionsunterricht selber erthetlen oder den Lehrer mit den dazu nöthigcn Weisungen versehen. Die Kirchenbehörden bestimmen die Lehr- und Unterrichtsbücher für den Religionsunterricht, sowie den Umfang und Inhalt des religiösen Unterrichts­stoffes und den Lehrplan. Ein weiterer Antrag betrifft die Wtederverlechung der Rechtsgiltigkeit der Corporationsrechte an solche wieder zugelassenen Orden und Kon­gregationen, welche solche Rechte vor ihrer Auflösung bereits besaßen.

Amtlichen Nachrichten zufolge sind die auf den dänischen Eisenbahnlinien durch Schneeverwehungen eingetretenen Verkehrsstörungen bezüglich der wichtigeren Strecken wieder gehoben.

Luzern, 27. Februar. Der Verkehr auf der Gotthardbahn ist wieder frei.

Paris, 27. Februar. Menabrea konfertrte heute Vormittag mit Flourens. Nach einer amtlichen Mittheilung aus Hanoi von heute brannten daselbst 500 Häuser in dem Stadtviertel ab, wo die Tischler wohnen.

Einer Meldung derAgence Haoas" aus Konstantinopel zufolge dürfte der Zwischenfall von Damaskus keine Folgen haben. Wie jetzt bekannt wild, flüchteten einige Algierer, von Zapttes verfolgt, in das französische Consulat. Der Consul ließ das Thor schließen und lieferte die Zapties an den Vali aus, der sich später beim Consul entschuldigte.

Kopenhagen, 27. Februar. Der Eisenbahnverkehr auf Lolland und Falster ist, noch gestört; die Arbeiten zur Wegräumung des Schnees sind eingestellt. Die am Freitag Abend in Giedser angekommenen Reisenden sind noch nicht hier etn- getroffen.

Petersburg, 27. Februar. Die Fürstin Kotschubet ist gestorben.