Politische Ueberficht.
Gießen, 27. Februar.
Unser erhabenes Kaiserhaus ist durch das Hinscheiben des 22jährigen hoffnungsvollen Enkels unseres Kaisers, des Prinzen Ludwig von Baden, in tiefe Trauer versetzt worden, zumal ja die Sorge um den Kronprinzen ohnehin schon das greise Kaiserpaar schmerzlichst bewegt. Anläßlich des Hinscheidens des Prinzen Ludwig ist vom Berliner Hose eine 14tägige Trauer angelegt worden. Prinz Wilhelm hat sich als Vertreter des Kaisers am Samstag nach Karlsruhe begeben, um den Beisetzungs-Feierlichkeiten des Prinzen Ludwig, beffen Leiche am Freitag von Freiburg nach Karlsruhe übergesührt wurde, T>et* -«wohnen. — Aus San Remo wird berichtet, daß der Kronprinz durch dis Trauerkunde von dem Tode seines Neffen tief ergriffen worden ist. Die Aerzte hatten die Frage, ob es bei dem Zustande des Kronprinzen räthlich sei, demselben das Ableben des Prinzen Ludwig mitzutheilen, vorher reiflich erörtert und waren sie zu dem Schluffe gelangt, daß es besser sei, dem hohen Patienten die schmerzliche Nachricht sogleich mitzutheilen, als wenn ec sie unvorbereitet durch Zufall erführe. In dem relativ befriedigenden Befinden oes Kronprinzen selbst ist in den letzten Tagen keine besondere Veränderung zu verzeichnen gewesen.
Der Reichstag kann mit der am Donnerstag erfolgten Erledigung des Reichshaushalts-Etats, dessen noch vorzunehmende dritte Lesung wenig mehr als eine Formalität bedeutet, wiederum auf eine nun vollendete Hauptaufgabe der Session zurückblicken. Was jetzt noch übrig bleibt, stellt nur gesetzgeberische Arbeiten zweiten und dritten Ranges dar, mit denen das Haus jedenfalls auch bald aufräumen wird.
Das preußische Abgeordnetenhaus beschäftigte sich in seiner Freitagssitzung mit Petitionen und Anträgen. Nach sehr langer Verhandlung genehmigte das Haus den Antrag des Abg. Jansen, einen Gesetzentwurf zur Ermäßigung des Stempels für Veräußerungs-Verträge und für Pacht- und Meths-Verträge über Immobilien vorzulegen nach der von dem Abg. v. Below- Saleske vorgeschlagenen Fassung uno überwies den Antrag der Freisinnigen, einen Gesetzentwurf über den Erlaß der Relictenbeiträge für die Elementarlebrer anzunehmen, an die Retteten« Commission.
Die Reichstags-Commission zur Vorberathung des Ampach'schen Antrages auf Aufhebung des Jdentitäts-Nachwetses bei der Getreideausfuhr hat denselben mit 15 gegen 11 Stimmen in etwas abgeänderter Form angenommen.
Der zweitägige Danziger Socialistenproceß gegen Jochem ufid Genossen wegen geheimer Verbindungen hat mit Verurthetlung der Angeklagten zu Gefängnißstrafen von einer Woche bis zu drei Wochen geendigt. Bezüglich des aus gleichen Ursachen in Berlin spielenden Socialistenprocesses wird das Urtheil in dieser Woche erwartet.
~ äauP errolbert, auch eine gesetzliche Regelung schütze vor der
"Icht, wie d^ses die Fälle in Braunschweig zeigten. Eine absolute Sicher- । beit beftede nur bann, wenn nur gekochtes Schweinefleisch gegessen werde. Würde die HnnrrSaffirkn Obligatorische Trichinenschau einführen, so würde auch bei etwaigen Unglucksfallen die ganze Verantwortung auf sie fallen.
To $‘CfIauf ™irb bcr Ausschuß-Antrag nebst einem kleinen Zusatz Antrag des Aba Muth- ns .mm.g angenommenundzwar, daß die Summe van 118,298 bewilligt ,mit dem Ersuchen, die Salarrrung praktischer Thierärzte, welche auch amtliche
Funktionen verrichten können, für ärmere Landestheile in Erwägung zu ziehen.
^Ä^Tto’ “Ctben “l-400^ Kap. 53, Entbindungsanstalt Gießen, 16,800 </M, Kap. o4, desgl. Mainz, werden die Ausgaben und Einnahmen Kan 55
Holcim, 103,700 Kap. 56, Landes-Irrenanstalt, 142,000 Kap! 5?' roerben Me ®tnnabmen und Ausgaben, Kap. 58, Entschädigung für getödtetes
Vieh in Seuchesällen, 10,000 v4L, ohne Debatte genehmigt.
Kap. 59, Landwirthschafr und Förderung der Bodenmelioration. Wohl selten wu/de tm Landtage eine schärfere Kritik geübt und die sämmtlichen Redner mit dem Beifall des ganzen Hauses ausgezeichnet, als bei dieser Debatte
WM«1*? erster Redner ergriff Graf Oriola das Wort. Derselbe besprach in fast balbstundiger, mit vielem Beifall unterbrochener Rede die ungünstige Lage der Land- $4 en« ^nne keineswegs geleugnet werden, daß dieselbe auf der
Ausstellung in Frankfurt a. M. eine bedeutende Niederlage erlitten. Hier sei der Be- morden, daß der Landwirthschaft eine einheitliche Leitung fehle. Aber auch die Negierung habe sich seither sehr karg gezeigt in der Bewilligung von Sub- ventionen gegenüber unterem Nachbarstaate Baden, wo dieselbe in voller Blüthe stehe. Er wünsche und hoffe, daß Männer an die Spitze der landwirlhfchaftlichen £)ber= nÄkia? (AÄ?/ wurden, welche wirkliche Vertrauenspersonen der Landwirthe seien, die nöchige Sachkenntniß belaßen und ein warmes Herz für die Landwirthschaft hätten, um
Dekreten zu können. Den Gene'.alsecretär hinsichtlich seiner Person anzugrenen, .sei nicht seine Absicht, aber es sei seine Pflicht, hier im nnh hnrV ftimmfpn11“LaCT 1 Clf?e " Ä"^r .^ise das Vertrauen der Landwirthe besitze ?SpifnrMn S e,r' bie gesaminten Landwirthe der drei Provinzen zu.
(Beifall.) Er danke Großh. Regierung für die jetzt eingestellten Beträge, wenn diese au$. ^jb s? ^roß seien wie in Baden, aber bei richtiger Verwaltung lasse sich
brucf be^rüfeQ^* ^scheint im Sitzungssaale, von seinem Collegen Ullrich mitHände-
■ Abg. Michel äußert sich in ähnlicher Weise. Er bespricht ferner die öaltuna t)er landwirthsch^^^n^Zeitschrist, welche in so parteiischer Weise redigirt werbe, daß
°1 $aJe/ !° ro^en in Rheinhessen Massenaustritte aus den landwirth- 8?^ilichen Vereinen erfolgt. In derselben sei sogar einmal zu lesen gewesen der wl' 61
-..ISi."« S'ÄVMÄÄS °L7 L wirthschaftliche Verhältnisse gehalten. Hierbei habe der Saal, wo der Vortrag gehalten wurde, die Zuhörer kaum fassen können und die Leute hätten auf der Treppe und im Hof gestanden, em Beweis, daß Interesse für landwirthschaftliche Fragen vorhanden Lu’r fS erMemn^b^ aU§ Darmstadt einen Vortrag gehalten, hierzu seien jedoch
Westernach er bestätigt die Behauptungen des Grafen Oriola Er fei als Preisrichter in Frankfurt thätig gewesen und er habe mit Bedauern die Wahrnehmung gemacht, daß die hessische Landwirthschaft zurückgegangen sei.
. _ Elbg. Osann: Es sei bedauerlich, daß Seitens Großh. Regierung dieser Willkür eines Mannes so lange zugesehen worden sei, da doch dieselbe von den lebhaften Klagen über hbnselbcn Kenntniß haben mußte. Er habe stets beklagt, daß an der Spitze der landwirthschaftlichen Behörde em Vtann stehe, der seine einseitige Derfßnlirbp 9infirfit mit aller Gewalt durchzuführen suche, ohne mit ben
E9?b.örQUtJU Derselbe entbehre in jeder Weise des Vertrauens des Volkes. Er sei erstaunt, daß dieses sich so lange diesen Rustand und die fonlhinri hpr ^h^rthschaftlichen Zeitschrift habe gefallen lassen. Die Landwirthschaft müsse im durch einen eigenen Rath vertreten sein, da Arbeit in Menge für denselben ?i°?an?Cn C * aOr )In genannte Mann dürfe dieses aber nicht sein, sonst bitte er lieber den ganzen Poften zu streichen. (Beifall.) Es müsse für neues ßeb n ae orai werden und deshalb dürfe man an einer Stelle für einen Rath nicht kargen 6 9
♦ ;£* o s "icht nur, daß neues Leben, sondern auch neues
fTirUthpn gebracht werde. Die Vorredner hätten die Verantwortung
für den Rückgang der LandwiNhschaft auf zwei Schultern gelegt. Er spreche den ständm «e°schwi-gem^ aU16 b e ®tanbe icim Schuld, weil sie fo lange zu diefln 3u« 5nitiath,be9b®@ro6^3?™B.fiC6 Vel£an0t dne fräfti8‘
Wegen vorgerückter Stunde wird die Debatte auf nächsten Dienstag vertagt.
Rbruar. In der heutigen Generalversammlung des Vereins der Spirttusfadrikanten Deutschlands gelangten die Entwürfe für die Begründuna einer Spirrtusbank in Deutschland, welche die Ausschüsse, sowie die Generalversamluna des ^/lus zur Wahrung der Interessen des Rohspiritushandels bereits angenommen haben, R^f^i^b- Die Generalversammlung erklärte in einer einstimmig angenommenen hnfa°pp ^r°iect durchführbar und gab dem Vertrauen Ausdruck,
daß eo dem Ausschuß gelingen werde, das Projeet, welches die Zusammenfasfuna des itusbrennereigewerbes bezweckt, zur Ausführung zu bringen. In der SS!
Prvje'EendgMig vvrzubmit-n^ ^""b b£§ bir ®cn*l«mmlung ovrgelegten
Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht folgendes Bulletin:
Sr / $ e8 tUar' Bormittags w Uhr 50 Minuten. Di- Nacht brachte
K- iS"hell dem Kronprinzen einen mehrftündigen erquickenden Schlaf Weaen d-S
Fortbestehens des Hustens und AuSwurfcS ist mit Genehmigung des Kronprinzen der von 6nnin»nnMrt^n 5^?" °°^°schl°g°n° Professor Dr^ Kußmaul (Swäßburg, zur Bramann! 6““ m°tbcn' ™ai,ena,e' Schrader, Kraus-, Howell, v/ Bergmann,
,.. Altona, 25. Februar. Durch Schneeverwehungen sind bis auf Weiter.s fnmmt- 3‘“
Siito0ÄteerCUat- ®iC feietIi^e ®ei'e6un9 bes P-in-°n Ludwig wird am
Rußland.
m 4. 251 Februar. (Ausführlichere Meldung.) Das „Journal be Ci
^pfpt^bt°Urdf a a? Üblich der Interpretationen und alarmirmden Gerüchte betreffs des i
Metallumlauf einzuführen: Niemals sei davon dik Rede gewesen" den i Staat oder die Eisenbahnen zu ermächtigen, in Kreditrubeln zu bezahlen. Im letzten Las auswärtigen Presse gegen die russischen Fonds begonnen habe, W
das Journal die Gesichtspunkte des Finanzministers Wychnegradsky über gewissenhafte
Bekanntmachung. !
Kommenden Mittwoch den 29. I. M, Nachmittags 3 Uhr, findet eine Versammlung des landwirthschaftlichen Localvereins eler^U lm zum Holländischen Hofe statt, in welcher Landwirthschaftslehrer Leithiger von Alsfeld über die Anwenduna runstlrcher Düngemittel sprechen wirb. '
94 ersuche die Herren Bürgermeister von Lich und der Umgebung, auf geeignete Weise bekannt machen zu lasten dast diese Versamml.ma Jedermann unentgeltlich besucht und daß di- Anhörung de« Vortrages bei der bevorstehenden Feldbestellung allen Landwirthen bestens empfohlen werden könne
Gießen, am 26. Februar 1888. Der Director des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen.
-.1 । il i. ■ Rover.
Darmstadt, 25. Februar. fZweite Kammer der Landstände.) Nach der m W ?ie/ammer ihre Beratungen des Budgets
Mtt Kap. 48, Hsfbiblrothek und Museum, fort.
@ro6^ Gierung beantragt hier eine Mehrforderung von 2500 ja für ^ÄlU?9^n Unb der Hofbibliothek gegen Brandschaden, während fiT Jon
einer Versicherung des Museums abgesehen hat. Der Ausschuß glaubt aus nabe" I«0eni)en Gründen auch die Versicherung dieses Kunstinstituts anregen zu sollen und °°r, die Großherzogl. Regierung zu ersuchen, eine Vorlage an die sichel ist. " 8U Uilen' nad) welcher das Museum gegen Brandschaden zu ver- ,, ,c. sprach sich für eine solche Versicherung aus, denn man sei dem Lande
versichertd^„0^^-^"^sischotze, wie sie sich im Museum befinden, gegen Feuersgefahr , f Kugler spricht gegen eine Versicherung, plaibirt jedoch für einen Neubau in welchem alle Vorkehrungen in diesem Sinne getroffen werden könnten '
Wolfs?e"hl? Sinne sprechen auch die Abgeordneten Bergstraß er und rS. -serbur g spricht gegen eine solche Feuerversicherung, welche die Kunst-
Auße des Landes doch nicht vor der Zerstörung schütze. Er regt jedoch die Araae der Errichtung einer ftanbtgen Feuerwacht im Museum an ° 5Va0e öer
5B«MewnBW<,rbnetCn SR£in^arbt unb Gutsleißch sprechen für eine sofortige
rr erfolgter Abstimmung wirb die geforderte Summe von oqh u n.i±
Landesch-il-n ' 5 C' Kr-iswundärzi- -c. und deren Solar,rung in den ärmeren
hierüber enifpinni sich eine längere Debatte.
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