Die Krankheit des Kaisers.
Berlin, 24. April, 11 Uhr 20 Mtn. (Prioatdepesche). Bulletin von 9 Uhr Vormittags: Der Kaiser hatte eine recht gute Nacht. Das Fieber war heute Morgen ganz gering, das Allgemeinbefinden etwas besser.
Auszeichnungen dem Tapferen. Wer bei Gefahren, wie sie jetzt durch elementare Ereignisse unser Vaterland bedroht, als braver Soldat seine „Pflicht und Schuldigkeit" thut, der hat kaum etwas Anderes zu erwarten als den Dank Derer, denen er Hilfe gebracht, und das eigene Bewutztsein, ein gutes Werk verrichtet zu haben.
Berlin, 23. April. Die Extrablätter der Morgcnzeitungen brachten Folgendes: „Eine hübsche Episode spielte sich zwischen 3 und 4 Uhr Nachmittags al. Eine ehrwürdige elegante Dame (wie man sagte, eine Frau Fester aus Frankfurt am Main) bemerkte, daß viele der Umstehenden — es war Sonntag — Blumensträußchen hatten und regte an, daß man dieselben, besonders die Veilchen, sammeln und dem Kaiser als einen spontanen Gruß vom Volke hinaufsenden solle. Der Gedanke fiel auf fruchtbaren Boden. Schnell war eine große Anzahl der kleinen Sträußchen beisammen, die Dame unternahm es, sie in's Schloß zu befördern und verschaffte sich in der That Eintritt. Nach einiger Zeit kam sie freudestrahlend zurück. Die Sträuße waren ihr abgenommen und dem Kaiser überbracht worden. Als man ihm mitlheilte, woher sie stammten, ging es wie Helle Freude über seine Züge und er schrieb auf einen Zettel seines Blockpapiers: „Weiß die Kaiserin davon? Sie würde sonst was darüber sagen". Nach einiger Zeil kam die Kaiserin, - die inzwischen bet ihrem Gemahl gewesen, in der That selbst. Sie dankte der Dame, die man im Hofmarschallamte ersucht hatte, zu warten, sprach von der unaussprechlichen Freude des Kaisers über diesen noch nie da- gewesenen Gruß, fügte ihren eigenen Dank hinzu und sagte, daß das Befinden des Kaisers heute außerordentlich viel besser sei. Mit diesem Bescheid trat die Dame, nachdem sie huldvoll entlassen, wieder unter die Menge und in ihrer Hand hielt sie als kostbaren Schatz den vorerwähnten Zettel. Wie sie umringt wird, wie die Tausende sie verfolgen, immer wieder dieselbe Erzählung zu hören, läßt sich schwer beschreiben. Noch um 9 Uhr Abends war das Schloß umlagert. Erft als der letzte, Derbältnift= mäßig noch immer günstige Bericht erschien, zerstreute sich die Menge."
„ 24. April. Wil sind in der Lage, unseren Lesern nacbfteBenb die
?n0ftUnJUnfl '"stzutheilen, welche Herr Beigeordneter Gnauth seinem im Stadt- renetmi(C<n auf Ausarbeitung eines Planes für'dte unter- irdische Entwä ssrung der Stadt Gießen beigegeben hat.
„Die Abführung der Niederschläge und der häuslichen Brauch- "" ^5, Stadt erfolgt zur Zett In oberirdischen Rinnen und unterirdischen Dohlen, und zwar thnls nach der Wieseck direct (neuere Stadttheiles oder durch Ver- lA des Stadlbachs und des Stadtringgrabens
der Lahn). ” burd) offenc Gräben in di- Lahn (Gartfeld und Straßen rechts -feSSÄ? RifÄÄSE»', K
° b °1 irdischen Führung °d°r°ALsser'°'° WI ciner mßßl“W
Die Gleitung erfolgt meist vielmehr auf langen Strecken und oft sonderbaren ^Cr0cn B°nbfCr " ^Cn Gossen, was bet deren, im Allgemeinen geringen, Gefälle zur rl? im (Sommer die in den Brauchwassern enthaltenen Sinkstofie sich «fÄÄi'Äff *■; an tolch^-I, fiUrn,nhC,nU9rICtlt>.lf*Cn Ableitungen entsprechen im Allgemeinen nicht den n.n1,,/,! 8 b Anforderungen t zum größeren Tbetl bestehen dieselben aus rauh
Cn( ”(.O1 re^e« 0em Querschnitt, sind also danach schon zu einer laichen ».«Ännn* des zugesuhrten Wassers ungeeignet: sodann sind dieselben vielfach schwer zugänglich und so gen keineswegs der Richtung des stärksten Bodengesälles ” ’ b,T vertchicdencn Zweigen des Stadtbachcs und von dem Stadtringgraben, so sinnreich die Anlage derselben für frühere Reiten war so wenig genügt dieselbe den Anforderungen der Neuzeit. ' 1 0
Ebensowenig entspricht aber auch vielfach die Tiefenlage der gesammten @nb gesundheitlichen Rücksichten, wie sie für Entwässerung aller ober epOnJr? 1 r-Grundstücke bis auf die Sohle von in zweckmäßiger Tiefe angelegten Smjurnfe^affertpiegelS und thunltch- Gl-tchhaltung desselben der Grk°mitniß von der Unhaltbarkeit dieser Zustände bat denn auch bereits
S adtvorftand nach verschiedenen Richtungen hin Ausdruck gegeben: durch Legung
)es Ringgrabens und eines Theils des Stadtbachs in feste Steinsohlen, durch Äus- ,tn ber Altstadt und durch Anlage solcher in einzelnen Straßen der nrbXFnS”le bat man )nebtfa(6 und mit namhafte» Opfern auf Beseitigung ,milftä?bek htngearbcitet und es ist mit Sicherheit zu erwarten, daß dem- L?use der Jahre untere Stadt mit einem dichteren Retz unterirdischer nhtob.nn™ n (DÄen "^-1 muffen, welche sich ihrerseits den vorhandenen Haupt- mÄ6lAU.nrent e6cn1.Unb danach demselben Zweck dienen werden, welchen eine plan- hir a,lt®.rmSrUkn8 der ganzen Stadt zu erfüllen hätte. Auch die dabei im Lause oer >zeir erwachsenden Kosten werden benjenigen einer regelrechten Entwässerung sich Ä-M,? ,b0Vttb bie Anlage im Ganzen beim besten Willen nur Stückend Flickwerk sein im Gegensatz zu einem einheitlichen Plan
»Airft-\rteae ^Id)eP Vorgehens hat darum vor Allem die Feststellung eines trPtpn- iMn3*f+n/r b Lin5 ®tl!aeInc durchgearbeiteten, Entwässerungsplanes zu HS?/ or hÄ* 1 bebaute und darum für Niederschläge wenig aufnahms-
ayige Altstadt, dann für das unter besonders ungünstiger Vorfluth leidende Gartfeld, ÄTpLnLa'e r ^^btt&eUe. Die Lösung der dabei erwachsenden Aufgabe .fctn; insbesondere wird dieselbe erschwert werden einerseits durch die Rückwirkung der Lahnwasserstände, andererseits durch die Rücksichtnahme auf
Berlin, 23. April, 9 N. Die heutigen Nachrichten über das Befinden des Kaisers geben wieder einmal der Hoffnung Raum, daß dieser Anfall noch einmal überwunden wird. Im Laufe des gestrigen Nachmittags war das Fieber fast ganz überwunden, die Temperatur 37,8. Erst in den späteren Abend- und Nachtstunden, flieg das Fieber wieder, erreichte aber nicht die Höhe der vergangenen Tage. Heute Vormittag war es bis auf 38,3 gefallen und es ist im Laufe des Tages noch weiter ?.<rUmCI0e0an0en- Der Kaiser fühlt sich heute im Allgemeinen wohler, und da er reich- Nahrung emnimmt und verdaut, so Werden sich auch die Kräfte, die in den letzten Tagen allerdings gelitten haben, wieder heben. Die Eiterabsonderung erfolgt noch immer in mäßigem Umfange. Der Husten, der zuweilen störend auftritt, steht mit ihr in Verbindung. Die Aerzte fanden bei der heutigen Consultation Vormittags den Kaiser in wesentlich gehobenerer Stimmung, und er gab seiner Freude Ausdruck als ihm in Aussicht gestellt wurde, daß er auf einige Zeit das Bett verlassen könne. Auch die heutige Untersuchung hat wieder ergeben, daß die Lungen vollständig frei sind. Söenn mat neue und unerwartete Zwischenfälle eintreten, dürfte nach Annahme der behandelnden Aerzte die Besserung in den nächsten Tagen fortschreiten. Dr. Mackenzie hat sich nunmehr entschlossen, den beleidigenden Unwahrheiten, die gewisse Blätter über tbn verbreitet haben, durch Berichtigungen auf Grund des Preßgesetzes entgegen zu treten. Die ,,Kreuzztg." sieht sich daher gezwungen, folgendes Schreiben des englischen Drztes zu veröffentlichen: Die „Kreuzztg." (Neue Preußische Zeitung) vom 15.D.M.
bnthall eme mich betreffende Darstellung. Auf Grund des Preßgesetzes § 11 m 'Ä nrlc "m gefl. Aufnahme der folgenden Berichtigung und zwar an gleicher Stellt — Die Bemerkung, daß ich rathlos war, und aus diesem Grunde an ??0rL~ Donnerstag den 12. d. M. - nach Professor v. Bergmann schickte, ist absolut falsch. Wahrheit ist, daß ich, da Professor v. Bergmann in Ver- emigung mit mir die chirurgische Behandlung Sr. Majestät des Kaisers leitet, es für gegen den hervorragenden Chirurgen hielt, ihn zur Unterstützung einzuladen, wahrend ich für die ihrem Zweck nicht mehr dienende Kanüle eine geeignetere einführen ro“r^ ^.Professor v Bergmann seinerseits die Einführung der neuen Kanüle zu wünschen schien, so erhob ich keinen Einwand. Aber er hatte mit seinen Versuchen Ä' uud die neue Rohre wurde schließlich von Dr. Bramann eingesetzt. Da meme Hoilichkeit zu falschen Darstellungen durch Sie und Andere Anlaß gegeben hat, w habe ich seitdem, wenn nothwendig oder wünschenswerth, die Kanüle gewechselt, ohne Professor v. Bergmann zu rufen. Hochachtungsvoll Morell Mackenzie." Die von der „Post veröffentlichte Berichtigung lautet: „Die „Poft" vom 19. d. M. enthält eine ^0^? betreffende Notiz. Auf Grund des Preßgesetzes § 11 ersuche ich höflichst, an gleicher Stelle Folgendes zu berichtigen. Es ist absolut unwahr, daß erst auf bte Intervention von Dr. Wegner das Erscheinen der englischen Aerzte ermöglicht wurde und ebenso unwahr, daß Dr. Wegner zu dem Nachtwärter sagte- Das n°?tß* Hdurchaus erfunden, daß Dr. Howell bereits schlief, als Dr. Wegner kurz nach 10 Uhr kam, denn weder Dr. Hovell noch ich gingen in jener Nacht vor 12 Uhr zu Bett. Hochachtungsvoll Morell Mackenzie." (Fr. Rta.)
-3-April, 10. N. Das Bulletin vom 23. April Abends 9 Übr lautet!- Der Zustand des Kaisers bat sich heute im Laufe des Tages nicht geändert. Der Kaffer war kurze Zeit außer Bett. sW T B
F^'k?prik Das Befinden des Kaisers war bis in die späten
Abendstunden befriedigend, die Temperatur meist 38 bis 38.2. Der Kaiser war etwa 4 Stunden außer Bett was ihm gut bekommen ist. Die Besserung der allgemeinen Stimmung und die Kraftezunahme des Patienten dauern fort.
Telegraphische Depeschen.
Wolff s ielegr. «Korrespondenz »Bureau.
k ?3. April. Die Kaiserin Augusta, die Großherzogin von «Bnhpn
s" PtinSt tn 9°ri£lninBen fta,tekn dem Kaiser in Charl°ttenburgE,nen
— Der Kronprinz arbeitete gestern von 10 Uhr ab allein nnn 111/ ntr um T2vngu6ar,6b?n%lbnM(C1“- emp£n0 um 12 Uhr den Oberstkämmmr Stollberg, »r-" ~ S, L! S:
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berzogm von Baden, der Kronprinz, die Kronprinzessin und Nrin!(Spinri*i Million. Von Den Ersparnissen, über tvelcbeDer Är Snfana^
v-'fügte, erhalten Kaiser Friedrich drei Achtelbie^@?oftbenoain
ausgesetzt^Krontresor sind zwölf Millionen überwiesen. Der Rest ist für Legate
- Wie verlautet erhielt Generallieuienant v. Grolman I. das vierte Armee^ bNgPad-^7°°ch."Di°7siom $Ct,en: b*SbCr ^""N°nd°ur der zweiten
t ^rber den Besuch der Königin von England meldet die „Nordd. Alla Sla " • Mtt derselben treffen ein Prinzessin Beatrice mit ihrem Gemahl dem Prtn.en von Bo tenbera, in ihrer Begleitung befinden sich Lady Churchill, General Tensinlv Mid Lkr'smg ÄDW1 6lavr Unb ™aior D-e ArÄMh’SS ^oddnÄ^^Ä
» nnP7i' ju überreichen. Jeder Unverheirathetc soll Berlin s7ort7etta sin
knC M/Hrforderung nicht bewilligt wird. Jeder, welchem der Mebrverdi nst MtzL' d7r uLen1u"die S^ikttasse'abl'teL."'^''^^^ -ur iinter-
4 Uhr d7'^.'ch?kanfi°7Fürsss7 Ärtf -m-fivg heut- Nachmittag um
Bismark kum demnächst di- Ernennung des Grafen Herbert
«S» b'-»u dem an, nach welcher den Lehrern nach einer zehn- resp. zwamia- und r ^soluston
-eit durch angemessene Alterszulagen ein gewisses Mimmalgehalt ^zu aaÄnti^'^' Ferner wurden in zweiter resp. dritter Lesuna mehrere auf her t^pIa Mantiren ist. kleine Vorlagen genehmigt, Darunter die Vereiriaun^ her PnnL^m0;* * * * 5 * *^^11!!?0 übende »nb @eefknbwfBUnb^’bie“&™Xunr^reabR
noeft mehrer- Wahlprüfungen erlcbigr unb ber Antrag bes Abgeordnete^ Verbot von Surrogaten bet der Bierbereitung an eine Commiffion venoieien^^" ?uf ZLn7k°mme^ ,tattfinbmb“ Atzung °w-rden
die als eine Verletzung des Asylrechts erklärt wurden. 0 stattgefundm,
23. April. Die Königin von England ist soeben mittelst .
zugs hier etngetroffen und wurde von dem Kaiser, welcher die große MaricBM^?^'
r. Pari-, 23. April. Ministerpräsident Floquet besuchte gestern die^größeren ®nfH‘ poften von Paris, versicherte die Polizeiagenten der Fürsorg der N ai^
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^pnrtuqUe'( n f /ke Artige Beseitigung der Präsidentschaft der Republik sowie des (®r nnL h a,n^fr-rb' Muni-ipalrath verwies den AntragsTn^ dü? SornÄ
e Sun0 des Polizeiprasecten entgegen, worin sich derselbe gegen jede alle ^oulangiften durch die Polizeibeamten verwahrt und erklärst daß er
Volksversammlungen, sowie das Umherziehen lärmender Banden verhindern werde Der Municipalratb nahm Act von dieser Erklärung und forderte ben Mlt^präsictm auf, "ü-anttrepublikanischen Beamten aus seinem Personal zu entfernen.
n,r,ln apr.l.r; Der Deputirte Chimirri hielt gestern In dem hiesigen Preß-
^ k.btneu Vortrag über den verewigten Kaiser Wilhelm den Siegreichen. Fm Saale E dufte des Kaisers Wilhelm, von Kopf, aufgeftellt, umgeben von italienischen und deutschen Fahnen. Em zahlreiches auserlesenes Publikum, unter welchem sich ber
Botschafter, Graf Solms, und die Deputinen Bonghi, Chiala, Derenzis sowie de Generale^tLadorna undPozzolini befanden, wohnten dieser Gedächtnißfeier bei.
^i • Nachrichten aus Palmas (Kanarische Inseln) zufolge an^nd^k^!"^^,orf"en die englische Factorei Eabo Luby an der afrikanischen Küste derselben Mome " ®enmtC' Unter ben G-tödieten befindet sich auch der Director


