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Nr. 96 Mittwoch den 25. April 1023,

«Siebener Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für dm Kreis Gießen.

Schulstr-ße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Q

Amtlicher Hßeit.

Betreffend: Besichtigung der Gemeindezuchtstiere und Zuchteber des Kreises Gießen. Gießen, am 24. April 1888.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Großherzoglichen Bürgermeistereien der nachbenannten Orte.

Die Besichtigung der Gemeindezuchtstiere und Zuchteber durch die Körcommission Grünberg wird an folgenden Tagen stattfinden:

Am 30 April in den Orten: Göbelnrod, Saasen, Lindenstruth, Harbach, Hattenrod, Ettingshausen und Queckborn.

Am 1. Mai in den Orten: Beltershain, Reinhardshain, Winnerod, Bersrod, Beuern, Allertshausen und Climbach.

Am 2. Mai in den Orten: Münster, Nieder-Bessingen, Ober-Bessingen, Nonnenroth, Villingen und Röthges.

Am 4. Mai in den Orten: Lumda, Geilshausen, Keffelbach, Londorf, Allendorf a. d. Lumdas Treis a. d. Lumda, Rüddingshausen, Weitershain und Odenhausen.

Am 7. Mai in den Orten: Grünberg, Stangenrod, Stockhausen, Weickartshain und Lauter.

Sie wollen die Bullen- und Eberhalter anweisen an den bezeichneten Tagen zu Hause zu bleiben und die Thiere der Commission bei deren Eintreffen Dorzusühren. Auch wollen Sie sich selbst bereit halten, um der Commission förderlich sein zu können.

Dr. Boekmann.___________________________________

Betr.: Gang des Dekanatsboten. Lang.Göns, 27. April 1888.

Das Großherzogliche evangelische Dekanat Gießen

an fämmtliche Pfarrer des Dekanats.

Der Gang des Dekanatsboten für den Monat Mai findet am 30. April und 1. Mai statt.

Dr. Strack.

Politische Rundschau

Gießen, 24. April.

Die Nachrichten vom Schmerzenslager Kaiser Frtedrich'S sind fortgesetzt derart, daß das deutsche Volk aus dem peinlichen Zustande des Schwebens zwischen Furcht und Hoffnung nicht herauskommt. Wenn den einen Tag die Meldungen ein wenig beruhigender klingen, so lassen sie vielleicht schon am nächsten Tage stündlich das Schlimmste befürchten, um dann am dritten Tage einen neuen Hoffnungsschimmer in den Herzen zu erwecken und dieser Wechsel von verhältnißmäßig beruhigend klingenden, von weniger günstigen und von durchaus pessimistischen Nachrichten in der gegenwärtigen Krankheitsperiode des Kaisers wirkt begreiflicherweise nicht sonderlich beschwichtigend auf die aufgeregte öffentliche Stimmung em. Der Uebergang aus der vorigen Woche in die jetzige vollzog sich unter dem Eindrücke wieder besserer M l- jh-ilungen über das Befinden des Kaisers, aber wer machte wohl bürgen, daß zur Stunde nicht schon eine abermalige kritische Wendung eingetreten ist. Die ltiacht vom Samstag zum Sonntag verbrachte der hohe Kranke im Mg-meinen gut und auch der Sonntag verlief ziemlich ruhig, das Fieber namentlich erwies sich tagsüber geringer als sonst, um jedoch am Abend, wie gewöhnlich, sich wiederum zu steigern. Die N ch vom Sonntag zum Montag war öfters durch Husten unterbrochen, a e f 1 .

brachte sie der Monarchleidlich", wie sich der osstciose Bericht ür i^ner bekannten gewundenen Weise ausdrückt, auch das Fieber «ar am Montag Morgen Der Kaiser nimmt verhältnißmäßig große Mengen flüssiger Ehrung I ff , (

von Milch und besonders kräftiger Bouillon (Fleisch.hee) zu sich, vbwoh sei W nicht eben bedeutend ist. Die geistige Regsamkeit des Schwerkranken ist mit feinem körperlichen Zustande nur wenig in Einklang zu bringen und es b gesetzten Mahnungen der Aerzte, um dem Drang des Kaisers, Regierung g sch f Art zu erledigen, zu dämpfen. Der geistigen Vollkraft und Regsam Herrschers entspricht freilich seine Gemüthsstimmung nicht mehr und $ b ihm öfters eine starke seelische Niedergeschlagenheit geltend, bte aacrbtn0^^^^ oft verzweifelten Lage und der schweren Leidensstunden nicht verwund ch i Gleichwohl erträgt er seine Leiden mit heroischer Gelasienheit und lach so heiter an, als wollte er ihnen selber Trost spenden.

Die Königin Viktoria von England dürste - falls in ihren Positionen in letzter Stunde nicht noch eine Aenderung betroffen wordei > heutigen Tag aus der Heimreise von Italien nach Engllmd im Eharlottenbu g b J schlosse eingetroffen fein, woselbst die hohe Frau bis Donnerstag> zu. Es sind nahezu 30 Jahre her, daß die englische Monarchin m t ^Deutschland Albert Berlin und Potsdam besuchte und so oft auch d e Königin Victor W

seit dieser Zeit auf ihren Reisen berührte - nach Berlin am be "-d-r.^M jetzt ist sie nun als Gast des Kaiserhauses in der benttöen ^,bermann

erschienen und die tief traurige Veranlassung zu bciem. Scbii.leg^obne der

er gilt dem aus seinem Schmerzenslager ringenden kalter ch , ber ycju(b Monarchin, er gilt ihrer schmerzgebeugten Tochter, der 7», welch« der Betuch der königlichen Mutter Trost und Wiederaufrichtung in d! Svmpathie den

soll und begrüßt daher ganz Deutschland schmerzbewegt, aber mit tiefer isympaiyee «riauchten Gast seines Kaiserhauses.,,6Pr

Das preußische Abgeordnetenhaus hat 'n seiner^^ksschullasten, der Nothstandsoorlage auch die Vorlage, betr. die Erle $ run0 c[erica[;confer0(ltl0en definitiv angenommen. Die letztere Vorlage ist in der F Commission erhöhten Beschlüsse genehmigt worden, nur bei S 1 wurden die non jerneftettt. Die

Sätze des Staatszuschusses wieder im Sinne der ^«"eug^ unbedenklicheVer- Belchlüsse der clericai-eonservativen Mehrheit b-beutei *» Zustimmung der befierung" der ursprünglichen Vorlage und ob fte in b f ö besonders, nachdem Regierung finden wird, erscheint darum noch nid)t o f 1tö 1 erhaltene osfictöserseits erklärt worden ist, daß der - auch d "er peiung - Beschluß über die Abänderung der Verfassung unannehmbar I

Das deutsch-österreichische Büuduitz ist auch in der Spectaldebatte des österreichischen Abgeordnetenhauses wiederum gestreift worden. In der Samstags­sitzung bezeichnete Abgeordneter Neuwirth bei der Discussion über die Capttei Mmisterratb" und ..Gemeinsame Ausgaben" eine friedliche Verständigung Oesterreichs mit Rußland im Hinblick auf die materiellen Interessen Oesterreichs im Orient als sehr wünschenswerth. Der Finanzminister Dr. Dunajewski constatirte in seiner Er­widerung, daß in der Monarchie eine Neigung zu kriegerischer Action nicht bestehe und erklärte er weiter, die Pflicht und das Interesse der österreichischen und der ungarischen Regierung bestünde in der gegenwärtigen Zett zunächst darin, so viel wie nur möglich für die Entwickelung der Wehrkraft des Reiches zu thun. Diese Haltung beider Regierungen stehe im vollen Einklänge mit dem Buchstaben und dem Geiste des all­seitig und mit Recht gepriesenen Bündnisses mit dem deutschen Reiche. Diese wiederholte Betonung der Allianz Oesterreich-Ungarns kann gegenüber den Ausfällen des Ezechen Vasaty gegen das Bündniß nur mit Genugthuung erfüllen.

In der Samstagssitzung des französischen Senats entwickelte der Cabinets- chef Floquet in großen Zügen die allgemeine Politik des Eabinets. Vor Allem er­klärte er, daß zur Verfassungs-Revision, welche Frage noch einer näheren Klärung be­dürfe, die Zustimmung des Senats nothwendig sei. Die autonomistischen Bestrebungen des Pariser Gemeinderathes wolle die Regierung bis zu einem gewissen Grade unter­stützen, aber die hauptstädtische Polizei könne sie dem Gemeinderathe nicht überlassen. Bezüglich der Abänderung der Zusammensetzung des Senats meinte Floquet, das Cabinet würde hierauf bezügliche Anträge einbringen, dieselben aber vorher dem Senat vorlegen Zur Bekämpfung der gegenwärtigen Gefahren empfahl Floquet die Ent­wickelung einerdemokratischen Energie" und was der französische Eabtnetschef hier­unter versteht, deutete er in seinen weiteren Auslassungen an. Da soll man die par­lamentarischen Institutionenfrei walten lassen", man müsse die Massen ihren Irrthum erkennen lassen und müßten dieselben das Vertrauen zur Regierung wiedergewinnen, die Aufgabe der Negierung sei dann eine leichte. Floquet will dieses Ziel dadurch erreichen daß er, wie er zum Schlüsse versicherte, der Dictatur die Grundsätze des republikanischen Regimes entgegenzusetzen gedenkt. Mit bloßen Grundsätzen ist aber dem Boulangismus schon längst nicht mehr beizukommen, das sollte Herr Floquet doch wissen - nun, es muß sich ja bald zeigen, wie weit er mit seiner gepriesenen demokratischen Energie" kommen wird! Vorläusig hat er die Genugthuung, daß ihm der Senat mit 135 gegen 106 Stimmen sein Vertrauen aussprach, obwohl Leon Renault vom linken Eentrum sehr richtig erklärte, die Darlegungen Floquets seien ebenso unbe­stimmt wie ungenügend.

Darmstadt, 21. April. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Aller- gnädigst^ foen Amtmann Ludwig Nebel zu Friedberg zum Amtmann bet

dem Kretsamte Gießen zu ernennen.

22 Avril. DerMagd. Ztg." schreibt man: Die von dem Minister des Jrmern entworfene Darstellung von dem Hergang bei den Ueberschlvemmungm rollt die düsteren Bilder der Roth und des Elends, das die Hochwasser über blühende Gegenden unseres Vaterlandes gebracht, noch em mal vorunseren-Augen auf. ES wäre wünschenswerth, wenn sich daran eine ofsictelle Darstellung über die Hilselelsiungen, melcke unsere braven Truppen bei der Wassersnoth gebracht, anschließen wurde. In den überschwemmten Ortschaften selbst ist man, wie wir einem Prrvatbrtefe. entnehmen, des Lobes und Dankes voll über die aufopfernde edelmüthige Haltung, unb Mannschaften in schönem Wetteifer beim Rettungswerk an den Tag gelegt. Es mnat wk ine U berk ibung, ist aber die reine Wahrest, bab in ben eibnieberungerr Sere oon SBebrobten ihr Rettung vorn Tobe lebiglich ber Unerschrockenheit unb ass*

N sinb kühne Thaten vollbracht worben von Cfficieren.ioie von So baten bte sich