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diesen Beschluß des Reichstages ist nicht nur dem Nationaldanke für Kaiser SVilhelm rascher uns würdiger Ausdruck verliehen, sondern es ist dadurch auch allen localen Bestrebungen dieser Art der Vorrang der geeinigten ganzen Nation vorangestellt worden.

Als die wichtigsten Beschlüsse des Reichstages in letzter Session rufen wir folgende unseren Lesern in das Gedächtniß zurück: 1) Das neue, einmüthtg beschlossene Wehrgesetz, welches die Streitkräfte des Reiches auf 3 Millionen Streiter erhöht uno die nationale Freiheit gesichert hat; 2) die Verlängerung der Legislatur-Periode von 3 auf 5 Jahre; 3) die Erhöhung der Kornzölle; 4) Verlängerung des Socialistengesetzes und 5) eine Reihe kleinerer Gesetzentwürfe über Erweiterung des Unfallversicherungs-Gesetzes, Vogelschutz, Rechtsverhältnisse in den Colonien u. s. w.

Gegenüber einigen in freisinnigen Blättern ousgetauchten Ver- muthungen, daß Kaiser Friedrich möglicher Weise dar Gesetz bezüglich der Ver­längerung der Legislatur-Perioden des Reichstages nicht fanctioniren werde, wird osficiös erklärt, daß der Kaiser dieses Gesetz bereits unterzeichnet hat.

In der österreichisch-ungarischen Monarchie zeigt man e,r.e.i großen Eifer in der Vollendung militärischer Reformen. So fanden am Dienstag und Mittwoch in Wien unter dem Vorsitze des Kaisers miu- tärische Conferenzen statt, an welchen der Erzherzog Albrecht, der Kriegs- Minister v. Bauer und der Generalsstabsches von Beck Thetl nahmen. Auf kaiserlichen Befehl ist auch der Kronprinz, um der Infanterie als der Haupt- waffe des Heeres einen besonderen Beweis kaiserlicher Fürsorge zu geben, zum Generalinspektor der Infanterie ernannt worden. Am Donnerstag begannen in Wien auch die gemeinsamen Conferenzen der österreichischen und ungarischen Minister, und dürsten dieselben sich über die Summe einigen, welche über das Heeresbudget hinaus zu militärischen Zwecken gefordert wird. Ungarische Blätter nennen als diese Summe 60 Millionen Gulden.

In der leidigen B oulanger«Affaire hat die französische Regierung einen über alle Erwartungen großen Sieg davon getragen. Es kam dies daher, weil bereits am Montag ein The«l der radikalen Republikaner sich von dem Gebühren Boulanger's als Frankreich und der Republik gefährlich lossagten. Auch die Führer der Monarchisten, wie Cassagnac und Villneuv, wagten nicht für General Boulanger einzutreten, sondern erklärten nur, daß die ganze Aufbauschung der Boulanger-Affaire lediglich von der Schwäche der Republik und dem geringen Ansehen der Kammern he rühre. Darüber waren die Republikaner so erbost, daß sie sich rasch etmgtev. Der Ministerpräsident Tirard erklärte rundweg, daß der Mmisterrath beschlossen habe, den General Boulanger wegen Vergehens gegen die Disc-plin vor em Kriegsgericht zu stellen und stellte diesen Beschluß zur einfachen Tagesordnung, die mir 349 gegen 93 Stimmen angenommen wurde. Den Vorsitz über das Kriegsgericht in Sachen des General« Boulanger führt General Faidherbes. Man nimmt allgemein an, daß General Boulanger mindestens aogesetzt werden wird und dann nur noch eine Rolle unter dem republikanischen Pöbel spielen dürfte. Frau Limousin, jene rassintrt freche Helferin in dem Ordensschwindel des Generals Coffarel und Wilsons, ist zu sechs Monaten Gefängnitz verurthetlt.

Die Reibereien zwischen Italien und Frankreich haben dadurch neue Nahrung erhalten, daß da» italienische Armeeblatt mit der Anklage her­vorgetreten ist, daß Frankreich einen Uebersall der italienischen Häfen, ins­besondere des Kriegs Hafens Spezzia geplant habe. Im kritischen Moment hätte aber die italienische Regierung Wind von dem Projekte der französischen Marine bekommen und eine gewaltige Vertheidigung angeordnet. Daß man sich vor zwei Monaten nichts Gutes von Seiten Frankrelchs im Mittelmsere versehen habe, daraus deute auch die Anwesenheit der englischen Panzerflotte unter Admiral Hewett hin. Ebenso lasse sich daraus die damals so seltsam klingende Frage dieses Admiral« in Genua erklären, wo Admiral Hewett er- staunt gefragt babe, ob noch keine Kriegserklärung vorläge.

Darwstadt, 21. März. Se. Königl. Hoheit der Großherzog empfingen heute Vormittag den Kanzler der Landes-Universttät Gießen Prof. Dr. Gareis behufs Entgegennahme nachfolgender Adresse:

Allerdurchlauchtigster Großherzog!

Allergnädigster Fürst und Herr!

Ganz Deutschland klagt tieferschüttert um den vielgeliebten entschlafenen Kaiser. Denn sein Leben hat uns Allen gehört, und ein Jeder von uns hat die großen Erfolge Seiner ruhmreichen Regierung mit genießen dürfen. Möge e« daher der Großh. Landes-Universität vergönnt sein, die Empfindungen auf­richtiger, inniger Trauer vor Ew. Königl. Hoheit zum ehrsurchtsvollen Ausdruck zu bringen und Ew. Königl. Hoheit allerunterthänigst zu bitten, Höchstdieselben wollen hochgeneigtest diesen Ausdruck Sr. Majestät dem deutschen Kaiser Friedrich III. übermitteln. Gott der Allmächtige möge Se. Majestät unfern erhabenen Kaiser schützen und stärken jetzt in den Tagen der Trauer und erleuchten zu den hohen Pflichten Seines Lebens zum Segen des Kaiserl. Hauses und unseres deutschen Vaterlandes.

Ew. Königliche Hoheit allerunterthänigste, treugehorsamste Rector, Kanzler und Senat der Lander-Universität:

r Dr. Heß. Dr. Gareis.

Gießen, am 20. März 1388.

, 21. März. (Erste Kammer der Stände.^ Die Eröffnung

der Sitzung sinket um V2W Uhr statt und tritt die Kammer sofort in die Fortsetzung der Berathung des Hauptvoranschlags 1888-91, Kap. 48.

Debattenlos trat die Kammer bei den Kap. 48-137 den Beschlüssen der zweiten Kammer bei und erledigte somit das ganze Budget.

°t-Berathung des Unfallg-s-hes für land- und Wrstwirthschaftliche Arbeiter und genehmigt- nach den gefaßten Befchlüffen der zweiten Kammer die Art. 126 ohne Debatten. Nächste Sitzung Donnerstag 10 Uhr.

Telegraphische Depeschm.

SBolfpS telege,

, »Berlin, 21. März. Se. Majestät der Kaiser hatte eine gute Nacht und fühlt sich gekräftigt Er empfängt Nachmittags 2 Uhr die Kronprinzessin. - Vor der ÄaHgtn Victoria findet im Schlosse zu Charlottenburg eine Trauercour statt wofür der Samstag in Aussicht genommen ist. ' ' roo,ur

sich N-chmittags^KaK' roUrbE m*tta6S D°m S?rOnprinltn ^«ng-n; « begibt «mir 21. März. Der Kaiser confer irte Vormittags längere Reit mit

AbÄs>e"nack sS p Kaiserin-Wittwe empfing Nachmittags den General Werder vor dessen ^mn^sd^ersburg und ertheilte dem Nuntius Galimberti Audienz. Der Groß- u6 anb/ welcher gestern Abend nach Petersburg abreiste, ist von Küstrin, wo die Schneeverwehungen die Weiterfahrt verhinderten, hierher zurückgekehrt.

I - Prinzessinnen Victoria , Sophie und Prinz Heinrich besuchten das

kaiserliche Paar gegen 12»/« Uhr. Das kronprinzliche Paar mit Kindern traf um 1 Uhr f bet den Maiestaten ein. * y

- c derlin, 21. März. Der Bundesrath überwies den Gesetzentwurf, betreffend Abänderungen der Gewerbeordnung (Heilighaltung der Sonn- und Feiertage) den Aus- schulsen für Handel, Verkehr und Justizwesen. Der internationale Vertrag zur Unter;

«rannttt>etn$anbeI3 unter den Nordseefischern auf hoher See wird zur ^^^ochsten Ratlsikatton vorgelegt. Der Gesetzentwurf, betreffend Entschädigung für routbe bbm Justtzausschusse überwiesen. Anlangend den Rtlliak?iOSrT russischem Roggen zum früheren Zollsätze, wurde aus Btlligkettsruckstchten der Zulassung zu dem früheren Zollsätze stattgegeben.

21; Marz. Das Herrenhaus erledigte mehrere kleinere Vorlagen und uahm den Gesetzentwurf über die Abänderung des Art. 73 der Verfassung (fünfjährige Legislalurpertode) «n bloc an. Bei der Berathung der Denkschrift über die Thätigkett für Westpreußen und Posen wurde eine Behauptting b!,n,^owmission sich bet den Ankäufen von persönlichen Rücksichten leiten ließe, vom Minister Or. Lucius als gänzlich unbegründet nachgewiesen und von Miquel und Klefft-Retzow auf das Entschiedenste zurückgewtesen

Vorlag^t ^Ir^B^ra^hung.^ um Uhr statt. In derselben kommen kleinere

Das Abgeordnetenhaus erledigte den Rest des Etats in dritter Lesung und b?rau^ d^n Etat im Ganzen, sowie das Etatsgesetz. Das Haus erledigte !K"bßlich mehrere Vorlagen in Krttter Lesung und eine Reihe von Petitionen fast ohne Debatte und^ vertagte sich auf Mittwoch den 11. April um 11 Uhr, um über die Reau- berctthen^ Verhältnisse der Weichsel und Nogat .und über kleinere Vorlagen^zu 21' ^^^nbahnbetriebsamt Berlin theilt mit: Die Ver­kehrsstörungen auf den Strecken Ducherow - Stralsund , Ducherow - Usedom, Jatznick- h,rrfSpUXbm^ find behoben. Auf der Rügenbahn, sowie auf

^^recke UsedoM'Swtnemunde wtrd der Verkehr voraussichtlich im Laufe des heutigen Tages wieder ausgenommen. y u

.a 2L März. Nach Bekanntmachung des hiesigen Eisenbahn-Betriebs-

aufg^nommen ^^nen- und Güterverkehr zwischen Hamburg und Hannover wieder in Stadt Dömitz ist überschwemmt. Das Wasser steht

P ctcr die Einwohner flüchteten nach der Eitadelle. Der Post- und Ersenbahnbetrieb ist eingestellt.

Ä-iirz- Die Stadtverordneten nahmen gestern die Vorlage des h?mirnrttap ' b-,trcffei?b Mung der Großschifffahrt durch die Stadt Breslau an und bewrlltgten mtt großer Majorität alle daraus bezüglichen Forderungen.

Thorn, 21. Marz. Im Bezirk des diesseitigen Eisenbahn-Betriebsamts sind 1iUr r^^^^^^orn-Allenstein und Thorn-Alexandrowo fahrbar; alle übrigen Strecken sind durch Schneeverwehungen gesperrt

Ä' IN' erl Mitglieder der Rechten enthielten sich gestern der 208 Republikanern und 71 Mitgliedern der Rechten. Die Blatter brllrgen merstentheils die Abstimmung.

^"^lge erklärte Boulanger , da er durch keine mili- sich mrschtteßen^^ wehr zuruckgehalten sei, werde er der Wahlagitation seiner Freunde 9s r März. Die Blätter melden, daß das Untersuchungsgericht in der

Angelegenhett Boulanger erst Samstag oder Montag zusammentritt. Boulanger ist ^^wont-Ferrand nicht hierher zurückgekehrt. - Nach dem den Blättern zugehenden halbamtlichen Eommuniqu4 sind betreffs der Reise des Präsidenten Earnot nach 9tord- frankretch noch keine endgtttigen Bestimmungen getroffen.

21- März. Felix Pyat weigerte sich, zu Gunsten Boulanger's seine Eandidatur zuruckzuziehen.

tm-rn London, 21. März. Die Königin empfing gestern den in außerordentlicher Mission von Berlin hier eingetroffenen preußischen General v. Los, welcher die Thron­besteigung Sr. Maiestat des Kaisers Friedrich anzeigte.

London, 21. März. Die Königin trat mit dem Prinzen und der Prinzessin von Battenberg und Gefolge heute Nachmittag die Reise nach Italien an.

21 r^er Nychstag beschloß, den Zoll auf Branntwein und Spiritus in Fässern von 60 Oere auf 75 Oere, in anderen Gefäßen von 90 auf 111 Oere pro Liter zu erhöhen.

Stockholm, 21 März. Seit drei Tagen ist in Folge der durch Schnee­verwehungen heroorgerusenen Verkehrsstörungen keine ausländische Poft mehr angekommen, ^tnabon, 21. Marz. 3n Oporto brach im dortigen Theater in folge einer @an^plo?on ??hrend des letzten Actes der Vorstellung Feuer aus. Das Theater ist vollständig zerstört. Bisher sind zehn Tobte und zahlreiche Verwundete aufgefunben worben. Rach einem spater angekommenen Telegramm stürzten sich viele Zuschauer, da sie das ^rete nicht gewinnen konnten, aus den Fenstern auf die Straße. Mehrere Per oneii erstickten, andere wurden beim Ausgange erdrückt. Die Mehrzahl der Ver­unglückten saßen in den Logen des dritten Ranges und den Galerien. Ganze Familien sind umgekommen. Die Zahl der Tobten wird nunmehr auf achtzig geschätzt.______

Lokale-.

. Mfßen, 22. März. In der prachtvoll becorirten Aula veranstaltete heute die Universität eine Erinnerungsfeier für bes verewigten Kaiser Wilhelms!. Majestät. Es waren ber Lehrkörper, bic Spitzen ber Behörben unb des Militärs versammelt.

sprach dtt derzeitige Rector Professor Dr. Heß, nachbem Musik und ein Gesang des Kronbauer'schen Quartetts die Feier eingelettet, in ergreifender Rede Worte der Erinnerung an den Dahingeschiebenen unb Worte ber Huldigung an mäßigen ^lfcr.j^d£eb,ricb IIL Gesang und ein Ehoral schlossen die würbige Feier. Ausführlicher Bericht folgt.

22i*ß,u bem Nr. 68 des Anzeigers enthaltenen Referat to di- Schmurgerfchtsoerhandlung gegen Meyer Schiff II. und Conforten crbieltm ror nachstehenbe Berichtigung von Setten des Herrn Ersten Staatsanwalts, welcher crL ^omerken Raum geben, daß wir unseren Referenten als qualificirt zu

folchen Berichten erachteten. Wir werden für die Folge vorsichtiger fein, da es uns kein Vergnügen macht, rectiftcirt zu werden. D. Red. d. G. A.

, , 1u?n,abr/ ba^ Zeuge Uhl die Betrugsanzeige gegen Katz erst' erhoben

habe, nachbem er den Eivilprozeß bezüglich derselben Angelegenheit gewonnen hatte; sie wurde gleichzeitig mit der Civtlklage erhoben.

2. Es ist unwahr, daß in dem ersten Meineidsprozeß nur die Aussage des Uhl Vorgelegen habe. ö *

Die Aussage Uhls wurde vielmehr außer anderen Beweisgründen auch noch direct durch die Deposition des Zeugen Moses Meier von Geiß-Nidda bestätigt und ferner durch die des Heinrich Buttron IV. von Hungen unterstützt.

Ebenso unrichtig ist die Angabe, daß die Verurtheilung des Katz nur auf eine Vermuthung hin erfolgt sei.

3. Ferner unwahr ist, daß in der Hauptoerhandlung vom 16. zum 17. b M., abgesehen von ber Aussage bes Uhl, keine Momente für die Schulb der Angeklagten zu Tag gefordert worden seien.

». Die frühere eidliche Angabe bes Schiff wurde nicht allein von Uhl, sondern auch von den Zeugen Amsel Oppenheimer, Kaufmann Bamberger und Moses Meier, aus die sich Schiff selbst berufen hatte, als unwahr widerlegt.

. Bamberger z. B. erklärte bestimmt unter seinem Eide, daß er nie auf bem Niddaer Markt gewesen sei, während der Schiff von demselben den in bem oben bezeichneten Referat enthaltenen Vorgang auf dem Niddaer Markt bezeugt haben wollte.

Moses Meier bestritt ebenso die Behauptung des Schiff, daß er bemfelben jemals eine Mittheilung über eine Unterhaltung, die zwischen ihm und Uhl angeblich wegen fraglichen Kuhhandels im Borsdorfer Backhaufe stattgefunden haben soll, gemacht habe.

Schiff selbst mußte zugeben, daß er, obwohl er von dem Prozesse zwischen Uhl und Katz Kenntniß hatte und sogar in demselben einen Ver­gleich aiizubahnen versucht hatte, niemals dem mit ihm häufig verkehrenden SnL "geud eine Andeutung seiner angeblichen Wahrnehmungen auf dem Niddaer Markt gegeben hatte.