Einzelbild herunterladen

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post be,ogcn vierteljährlich 2 Mark 5V Pf,

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

ivnreanr Schulstraße 7.

Politische Rundschau

Gießen, 18. September.

Der Kaiser wohnte am Sonntag Vormittag einem dicht bei Müncheberg ab- gehaltenen Feldgvttcsdienste bei, ,u welchem die in Müncheberg einquartirten Truppen in C-riäsorm ausgestellt waren. Der Gottesdienst bestand in Chvralgejang, Liturgie und Predigt, letztere gehalten vom Feldprobst Dr. Richter. Gegen Mittag begab sich der Kaiser nach Berlin zum Besuche seiner fürstlichen Gäste.

Aus Rom wird zum bevorstehenden Besuche Kaiser Wilhelmsge­meldet daß die aus diesem Anlasse abzuhaltendc Truxpenrcvue am 13. October |tatt-- stnden und daß am 16. October eine große Flottenrevue folgen wurd-.

Die Ernennung des conservativen Relchstagsabgeordne.en v. MalstahN><SuI« zum Staatssecrelair im Reichsschatzamtc an Jacobi's Stelle erfährt s-U-n-i der Tages­presse eine überwiegend günstige Beurtheilung. Selbst^dem Parteistandpunkt Maltzahn- Gültz's fernstehende Blätter erkennen die Tüchtigkeit des neuen Staatssecretairs und seine Fähigkeit an, den ihm übertragenen wichtigen Posten vollkommen auszufullm und cs hat sich ja Herr v. Maltzahn-Güitz auch schon durch sein bM-rtgeS parlamentarisches Wirken die Achtung und Anerkennung oller Parteien erworben. Was die politische Bedeutung des Ereignisses anbelongt, jo läßt sich hierüber indessen zur Zeit nur schwer ein sicheres Urthcil fällen; jedenfalls ist es aber immerhin bemerkenswerth, daß auch der Nachfolger Dr. Jacobi's mitten aus der Reihe unserer Parlamentariers genommen wurde, wie dies schon bei der Berufung v. Bennigsen's auf d-n Ob-rprastdentenvosten von Hannover der Fall gewesen ist. Inwieweit man In d.esen VorgärMN d ° Ansang- -inesconstitutionellen Systems", nämlich der Besetzung der höheren Regierungspostcn mit maßgebenden Persönlichkeiten aus der Mehrheit des Parlaments zu erblicken hat, darüber wird man die weitere Entwickelung der Dinge abzuwarten Haden.

Aus die Conservativen sind nunmehr die Natronalliberalen mit ihrem W a h l, aufruse zu den preußischen Landtagswahlen gefolgt, welcher sich zu einem voll, an- digen Programm der g-mäß.gt-liberal-n Partei gestaltet. Di- v°uptpunN° desselben liegen in den Forderungen des Ausrufes, di- auf di- Th-ilnahm- der Emzels^at-n und der Gemeinden an dem socialpolitischen Rcsormwerk we.ter auf dre R form der preußischen Steuergesetzgebung, speciell was die directen Steuern anbelangt, ferner aus Reform der Verfassung und Verwaltung der Landesgemeinden zielen.

sind auch die Sätze des Wahlaufrufes, welche sich auf die Krrcyen- und L-chulfrage beziehen und in denen namentlich den Bestrebungen, die Volksschule in ihrem rein staatlichen Charakter zu beeinträchtigen, ganz entschieden entgegengetreten wird Gerade hinsichtlich der Kirchen- und Schulpolitik unterscheidet sich der nationalliberale Aufruf scharf von der ihm vorangegangencn conservativen Kundgebung mit ^ren Uus assungen über diese Frage, welche jedenfalls mit im Mittelpunkte der Thatlgkeit des künftigen preußischen Landtages stehen wird. Der nationalliberale Wahlaufruf erfährt denn auch seitens verschiedener hochconservativer Pretzorgane eine ziemlich abfällige Beurtheilung, besonders auch, weil er im Gegensätze zu dem conservativen Wahlaufrufe eines Zu­sammengehens der Nationalliberalen mit den Conservativen mit keiner Sylbe gedenk, bie letzteren überhaupt nicht erwähnt. Der nattonalliberale Wahlaufruf tragt die Namen einer großen Anzahl angesehener Mitglieder der nationaüiberalen Partei ,n Preußen und ist am 9. September in einer in Berlin ftaltgefun'oenen, von Abgeordneten und Vertrauensmännern der Partei besuchten Versammlung, festgestellt worden.

Der König von Dänemark hat dem commandirenden General des Garoe- corvs v. Pape, den Elephantenorden, dem General der Cavallerie, v. Rauch, dem Generallieutenant v. Sobbe und dem Oberhofmarschall des Kaisers, v. Liebenau, das Großkreuz des Dannebrogsordens verliehen.

Graf Kalnoky hat seinen längst signalisirten Besuch beim F ü r st e n B i s m a r ck nunmehr ausgeführt und traf der österreichische Minister des Auswärtigen, begleitet vom Legationssecretair Grafen Wydenbruck, am Dienstag Vormittag in Frtedrichsruh ein woselbst Graf Kalnoky bis Donnerstag zu verweilen gedachte. Das officiose Wiener Fremdenblatt" bemerkt zu dem Besuche Kalnoky's in Friedrrchsruh: Dre all- jährttch regelmäßig wiederkehrende Zusammenkunft des Ministers des Auswärtigen, Grafen Kalnoky, mit dem Reichskanzler Fürsten von Bismarck erscheine feinem Poli­tiker mehr als ein Symptom oder Vorbote irgend einer Action; die allgemeine Lage weise sicherlich eher einen Fortschritt auf dem Wege zu einer dauerhafteren Beruhigung auf Beide Staatsmänner würden die Gesammtlage nur von dem Gesichtspunkte der Befestigung des Friedens betrachten und namentlich aus's Neue eine gegenseitige und volle Uebereinstimmung hinsichtlich der Grundzüge ihrer Politik constattren. - Diese Worte des Wiener Regierungsblattes werden bei allen Friedensfreunden gewiß nur mit höchster Genugthuung ausgenommen werden, denn sie eröffnen in Anknüpfung an den gegenwärtigen Besuch Crispi's in Frtedrichsruh eine hoffnungsvollere Perspective auf die Zukunft, als dies bislang zu erwarten stand.

Das ,Iourn. de St. Pötersb." erklärt sich für ermächtigt, die Sensations­nachricht der'PariserNouvelle Revue", daß dem Czaren deutscherseits eine Einladung zu einer Zusammenkunft mit Kaiser Wilhelm I. in Stettin im vergangenen Jahre zu- gegangen sei, von dem Czaren aber abgelehnt worden sei, als vollständig unbegründet zu bezeichnen.

Deulschlaud.

Darmstadt, 16. September. Seine Königliche Hoheit der Großherzog habe« Allerg^^g^^epttmber den Rechner der Civildiener - Wittwenkasse Rechnungsrath Wilhelm Mann auf sein Nachsuchen und unter Anerkennung seiner mehr als fünfzig­jährigen mit Eifer und Treue geleisteten Dienste, in den Ruhestand zu Hetzen;

an demselben Tage den Steuercommissartats-Assiftenten bei dem Steuer-Com- missariat Darmstadt Carl Krebs zum Rechner der Civildiener - Wittwenkasse zu ernennem^^toM, 15 September. Das Großherzogliche Regierungsblatt Nr. 27 "^^Bekanntmachung Erzherzog!. Ministeriums des Innern und der Justiz, bahn- polizeiliche Vorschriften für die Nebenbahnen im Großherzogthum, insbesondere für die Nebenbahn Sprendlingen-Wöllstein betreffend. , , c

Darmstadt, 17. September. Seine König!. Hoheit der Großherzog haben Aller- gnädigst geruht-u^ust, 4,September d. I. den Königlich Preußischen Wasserbau- Inspektor Rohns zu Ruhrort zum vortragenden Rathi beibemt Der Finanzen, Abheilung für Bauwesen, mit dem AmtstitelOberbaurath , mit Wirkung vom 16. September l. I. an, zu berufen und bezw. zu ernennen;

am 13. September ds. Js. den Mtnisterialsecretar bei dem Ministerium der Finanzen Ludwig Ewald zum vortragenden Rath bei dem Ministerium der Finanzen, Abtheilung für Bauwesen, mit dem AmtstitelOberfinanzrath , uni) ben Kreis- baumetster Carl Pos einer zum vortragenden Rath bei dem Ministerium der Finanzen, Abtheilung für Bauwesen, mit dem AmtstitelOberbaurath zu ernennen.

Betreffend: Die Berichtigung der Forst, und Feldstrafen von der 4. Periode 1888/89. ließen, den 14. September 1888.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Grotzherzagllche» Bürgermeistereien des KreiseS.

die säumigen Schuldner das für sie mit Kosten verbundene 93eitreibmtß8üß^Ten^ ein^eleitet wird.

Telegraphische Depeschen.

WoM's Iclegr. Lorresporrdeur - Bureair.

Berlin, 17. September. Seine Majestät der Kaiser empfing gestern im Mar­morpalais zu Potsdam den Oberpräsidenten v. Bennigsm. Zu Ehren der an den Manövern theilnehmenden Fürstlichkeiten findet heute Nachmittag ein größeres Diner im Pfeilersaale des königl. Schlosses statt.

Die Nordd. Allg. Ztg." erklärt die Meldung hiesiger Blatter von einem kleinen Reitermttzgeschick, welches dem Kaiser am Tage der Parade des 3 Armeekorps bei der Rückkehr von dem Paradefeld begegnet sein soll, in allen Einzelheiten für voll- ftanbi0ycrlin,n,17. Sept. Anläßlich der diesjährigen Kunstausstellung hat Se. Majestät der Kaiser dem Professor Kundmann (Wien), dem Maler Salzmann (Berlin) die große goldene Medaille für Kunst, dem Bildhauer Hundrieser (Charlottenburg), den Malern Koch, Liebermann, Ungarn (Berlin), Vorgang (Charlottenburg), Krabbes (Karlsruhe), Rößler-Franz (Rom), Kehrmann (Koblenz), v. Kleoer (Petersburg) die kleine goldene Medaille für Kunst verliehen. Der Senat der Akademie für bildende Kunfte erkannte den Malern Bachmann (Düsseldorf), Döring (Karlsruhe), Donndorf (Stuttgart), Hoch- mann (Karlsruhe), Schirm (Breslau), Schade (Rom), Speyer (München), dem Radierer Krostewitz (Wien), den Berliner Malern Frenzel, Freudemann, Goetz, Gentz, Gunther- Naumburg, Koner, Leisfikow, Normann, Pohle, den Architekten Hude, Henmcke (Berlin)

! eine ehrenvolle Erwähnung zu. _ ... £ .

i Berlin, 17. September. Gestern wohnte Staatsminister Graf Bismarck dem Diner bei Seiner Majestät dem Kaiser bet, nachdem er kurz vorher aus Fried- richsruh eingetroffen war. Heute früh reiste derselbe nach Rußland zum Grafm

~'llU:DäRün»<berg, 17. September. S-. Majestät der Kaiser, welcher gestern Abend von Berlin hierher zurückkehrte, empfing kurz darauf sein engeres Gefolge zum Thee. Heute Vormittag begab sich der Kaiser zu Pferde zunächst zum 3. Corps, .welches ! nordwestlich von Müncheberg steht; das Gardekorps steht südöstlich. Auw die fürst­lichen Gäste, welche heute früh von Berlin eintrafen, begaben sich zu Pferde zum Manoverielde. ;7 September. Das Manöver begann heute pünktlich um 9 Uhr Vormittags. Se. Majestät der Kaiser befanb ^^0^911(6 bei i)ein 3 ^^neecorp§. Dasselbe rückte von Nordwesten her gegen das durch die Garde gebildete Os corps vor, welches von Küstrin und Frankfurt a. O. kommend,^ Berlins bemächtigen sollte. Die erste Division stand mit der Avantgarde bei Müncheberg, das Gros 5 Kilometer östlich bei Jahnsfelde; die zweite Gardedioision stand weit zurück bei Petershagen, 18 Kilometer südöstlich von Müncheberg, die Gardekavallertedivision südlich von Müncheberg bei Tempelberg. Die Kaoalleriedivision des dritten Armeecorps bildete dessen weit umgreifenden linken Flügel und rückte von Petershagen nördlich Münche­berg in südöstlicher Richtung vor. Die fünfte Division, bei der sich das Eisenbahn­regiment befand, rückte über Dahmsdorf gegen Müncheberg, die sechste Division von Ltchtenau-Kagel-Kiknbaum her nach Osten zu gegen Tempelberg. Die Avantgarde und später die 1. Division des Gardecorps mußten, wenn sie nicht vollständig umfaßt sein wollten, zurück auf Heinersdorf. Zu ihrer Degagirung machte die Gardekavallerie-

* dioision gegen die Kavalleriedivision des 3. Corps eine Attacke. Die 6. Division ver- I suchte einen vergeblichen Angriff auf Heinersdorf, das von der ersten Gardedioision hartnäckig vertheidigt wurde. Mittlerweile war die zweite Garde-Infanterie Division herangekommen und unternahm die zweite Garde-Jnfanterie-Brigade einen erfolgreichen Vorstoß gegen den Feind, durch welchen dieser auf die Höhe nördlich von Hetnersdorh

| zurückgedrängt wurde. Hiernach erfolgte um 1 Uhr der Schluß des Gefechts und»

219 Mittwoch bcu 19. September

Gießener Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.