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Im Uebrigen nimmt die Aufmerksamkeit der Balkanvölker die auf diesen Samstag festgesetzte feierliche Eröffnung der Hauptorientbahn Belgrad-Saloniki weit ! mehr in Anspruch, als alle panslavistischen Zetteleien. Denn hiermit werden die auf Grund der zwischen Oesterreich-Ungarn, Bulgarien, Serbien und der Türkei getroffenen \ Vereinbarungen gebauten Orientbahnen in ihrem wichtigsten Gliede an das westeuro­päische Eisenbahnnetz angeschlossen und hiermit wird eine neue und dauernde Berührung zwischen Orient und Occident geschaffen, die für beide Theile hochwichtige politische, commercielle und sonstige Folgen haben wird.

Darmstadt, 16. Mai. Das Grotzherzogl. Regierungsblatt (Beilage Nr. 13) enthält:

1. Bekanntmachung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz, die Er- | richtung eines Familten-Fideikommisses durch den Freiherrn Dr. Georg v. Wedekind | von Darmstadt betr.

2. Zusammenstellung der Ergebnisse der Rechnung über die Staatsschulden­verwaltung für das Etatsjahr 188586.

Die Einnahme beträgt 2 096,520 JL 92 $, die Ausgabe 2,096,520 92

Am Schluß des Etatsjabres 188586 verbleib! ein Stand der Staatsschuld von 36,229,146 JL 7

Die Activa der Staatsschuldenverwaltung betragen 7,714,161 JL 90 die Passiva 36,235,788 JL 79 Verglichen bleibt Passivstand zu Ende des Etatsjahres 1885-86: 28,521,626 JL 89 4.

3. Uebersicht der für bas Jahr 188889 von Großherzogl. Ministerium des Innern und der Justiz genehmigten Umlagen zur. Bestreitung von Comunalbedürf- nissen in den Gemeinden des Kreises Alzey.

4. Eoncurrenzeröffnung.

Erledigt ist: Die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Wetterfeld mit einem Gehalte von 900 JL.. Mit der Stelle ist Organistenbienst verbunden. Dem Herrn Grafen zu Solms-Lauvach steht das Präsen- lationsrecht zu derselben zu.

Telegraphische Depeschen.

Wolff S telegr. Corresponderir-Bureau.

Berlin, 17. Mai. Der Kaiser arbeitete mit dem Kriegsminister und mit Albedyll von 11 bis 123/< Uhr. Der Prinz Heinrich und die Erbprinzeisin von Meiningen dinirten bei den Majestäten. Der Kronprinz fuhr gestern Abend nach Potsdam, woselbst er übernachtete. Morgens wohnte er dem Exerciren im Tempelhofer Felde bei und empfing später den Frhrn. v. Stumm. Die Kaiserin besuchte Mittags die Volksbäber in der Gartenstraße.

Der Kaiser ist seit 4 Uhr Nachmittags wieder im Park und hat sich im Wagen spazieren fahren lassen. Das Kronprinzenpaar stattete dem Kaiser für eine Viertelstunde einen Besuch ab. Das Befinden des Kaisers war während des ganzen heutigen Tages recht befriedigend, er verweilte bis Abends 7'/z Uhr im Park und machte mehrere Male zu Fuß kurze Promenaden.

Berlin, 17. Mai. Der heutige Empfang des Kriegsministers und Albedyll's durch den Kaiser fand unter dem Zelte statt. Der Kaiser hatte vorher eine Spazier­fahrt im Parke gemacht.

Der Herzog von Ratibor, die Grafen Henckel von Donnersmarck, Pückler, Schettlaus, Mirbach, Hohenthal, Schlabrendorf, Udo Stolberg-Wernigerode und andere Grund- und Brennereibesitzer haben einen Aufruf an die deutschen Berufsgenossen erlassen, der sie ermahnt, ungesäumt der Spiritusbank beizutreten. In diesem Auf­ruse heißt es:Wir haben die Ueberzeugung gewonnen, daß nur auf dem Wege der Vereiniguna des Brennereigewerbes, wie eine solche hier geboten wird, das landwirth- fchaftttche Brennereigewerbe erhalten werden kann. Wir geben ferner im vorliegenden Vertrage die Möglichkeit, den Betrieb des Gewerbes mit Vermeidung harter Ausnahme- besiiaimungen zum Wohle des Ganzen und ohne die Rentabilität zu gefährden, ein- schränken zu können, und wir gewannen schließlich die Ueberzeugung, daß die Be­herrschung des gesammten Angebots unseres Consumspiritus, weit entfernt, zur Ver­gewaltigung der Consumenten zu führen, vielmehr die Mittel gewähren wird, wieder geordnete und billige Preisbestimmungen für den Trinkbranntwein herbei­zuführen."

DieNordd. Allg. Ztg." reproducirt den wesentlichsten Inhalt eines Artikels desHam. Eorr.", welcher die Aufsätze des früheren russischen Diplomaten Tatischtfchew in derNowoje Wremja" über Rußlands Politik während und nach dem Berliner Eongresse vom Standpunkte der deutschen Politik behandelt und bemerkt dazu: Zur richtigen Würdigung der Thatsache, daß Tatischtfchew auf Grund aklenmäßigen Studiums sich zur Anerkennung der russenfreundlichen Haltung der deutschen Polilik au£ dem Berliner Eongresse gezwungen sieht, erinnern wir daran, daß dieser Exdiplomat Secre- tär Katkow's und Mitarbeiter der Katkow'schen Zeitung war und in intimen Be­ziehungen zu Bogdanowitsch steht. Mit der Maßregelung des Generals Bogdanowitsch verschwand auch Tatischtfchew aus Petersburg, um jetzt nach der Rehabilitirung seines Gesinnungsgenossen dort wieder aufzutauchen.

Berlin, 17. Mai. Das Herrenhaus genehmigte nach unerheblicher Debatte die Vorlage betreffs Regulirung der Weichsel und der Nogat, ebenfalls in einmaliger Schlußberathung den Gesetzentwurf, betr. die Verbesserung der Oder und der Spree, sowie den Bau neuer Schifftahrtskanäle nach den Commissionsanträgen, nachdem der Minister v. Maybach denselben befürwortet hatte. Der Gesetzentwurf, betr. die Ver- theilung der öffentlichen Lasten bei Grundstücksthetlungen in Schleswig-Holstein, wurde in der Fassung des Abgeordnetenhauses genehmigt. Die nächste Sitzung ist unbestimmt.

Die nächste Sitzung des Abgeordnetenhauses ist auf den 15. ds. Mts. an­beraumt worden.

Bern, 17. Mai. Die Anklagekammer des Bundesgerichts verwies den Commis Carl Schill, die Buchdrucker Müller und Schmid und den Buchhändler Festersen-Mteg, alle in Basel wohnhaft, als Verfasser, resp. Verbreiter des FastnachtspamphletesVive la France wegen öffentlicher Beschimpfung der deutschen Regierung vor die eid­genössischen Assisen; die strafrechtliche Verfolgung des Commis Norbert Hofer wurde dagegen abgelehnt.

Berlin, 18. Mai. sPrivatdepesche.) Bulletin von 9 Uhr Morgens. Seine Majestät der Kaiser war in den letzten Tagen ganz fieberfrei. Die vorhanden gewesenen Schlingbeschwerden sind fast geschwunden. Das Allgemeinbefinden ist so befriedigend, daß der Kaiser einen großen Theil des Tages im Freien zubringt. Die Kräfte nehmen sichtlich zu, die Absonderung ist geringer.

Der Centralbahnhof in Frankfurt a. M.

n. Nachdem der Tag der Eröffnung des Frankfurter Centralbahnhofes nun­mehr festgesetzt ist, erscheint es an der Zeit, über diesen Colossalbau, welcher schon so vielfach Gegenstand der Besprechung war und es voraussichtlich auch noch längere Zeit j fein wird, unseren Lesern etwas Näheres mitzutheilen. Zwar können die nachstehenden I Ziffern ebenso wenig wie die glänzendste Beschreibung den mächtigen Eindruck wieder- I geben, den der Bau auf den Beschauer namentlich dann macht, wenn man das Innere ! desselben betritt, immerhin aber bieten sie für die Vorstellung einen festen Anhaltspunkt und lassen selbst den Laien die gewaltigen Größenoerhältnisse ahnen.

Der Bahnhof ist jetzt in der Hauptsache fertig, ehe jedoch die letzte Hand angelegt wird, dürften wir mindestens wieder Mai haben.

Des besseren Verständnisses halber theilt man den Bau am besten ein in eine Front- und zwei Längsseiten. Die erstere umfaßt das in der Mitte gelegene Haupt­vestibül und die Wartesäle, die an Großartigkeit auf dem Continent schwerlich über­troffen werden. Die nördlich gelegene Längsseite enthält die Verwaltungsbureaus der Hessischen Ludwigsbahn, die Südseite die Bureaus für die Staatsbahnen. Die Front­länge des Gebäudes, welches im Hauptoesttbül die größte Tiefe (60 Meter) hat, beträgt 200 Meter. Das Hauptvestibül ist 27 Meter breit und innen 26 Meter hoch. In demselben befinden sich die Billetschalter, Closets 2c., mehr im Hintergründe die Gepäck- t räume und in der Mitte ein Auskunfts- und Wechselbureau. Rechts und links vom '

Hauptvestibül ziehen sich 7 Meter breite Nebenoestibüle hin, durch welche man zu den Feiangl Letztere, zu beiden weiten des Hauptoestibüls gelegen, sind 14/2 Me.er breit und 23 Meter tief. Zwischen den Wartesälen liegen die Restaurations- raume, die Damenzimmer und der Speisesaal, welch letzterer 16 Meier breit ist. S)amenjimmer gibt es für alle Classen, eine Einrichtung, die jedenfalls mit Freuden begrüßt wird, ^amurtliche Sale sowie das Vestibül bauen farbige Oberlichter. Die Ausstattung der Wartetale 2c. ist in jeder Hinsicht reich und vornehm. In allen Sälen liegt Parketsußboden, in Manneshohe und oie Wände mit Eichenholz getäfelt, mit Aus­nahme des Furstenzimmers, bet welchem zur Vertäfelung der Wände nassauischer Marmor verwendet wurde. Die Decken der Säle sind mit reichen Stukkatur- und Malerarbeiten geschmückt. Die Seitengebäude sind 50

r^A^?-legenen befinden sich die Fürsten-, Sitzungs- und Commissionszimmer, in dem links belegenen Wasch-, Badezimmer 2c.

Macht schon das Empfangsgebäude mit feinem großartig eingerichteten Vestibül und den geradezu prächtig ausgestatteten Sälen auf den Beschauer einen überwältigenden Eindruck, so thun dies noch in viel höherem Grade die drei mächtigen Hallen welche bsUlmmt find die ein aufenden Züge aufzunehmen. Die Großartigkeit dieser' Hallen r c c nid)t beschreiben, man muß sie gesehen haben, um zu glauben, daß selbst ein Eisenbahnzug winzig in denselben erscheint. Von den 3 Hallen, deren jede 180 Meter la"« ist, ist die nördlich gelegene für die Züge der Hessischen Ludwigsbahn, die zwei anderen für die Zuge der Staatsbahn bestimmt. In jeder Halle liegen 6 Geleise, es ift fömit bk Möglichkeit geboten, daß 18 Züge in gleicher Zeit im Centralbahnhof ballen. Die Spannweite der Bogendächer, die ein Eisengewicht von 4000 t. haben betragt 56 Meter. In den 3 Hallen liegen 9 Personen- und 10 Gepäckperrons. Es fmb namUeb für Gepäck und Post besondere Perrons geschaffen, die jede Collision des Publikums mit Gepäck- oder Postwagen verhüten. 3 Tunnels vermitteln den Verkehr zwischen diesen Perrons; ein Tunnel dient dem Passagieroerkehr, einer mit 18hydrou- lttchen Aufzugen dem Gepäck- und der dritte dem Vostpacketoerkehr. Eine auf der westlichen Seite des Bahnhofes gelegene Tunnelstraße verbindet die Güterbahnhöfe mit dem Hafen. Die 3 Hallen nehmen einen Flächenraum ein von 31000 Qu.-Meter ^L^laActnbun0 - das Glas ist 5 Mm. dick - nimmt einen Raum von Ja SS ^"'^Meter ein. Das Empfangsgebäude hat einen Flächenraum von 10 000 Qu.-Meter, man kann also schon daraus auf die colosfalen Dimensionen dieser 3 Hallen schließen.

Die Facade des Centralbahnhofes, im Renaissancestyl gehalten, ist in Sandstein ausgefuhrt, der Sockel in Granit verblendet. Der Ausführung des Empfangsgebäudes, welches allein den Aufwand von 3 Millionen erfordert, liegt der preisgeklönte Entwurf des Landbautnspectors Eggert zu Grunde. Vor der Frontseite befindet sich ein 90 Meter tiefer halbovaler Platz, auf dem hübsche gärtnerische Anlagen entstehen werden, so daß auch in dieser Hinsicht dem Schönheitssinn Rechnung getragen ist. An den beiden Längsseiten befinden sich Dro'chkenhallen, die den Reisenden gestatten, trockenen Fußes sowohl.den Bahnhof zu betreten wie zu verlassen.

So gewaltig der oberirdische Theil des Baues ist, so gewaltig ist auch der unter­irdische. Das Souterrain ist ein wahres Labyrinth von Gängen und Räumen, aus welchem der Uneingeweihte ohne Führung kaum herausfinden könnte. Die Heizungs­anlage legt ebenfalls Zeugniß ab für die Großartigkeit des Gesammtwerkes. Die hydraulische Anlage dürfte nach dem Urtheil von Fachmännern die bedeutendste der Welt sein und es ist wahrlich keine Kleinigkeit, eine solche Anlage bei der Eröffnung richtig functionirend zu haben. Daß der ganze Bahnhof durch electrisches Licht erleuchtet wird, bedarf nach dem vorher Gesagten kaum noch der Erwähnung.

Wie schon bemerkt, dürften sich die Kosten für das Empfangsgebäude auf 3 Millionen beziffern, diejenigen für die Seitengebäude auf 2 Millionen; die ganze Bahnhofsanlage wird das hübsche Sümmchen von etwa 30 Millionen erfordern.

Die Zufuhrstraßen zu dem neuen Centralbahnhof es sind deren 8 in Aus­sicht genommen bilden schon jetzt einen Gegenstand lebhafter Erörterungen, ebenso wird schon darüber geklagt, daß noch keine Trambahnlinie nach dem Bahnhof gebaut ist. Das Letztere scheint mir bedenklicher als der erstere Punkt, denn der Bahnhof liegt ziemlich weit vor der Stadt und eine Trambahnoerbindung ist absolut noth- wendig. Die Zufuhrstraßen dürften zunächst schon genügen, sollte sich aber in dieser Hinsicht ein Mangel Herausstellen, so wird diesem ohne Zweifel bald abgeholfen werden.

So befriedigend man sich um auch das noch zu erwähnen allgemein über die neue Bahnhofsanlage ausspricht, so vielfach wird der Bau nach dem Eindruck, den er in seiner Gesammtheit macht, abfällig beurteilt. Und in der That, es läßt sich nicht leugnen, daß der neue Centralbahnhof, aus der Ferne gesehen, einen gedrückten Eindruck macht, was meines Erachtens einzig und allein dadurch kommt, daß die Hallen das Empfangsgebäude erheblich überragen. Für das Auge wäre es wohl- thuender gewesen, wenn die Front- und die Längsseiten höher waren und die drei mächtigen Hallen durch diese verdeckt wurden. Weshalb das nicht so gemacht wurde, vermag der Laie nicht zu beantworten, das hingegen weiß Jeder, der sich schon einmal dicht vor oder im Innern des neuen Bahnhofes befand, daß der erwähnte ungünstige Eindruck nicht lange vorhält, wenn man das Gebäude betritt. Die Großartigkeit, die Schönheit und die reiche Ausstattung wirken so überwältigend, daß man den von außen gewonnenen Eindruck alsbald völlig vergißt.

Der Centralbahnhof in Frankfurt a. M. ist ein Riesenwerk, das seines Gleichen nicht hat und auch, da nach dem Urtheil von Fachmännern eine noch weitere Aus­dehnung des Centralisationssystems nicht angängig ist, wohl nicht übertroffen werden wird. Wohl mögen noch gi öftere und noch reicher ausgestattete Bahnhofsbauten er­stehen, eine größere Vereinigung des Eisenbahnverkehrs wird kaum versucht werden. Die Stadt Frankfurt darf auf diesen Bau stolz sein, reiht er sich doch den vielen andern herrlichen Bauwerken der alten Kiönungsstadt würdig an.

Univerfitäts - Chronik.

Göttingen, 17. Mai. Heute starb hier der Theologe und Orientalist Pro­fessor Bertheau.

Lokales.

Gießen, 18. Mai. Nach dem Jahresberichte des Octroi-Jnspectors Jost beträgt das Cctroieinfommen der Stadt Gießen:

in 1886/87

in 1887/88

JL

JL

1. für Schlachtvieh

30 254.51

30 487.88

2. Fleisch und Wildpret

2 538.31

2 770.65

3. Brennmaterialien

21 413.98

22 932.96

4. Backwaaren, Mehl, Hafer 2c.

22 627.34

23 635.43

5. Getränke

23 612.52

23 620.64

im Ganzen

100 446.66

103 447.56

100 446.66

daher in 1887/88 mehr als in 1886/87 Die Octroirückoergütungen betrugen:

3 000.90

1. für Schlachtvieh

3.25

9.12

2. Brennmaterialien

647.18

563.51

3. Backwaaren, Mehl, Hafer 2c.

8 470.18

9 702.70

4. Getränke

2 458.06

3 170.67

5. an das Militär

2116.77

1 959.69

im Ganzen

daher in 1887/88 mehr als in 1886/87

13 695.44

15 405.69

13 695.44

1 710.25

Von dem Einkommen

100 446.66

103.447.56

die Rückvergütungen ab

13 695.44

15 405.69

bleiben

daher mehr in 1887/88 als in 1886/87

86 751.22

88 041.87

86 751.22

1 290.65