Ausgabe 
17.3.1888 Erstes Blatt
 
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oder Mittwoch zu erwarten, die bezügliche kaiserliche Ordre ist bereits unterzeichnet. , Kaiserin Augusta empfing die englischen, belgischen und dänischen fürstlichen Gäste um 12 Uhr, die russischen Großfürsten um 121/2 Uhr, die sächsischen um 4 Uhr, die rumänischen Herrschaften um 6>/r Uhr. Kaiser Friedrich empfängt die russischen Großfürsten um 21/2 Uhr.

Berlin, 15. März. Tausende von Menschen, in Trauer gekleidet, bewegen sich unter den Linden. Die mit Traueremblemen versehenen Galahofwagen, worin sich die , fremden Fürstlichketten befinden, kommen nur langsam vorwärts. Die Außenfa^ade des Doms ist schwarz drapirt, ebenso das königliche Schloß und das Nationalmuseum. Vor dem Dome ist ein großes Decorationspodium errichtet, tm Lustgarten und an der Schloß­freiheit sind die Trauerguirlanden. Fahnenstangen und Laternen dicht umflort. Gegenüber dem ehemaligen Kronprinzenpalais erhebt sich eine mächtige Ehrentrauerpforte-, oben der preußische Adler umflort. Das Denkmal Friedrichs des Großen ist dicht mit Flor um­hangen, die Fenster des kaiserlichen Palais sind dicht verhüllt. Vor der Akademie der Künste ist eine große Estrade, worauf symbolisch die Huldigung der Künstler dargestellt ist. Auf dem mittleren Durchgang der Linden stehen alle 50 Schritte mächtige 4 Meter hohe umflorte und mir Tannenreis verzierte Kandelaber für Pechpfannen. Alle Laternen sind dicht umflort, die Häuser in tiefstem Trauerschmuck, die Kaiserbüsten umflort und mit Kornblumen geschmückt, an den Straßenübergängen mächtige Flaggenstangen undGuirlanden- draperien; am Uebergang der Friedrichstraße ein großes baldachinarttges Zelt. Dre russische, österreichische und französische Botschaft sind aufs prachtvollste dekorirt. Am Ausgang der Linden mächtige Pfeiler mit umflorten Adlern bis zum Brandenburger Thor. An beiden Seiten des Pariser Platzes koloflale Tribünen. Das Brandenburger Thor ist ganz schwarz behangen; an den Säulen sind Tannen- und Lorbeerverzierungen angebracht. Auf dem Platz vor dem Thor sind die rondelartig abschließenden mächtigen Kandelaber durch Guirlanden verbunden, die sich bis zur Siegesallee fortsetzen, wo ebenfalls das Rondel zeltartig überdacht ist.

Berlin, 15. März. Die russischen Großfürsten begaben sich sofort nach ihrer Ankunft in den Dom, um die Leiche des Kaisers zu sehen.

Berlin, 15. März. Bet dem Kaiser und der Kaiserin statteten im Laufe des Tages der Prinz von Wales mit Sohn, die russischen Großfürsten, die Könige von Belgien, Sachsen und Rumänien, die Kronprinzen von Oesterreich und Dänemark, auch der Großherzog non Hessen Besuche ab. Die russischen Großfürsten, welche Kron­prinz Wilhelm aus dem Dome nach der russischen Botschaft begleitete, empfingen die Besuche der Prinzen Heinrich, Georg und Alexander und des Fürsten Bismarck und machten ihrerseits Mollke einen Besuch, sowie Gegenbesuche bet hier anwesenden Fürst­lichkeiten, insbesondere den Königen von Sachsen und Rumänien, dem Prinzen von Wales und dem Kronprinzen von Oesterreich, welche vor der russischen Botschaft vor- gefahren waren. , ,

Der Kronprinz von Italien ist heute Abend kurz nach 9 Uhr eingetroffen; er wurde von einer Ehrenwache, dem Personal der italienischen Botschaft und zahl­reichen hier anwesenden Italienern am Bahnhofe empfangen. Auf die Frage des Bot- fchasters, ob er sich nach den Anstrengungen der Reise nicht erst in das Königsschloß begeben wolle, antwortete er in deutscher Sprache:Ich mochte gern sofort zum Dom", wohin er sich auch wirklich alsbald begab.

Berlin, 15. Marz. Der Sarg Kaiser Wilhelms wird, da die Gruft im Mausoleum zu Eharlottenburg zu wenig Raum enthält, vorläufig in der Vorhalle bei­gesetzt, von deren Decke blaues Oberlicht fällt. Später wird sür die Aufnahme des Sarges das untere Gewölbe erweitert. Der Sarg ist eine Nachbildung des karges des großen Kurfürsten.

München, 15. März. In dem Beileidsschreiben des Prinz-Regenten an Se. Maj. den Kaiser heißt es:Das Bild des verewigten Kaisers steht in leuchtenden Farben in der Geschichte. Seiner weisen und kraftvollen Führung war es beschieden, unter der treuen Mitwirkung der deutschen Fürsten und der begeisterten Zustimmung der deutschen Nation, die deutschen Völker auf einer verfassungsmäßigen Grundlage wieder zusammenzuschließen und das geeinigte Reich auf den Bahnen friedlicher und gedeihlicher Entwickelung zu er­halten. Unvergessen lebt in mir die dankbare persönliche Erinnerung an den Verblichenen fort, an Höchstdessen Seite mir vergönnt war, in ernster Zeit glorreichem Kampf und ge­meinsam erfochtenen Sieg zu schäum."

Wien, 15. März. DasFremdenblatt" bespricht die Proklamation Kaiser Friedrichs. Es sagt: Der Kaiser wolle den Frieden im Innern und nach Außen. Das Errungene solle gesichert werden. Gleich dem dahingeschiedenen Vater wolle er, daß Deutschland von der Gottesfurcht und der einfachen Sitte nicht lasse. Man würde irren, wollte man in Kaiser Friedrich einen Gegensatz suchen zu Kaiser Wilhelm. Der Kaiser Friedrich sei der würdige Sohn des Gründers des Reiches, des Einigers der Nation. Durch sein kaiserliches Wort und seinen kaiserlichen Willen werde er dazu beitragen, die Gegensätze zu versöhnen. Der Reichskanzler bleibe ihm treu an der Seite; er werde mit seiner Erfahrung dem Sohne beistehen, wie er dem Vater bel- gestanden mehr als ein Vierteljahrhundert.

Wie dasFremdenblatt" erfährt, ist im Auftrage des Schahs won Persien, da die große Entfernung die Entsendung eines Mitgliedes des persischen Herrscher­hauses zu der Trauerfeier in Berlin unmöglich macht, der persische Gesandte in Wien, General Noriman Khan, heute früh zur Vertretung des Schahs nach Berlin abgereist.

Paris, 15. März. DasJournal officiell" veröffentlicht den Bericht des Kriegsministers, welcher beantragt, Boulanger in Nichtaktioltät zu setzen. Hervor- gehoben wird die der Dlsciplln widerstreitende Urlaubsnahme des Generals. Der Präsident genehmigte ben Antrag.

Paris, 15. März.Liberte" erkennt an, daß Boulanger Tadel verdient habe. Die Maßregel der Regierung gegen denselben sei gerechtfertigt, sie meint aber, die Boulangerfrage sei damit nicht aus der Welt geschafft und könne noch zu Komplikationen führen.Temps" sagt, die Regierung habe sich durch ihr Vorgehen Qegen Boulanger geehrt und befestigt.

Bournemouth, 15. März. Heute fand die Vermählung des Prinzen OSkar von Schweden mit der Hofdame Ebba Munk statt. Wegen des Ablebens des deutschen Kaisers unterblieb jede größere Feier. Dem Trauakte wohnten die Königin von Schweden, die Herzogin von Albany, die dänische Kronprinzessin, die Prinzen Karl und Eugen von Schweden, Graf Piper und der Bruder der Braut, Lieutenant Munk, bei.

Petersburg, 15. März. DiePetersburger Zeitung" und dieNeue Zeit" lassen die Begründung des gestern von derBörsenzeitung" verbreiteten Gerüchts, be­treffend den deutsch-russischen Handelsvertrag, dahingestellt, nehmen aber die Idee sym­pathisch auf.

Konstantinopel, 15. März. Da die Verbindungen über die Donau unter­brochen sind und die Zeit nicht ausreicht, eine fpecieHe Mission abzusenden, so hat die Pforte den türkischen Botschafter in Wien beauftragt, den Sultan bet dem Begräbnlß des Kaisers WUhelm in Berlin zu vertreten.

Rewyork, 15. März. Die Deutschen beschloffen, eine Gedächtnißfeler für Kaiser Wilhelm in Steinway Hall abzuhalten und dem Schmerz über den Tod des Kaisers Ausdruck zu geben. Präsident Cleveland wird zur Theilnahme eingeladen werden.

Berlin, 16. März, 1 Uhr Mittags. (Privatdepesche desGießener Anzeigers".) Das Wetter ist kalt und ziemlich klar. Seit früher Morgenstunde wogt eine zahllose Menschenmenge unter den Linden. Spalierbildende Züge nehmen in vierfacher Reihe Aufstellung, dahinter Hunderttausende. Das Militär trägt auf Befehl Mäntel. Die ganze Trauerstraße ist weihevoll drapirt, das Brandenburger Thor mit schwarzem Tuch behangen. Auf dem Thorplatz befindet sich ein Triumphbogen mit der InschriftGott segne Deinen Ausgang." Vor dem Dome steht eine Colossalstatueder segnende Christus". Die Trauerfeierlichkeit im Dome begann programmgemäß. Der Kaiser ist in Folge der schweren Kälte nicht anwesend. Hofprediger Kögel hält die Gedächt- nißrede am Sarge, welcher der Text zu Grunde liegt:Nun lassest Du deinen Diener in Frieden fahren, denn meine Augen haben Deinen Heiland gesehen." (Lucas 2, 29/30.)

Die Trauerfeierlichkeiten für Kaiser Wilhelm.

Berlin 15. März.

Von Mitgliedern der drei Parlamente und deren Angehörigen halten etwa 20003000 Personen von der Erlaubnitz Gebrauch gemacht, gestern Nachts zwisch n Vall und Vtl2 Uhr die Aufbahrung der sterblichen Ueberrefte Kaiser Wilhelms In Augenschein zu nehmen. Um dieselbe Zeit erschien Prinz Heinrich mit einer Anzahl von Marine-Officlercn, um an der Leiche seines erlauchten Großvaters nlederzuknieen und zu beten. In der folgenden Stunde wurde der Andrang zum Dom aus's Neue so gewaltig, daß man genötigt war, um 1 Uhr Nachts zu schließen. Der Blumenschmuck des kaiserlichen Katafalks übersteigt an Pracht und Fülle auch die kühnsten Erwartungen. Aus allen Theilen der Welt, aus allen Schichten der Gesellschaft sind duftige Zeichen inniger Theilnahme und Treue eingegangen. Den Schmuck des Sarges mit losen Blumen hat Kronprinz Wilhelm übernommen; die Frau Kronprinzessin hat einen Palmenwedel mit Blumenstrauß niedergelegt; die sieben Urenkel Kaiser Wilhelms spendeten einen zarten Maiblumenkranz mit einem Rande von Rosen und Vergißmein­nicht und einer Schleife, auf welcher die Namen eingedruckt waren. Prinz Heinrich überbrachte einen Palmenzweig, der unten mit- einem Maiblumenkranz geschmückt war; Prinz Alexanders letztes Liebeszeichen war ein Cykagwedel mit Schleife. Palmenwedel, Blumensträuße, Kränze u. s. w. in reichster Art sandten ferner die Großherzogin- Mutter von Mecklenburg, die Königin von Württemberg, die Königin von Spanien, König und Königin von Portugal, König und Königin von Rumänien, der Herzog von Schleswig, der Erbprinz von Anhalt, der Erbprinz von Schönburg, die erbprinz- lich württembergischen Herrschaften u. a. m. Das preußische Staatsministerium hat seinem großen König und Herrn einen Kranz von unvergleichlicher Pracht gewidmet.' Derselbe wird aus Camelien gebildet, aus denen einzelne Tulpen hervorragen, während Maiblumen das Ganze umsäumen, die Mltte ziert ein Strauß aus Rosen, weißem Flieder und Schneeglöckchen, über der Schleife liegt ein Orchideenzweig. Auch der Kranz, den Staatsminister v. Goßler niedergelegt hat, war reich an herrlichen Blumen. Die bairische Gesandtschaft bekundete ihre Theilnahme durch Uedersendung eines Lorbeerkranzes mit blauweißer Schleife, auch die württembergische Gesandtschaft über­sandte einen Kranz. Ebenso reich wie eigenartig ist die Blumenspende der türkischen Botschaft. Dieselbe besteht aus einem Halbmond, dessen äußerer Rand aus Mai­blumen gebildet wird; es folgt alsdann ein breiter Streifen von weißen Azaleen, in der Mitte mit einem Strauß von Camelien und Orchideen; den inneren Rand bilden Veilchen; der über dem Halbmond befindliche Stern wird aus dicht zusammengesteckten Hyacinthenblüthen gebildet. Die Schleife Ist in den türkischen Farben. Der Kranz der französischen Botschaft zeigt Camelien, Veilchen und Schneeglöckchen; auch hier war die Schleife in den Nationalfarben. Der Kranz der spanischen Botschaft ist ohne Schleife. Unter den Spenden der deutschen Städte zeichnet sich durch Eigenart be­sonders die der Stadt Königsberg aus. Auf einer Zusammenstellung von drei grünen und zwei goldenen Palmen liegt ein goldener Kranz mit frischen Kornblumen. Durch seine seltene Blumenpracht entzückt der Kranz der Stadt Kreuznach, einen Rand von Maiblumen umgibt ein Kreis von Veilchensträußchen, dem zwei Reihen weißer Camelien folgen, während^ Schneeglöckchen nach innen den Abschluß bilden, der über den Kranz herabfallende Strauß besteht aus Schneeball, weißen Rose» und Flieder. Eine überaus sinnige Gabe trägt die Widmung:Die Arbeiter von Bonn"; sie besteht aus einem Palmenkranz mit einer goldenen Lorbeerkrone und einem aus Veilchen ge­bildeten Kreuz. In echt patriotischer Weise hat der Kriegerverein zu Rüdesheim des tobten Kaisers gedacht; er sandte einen Kranz aus vergoldeten Eichenblättern vom Niederwald. Auch der Deutsche Handelstag, der Centraloerband deutscher Industriellen, der Verband deutscher Müller, die Deutsch - Oftaftlcanische Gesellschaft, das Personal des königlichen Schauspiels und der königlichen Oper, die Wild- und Geflügelhändler der Central-Markthalle, die hiesige englische Kirchengemeinde, das königliche Wilhelms- Gymnasium , das Berliner Leibniz - Gymnasium sind durch prachtvolle Spenden ver­treten, sowie viele hervorragende Privatpersonen. In besonders hervorragender Weise hat sich die Armee an der Ausschmückung des Katafalks beteiligt. Wir sahen u. a. prachtvolle Kränze von allen Garde-Regimentern, von den Königs-Husaren, von dem in Mannheim stehenden Regiment Kaiser Wilhelm Nr. 110, vom 2. Württembergischen Infanterie - Regiment Nr. 121. Rührend ist die Anhänglichkeit, welche Tausende Deutscher im Auslande Kaiser Wilhelm entgegenbringen. Sogar die Deutschen auf Java haben einen großen Kranz hier bestellt; unsere Landsleute in London, Glasgow, Buenos-Aires, Riga sind durch Kranzspenden vertreten.

In der Stadt herrscht außerordentlich reges Leben; der Fremdenzufluß ist un­gemein stark und die Gasthäuser sind längst überfüllt. Zur Zeit der Beisetzung werden in der Stadt sämmtliche Geschäfte, an denen der kaiserliche Leichenzug vor­überfährt , für die Dauer des letzteren Thüren und Schaufenster schließen oder ver­hängen. Die Mitglieder des Magistrats und der Stadtverordneten-Versammlung finden sich vorher im Traueranzuge im Lichthofe der technischen Hochschule £n und begeben sich, sobald das Trauergeleit den großen Stern erreicht hat, in geordnetem Zuge nach der Charlottenburger Brücke, wo auf der Westseite bet der Einmündung des Charlotten­burger Ufers ^bei einer Ehrenpforte Aufstellung genommen wird. In der Berliner Straße nehmen auf der Südseite von der Krummen Straße bis zum Schloß die nicht zum Leichengeleit commanbirten Mannschaften bes Regiments Garbes bu Corps Auf­stellung , auf ber Norbseitc bilden Vereine Spalier. Vor dem Rathhause stellen sich die Schüler und Schülerinnen der oberen Elasten der Gemeinde- und Bürgerschulen mit ben Lehrern unb Lehrerinnen auf, unb zwar nörblich bie Knaben, südlich die Mädchen. Bei dem Herannahen des Leichenwagens stimmt ein aus ben Knaben ge- bilbeter Sängerchor an:Wenn ich einmal soll scheiden", unb fährt mit bem Gesänge fort, bis ber Leichenzug vorüber ist. Sämmtliche öffentlichen Laternen vorn Land­wehrgraben bis zum Reitplatz am Luisenplatz unb in ber Schloßstratze werden schwarz umflort und zu ber Zeit, in welcher bie Trauerfeier im Dom beginnt, angejünbet.

Der Großfürst - Thronfolger, Großfürst Nikolaus ber ältere und Großfürst Michael ber ältere nebst Gefolge sind heute früh von Petersburg hier eingetroffen. Dieselben begaben sich vom Bahnhof sofort in ben Dom zu ber Leiche bes Kaisers Wilhelm. Wohnung nehmen die Großfürsten tm russischen Botschaftsgebäude.

Lokale-.

Gieße«, 16. März. Zum Andenken an unseren nun dahingegangenen Kaiser Wilhelm geben wir heute, an dem Tage, an welchem seine sterbliche Hülle dem Schoße der Erde übergeben wird, unseren Lesern das wohlgetroffene Bild des hochftseligen Kaisers als Extra-Bellage zum Anzeiger. Möge bei Seinem Anblick jeder brave Deutsche sich Seiner in Ehrfurcht erinnern.

Gieße«, 16. März. Unsere Stadt nimmt innigen Antheil an dem schmerzlich« Verluste, ben Deutschlanb, ja ganz Europa durch ben Heimgang unseres unvergeßlich« Kaisers Wilhelm erlitten hat. Alle Läden in der Stabt sinb geschlossen unb das Gefühl ber tiefen Trauer sieht man überall ausgeprägt. Zahlreiche Häuser haben Flaggen auf Halbmast gehißt unb Trauerflor ist an ben Fahnenstangen angebracht. Die öffentlichen Bureaus sinb heute geschlossen, auch bie Poft hat von 11 bis 4 Uhr ihre Schalter nicht geöffnet. In den Schulen finbet Gedenkfeier statt, mit entsprechendem Hinweis von Seiten der Lehrer an die Schüler auf das, was Kaiser Wilhelm Deutsch­land gewesen und für Deutschland gethan hat. Möge, es dauernd der Jugend unb den Erwachsenen zum Segen des Vaterlandes eingeprägt bleiben!

Gießen, 16. März. (Kaisertrauer der städt. Schulen.) An ber tiesschmerz- lichen Trauer, welche heute die Brust eines jeden Deutschen über ben Hintritt seines großen Kaisers erfüllt, nahmen auch bie städtischen Schulen burch ein soeben abgehaltenes Trauer- ceremoniell geziemenb Theil. Es waren hierzu von beiden Gruppen die Kinder vom 9. Lebensjahr an aufsteigend, alle Lehrer und an deren Spitze die beiden Oberlehrer erschienen Die Trauerfeier wurde in der Mädchenturnhalle (Westanlage) wegen des spärlichen Raumes in zwei Gruppen Knaben und Mädchen gesondert inscenirt und nahm einen bem tiefernsten Charakter der Handlung angemeffenen Verlauf. Die Halle, welche der Trauer- I Handlung gemäß ausgestattet war, das trauerumflorte Bildniß des Kaisers und der hehrr