Ausgabe 
15.7.1888 Erstes Blatt
 
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Nr. 168 ^es Blatt. Sonntag den 15 Juli jggg;

Gießener Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Drrrearrr Schulstraße 7.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch dre Poft bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pst

Amtlicher HHeik.

Bekanntmachung.

wird hierdurch zur öffentliche« Kenntniß gebracht, daß Elise Blei von Ettingshausen in der von der Großherzoglichen Direction der Entbindunas- worden ist. t,or9enommenen d^fung zur Ausübung der Praxis al- Hebamme für sehr gut befähigt erklärt und von uns als Hebamme verpKet Gießen, den 11. Juli 1888. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

______________________ Dr. Boekmann.

Bekanntmachung.

gTt., .r während der Beurlaubung des Unterzeichneten wird derselbe, soweit nothwendig, mit Bewilligung Großherzoglichen Mnisteriums der Ninanr-,« Abtherlung für Steuerwesen, durch den Großherzoglichen Rechnungsrath Herrn Burger vertreten werden. i

Gießen, 14. Juli 1888. Großherzogliches Steuer-Commissariat Gießen.

_____________________________ Süffert.

m fttrn^rn: 1 Küfermesser, 1 Gummiball, 1 Stock, Fünfpfennigmarken, 1 schw. Shlips, 1 Portemonnaie mit ^nüalt i

»rod&e, 1 Armband, 1 Rock, 2 Münzen, 2 Taschentücher, 1 grauer Handschuh, 1 silb. Engelchen, 1 Leiter, 1 Ausklopfer, 1 "Stück'Kette ' 1 ßetilc

Greßen, 14. Juli 1888. Grobherzogliches Polizeiamt Gießen.

_____ Fresenius.

Politische Ueberficht

Gießen, 14. Juli.

Der Kaiser trat am Freitag Abend von Spandau aus seine Reise behufs der Zusammenkunft mit dem Ezaren an. Den Kaiser begleiten auf der Fahrt nach Rußland folgende Herren vom persönlichen Dienst: General-Adjutant Generalmajor v. Wittich, sowie die Flügel-Adjutanten Kapttain zur See Freiherr v. Seckendorff, Major v. Lippe und Major v. Pfuel. Kapitain zur See v. Seckendorff macht in seiner Eigenschaft als Begleiter des Prinzen Heinrich, welcher bekanntlich als Commandeur der kaiserlichen YachtHohenzollern" axx der 'bevorstehenden Monarchen - Zusammenkunft theilnimmt, die Fahrt mit. Der größere Theil des kaiserlichen Gefolges begibt sich bekanntlich mittelst Extrazuges direct nach Petersburg.

Durch allerhöchsten Erlaß wird bestimmt, daß das bisherige König-Wilhelm Grenadierregiment Nr. 7 und das bisherige Husarenregiment König Wilhelm Nr. 7, fortan denZNamen ihres unvergeßlichen Chefs, des verewigten Kaisers Wilhelm I., zu führen haben. Ein weiterer kaiserlicher Erlaß verfügt, daß das bisherige Kaiser-Gre­nadierregiment Nr. 1 und das Kaiser-Dragonerregiment Nr. 8 fortan den Namen des hochseligen Kaisers Friedrich III. zu führen haben, sowie, daß das Grenadierregiment Kronprinz Friedrich Wilhelm Nr. 11" die Provinzialbezeichnung wieder anzunehmen und demnachGrenadierregiment Kronprinz Friedrich Wilhelm (2. Schlesiisches) Nr. 11" zu heißen hat. Endlich ordnet eine allerhöchste Cabinetsordre vom 4. d. M. an, daß die erste Armee-Jnspection künftig aus dem L, 2., 9. und 10. Armee-Corps, die zweire Armee-Jnspectton aus dem 5. und 6., sowie dem 12. (sächsischen) Armee-Corps besteht.

Zu dem Streite in der serbischen «Snigsfamilie bringt dieNordd. Allg.Ztg." in ihrer Donnerstags-Abend-Ausgabe eine offenbar hochoffiziöse Auslassung, welche etwa lautet: Das serbische Ministerium hatte vor einiger Zeit an die preußischen Be­hörden das Ersuchen gerichtet, ihm zur Rückführung des zwölfjährigen Kronprinzen nach der Heimath behilflich zu sein. Diesem Ersuchen wäre auch stattgegeben worden, , wenn es eine Privatperson beträfe, ein so klares Recht wie die Zurückführung des Kindes zu seinem Vater wird auch dem Ausländer zuerkannt. Im vorliegenden Falle handelt es sich aber nicht nur um die Ausübung der väterlichen Gewalt, sondern auch um die souverainen Rechte des Königs von Serbien über seinen Sohn und Unter- thanen. Die preußischen Behörden richteten daher an die Königin von Serbien die Aufforderung, den serbischen Kronprinzen dem Bevollmächtigten des Königs, Kriegs- Minister Protitsch, auszuantworten. Ihre Majestät weigerte sich, dieser Aufforderung nachzukommen und versuchte mit Gewalt derselben entgegenzutreten, indem sie die Dienerschaft mit Waffen versah. Der königlichen Regierung kann es nicht erwünscht sein, ihre Autorität im Lande nicht anerkannt zu sehen und daß serbische Streitigkeiten in Wiesbaden mit Hilfe der dortigen Polizei ausgefochten werden: sie kann nur wünschen, daß, wenn die Königin Natalie thatlichen Widerstand leisten will, sie ihren Aufenthalt außerhalb Deutschlands nehme. Letzterer Wink war so deutlich, daß er unmöglich mißverstanden werden konnte, und so ist die Königin denn auch gestern Abend 7 Uhr aus Wiesbaden abgereist, um Deutschland zu verlassen. In Serbien selbst beginnt infolge des Verhaltens der Königin Natalie die ihr bislang über­wiegend günstig gewesene Stimmung im Lande ins Gegenthetl umzuschlagen und offen­kundige Anhänger der Königin erklären jetzt, es sei ihre Pflicht, wenn sie nicht zurück­kehren wolle, wenigstens den Thronerben seinem königlichen Vater und seinem Lande zurückzugeben. (Siehe den diesbezüglichen Artikel auf der 2. Seite d. Bl.)

Papst Leo XIII. beschäftigt sich schon wieder mit Entwürfen zu neuen En - cykliken. Die eine derselben soll die Beziehungen zwischen Kirche und Staat ein­gehend darlegen, die andere die sociale Frage behandeln. An letzterer Encyklika arbeitet der Papst, wie es heißt, schon seit fast einem Jahre und soll das betreffende Schrift­stück noch vor Ablauf des gegenwärtigen Jahres der Oeffentlichkeit übergeben werben. Jedenfalls darf man einigermaßen gespannt darauf sein, wie sich Leo XIII. zu einem der wichtigsten, aber auch der schwierigsten Probleme der Gegenwart äußern wird.

In der Donnerstagssitzung der französische« Lep«ttrie«rammer ist es wieder einmal ziemlich lebhaft zugegangen. Der erste Theil der Sitzung wurde durch eine Art Culturkampfdebatte ausgefüllt, indem der ultraradicale Abgeordnete Laffon von der Linken die Unterdrückung aller geistlichen Orden beantragte, wobei er auf die von den Ordensbrüdern in Citeaux begangenen unmoralischen Handlungen hinwies. Von der Rechten wurde der Antrag natürlich energisch bekämpft, während der Minister-

Präsident gioquel, welchem die von L-ffon verlangte Dringlichkeit für seinen Antrag doch etwas unbequem war, die Ueberweisung desselben an die zur Vorbcra.hung der fft°1i k ^d',LD,OrtoIua' Trotzdem sprach sich die Kammer mit 264 gegen2Iv Stimmen für d-e Dringlichkeit aus; einige Mitglieder der Rechten hatten in ihrer Entrüstung schon vorher die Kammer verlassen. Der übrig- Theil der Sitzung gehörte Boulanger, welcher seinen Antrag auf Auflösung der Kammer vorlegte und begründete Der Abgeordnete des Norddepartements hielt wiederum eine gepfefferte Rede, in welcher die Kammer als ohnmächtig und in Trümmern zerfallen dargeftellt wurde wahrend das Land immer lguter den Rus nach Revision der D-rsasfung und Vornahme von Neuwahlen erhebe. Am Schluss- feiner von häufigen Protesten der Rechten unter­brochenen Red- beantragte Boulanger eine Resolution, durch welche die Kammer ihre Ueberzeugung von der Nothwendigkeit allgemeiner Neuwahlen aussprlcht und den Prä­sidenten Carnot auffordert, von dem ihm verfassungsmäßig zustehenden Rechte der Kammerauflosung Gebrauch zu machen. Der Ausgang der Sitzung spitzte sich dra­matisch zu, da nach einem überaus scharfen Wortgefecht zwischen Floquet und Bou­langer, m welches zuletzt der Kammerpräsident Meline gegen letzteren eingriff Bou­langer erklärte, daß er sein D eputirte nmandat niederlege, worauf er mrt seinen Getreuen den Sitzungssaal verließ. Unter großem Lärm ver­hängte alsdann die Kammer die Censur über Boulanger, worauf sie sich bis Montag vertagte. Der Ex-General ist also vorläufig vom parlamentarischen Schauplatze zu­rückgetreten, wahrscheinlich, um sich nun ganz und gar derGasse zu widmen.

gnädigs^ge^cht^' 13 3uIt edne ^gliche Hoheit der Großherzog haben Aller- 30. Ium den Lehrer an der Realschule zu Friedberg Ernst Klein auf sein Nachsuchen, unter Anerkennung ferner langjährigen treuen Dienste, mit Wirkung vom 1. September dss. Js an rn den Ruhestand zu versetzen und demselben zugleich den Charakter alsProfessor" zu verleihen. 6 8 öcn

Telegraphische Depeschen.

Wolsf'S ielegr. Correspondenz. Burearr.

c e Au". Der Kaiser verlieh dem Professor v. Bergmann den Stern

und das Kreuz der Comthure des Hohenzollernschen Hausordens, dem Professor Ger­hardt den Rothen Adlerorden 2. Cl. mit Eichenlaub.

~ Der deutsche Gesandte in Petersburg, General Schweinitz, ist von Karlsbad hier angekommen, um der Petersburger Entrevue beizuwohnen.

Nach der heutigen öffentlichen Bekanntmachung findet die Eröffnung der großen akademischen Kunst-Ausstellung am 15. Juli statt. 8 Oec

Berlin, 13. Juli. Gutem Vernehmen nach ist Prinz Albrecht von Preußen zum Generalinspekteur der ersten Armee-Inspektion, General Caprivi zum Commandeur des 10. Armeekorps ernannt.

, ~ DerPost" zufolge wäre die Ernennung des Mintsterialraths v. Zastrow zum Unterstaatssecretar des Ministeriums des Innern bereits erfolgt.

Potsdam, 13. 3ulL Der Kaiser fuhr heute Abend 10 Uhr 10 Minuten in Spandau^ab^ °U bcm $ampfcrAlexandra" von der Matrosenftation aus nach hier abaBieW,al,ett' 131 3"". Die Königin Natalie reist heute Abend 7 Uhr von .»dern, 13.3ult Der Präsident des Grütlivereins und des Arbeiterbundes bat vom Bundesrath Auskunft erbeten über das Kreisschreiben des Justizdepartements an die kantonalen Regierungen, betr. die politische Ueberwachung von'socialiftischen Ver sammlungen. Der Bundesrath antwortet: Das Kreisschreiben bezweckt einzig über "^che die innere Sicherheit des Landes und der internationalen Beziehungen berühren, ottentirt zu sein. Der Bundesrath wird bei eintretenden 31^6- ?nanäen.rab^r- Gehör schenken: sein Bestreben ist daraus gerichtet,

so viel als möglich die Anforderungen, welche die Sicherheit des Landes an ihn stellt mrt der Achtung vor den individuellen Rechten zu vereinbaren.

Paris, 13-Juli. In dem heute stattgefundenen Duell zwischen Floquet und Boulanger wurde Floquet zweimal leicht (an der rechten Hand und der linken Brust) Boulanger einmal leicht (am linken Schenkel), sodann am Halse verwundet. In Folge der letzteren Wunde entstand ein starker Bluterguß, der die Schwere der Verwundung noch nicht erkennen ließ. B

Paris, 13. Juli. Das Protokoll über das Duell zwischen Boulanger und Floquet constatirt, daß Boulanger am Halse schwer verwundet ist. Die Verletzung be